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söndag, augusti 19

Das Magnus Erikssons Landslag in der Geschichte Schwedens

Bis Magnus Eriksson in Schweden an die Macht kam, hatte jede Region Schwedens ein eigenes Landesgesetz oder Regionalgesetz (Landskapslag), das von den entsprechenden städtischen Gesetzen (Stadslag) ergänzt wurde, weswegen die Forderung nach einem einheitlichen Gesetz auch immer lauter geworden war. Dass Magnus Eriksson dann ein für ganz Schweden einheitliches Gesetz, das Magnus Eriksson Landslag (Magnus Erikssons Landrecht), schaffen wollte, lag jedoch nicht nur an den immer wichtiger werdenden Handelsbeziehungen und dass sich immer mehr Menschen über die Regionen hinaus bewegten, sondern auch daran, dass er, ähnlich den Kirchengesetzen (Kyrkobalken) auch die Rechte des Königs (Konungabalken) in ganz Schweden vereinheitlichen wollte.

Als daher das Magnus Erikssons Landslag im Jahre 1350 in Kraft trat, so fand man ein einheitliches Gesetz, das gleichzeitig zahlreiche ältere Regeln und Bestimmungen vollständig aufhob und daher auch auf die Gesellschaftsstruktur einen gewissen Einfluss hatte. Zum einen wurde der Träl, also der Leibeigene, im gesamten Reich abgeschafft, was einen großen Teil der Ausbeutung verhinderte, da die Leibeigenschaft in manchen Regionen vererbt worden waren. Eine andere wichtige Änderung war, dass das Våldgästing der Ritter extrem eingeschränkt wurde, diese sich also nicht mehr auf Kosten der Bauern des Landes überall einquartieren konnten und sich und die Pferde dort kostenlos ernähren durften. Auch das Recht des Königs auf die Rechtssprechung einzuwirken wurde beschränkt, was der erste Schritt zu einer Trennung zwischen königlicher und weltlicher Macht war.

Natürlich war auch das tägliche Leben von dem neuen Magnus Erikssons Landslag betroffen, denn auch die Eheschließung wurde im Giftobalken allgemein geregelt, so dass der Frau nach der Ehe unmittelbar ein Drittel des gesamten Eigentums gehörte und sie das sogenannte Schlüsselrecht erhielt. Eine Ehe konnte allerdings nur mit Genehmigung der Eltern der Braut eingegangen werden, da diese sonst das Erbrecht verlor.

Im neuen Gesetz von 1350 legte Magnus Eriksson auch fest, dass ein König gewählt werden musste und er anschließend die Eriksgatan (Erichstraße) entlang reisen musste um von den regionalen Herrschern als König des gesamten Landes anerkannt zu werden, eine Gesetz, das man bei den heutigen Monarchien nahezu als Revolution gegen die Königsmacht betrachten würde.

Natürlich ersetzte das Magnus Erikssons Landrecht nicht im ganzen Reich bereits im Jahre 1350 sämtliche Landschaftsgesetze (Landskapslagar), denn jedes Reich musste es erst anerkennen, so dass erst Ende des 14. Jahrhunderts das neue Gesetz nominell in ganz Schweden galt. Die erste Gegend Schwedens, die das neue Gesetz übernahm, war das Gebiet um den Mälaren, gefolgt von Dalarna. Am meisten Vorbehalte gegen ein übergreifendes Gesetz hatte das Västergötland, das glaubte durch die Anerkennung auch die Autonomie zu verlieren. In dieser Zeit hatte Magnus Eriksson längst auch die Gesetze für die schwedischen Städte, das Magnus Erikssons Stadslag in Auftrag gegeben.

Die wichtigsten Einflüsse des Magnus Erikssons Landslag kommen aus den Landslagarna des Upplands, des Östergötlands und des Västmanlands. Da die katholische Kirche um diese Zeit bereits landesweit ein eigenes Kirchenrecht hatte und Magnus Eriksson sich nicht in die Geschäfte der Kirche einmischen wollte, da die katholische Kirche im 14. Jahrhundert eine nahezu unbegrenzte Macht hatte, gibt es im Magnus Erikssons Landslag keinen Kyrkobalken (Kirchengesetzt).

Das Magnus Eriksson Landrecht, das in zahlreichen, teilweise reich verzierten Abschriften existiert, wurde bereits 1442, unter Kristofer av Bayern (Christoph von Bayern) durch eine revidierte Fassung, das Kristofers Landslag, ersetzt, was jedoch in Wirklichkeit wenig Bedeutung hatte, da es bis 1608 dauerte bis dieses revidierte Gesetz tatsächlich allgemein anerkannt wurde. In ganz Schweden wurden sowohl im 15. als auch dem 16. Jahrhundert beide Gesetzessammlungen parallel verwendet.

Einige Illustration des Magnus Erikssons Landslag können auf der Site der Universitätsbiliothek in Upssala betrachtet werden.

Den Gesamttext des Magnus Erikssons Landslag in Altschwedisch bietet der Site der Universität Lund.


Copyright: Herbert Kårlin
 

måndag, augusti 13

Der Anundshög von der Steinzeit bis zum späten Mittelalter

Der Anundshög (Anundshügel), nur wenige Kilometer von Västerås und dem Mälaren entfernt, gehört mit zu den interessantesten Stellen der schwedischen Geschichte, da dieser langgestreckte Hügel bereits etwa ab 2500 vor Christus, also im Neolithikum, bewohnt war und dann bis zum Ende des Mittelalters eine wichtige Bedeutung für Handel, aber auch das frühe schwedische Rechtswesen und als kulturelles Zentrum hatte.

Zur Zeit der ersten Besiedlung lag der Anundshög, der auch unter Badelunda bekannt ist, und im Prinzip nur das größte Steinhügelgrab auf der Anhöhe bezeichnet, noch direkt am Wasser und hatte daher den Vorteil sowohl über Wasserwege als auch über Landwege zu verfügen, eine Voraussetzung für den frühen Handel in Schweden.

Während man über das Leben der Frühzeit sehr wenig weiß, so war die Stelle an der sich der Anundshög befindet, bereits zur Zeit der schwedischen Völkerwanderung ein Wohnplatz, da die Feuerstelle, die unter dem Steinhügelgrab gefunden wurde nach der C14-Messung noch vor dem Jahre 540 entstanden ist. Die Steinhügelgräber und die Schiffssetzungen wurden erst später errichtet, was auch gleichzeitig bedeutet, dass die Umgebung während der Epoche der Wikinger weiterhin benutzt wurde und vermutlich auch für rituelle Ereignisse von Bedeutung war.

Unter den zehn Steinhügelgräbern, fünf Schiffssetzungen, 14 Bautasteinen und einem Runenstein auf dem der Name Anund genant wird, spielt das Grab Anundshög eine besondere Rolle, denn hierbei handelt es sich um das, wenn auch durch Ausgrabungen beschädigte, größte Steinhügelgrab Schwedens mit einem Durchmesser von knapp 68 Metern und einer Höhe von neun Metern. Diese Größe war auch der Anlass, warum man der Meinung war, dass dort ein mächtiger König begraben war, der, auf Grund des Runensteines, als Anund bezeichnet wurde. Diese Meinung wurde noch bestärkt durch die Tatsache, dass das Grab gegen 900 nach Christus entstanden war, also zur Zeit als die Wikinger am Mälaren eine bedeutende Rolle spielten.

Aus Briefen, die zwischen 1355 und 1437 geschrieben wurden, geht hervor, dass an dieser Stelle im Mittelalter das Allting abgehalten wurde, was wiederum vermuten lässt, dass am Anundshög die Eriksgatan (Erichsstraße) entlang führte. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass es sich bei dem Gesamthügel um eine Fundstelle größter Bedeutung für die schwedische Geschichte handelt, denn kaum eine Stelle des Landes kann an Hand von Fundstellen eine rund 4000 Jahre lange Geschichte erzählen.

Nach Johan Peringskiöld, einem Runenforscher und Archäologen des 17. Jahrhunderts sollte im Anundshög entweder ein König oder aber ein Riese begraben liegen. Bis heute lässt sich jedoch davon nichts beweisen, so dass immer noch jede Theorie zulässig ist, die Wahrheit jedoch wohl kaum zu Tage treten wird.

Alle Funde deuten darauf hin, dass sich am Anunshög bis zur vollständigen Christianisierung des Landes ein Machtzentrum Schwedens befand, also ein Königreich existierte, das vermutlich ein Gegenpol zu jenem bei Uppsala und Sigtuna war, aber es ist schwer zu sagen warum diese Stelle im späten Mittelalter plötzlich aufgegeben wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, augusti 2

Die Rolle der Eriksgatan in der schwedischen Geschichte

Während des Mittelalters war jeder neu gewählte König Schwedens gezwungen alle Landschaften seines Reiches zu besuchen um von den dortigen Lagmän offiziell anerkannt zu werden. Diese erste Reise durch sein Land wurde als Eriksgatan (Erichstraße) bezeichnet, wobei man sich über die Etymologie des Begriffes nicht ganz einig ist. Die mehrheitliche Meinung ist, dass der Name Erik in seiner ursprünglichen Meinung gemeint war, also als „der einsame Herrscher“ zu bezeichnen ist und „gata“ als Reise zu übersetzen ist.

Wann ein König erstmals die Eriksgatan nehmen musste, ist unbekannt. Zum ersten Mal genannt wird sie in der Västgötalagens kungalängt, als der König Ragnvald Knaphövde in den Jahren 1125/1126 die Eriksgatan (Erichstraße) entlang ritt, auch wenn er die Reise nicht beenden konnte, da er von den Västgötar ermordet wurde.

Als nächstes wird die Eriksgatan von Saxo Grammaticus dann gegen das Jahr 1200 genannt, ohne dass man in der Gesta Danorum jedoch einen Hinweis findet welcher König diese Reise unternahm. Auch im Upplandslagen von 1296 findet man im Kungabalken (königlichen Gesetze) lediglich die Hinweise darüber, in welchen Landschaften Schwedens sich ein König bestätigen lassen musste, nicht jedoch die Namen der betroffenen Herrscher.

Der erste schwedische König, dessen Reise offiziell dokumentiert wurde, war Magnus Eriksson im Jahre 1335, wobei im Magnus Erikssons landslag von 1350 die damalige Route als solches relativ genau beschrieben wurde. In diesem Landschaftsgesetz (landskapslag) findet man selbst den Hinweis zur Geiselnahme, die bei Ankunft in einer neuen Region nötig war, ein Problem, das Ragnvald Knaphövde zum Verhängnis geworden war.

Die genaue Route der Eriksgatan ist nicht bekannt und hat sich vermutlich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geändert, zumal auch die Wege kaum mit den heutigen verglichen werden können. Der Ausgangspunkt war jedoch in jedem Fall der Stein von Mora (Mora Stenar), wo die Könige gewählt wurden bis Gustav Vasa die Königswahl abschaffte. Von dort aus ging es mit dem Kreislauf der Sonne durch sämtliche Regionen des Landes, die jeweils der schwedischen Krone unterstanden. Wichtig war, dass der König ein Gefolge bei sich hatte, damit er auch als König erkannt werden konnte, und dass er an der Regionsgrenze eine bedeutende Geisel zu sich nahm, die ihm die Sicherheit in der entsprechenden Landschaft garantierte.

Wenn man das Upplandslagen (Upplandsgesetze) liest, so musste der König erst von den drei Volksländern (folklanden) im Uppland gewählt werden und anschließend von den Södermännen, Östgötar, Tio Härads, Västgötar, Närkingar und dem Västmäns Ting bestätigt werden, bevor er tatsächlich als der König Schwedens anerkannt war. Die Bestätigung fand jeweils während einer Thingversammlung durch das Thing und den Lagman der entsprechenden Region statt.

Nachdem Gustav Vasa zum König geworden war und die Königsfolge erblich geregelt worden war, hatte die Eriksgatan im Grunde seine Bedeutung verloren. Dennoch gab es auch noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts einige Könige Schwedens, die die Tradition aufrecht hielten. So ist bekannt, dass Karl XI., Fredrik I., Adolf Fredrik und Gustav III. die Eriksgatan entlang ritten um, zumindest symbolisch, zu zeigen, dass sie die Herrscher des schwedischen Reiches waren und die einzelnen Regionen mit ihren Eigenheiten respektierten.

Auch in jüngerer Zeit spricht man in Schweden wieder von der Eriksgatan, denn seit Gustaf VI. Adolf an die Macht kam, bezeichnet man jede Rundreise eines herrschenden Königs in Schweden als Eriksgatan, auch wenn dies keinerlei symbolische Bedeutung mehr mit sich bringt und sich der Aufenthalt nicht auf die wichtigsten Zentren des Landes beschränkt.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, juli 6

Die Schlacht bei Örebro

Die Schlacht bei Örebro (Slaget vid Örebro) im Jahre 1161 gehört mit zu den weniger bekannten Schlachten, die auf Grund von Kämpfen über den schwedischen Thron erfolgten, obwohl in der Epoche zwischen 1110 und 1210 nicht weniger als dreizehn Könige aufeinander folgten und die meisten unter ihnen eines gewaltsamen Todes starben. Der Slaget vid Örebro war dabei vielleicht deshalb so herausragend, weil sich hier zwei Könige auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden und nicht Intrigen und Mord den Tod eines Herrschers verursachten.

Bei der Schlacht von Örebro standen sich Magnus Henriksson, der König des Svealands und Karl Sverkersson, der König des Östergötland gegenüber. Die Ursache des Kampfes war die Tatsache, dass Magnus Henriksson den König Erich den Heiligen ermorden lassen hatte um an den schwedischen Thron zu gelangen. Eriks Sohn Knut Eriksson wollte den ursprünglich dänischen Fürsten daraufhin vertreiben, musste letztendlich jedoch selbst die Flucht nach Norwegen ergreifen.

Magnus Henriksson rechnete jedoch nicht mit einem anderen Feind, nämlich Karl Sverkersson, der die Krone für das Sverkerska ätten zurückholen wollte und dabei die Unterstützung der Östgötarna hatte, die ihn dann beim Kampf bei Örebro unterstützen, bei dem Magnus Henriksson getötet wurde.

Man kan sich natürlich fragen, warum die Schlacht ausgerechnet bei Örebro stattfand, da der Ort um diese Zeit zwar von strategischem Interesse war, jedoch noch kaum eine Bedeutung hatte und erst rund 100 Jahre nach dem Slaget vid Örebro befestigt wurde. Der Ort war jedoch aus dem Grund gewählt, da dort die sogenannte Eriksgatan entlang führt, ein Weg, den jeder schwedische König nehmen musste um von den verschiedenen Lagmän bestätigt zu werden. Die Eriksgatan, die bei den Mora stenar beginnt, hatte seit spätestens Mitte des 12. Jahrhunderts bereits eine symbolische Bedeutung für die Königsmacht und Örebro spielt dabei eine strategisch wichtige Rolle wo ein Kampf zwischen den beiden Königen für Karl Sverkersson bedeutende Vorteile bot und Magnus Henriksson kaum auf Verstärkung hoffen konnte.

Aber auch wenn Karl Sverkersson bei dieser Schlacht als Sieger hervorging und damit zum König ganz Schwedens wurde, brachte ihm der Sieg nur eine kurze Zeit als Herrscher, denn bereits sechs Jahre später wurde er selbst auf Visingsö ermordet.

Copyright: Herbert Kårlin