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onsdag, oktober 3

Als auf dem Söderåsen noch der Strand der Ostsee war

Es gibt in Schweden nur wenige Zeugen der Geschichte an denen man die Bedeutung der Landhebungen wirklich spüren kann und selbst an der Höga Kusten, wo sich das Land seit der Eiszeit um rund 800 Meter gehoben hat, fordert nahezu geologische Kenntnisse, damit man dieses Phänomen tatsächlich fassen kann. Für geologische Laien gibt es jedoch ein weitere Stelle in Schweden, wo man ohne jede Vorkenntnisse die Landhebungen zu sehen bekommt, wenn sie hier auch „nur“ etwa 160 Meter ausmachen.

Wer entlang den Wanderwegen des Naturschutzgebiets auf dem Söderåsen, das knapp zehn Kilometer südöstlich von Hofors leigt, die einzigartige, wenn auch karge, Natur betrachtet, stößt plötzlich auf langgezogene Geröllfelder, die sich alle auf dem gleichen Höhenniveau befinden. Wenn man die Steine in die Hand nimmt, so stellt man fast, dass sie einst vom Wasser ihre Form erhielten. Wenn man nun diese Felder mit den Geröllstränden an den heutigen Küsten vergleicht, so versteht man, dass vor 10.000 Jahren hier der Strand der Ostsee war und die Wellen den Steinen ihre Form gab. Und man kann sich vorstellen um wie viel sich die Erde hier gehoben hat als die Last der Eismassen langsam verschwand.

Wenn man sich anschließend vorstellt wie die schwedische Landschaft wohl früher ausgesehen hat, als sie von den ersten Jägern besucht wurde oder auch noch als die Wikinger ihre Häfen angelegt haben und die Landhebung bereits erheblich fortgeschritten war, so versteht man, warum die Funde der Steinzeit nur auf höheren Lagen stattfinden und warum so manche Stadt während der Eisenzeit verlagert werden musste, da durch das Phänomen der Landhebung plötzlich kein Zugang mehr zur Ostsee bestand.

Um sich die Entstehung der heutigen schwedischen Küste im Gästrikland in vollem Ausmaß vorstellen zu können, so kann man noch auf die 253 Meter hohe Spitze des Söderåsen wandern und sich vorstellen, wie die Landschaft aussah als das Wasser 160, 100 oder auch nur 50 Meter höher stand als heute. Aber die Landschaft im Gästrikland ändert sich immer noch, da die Landhebung nicht abgeschlossen ist, nur dass die Veränderungen nun sehr viel langsamer vor sich gehen.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, augusti 11

Atoklimpen, der heilige Berg der Sami in der Geschichte

Atoklimpen, der heilige Berg der Sami dessen Namen nicht genannt werden darf, ist heute Teil eines Naturreservats mit zahlreichen historischen Denkmälern in dem die südlichen Sami ihre Rentiere halten. Der Atoklimpen („Dieser Berg dort“) bekam seinen Ruf vermutlich auf Grund seines merkwürdigen Aussehens, da er eine mehrfach gezackte Krone an seinen höchsten Stellen zeigt und je nach Lichtveränderungen auch seine Farbe ändert.

Wann die Sagenwelt der Sami, die sich dort vermutlich aufhalten seit das Eis der Weichsel-Eiszeit zurückgegangen ist und die erste Vegetation menschliches Leben erlaubte, in die Geschichte übergeht, ist auch nach allen Funden und Ausgrabungen sehr schwer zu sagen und selbst die archäologischen Funde haben noch heute für viele Sami eine andere Bedeutung als für die wissenschaftliche Welt Schwedens.

Nach samischer Tradition ist der Atoklimpen ein heiliger Berg um den unzählige Sagen und Legenden kreisen. Da es sich bei dieser Anhöhe, die gerade einmal 1006 Meter über das Meeresniveau ragt, auch um wichtigen Opferplatz der Sami handelte, das Gestein sehr hart ist und Tiere mit Sicherheit viele Stellen mit historischen Resten zerstörten, geben die Funde relativ wenig Auskunft über das tatsächliche Alter der Gräber und der anderern Funde.

Als Ernst Manker, ein Ethnograph, der vor allem die Geschichte der Sami erforschte, 1950 ein Grab bei Risbäcken. also direkt am Atoklimpen, untersuchte, das 250 Zentimeter lang und 125 Zentimeter breit war, so stellte er fest, dass auf dem Boden des Schiefersarges Rinde lag und der Tote selbst auf einem samischen Schlitten (Ackja) bestattet worden war. Nach samischer Tradition sollte es sich beim Toten um den „Schattenmann“  (Suoivengella) handeln, der in der samischen Denkweise extrem groß und stark war.

Die Untersuchungen der Knochen zeigten dann, dass es sich bei dem Toten um einen Mann handelte, der zwischen 30 und 40 Jahren als war, kräftig gebaut war und 160 Zentimeter groß war. Nach der C14-Analyse war der Tote im 15. Jahrhundert begraben worden.

Als man im Jahre 2001 die Umgebung des Grabes erneut gründlich untersuchte, so fand man eine Axt und ein Messer, die ebenfalls im 15. Jahrhunderte hergestellt worden waren und daher unter Umständen zum „Schattenmann“ gehörten.

Nach samischer Überlieferung lebte Ende des 18. Jahrhunderts der Schamane Anders Jonsson Lorvat in der Nähe des Grabes, eine sagenumwobene Person, die auch als der „Nortman“ bezeichnet wurde und opferte den Göttern des Berges regelmäßig Renfleisch, einen Vogel und einen Fisch, damit die Götter ihm bei der Rentierhaltung, der Jagd und dem Fischfang wohlwollend waren. Aber auch diese Gestalt kann geschichtlich nicht bestätigt werden, sondern lebte und lebt mit den Erzählungen der Sami.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, juni 14

Die ersten Menschen in Schweden

Wenn man von den ersten Menschen in Schweden spricht, so sprechen die Archäologen und Geschichtswissenschaftler des Landes von drei unterschiedlichen Gruppen und Problemen, denn die erste Frage lautet, ob sich bereits vor der letzten Eiszeit Menschen in Schweden befanden, die zweite Frage ist, wann die ersten Jäger nach Beginn der Eisschmelze auftauchten und die dritte Frage betrifft die Herkunft der ersten Menschen beider Kategorien.

Da man in Atapuerca in Spanien, in Tautavel in Frankreich und in Damanisi in Georgien Skelette und Steinwerkzeuge fand, die über 500.000 Jahre alt sind, liegt die Frage nahe, ob es in dieser vorgeschichtlichen Epoche nicht auch in Skandinavien Menschen gab. Diese Frage ist jedoch, gerade wegen der letzten Eiszeit und den geografischen Veränderungen Schwedens kaum zu beantworten, denn falls es vor der Weichsel-Eiszeit Menschen in Schweden gab, so wurden alle Knochen und Gerätschaften dieser Epoche durch Gletscher und Moränen entweder zerquetscht oder aber verlagert und liegen tief im Fels eingebettet. Die Chance eine brauchbaren Fund aus dieser Vorzeit zu machen, ist daher noch geringer als eine Nadel in einem Heuhaufen zu finden.

Natürlich gab es immer wieder Archäologen, die Funde vorlegten, die auf Menschen vor der letzten Eiszeit hindeuteten, aber ein Teil der Funde verschwand mittlerweile auf unerklärliche Weise und die Fundstücke können daher nicht mehr mit modernen Methoden untersucht werden, oder aber es handelt sich um einige wenige Flinte, also Gesteinssplitter, die auf eine menschliche Präsenz schließen lassen könnten, die aber auch auf natürliche Weise entstanden sein können. Das Alter dieser wenigen Flinte sagt aus diesem Grund wissenschaftlich gesehen sehr wenig aus. Es ist daher zu befürchten, dass man die erste Frage der Archäologen nach einer menschlichen Existenz vor der letzten Eiszeit nie beantworten kann.

Auch die Ankunft der ersten Menschen nach der Eiszeit ist kaum einzugrenzen, da ein Fundort, auf Grund der Erdbewegungen, Moränen und der Landhebung, nicht der Ort sein muss an dem sich auch Menschen aufhielten, die genaue Datierung der wenigen Fundstücke sehr schwierig ist und vermutlich noch mehr in Fels und Erde verbogen liegt als bisher überhaupt gefunden wurde. Man kommt daher auch durch die Simulation der Eisschmelze nur zu einem halbwegs klaren Ergebnis und nimmt an, dass die ersten Jäger Schwedens zwischen 12.000 und 9000 vor Christus in Skåne (Schonen) ankamen, nicht zuletzt deswegen, weil hier eine Landverbindung zum heutigen Dänemark und Deutschland existierte, da das Wasserniveau damals über 100 Meter tiefer lag als heute. Es ist jedoch ebenso möglich, dass der erste Jäger bereits 1000 oder 2000 Jahre früher seinen Fuß auf das heutige Schweden setzte, da bereits zu dieser Zeit Stellen in Schweden eisfrei waren und erste Tiere existierten.

Und auch die dritte Frage ist nicht eindeutig zu beantworten, da die Geografie Schwedens sowohl vor der letzten Eiszeit als auch zur Zeit als das Eis zu schmelzen begann, nicht mit der heutigen Geografie zu vergleichen ist.

Ob daher die ersten Jäger aus dem östlichen Raum oder dem südlichen oder südwestlichen Raum kamen, kann heute niemand sagen. Ebenso wenig weiß man welche Strecke sie zurücklegten oder warum sie sich nach dem unwirtlichen Norden aufmachten, denn aus klimatischen Gründen wäre eine Bewegung nach Süden weitaus logischer gewesen. Handelte es sich daher um eine Art Völkerwanderung? Waren diese nomadischen Jäger Ausgestoßene, die keine andere Wahl hatten als in Schweden ihr Glück zu suchen? Niemand kann diese Frage eindeutig beantworten so lange man nicht über mehr Fundstücke aus dem Paläolithikum (Altsteinzeit) verfügt, die einen eindeutigen Vergleich mit Fundstücken anderer Kulturen zulassen.

Und selbst diese Vergleiche werden Fragen offen lassen, da die Bearbeitung eines Steins auch von der Art des Steins abhängt, also auch die Form der ersten Werkzeuge und Waffen nicht sehr viel aussagen muss. Genau genommen kann man nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob diese ersten Jäger permanent im alten Schweden lebten oder nur zur Jagd kamen, denn die Theorie, dass es sich nur um kurzzeitige Aufenthalte handelte, baut auf die wenigen Fundstellen und unsere heutige Denkweise, die uns sagt, dass die Winter der frühen Steinzeit in Schweden zu hart für einen permanenten Aufenthalt waren.

Vielleicht folgten aber die ersten Jägern auch ganz einfach den Bewegungen der Jagdbeute, also den Tieren. Aber dies werden wir nur erfahren, wenn neue Fundstellen ausfindig gemacht werden können, was jedoch durch die maschinelle Bautechnik der heutigen Zeit immer unwahrscheinlicher wird, da hierbei eine Steinaxt oder eine Pfeilspitze eher zerstört als entdeckt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, juni 7

Das Mammut in der schwedischen Geschichte

Auf Grund der Eiszeit, vor allem dem Druck des Eises und der Bewegung der Gletscher, und der geringen Funde kann man heute nicht mehr sagen wann die ersten Mammuts (Mammuthus primigenius) in Schweden gelebt haben und in welchen Regionen des Landes die Tiere vorkamen. Sicher ist jedoch, dass das Mammut während der Eiszeit und zu Beginn des Paläolithikum (ältere Steinzeit) in größeren Teilen Schweden vorkam.

Untersuchungen des jüngsten Fundes von Stoßzähnen bei Lockarp in Skåne beweisen, dass dieses Tiere etwa 11.000 Jahre vor Christus in Schweden lebte, also zu einer Zeit als bereits die ersten Jäger in Südschweden unterwegs waren, die vermutlich die Tiere auch jagten. Die ältesten Tiere, die man bisher nachweisen konnte, lebten bereits vor rund 30.000 Jahren im Land, einer Epoche, als nahezu ganz Schweden von Eis bedeckt war.

Das Wollhaarmammut, auch sibirisches Mammut genannt, lebte gewöhnlich an der Grenze zwischen Tundra und Eis, was jedoch die Lokalisierung der Tiere im urzeitlichen Schweden etwas erschwert und manche Fragen mit sich bringt, da man unter den rund 30 Fundstellen des Landes auch Zähne und Knochen der Tiere im Jämtland fand, die Eismassen aber alles, was sich auf ihrem Weg befand, mit den Gletschern Richtung Süden bewegte. Da Mammuts sich von Pflanzen ernährten, so bedeutet dies auch, dass nicht ganz Schweden durchgehend von Eis bedeckt sein konnte.

Auch wenn die Funde von Zähnen, Stoßzähnen und Skelettteilen von Mammuts relativ gering sind und neue Funde wegen dem Einsatz von Maschinen beim Straßenbau nahezu ausgeschlossen sind, so folgen diese Funde aus den 30er und 40er Jahren einem gewissen Muster. Die meisten Funde konnte man im Südwesten Schwedens und in Lappland machen. Durch Altersbestimmungen der Zähne und Skelette kann man heute die Bewegungen des Eises oder auch Erwärmungen des Landes während der Eiszeit nachweisen, ein Forschungsgebiet mit dem sich gegenwärtig die Universität in Lund beschäftigt.

Den bedeutendsten Fund konnte man 1944 bei Pilgrimstad im Jämtland machen, wo man, außer Zähnen eines Mammuts, auch neun Skelettteile fand. Die Mammuts in Jämtland, oder nördlicher, lebten dort bereits mehrere Tausend Jahre bevor die ersten Menschen in die Gegen kamen, und fanden ausreichend Nahrung um zu überleben. Die Frage bleibt jedoch, ob sie dann wegen Kälteeinbrüchen starben oder aber rechtzeitig einen Zugang zur nahezu eisfreien Küste im Süden oder Südosten hatten.

Bei den acht Funden von Mammutzähnen, Stoßzähnen und Oberschenkeln in Skåne sind sich die Forscher sicher, dass die Tiere weiter im Norden lebten und durch die Bewegung der Gletscher an die Fundstellen gebracht wurden. Da das älteste der entdeckten Tiere vor rund 30.000 Jahren lebte, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit ein ganzer Teil Südschwedens eisfrei war und, theoretisch, um diese Zeit bereits andere Tiere in Südschweden gelebt haben. Dass bereits während der Eiszeit Menschen nach Schweden kamen ist jedoch kaum wahrscheinlich, da selbst in Deutschland die ältesten menschlichen Knochen des Homo sapiens nicht älter als 14.000 Jahr alt sind.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, april 10

Die ältere Steinzeit (Paläolithikum) in Schweden

Das Paläolithikum, die älteste Epoche der Steinzeit, erstreckt sich in Schweden von etwa 13.000 vor Christus bis 10.000 vor Christus, wobei es einigen Teilen Schwedens sogar bis 8000 vor Christus reicht und damit eine sehr große geschichtliche Epoche umfasst, die unmittelbar der Weichsel-Eiszeit folgte. Da sich das Inlandeis sehr langsam zurückzog, konnte man im südlichsten Teil Schwedens, dem heutigen Skåne, bereits erste Menschen nachweisen, als Nordschweden noch unter einer dicken Eisschicht verborgen war.

Nach den verschiedenen Funden, die zu Beginn des Paläolithikum sehr sparsam sind und sich dann im Laufe der Jahrtausende häufen, unterscheidet man bei der Altsteinzeit drei verschiedene Beisiedlungsepochen, die man als Hamburg-Kultur, Bromme-Kultur und Ahrensburg Kultur bezeichnet. Diese drei Gruppen an Jäger-Kulturen kann man insbesondere an der Art der Waffen, die sie benutzten, unterscheiden.

Auch über die Tier- und Pflanzenwelt der Altsteinzeit weiß man relativ wenig, da man während der Altsteinzeit sehr starke Klimaschwankungen verzeichnete, die die Tundravegetation nur sehr langsam fortschreiten ließ, was vermutlich auch dazu führte, dass das Wollhaarnashorn, das Mammut und die Riesenhirsche sehr früh in Schweden ausstarben und Rentiere, Wölfe und Schneehasen, die sich vom Süden aus ausbreiteten, dann ihren Platz einnahmen.

Auf Grund der starken klimatischen Schwankungen und der relativ geringen eisfreien Fläche zu Beginn des Paläolithikum, kann man davon ausgehen, dass sich frühestens mit der Ahrensburger Kultur Menschen auch über eine längere Epoche auf schwedischem Boden niederließen oder sich eventuell einzelne Gruppen sogar bereits hier festsetzten..

Noch heute verfügen wir über sehr wenig Kenntnisse über die schwedische Altsteinzeit, da man zu wenige Fundstellen auf schwedischem Boden zählt. Vieles, was man heute als gegeben nimmt, sind Erkenntnisse aus dem dänischen und norddeutschen Raum, also den Stellen von denen aus vermutlich die ersten Jäger nach Schweden aufbrachen.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, januari 29

Die Landhebung oder Landerhebung in Schweden

Nach der letzten Eiszeit nahm der Druck auf die Erdrinde ab und erlaubte es ihr daher wieder zur ursprünglichen und stabilen Lage zurückzukommen. Genau genommen ist dieser Prozess bis heute nicht abgeschlossen und wird, wenn auch immer langsamer, noch weitere 10.000 Jahre fortsetzen und damit die schwedische Landschaft maßgeblich verändern.

Während der Eiszeit war Schweden von einer Eisschicht von bis zu vier Metern bedeckt, was die poröse Erdkruste zusammendrückte. Erst als das Eis verschwand, dehnte sich die Erde wieder aus, was bedeutet, dass Schweden während den folgenden Epochen sein Gesicht ständig veränderte. Die Fundstellen aus der Steinzeit sind daher alle nur auf Anhöhen zu finden und selbst Inseln der Bronzezeit wurden erst in den folgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden zu Festland. Wer sich daher für das Schweden der vergangenen Epochen interessiert, muss die Landhebungen oder Landerhebungen mit berücksichtigen. Birka, um nur ein Beispiel zu nennen, hatte einen direkten Zugang zur heutigen Ostsee und befand sich auf einer Insel, die nur mit Booten zugänglich war.

Forschungen, vor allem in Nordschweden, seit dem 18. Jahrhundert belegen, dass die Landhebungen beim Rückgang der Eisschicht erst 75 Millimeter im Jahr ausmachten, dann auf 25 Millimeter im Jahr schrumpften und das heutige Maximum (bei Skellefteå) nur noch zehn Millimeter ausmacht. Im Laufe der Jahrtausende wird sich dies permanent weiter reduzieren.

Es ist auch logisch, dass die Landerhöhung von der Dicke des ursprünglichen Eises abhängt und daher an der nordschwedischen Küste am deutlichsten in Erscheinung trat und im südlichen Skåne davon weitaus weniger bemerkt wird. Da man in Nordschweden in den kommenden 10.000 Jahren mit einer weiteren Erhöhung von bis zu 100 Metern rechnen kann, wird sich in dieser Zeit Schweden weiterhin verändern. Manche Seen werden verschwinden, andere eine andere Form annehmen oder auch größer werden. Einige der Schären werden sich selbst dem Festland anschließen. Wer an der Höga Kusten im Ångermanland 100 Jahre alt wird, kann noch heute eine Landerhebung von rund einem Meter persönlich erleben.

Inwieweit die Landhebungen den schwedischen Küstenstreifen verändern werden wird allerdings auch von den Klimaveränderungen abhängen, die das Wasserniveau der Meere ständig steigen lassen. In Skåne oder Westschweden kann es dadurch selbst dazu kommen, dass trotz der jährlichen minimalen Landerhebung ein Teil des Landes an das Wasser abgegeben wird und optisch ein Teil des Landes untergeht.

Als Anders Celsius im Jahre 1765 erstmals die Landerhöhungen untersuchte, so kam er noch zur Schlussfolgerung, dass Wasser verdampft und daher verschwindet, die Erde also eine unveränderliche Masse sei. Der Schotte Thomas Jamieson vertrat dann 1865, also hundert Jahre später, die Theorie einer Landerhebung nach der Eiszeit, wobei diese Theorie jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann auch allgemein akzeptiert wurde.

Die Landhebungen haben allerdings nicht nur die Geographie des Landes verändert, sondern auch auf die Geschichte eingewirkt, da im Laufe der Jahrhunderte ganze Städte verlagert wurden, so dass man auf der Suche nach der Vergangenheit manche heutige Stadt, zum Beispiel Uppsala, Stockholm, Umeå, Vasa oder Torneå dort suchen muss, wo sie sich während der Gründung befand und nicht dort, wo sie sich heute befindet.
Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, januari 12

Die Steinzeit in Schweden

Die Steinzeit in Schweden bezeichnet jene Epoche, in der die Geschichte des menschlichen Lebens im Lande begann und umfasst die Zeit zwischen etwa 13.000 vor Christus und 1500 vor Christus und schlisst sich daher der letzten Eiszeit an. Dies erklärt auch, warum die Steinzeit im Süden Schwedens weitaus früher begann als im Norden.

Die Steinzeit wird in Schweden üblicherweise in drei Epochen eingeteilt, nämlich das Paläolithikum (13.000 v.Chr. - 10.000 v. Chr.), auch ältere Steinzeit oder Jägersteinzeit genannt, und in die Hamburg-Kultur, die Bromme-Kultur und die Ahrensburg Kultur unterteilt wird, das Mesolithikum oder die Mittlere Steinzeit (10.000 v. Chr. - 4000 v. Chr.), ein Zwischenstadium, das auch als die Zeit der Jäger und Sammler bezeichnet wird und, je nach Region, drei oder vier Kulturgruppen  umfasste und das Neolithikum (4000 v. Chr. - 1500 v. Chr.), die jüngere Steinzeit, die auch oft als Bauernsteinzeit betrachtet wird und in der man drei verschiedene Kulturgruppen nachweisen konnte, die allgemein als frühes Neolithikum (Frühneolithikum), mittleres Neolithikum und spätes Neolithikum bezeichnet werden..

Die ältesten Fundstücke, die beweisen, dass sich in Schweden Menschen aufhielten, gehen auf das Endstadium der älteren Steinzeit zurück, was jedoch nicht bedeutet, dass nicht bereits etwas früher Menschen den Boden Schwedens betreten haben, da Steinwerkzeug aus dieser Epoche nur sehr schwer zu finden ist und auch meist während der späteren Besiedlung Schwedens zerstört wurde.

Als Übergang von der älteren Steinzeit der Jäger und Fischer zur mittleren Steinzeit betrachtet man die Epoche in der die Tundra in Südschweden verschwindet und mit ihr auch Tiere wie Mammut, Riesenhirsch oder Wollnashorn. Das Verschwinden dieser Tiere zwang die Menschen vermutlich dazu immer mehr auf Fischfang, die Jagd auf Kleintiere und eine Ergänzung aus vegetarischer Nahrung zurückgreifen, wobei man allerdings bedenken muss, dass zu Beginn des Mesolithikum das Wasser um bis zu 120 Meter höher stand als heute, da die Landhebungen gerade erst eingesetzt hatten. Alle Fundstücke dieser Epoche werden daher an höheren Stellen des Landes gefunden. Auch die Ostsee gehörte damals noch zu den Salzmeeren und wurde daher von anderen Fischen als heute bevölkert.

Während man weiß, dass sich im Laufe der älteren Steinzeit die ersten Menschen nicht fest in Schweden ansiedelten, weiß man in dieser Hinsicht über die mittlere Epoche relativ wenig. Vermutlich gab es zu dieser Zeit sowohl feste Ansiedlungen als auch Nomaden und selbst Jägergruppen, die vermutlich aus dem Süden und Osten kamen und sich nur vorübergehend in Schweden aufhielten. Da uns nur relativ geringe Funde der mittleren Steinzeit zur Verfügung stehen und die Bevölkerungszahl relativ gering war, können wir die Lebensweise der Menschen dieser Epoche nur ahnen. Selbst die Megalithgräber aus der Epoche des Mesolithikum wurden nahezu alle geplündert bevor sie wissenschaftlich untersucht werden konnten.

Erst über das Neolithikum wissen wir weitaus mehr, da sich ab dieser Epoche eine größere Menge an Menschen in Schweden fest niederließ und Archäologen über zahlreiche Funde verfügen, die vieles über das Leben und die Wohnsituation der Menschen der jüngeren Steinzeit sagen. Woher die Population der jüngeren Steinzeit kam, ob es sich mehr um einen Kinderreichtum handelte oder eine permanente Einwanderung, darüber streiten sich Geschichtswissenschaftler nach wie vor, denn trotz aller wissenschaftlicher Methoden konnte man keine der Theorien eindeutig bestätigt finden. Sicher ist jedoch, dass die Menschen der jüngeren Steinzeit fest angesiedelt waren und in gewissem Umfang auch Landwirtschaft betrieben haben.
Mittlerweile ist es durch DNA-Analysen auch gelungen nachzuweisen, dass sich  während des Neolithikum in Ostschweden Menschen aus dem östlichen Raum aufhielten und in Westschweden auf jeden Fall Menschen aus dem Mittelmeerraum auftauchten.

Auf Grund der reichhaltigen Funde, die man zeitlich sehr gut einteilen konnte, wird das Neolithikum in ebenfalls drei Epochen eingeteilt, nämlich das frühe Neolithikum, das mittlere Neolithikum und das späte Neolithikum. Allerdings muss man bei dieser Einteilung berücksichtigen, dass die Entwicklung in Nordschweden in vieler Hinsicht erst sehr viel später als in Süd- und Mittelschweden einsetzte, so dass man alle Aussagen zur schwedischen Steinzeit nur für den südlicheren Teil des Landes voll anwenden kann und erst die jüngere Steinzeit sich auch auf den nördlichen Teil Mittelschweden ausdehnte.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, januari 8

Die letzte Eiszeit in Schweden

Auch wenn die älteste bekannte Eiszeit bereits vor über einer Milliarde Jahre nachgewiesen werden kann, was zu verschiedensten Theorien führte und auch dazu, dass Schweden innerhalb der letzten 1,8 Millionen Jahren sechsmal vollständig von Eis überzogen war, ist für die Geschichte Schwedens nur die jüngste Eiszeit von größerer Bedeutung. Wenn man daher in Schweden allgemein von der Eiszeit spricht, so meint man jene, die unter dem Namen Weichsel-Eiszeit bekannt wurde, die sich während ihrer Hochphase bis Norddeutschland ausdehnte.

Die Eiszeit Weichsel setzte in Schweden vor etwa 110.000 Jahren ein und endete vor rund 10.000 Jahren im nördlichsten Teil des Landes, wobei sich 4000 Jahre dieser Epoche bereits mit der älteren Steinzeit (Paläolithikum) im südlichen Schweden überlagern. Die schwedische Landschaft, die man heute vorfindet, wurde vollständig von der letzten Eiszeit mit ihren Gletschern und Moränen geschaffen, wobei an mehreren Stellen die Landhebungen (auch als Landerhebungen oder Landerhöhungen bezeichnet), die eine Folge der Eisschmelze waren, weiterhin fortschreiten.

Dass in Schweden bereits vor oder während der letzten Eiszeit Menschen lebten, gilt als ausgeschlossen, wobei die Eisbewegungen allerdings auch jede Spur vorherigen Lebens, außer im südlichsten Teil des Landes, vernichtet hätten. Erst als sich vor etwa 16.000 Jahren  (ab 14.000 vor Christus) das erste Eis im südlichsten Teil Schwedens zurückzog, können erste menschliche Zeichen in Skåne und an der westschwedischen Küste nachgewiesen werden. Da das Inlandseis etwa 4000 Jahre benötigte bis ganz Schweden als eisfrei betrachtet werden kann, konnte sich jede Art von Leben nur sehr langsam nördlich bewegen. Ausgenommen waren nur einige wärmere Epochen, die während der letzten Eiszeit nachgewiesen werden konnten.

Da das Klima beim Rückgang des Eises sehr starken Schwankungen ausgesetzt war, war Schweden vermutlich die ersten Tausend eislosen Jahre nur sporadisch bewohnt, so dass sich erst zu Beginn der wärmeren Epoche eine arktische Vegetation ansiedeln konnte, die dann mehr und mehr von Tieren und schließlich auch Menschen in Besitz genommen wurde.


Mit dem Ende der Eiszeit verschwanden allerdings auch Tiere wie Mammut, Riesenhirsch oder das Wollnashorn wieder, die vorher selbst mit der kargen Nahrung zurecht gekommen waren, die die Eistundra ihnen geboten hatte und die im frühen Paläolithikum (älteste Epoche der älteren Steinzeit, der Hamburg-Kultur) nach Schweden gekommen waren.

Mit dem Rückgang der Eisschicht kamen dann als erstes Rentiere, Wölfe und Schneehasen nach Schweden, Tiere, deren natürliche Heimat heute das nördliche Schweden ist, auch wenn sich die Situation der Tiere durch den nachfolgenden Menschen und die steigende Besiedlung während der kommenden Jahrtausende stark verändert hat.

Die ersten drei menschlichen Gruppen, die Schweden vor vielleicht rund 14.000 Jahren besuchten oder auch besiedelten, kann man in drei verschiedene Kulturgruppen einteilen. Die sogenannte Hamburg-Kultur, die als erstes im südlichen Skåne seine Spuren hinterließ, aber dort keine festen Wohnungen anlegten. Vermutlich handelte es sich dabei um Jäger des nördlichen Deutschland, die in Schweden auf reiche Jagdbeute hofften. Einzelne Funde im Bohuslän lassen vermuten, dass sich diese Kultur entlang der schwedischen Süd- und Westküste bewegte.

Rund 1000 Jahre später kam die Bromme-Kultur, die sich fest im südlichen Skåne niederließ und um diese Zeit bereits Elche, Wildpferde, Bieber und Vielfraß jagen konnte, und den südlichen Teil Schwedens eventuell permanent bevölkerte. Diese Volksgruppe hatte bereits sehr spezialisierte Waffen für die Jagd, die sich erheblich von den anderen beiden Beisiedlungsgruppen der Steinzeit unterscheiden.

Weitere 1000 Jahre später kann man dann die Ahrensburg Kultur, die sich von Skåne aus bis zum südlichen Westschweden ausdehnte, nachweisen. Wie archäologische Funde belegen, waren mittlerweile auch Füchse und Luchse nach Schweden vorgedrungen. Allen drei Kulturen war jedoch gemeinsam, dass sie sich hauptsächlich von Rentieren ernährten und diesen vermutlich auf ihren Zügen folgten. Verschiedene archäologischen Funde belegen auch, dass bereits vor 11000 Jahren die ersten Rentiere gezähmt wurden und die ersten dauerhaften Ansiedlungen in Schweden zu verzeichnen sind.

Diese drei Epochen zeichnen sich jedoch noch alle dadurch aus, dass Menschen von der Vereisung des mittleren und des nördlichen Schweden gebremst wurden und sich daher nur im südlichen und teilweise westlichen Küstenstreifen bewegten. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass dieser Streifen sich heute, auf Grund der Landhebungen, im Landesinneren befindet und nicht mehr an der Küste selbst.

Copyright: Herbert Kårlin