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söndag, september 23

Margareta Eriksdotter Leijonhufvud, Königin Schwedens

Margareta Eriksdotter Leijonhufvud wurde am 1. Januar 1516 auf der Ekebergs säteri in Lillkyrka als Tochter von Erik Abrahamsson dem Älteren und Ebba Eriksdotter aus dem Geschlecht Vasa geboren und wurde durch die Ehe mit Gustav Vasa von 1536 bis 1551 die Königin Schwedens.

Allerdings wuchs Margareta Eriksdotter Leijonhufvud nicht in der Ekebergs säteri auf, da ihr Vater, als sie gerade einmal vier Jahre alt war, während des Stockholmer Blutbads geköpft worden war. Sie verbrachte daher ihre Kindheit und ihre Jugend mit der Mutter auf dem Schloss Lo auf der Insel Loholmen im See Anten.

Loholmen, das mehr eine Festung oder eine Burg als ein Schloss war, wurde immer wieder einmal von Gustav Vasa besucht, der sich 1535 unmittelbar in Margareta verliebte. Obwohl Gustav Vasas erste Frau, Katarina von Sachsen-Lauenburg, nur vor wenigen Monaten gestorben war, hielt der König bereits bei seinem nächsten Besuch auf Schloss Lo um die Hand Margaretas an, die zwar von einer Ehe mit dem König nicht begeistern war, aber letztendlich keine Wahl hatte. Am 1. Oktober 1536 wurde dann die Ehe zwischen Gustav Vasa und der um 20 Jahre jüngeren Margareta Eriksdotter Leijonhufvud geschlossen.

Trotz dem hohen Altersunterschieds und der Tatsache, dass Margareta, unter dem Zeichen der Reformation, dem katholischen Glauben treu bleiben wollte, schien die Ehe unter guten Zeichen zu stehen, zudem überliefert wurde, dass Margareta zu den wenigen Personen gehörte, die einen beruhigenden Effekt auf den König ausübten. Briefe, die Gustav Vasa an seine Gemahlin schrieb, begannen grundsätzlich mit den Worten „Meine Herzens liebste Margareta“, was auch ausdrückt, dass der König eine sehr positive Einstellung zu Margareta hatte, die er auch mit einfacheren Staatsaufträgen betraute.

Nach einer kurzen Krankheit starb Margareta Eriksdotter Leijonhufvud am 26. August 1551 sehr plötzlich auf dem Schloss Tynnelsö im Mälaren und wurde anschließend in der Domkirche in Uppsala begraben.

Gustav Vasa und Margareta bekamen insgesamt zehn Kinder, wobei acht unter ihnen das erwachsene Alter erreichten und Johan III. sowie Karl IX. später auch Schweden regierten. Durch die Ehen ihrer Töchter und die Erbfolge wurde Margareta Eriksdotter Leijonhufvud zur Stammmutter aller regierenden, europäischen Königshäuser zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, september 19

Die schwedische Opferquelle Svinnegarn bei Enköping

In der Geschichte Schwedens wurden immer wieder Opfer an Götter gebracht hat weshalb heute auch mehrere Opferseen, zum Beispiel der Skedemosse auf Öland, und andere Opferstellen bekannt sind. Als während der Christianisierung Schwedens der Katholizismus ins Land kam, so änderte sich zwar nicht das Opferverhalten, aber Bischöfe, Priester und Gläubige änderten den Symbolgehalt der Opfer, was dazu führte, dass man im ganzen Land heilige Quellen entdeckte, die meist auch an einem Pilgerpfad lagen und um die zahlreiche Legenden kreisten.

Die vermutlich bedeutendste dieser Quellen ist die Svinnegarn Quelle (Svinnegarns Källa) bei Enköping, deren Ruf möglicherweise selbst bis ins Heidentum zurückgeht, die jedoch erst während des 15. Jahrhunderts schriftlich erwähnt wurde und sich in dieser Zeit zu einem Anziehungspunkt der Gläubigen entwickelte. Der Zustrom an Gläubigen war so hoch, dass neben der Kirche von Svinnegarn, in der ebenfalls Pilger schliefen, zwei Herbergen gebaut werden mussten, deren Reste bei Ausgrabungen gefunden wurden.

Die Dreifaltigkeitsquelle Svinnegarn liegt 450 Meter südlich der Svinnegarn Kirche, liegt in der Nähe des König Harald Hügels, fließt nach Norden und befindet sich auf dem Gebiet des früheren Kungsgården, was nach Meinung der Kirche ein eindeutiges Zeichen dafür war, dass es sich um eine sehr wichtige Quelle handelt, die nur der Dreifaltigkeit geweiht sein konnte.

Durch diesen Ruf hatte die Quelle nahezu unbegrenzte Kraft und das Wasser konnte Krankheiten heilen. Um jedoch auch Wünsche erfüllt zu bekommen, waren Opfer nötig, insbesondere Silber, das in die Quelle geworfen werden musste. Da dies jedoch auch Diebe anlockte, kam der zuständige Priester der Kirche sehr schnell auf die Idee dort einen Opferstock anzubringen (heute im Historischen Museum in Stockholm zu sehen), der jeden Abend geleert werden konnte. Die Gaben der zahlreichen Pilger waren so umfangreich, dass sich die im Grunde sehr kleine Kirche zu einer der reichsten Kirchen des Upplands entwickelte. Als Gustav Vasa im Jahre 1545 die Menge des Kirchensilbers beschränkte und große Teile beschlagnahmte, kamen aus Svinnegarn nahezu 13 Kilogramm an Silber.

Als durch die Reformation das Wasser der heiligen Quelle Svinnegarn zu einfachem Quellwasser erklärt wurde, so änderte dies relativ wenig am Glauben an die Quelle, denn Pilger kamen weiterhin und selbst 1841 konnte man am Abend vor dem Tag der Dreifaltigkeit, dem Tag an dem die Quelle die größte Kraft hat, noch Tausende von Pilgern an der Svinnegarns Källa zählen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Pilger weniger, ohne dass jedoch der Glaube an das heilige Wasser je ganz verschwand.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, september 5

Die Geschichte der Tunaborgen in Österskär

Die Ruinen der Tunaborgen (Tunaburg) in Österskär wurden erst gegen 1920 entdeckt, obwohl die ehemalige Bischofsburg an einer strategisch wichtigen Stelle auf einer Anhöhe errichtet worden war und vor allem unter Sten Sture den äldre eine wichtige Rolle beim Kampf zwischen den katholischen Bischöfen und der Stockholmer Regierung spielte und dadurch in zahlreichen Dokumenten verzeichnet war.

Die ältesten Teile der Tunaborgen stammen aus dem 13. Jahrhundert, auch wenn man annehmen muss, dass an der gleichen Stelle bereits vorher Gebäude existierten, nachdem man in einem Brief des Erzbischofs Nils Allesson lesen kann „... in unserem Gut Tuna in Åker ...“ und aus der Tatsache heraus, dass bereits ab dieser Zeit sämtliche Kirchensteuern der Region in Tuna eingezogen wurden.

Die Ruinen der Tunaborgen in Österskär wurden mehrmals sehr intensiv untersucht, wobei man zum Ergebnis kam, dass der Turm der kirchlichen Festung bereits im 13. Jahrhundert gebaut wurde und die Anbauten dann in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hinzugefügt wurden, etwa zur gleichen Zeit, als der zuständige Erzbischof auch Arnö im Mälaren bebauen ließ.

Die Tunaborgen, die auch von einem Burggraben umgeben war, war bis zur Reformation eine sehr bedeutende Anlage, denn hier waren Soldaten zur Verteidigung stationiert, hier wurde Landwirtschaft betrieben und es gab großzügige Lagerräume wo die Steuerabgaben der Bauern gelagert werden konnten, von den ausgedehnten Wohnanlagen der kirchlichen Gemeinschaft ganz abgesehen.

Dass Tuna so gut befestigt war, zeigte sich vor allem im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts als sehr sinnvoll, als die Bischöfe hinter den dänischen Unionskönigen standen und in Stockholm die beiden Reichsvorstände Sten Sture den äldre und Sten Sture den yngre die Macht durch alle Mittel behalten und ausdehnen wollten und die sehr reiche Tunabburg natürlich eine Gefahr bildete. Gerade in dieser Epoche war die Auseinandersetzung zwischen kirchlicher und weltlicher Macht im Raum Stockholm und dem Mälarengebiet von Interesse und Tunaborgen war nicht nur reich, sondern beherrschte auch die Seestrecke, die vor den weiteren Landhebungen von der Ostsee bis Uppsala führte.

Als Gustav Vasa dann die katholische Kirche in Schweden entmachtete, wurde die Bischofsburg Tunaborgen Eigentum der Krone und durch eine Schenkung im Jahre 1568 ein Adelsgut des Geschlechtes von Claes Fleming, der sich jedoch wenig für die veralteten Gebäude interessierte und bereits 50 Jahre später Tunaburg verfallen ließ und teilweise abriss um dort moderne Gebäude zu bauen.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, augusti 30

Gudberga Kloster, das nördlichste Kloster Schwedens

Das Gudsberga Kloster nördlich von Hedemora war das einzige Kloster in Dalarna, das am nördlichst liegende Kloster des Landes und gleichzeitig das letzte Kloster, das von den Zisterziensern in Schweden errichtet wurde. Das Gudsberga Kloster konnte im Jahre 1486 gegründet werden, nachdem der regionale Vertreter der Regierung, Ingel Jönsson Hjorthorn, und seine Frau Birgitta Sonedotter dem Orden die entsprechenden Ländereien geschenkt hatten.

Auch wenn das Gudsberga Kloster bereits im Jahre 1527 auf Grund der Reformation unter Gustav Vasa wieder aufgegeben werden musste, also gerade einmal 41 Jahre lang existierte, handelte es sich um ein relativ reiches Kloster, das ausschließlich von Mönchen und Laienbrüdern bewohnt wurde. Außer mehreren Gütern und anderen Werten, waren die Mönche auch an den Gruben und der Silberschmelzerei beteiligt, was in dieser Zeit ein sicheres und bedeutendes Einkommen mit sich brachte.

Als die Mönche das Gudsberga Kloster verlassen hatten, stand es einige Jahre lang leer bis Nils Larsson, ein Vertrauter des Königs, 1538 das Kloster erhielt. 1544 befahl Gustav Vasa dann das gesamte Silber aus dem Kloster nach Stockholm zu schicken. Die Klosterkirche begann zu verfallen, da sich niemand mehr dafür interessierte.

Als man in den 60er Jahren Ausgrabungen am Ort des ehemaligen Guldsberga Klosters unternahm, konnte man Reste der Mauern des Gebäudes freilegen, sowie Reste der Klosterkirche, die eine Größe von 21 Meter Breite und 44 Meter Länge hatte, also sogar größer war als die Mutterkirche der Zisterzienser in Alvastra, auch wenn sie nicht völlig im Stil der Zisterzienser erbaut wurde. Direkt neben den Klosterruinen findet man eine etwas merkwürdig geformten Steinformation, die den Namen „Der Stuhl des Heiligen Staffan“ trägt, in Erinnerung an den Abt des früheren Klosters.

Ganz in der Nähe des Klosterruine, die sich im kleinen Ort Kloster befindet, findet man einen kirchenähnlichen Bau in dem das Grubenmuseum eingerichtet ist, in dem man die Geschichte des Klosters, aber auch auch die Entwicklung des Ortes und der Gruben findet. Im 19. Jahrhundert, als hier Eisen und vor allem Schwarzpulver gewonnen wurde, lebten in dem kleinen Ort nahezu 1000 Personen, was sich heute kaum noch vorstellen kann.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, augusti 16

Katarina Jagellonica, Königin von Schweden

Katarina Jagellonica wurde am 1. September 1526 im polnischen Krakau als Tochter von Sigismund I. und Bona Sforza von Milano geboren. Ihre Ehe mit Johan, dem Herzog von Finnland, am 4. Oktober 1562 löste geradezu eine Krise in Schweden aus, zumal es nach dem Tod von Gustav Vasa bereits zu Thronstreitigkeiten zwischen den Halbbrüdern Erik und Johan gekommen war bei denen Erik als Sieger hervorgegangen war.

Erich XIV. (Erich XIV.) betrachtete die Ehe mit Katarina Jagellonica, die nicht nur zwölf Jahre älter als Johan war, sondern auch noch streng katholisch und aus Polen war, als Verrat an, auch deswegen, weil sich Johan weder für die schwedische noch die polnische Seite aussprach, obwohl die beiden Länder ein gespanntes Verhältnis zueinander hatten.

Katarina Jagellonica ahnte vermutlich von den Problem, die durch die Eheschließung auch auf sie zukamen, kaum etwas, da Polen zu jener Zeit des vermutlich toleranteste Land Europas war, denn dort waren unter katholischer Dominanz auch Protestanten, Juden und Moslems anerkannt und konnten, im Gegensatz zu nahezu allen anderen europäischen Ländern, ihren Glauben offen bekennen.

Obwohl Gustav Vasa sämtliche Religionen, außer dem Protestantismus, verboten hatte, garantierte Johan seiner Frau Katarina Jagellonica ihren katholischen Glauben beibehalten zu können und selbst zwei Priester aus Polen mit nach Åbo, dem damaligen Sitz des Herzogs Johan, mitbringen durfte. Die Ehe und die Tatsache, dass sich Johan weigerte sich klar für ein Land auszusprechen, führte bereits im Juni 1563 dazu, dass Johan wegen Hochverrats zum Tode verurteilt wurde. Als er sich freiwillig stellt, wird die Strafe jedoch in eine Gefangenschaft verwandelt.

Als Johan dann im Schloss Gripsholm seine Strafe antrat, folgte ihm seine Frau Katarina ohne dazu gezwungen zu sein, aber als Katholikin folgte sie ohne zu zögern auch der Aussage „bis der Tod euch scheidet“, die in die Eheringe graviert war. Die Gefangenschaft, während der das Ehepaar zwei Kinder bekam, war relativ locker und dauerte vier Jahre in der das Ehepaar sehr viele Bücher las.

Rund ein Jahr nachdem Herzog Johan und Katarina Jagellonica frei gekommen waren, wurde Johan, durch ein Konspiration gegen den Halbbruder, zum schwedischen König Johan III. und Katarina wurde zur Königin Schwedens.

Katarina Jagellonica wirkte bis zu ihrem Tod im September 1583 kaum auf die Geschichte Schwedens ein und führte ein sehr zurückgezogenes Leben, das vermutlich auch mit ihrem Glauben zu tun hatte, da Schweden zu jener Zeit jede geringste katholische Bewegung oder Aussage als Ketzerei betrachtete. Katarinas Umgangskreis war daher vermutlich extrem eingegrenzt.

Ein Zeichen, dass Johan III. den Glauben seiner Frau in höchstem Grad tolerierte, sieht man auch an einem Bauwerk, das bis heute an Katarina von Schweden erinnert, denn der König gab dem Gebäude auf Lovön, das er für seine Frau bauen ließ, den Namen Drottningholm. Bereits unter Gustav Vasa war dort der Kungsgård mit dem Namen Torvesund angelegt worden, der dann mit in Drottningholm einging. Es handelt sich daher um das einzige Schloss Schwedens, das noch nach der Reformation einer streng katholischen Königin gewidmet wurde.

Noch während der Gefangenschaft auf Schloss Gripsholm wurde die Tochter Elisabet geboren, die jedoch im Alter von nur zwei Jahren starb und Sigismund, der später als Sigismund III. König von Polen  wurde und Großfürst von Litauen war. Die Tochter Anna kam nur wenige Monate vor der Krönung des Vaters zum König Schwedens zur Welt und war dadurch eine schwedische Prinzessin, die sich allerdings, im Gegensatz zur Mutter, für die polnisch-schwedische Politik einsetzte und bereits in sehr jungen Jahren überzeugte Protestantin wurde. Nach polnischem Aberglauben spukt Anna Vasa als „Weiße Dame“ im polnischen Schloss Golub Dobrzyńslottet.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, augusti 14

Åhus, von der Zeit der Wikinger bis zur Reformation

Auch wenn die ältesten Funde in der Nähe von Åhus bis in die Eisenzeit zurückreichen und sich zur Anfangszeit der Wikinger häufen, was beweist, dass sich dort bereits gegen 800 nach Christus zumindest eine wichtige Handelsniederlassung befand, so geht die geschriebene Geschichte des Ortes nur auf das Jahr 1252 zurück und die Ruinen der Burganlage Aosehus bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts.

Das älteste Schwert, das bei Åhus gefunden wurde, wurde gegen 200 nach Christus hergestellt, was jedoch nicht beweist, dass es zu dieser Zeit eine Siedlung an dieser Stelle gab. Dass der Ort im 9. Jahrhundert ein Handelsplatz war, beweisen jedoch die arabischen Münzen, die man dort fand, der Bernsteinschmuck oder auch Spielfiguren, Bronzeschmuck und Glasperlen, Waren, die für alle schwedischen Handelsorte dieser Zeit typisch waren.

Åhus hieß früher Aos, was soviel bedeutet wie die Flussmündung, denn bevor das umgebende Sumpfland im 18. Jahrhundert für landwirtschaftliche Zwecke trocken gelegt wurde, führte hier der Helgeå ins Meer, was auch die Voraussetzung für die alte Handelsstadt war, denn die Waren wurden damals ausschließlich auf dem Seeweg zwischen Dänemark und Åhus, das bis zum Frieden von Roskilde ebenfalls zu Dänemark gehörte, transportiert.

Die Festung in Åhus, das Aosehus, wurde gegen 1026, nach der Schlacht bei Helge, an der Mündung des Flusses gebaut, da es sich hier um einen strategisch extrem wichtigen Punkt handelte, was sich in den folgenden Jahrhunderten mehrmals zeigte. Die Ruinen, die man heute bei Åhus findet, sind nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Festung, denn vieles ist noch unter der Erde oder dem Sand verborgen und wartet auf eine Ausgrabung.

Der Aufstieg von Aos, der geschichtlich nachzuweisen ist, beginnt im Jahre 1149 mit dem Erzbischof Eskil aus Lund, der vom dänischen König die Kirche, die Burg und die Stadt Åhus erhielt und den Ort damit zu einem christlichen Zentrum machte. Gegen 1243 wurde ein Kloster der Dominikaner errichtet und 1252 ein Krankenhaus, das „hospitali Awos“.

In der Folgezeit bewohnten Åhus, außer den kirchlichen Würdenträger, vor allem Kaufleute aus Lübeck, die auch die Sankta Maria Kirche des Ortes, deren ältesten Teile bis zur Zeit Eskils zurückreichen, erweiterten, ausbauten und ihr das heutige Aussehen gaben, ausgenommen dem Westturm, der erst Ende des Mittelalters hinzukam.

Im Zuge der Reformation, die auch im damaligen Dänemark seine Spuren hinterließ, verlor Åhus seine Machtposition und aus der katholischen Hochburg im heutigen Südschweden, wurde eine gewöhnliche Handels- und Handwerksstadt.

Der Niedergang von Åhus begann im Jahre 1617, als der Ort seine Stadtprivilegien verlor und Kristianstad seine Rolle als Handelsstadt übernehmen sollte, das 1614 nach dem Ende des Kalmarkrieges gegründet worden war.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte Åhus noch einmal einen kurzen Aufschwung, da die Eisenbahnlinie gelegt wurde und sich die Wirtschaft des Ortes auf Tabak (Snus), Alkohol (Branntwein) und Aal spezialisiert hatte. In der Gegenwart zählt Åhus mit seinen Sandstränden zu einem beliebten Ferienort, wobei aus der Zeit des Brännvin noch die Destillerie für Absolut Vodka erhalten blieb, auch wenn diese seit 2008 zu Pernod Ricard gehört.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juli 9

Johannes Bureus, Runensteine und Grammatik

Johannes Bureus, der lateinische Name von Johan Bure, ist eine der wichtigsten Schlüsselfiguren der schwedischen Geschichte ab dem 17. Jahrhundert, dessen Leistungen noch heute von höchster Wichtigkeit sind, obwohl Bureus im Zusammenhang mit der damaligen Zeitströmung gesehen werden muss, da er zur ersten Generation der Schweden gehörte, die in einer fest etablierten protestantischen Lehre aufwuchsen und sein Vater zudem als Priester arbeitete.

Johannes Bureus wurde am 15. März (oder aber am 25. März) 1568 geboren und gilt als Künstler, Forscher und Wissenschaftler in verschiedenen Bereichen. Ihm verdankt man einen Großteil der Kenntnisse der Runenforschung, er hat die erste schwedische Grammatik und das erste schwedisch Lexikon verfasst, er überwachte die Bibelausgabe, er kopierte das einzige Werk über die Arbeit eines Königs und er ist noch heute jedem Geschlechtsforscher ein Begriff, da er bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Geschlechterbuch herausgab.

Um den Einfluss von Johannes Bureus auf die Geschichte Schwedens bewerten zu können, muss man die verschiedenen Aspekte seiner Denkweise und seines Wirkens betrachten, auch wenn sich bei jedem der Punkte auch Querverbindungen öffnen.

Persönlich war Johannes Bureus ein protestantischer Mystiker, der in jedem Wort der Bibel, und jedem Runenzeichen, eine Bedeutung und eine Voraussage suchte. Auf Grund seiner Bibelforschung sagte Bureus selbst den Weltuntergang mehrmals voraus und verfasste mehrere Werke, die belegen, dass sich Johannes Bureus als der Abgesandte Gottes betrachtete, der ihm die Worte der Bibel in seiner gesamten Wahrheit erschließen lässt. Auch wenn dieses mystische Denken von der Umwelt überwiegend als Phantasie abgetan wurde, so spielt es dennoch eine wichtige Rolle, da Bureus der Lehrer von Gustav II. Adolf war, später auch von Kristina, und auch in seiner Runenforschung und der Erstellung seines ersten Lesebuches seine Denkweise einfließen ließ.

Die größte Errungenschaft von Johannes Bureus liegt bei seiner Erforschung der schwedischen Runen, denn auch wenn er nicht der erste war, der Inschriften übersetzte, denn hierbei kamen ihm Olaus Petri und die Brüder Johannes und Olaus Magnus zuvor, so war Bureus der erste, der die Runenschrift systematisch erforschte und es dadurch ermöglichte das System der Runen in seiner Gesamtheit zu verstehen und zu analysieren.

Seine Bedeutung als Runenforscher lag allerdings auch darin, dass Bureus rund 600 Runeninschriften aus den verschiedensten Teilen des Landes aufzeichnete, den Standort der Steine auf Karten vermerkte und alle Priester des Landes aufforderte die Runensteine in ihrer Umgebung zu untersuchen und ihm die entsprechenden Berichte zuzusenden. Nur dieser Arbeit verdanken wir, dass man bei vielen verlagerten Steinen sagen kann, wo sie ursprünglich standen, dass Inschriften von verschwundenen Steinen überliefert wurden und die Runensteine letztendlich durch königliche Verordnung geschützt wurden.

Da Johannes Bureus der Lehrer von einem zukünftigen König und einer Königin war, die Kanzlei von Herzog Karl, dem späteren König Karl IX., leitete, Notar bei mehreren wichtigen Treffen in Uppsala war und auch für die Korrektur und den Druck der neuen Bibel verantwortlich war, war für Bureus Sprache ungemein bedeutend. Er verfasste daher die ersten schwedischen Lesebücher (ABC-böcker) und wollte damit die Runenschreibweise wieder in Schweden einführen. Als dieses Projekt scheiterte, entstand das älteste schwedische Lesebuch in damals moderner Sprache. Um die Sprache im ganzen Land zu vereinheitlichen gab Johannes Bureus anschließend eine Grammatik heraus, die ihm den Titel „Vater der schwedischen Grammatik“ einbrachte. Sein mehrbändiges Wörterbuch wurde leider nicht mehr vollendet und drei der Bände gingen im Laufe der Geschichte auch verloren.

Da Johannes Bureus auch das Werk „En nyttig bok om konunga styrelse och hövdinga“ kopierte und bei seiner Ausbildung von Gustav II. Adolf anwendete, blieb auch das einzige Werk über die Arbeit von Königen und dessen höheren Beamten erhalten, was uns heute einen Eindruck über die Denkweise und das Handeln der Könige der Reformationszeit gibt. Lange Zeit wurde dieses Werk als Fälschung betrachtet, da man glaubte, Bureus wollte mit diesem Werk die Machtverhältnisse der Könige beeinflussen. Dies stellte sich später als Irrtum heraus, da mehrere Fragmente des ursprünglichen Werkes auftauchten und die Authentizität des Werkes bewiesen.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, juni 24

Das Varnhem Kloster in der schwedischen Geschichte

Auch wenn man heute vom Varnhem Kloster in Västergötland, das von Inge den äldre (Inge der Ältere) gegründet wurde, nur noch einige Ruinen findet und die viel besuchte Klosterkirche erst im 17. Jahrhundert unter Magnus Gabriel de la Gardie wieder restauriert und umgebaut wurde, so hatte das Varnhem Kloster eine maßgebliche Bedeutung in der schwedischen Geschichte.

An der Stelle, an der das Kloster aufgebaut wurde, befand sich mit größter Wahrscheinlichkeit eine der ersten Stabkirchen auf schwedischem Boden und gegen 1040 auch die erste Steinkirche des Landes, wann man von Skåne absieht, das zu dieser Zeit nicht als Schweden betrachtet wurde.

Da das Kloster Varnhem von den Mönchen des Alvastra Klosters im Baustil aller Kloster der Zisterzienser aufgebaut wurde, kann man sich noch heute an den Ruinen orientieren und nahezu jeden Raum mit seiner ursprünglichen Bedeutung erkennen.

Aller Wahrscheinlichkeit gehören die Gegend um das Varnhem Kloster, das gerade einmal 13 Kilometer von Skara entfernt liegt, zu den ersten Gegenden Schwedens, die christianisiert wurden, da man nachweisen kann, dass hier bereits um das Jahr 800 die ersten Menschen nach katholischen Riten begraben wurden, also weitaus früher als Sankt Ansgar Birka besuchte. Selbst der christliche Friedhof beim Varnhem Kloster wurde bereits gegen das Jahr 900 regelmäßig benutzt, was darauf hindeutet, dass hier der Katholizismus um diese Zeit die dominante Religion war.

Das Kloster Varnhem wurde nachweislich vom Erikska ätten unterstützt, was im Gegenzug dazu führte, dass dort, unter anderem, die schwedischen Könige Knut Eriksson, Erik Knutsson und Erik Erikssson, sowie Birger jarl, begraben wurden. Die einzige Spannung zwischen Kloster und Königsherrschaft entstand allerdings bereits unter der Regierung von Erich dem Heiligen, da dessen Frau, Kristina Björnsdotter, die Rückzahlung von früheren Gaben vom Kloster zurückforderte.

Als das ursprüngliche Kloster Varnhem im Jahre 1234 völlig abbrannte, zeigt sich dies als der Beginn einer neuen Blütezeit, da Birger jarl, gemeinsam mit anderen reichen Bürgern des Mittelalters, das Varnhem Kloster neu aufbauen ließ und der Bau dadurch weitaus eindrucksvoller und imposanter wurde als vor dem Brand.

Im Jahre 1527 wurde das Kloster im Zuge der Reformation unter Gustav Vasa beschlagnahmt und es durften keine weiteren Mönche mehr aufgenommen werden. Im Jahre 1566, während des Nordischen Siebenjährigen Krieges, der auch als Dreikronenkrieg bezeichnet wird, wurde das Kloster von dänischen Truppen abgebrannt und, im Gegensatz zur Klosterkirche Varnhem, nicht wieder aufgebaut.

Dank der Trilogie über den Kreuzritter Arn Magnusson von Jan Guillou übt das Varnhem Kloster heute wie ein Magnet auf Touristen mehrerer Länder, die in Guillous Romanfolge leider mehr Wahrheit suchen als tatsächlich vorhanden ist.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, juni 6

Das Mittelalter in Schweden

Wenn man in der schwedischen Geschichte vom Mittelalter spricht, so meint man die Zeit zwischen 1050 und 1527, also die Zeit in der Schweden einerseits zu einem einheitlichen Reich geworden war und zum anderen die katholische Kirche das Land in festem Griff hatte. Das Mittelalter schließt daher an die Epoche der Wikinger an und endet mit Gustav Vasa und der Reformation.

In der Regel wird das Mittelalter in Schweden in zwei Epochen unterteilt, wobei das frühe Mittelalter 1350 endet und die Zeit der Kreuzzüge mit der Eroberung Finnlands sowie die Gründung der wichtigsten Städte, den Feudalismus und die Etablierung der Klöster beinhaltet und im folgenden späten Mittelalter vor allem die Pest nach Schweden kam, die Kalmarer Union gegründet wurde, die erste Universität öffnete und das gedruckte Buch ins Land kam.

Der Beginn und das Ende des schwedischen Mittelalters ist allerdings künstlich festgelegt, so dass sich noch heute Geschichtswissenschaftler über die Verschiebung einiger Zahlen streiten, zumal man weder nachweisen kann, wann die Epoche der Wikinger tatsächlich zu Ende ging, noch wann die Reformation genau statt fand.

Die Christianisierung, die in Schweden bereits im neunten Jahrhundert begann, war gegen 1050 nahezu abgeschlossen und auch einer der Faktoren, die aus den verschiedenen schwedischen Ländern ein einziges Reich machten, auch wenn dies nicht ohne zahlreiche Kämpfe, Feinschaften und Morde ablief. Die Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und christlichen Königen führte dazu, dass im ganzen Reich Kirchen entstanden, die Ausbildung zur kirchlichen Aufgabe wurde und selbst der König den Segen der Kirche benötigte, bevor er vom Volk anerkannt wurde. In der Regel entstanden sowohl Kirchen als auch Klöster im Mittelalter ausschließlich durch den privaten Einsatz von Königen und Adeligen, die sich dadurch das Seelenheil erhofften.

Die ersten hundert Jahre des frühen Mittelalters war der heidnische Glaube unter der einfachen Bevölkerung noch stark verbreitet, während die wohlhabende Schicht sehr schnell zum neuen Glauben übergegangen war. Die Kirche sah daher ihre erste Aufgabe darin auch die Bauern und Handwerker zu überzeugen, was oft dadurch geschah, dass heidnische Bauten und rituelle Orte von einer Kirche ersetzt wurden, um zu zeigen, dass die „alten Götter“ keine Macht hatten und der „neue Gott“ daher weitaus mächtiger ist.

Bis zum Ende des frühen Mittelalters wurden in Schweden dann rund 20 Städte geschaffen, die als Zentrum für die staatliche und die kirchliche Macht galten. Außer dem Bischof, der die geistliche Gewalt über eine Stadt hatte, wurde diese von einem Vogt, dem Abgesandten des Königs, und einem Bürgerrat mit einem Bürgermeister gelenkt. In den Bürgerrat konnte allerdings nur gewählt werden, wer innerhalb der Stadt auch Grund besaß, was bedeutete, dass nur die Reichsten Bewohner eine Entscheidungsgewalt hatten, eine Tradition, die in Schweden bis ins 20. Jahrhundert fortsetzte, mit der Idee, dass derjenige, der die meiste Steuer bezahlt auch entscheiden kann wie diese Steuer angewandt wird.

Um den Handel in den Städten voranzutreiben, lockten die schwedischen Könige vor allem deutsche Kaufleute in die schwedischen Städte, unter denen zu jener Zeit vermutlich nur Visby, Stockholm und Kalmar mehr als 1000 Einwohner hatten. Diese Kaufleute erhielten bedeutende Privilegien, was letztendlich auch dazu führte, dass die Hanse später die Macht in mehreren schwedischen Städte übernahm.

Der Umbruch vom frühen Mittelalter zum späten Mittelalter begann mit Magnus Erikssson, der landesweite Gesetze in Schweden durchsetzte und die Leibeigenschaft abschaffte. Als endgültigen Umbruch nimmt man jedoch das Erscheinen der Pest, die 1350 in Schweden auftauchte und nahezu ein Drittel der Bevölkerung ausradierte. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die mit der Pest die gesamte Struktur im Norden veränderte, führte dann zur Kalmarer Union, einer Vereinigung von Schweden und Dänemark, was in der Tat bedeutete, dass Finnland als schwedischer Besitz und Norwegen als dänischer Besitz mit in die Union eingingen.

In dieser Epoche kam dann auch, mit Genehmigung des Papstes, die erste Universität nach Schweden, genauer genommen nach Uppsala, was den Vorteil hatte, dass die Vertreter der Kirche und das reiche Bürgertum nicht mehr nach Paris, Bologna oder Oxford musste um Wissen zu gewinnen, sondern ein eigenes Zentrum hatten. Da im Mittelalter alle Universitäten unter kirchlicher Hoheit standen, konnte man dort allerdings fast ausschließlich Theologie und Philosophie studieren, was als Grundlage allen Wissens betrachtet wurde.

Mit den Universitäten kam dann auch der Buchdruck nach Schweden, was die Verbreitung von Wissen innerhalb der obersten Gesellschaftsschicht ermöglichte. Das erste Buch in Schweden erschien im Jahre 1483, rund 40 Jahre nachdem Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte. Das erste veröffentlichte Werk war die Fabelsammlung „Dialogus creaturarum moralizatus“, von der heute noch fünf Exemplare erhalten sind.
 
Unter Gustav Vasa ging dann die Kalmarer Union zu Ende, der Katholizismus wurde im ganzen Land verboten, die Dänen wurden zurückgedrängt, die Klöster wurden geschlossen und alle Güter der katholischen Kirche gingen zurück an den schwedischen Staat oder die vorherigen Besitzer. Das Mittelalter war daher mit der Krönung Gustav Vasas zum König Schwedens zu Ende.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, maj 28

Söderköping, eine der ältesten Städte Schwedens

Wie Sigtuna, Lödöse, Skara, Kalmar und Visby, so gehört auch Söderköping in Östergötland zu den ältesten Städten Schwedens, dessen Stadtkern noch heute deutlich das mittelalterlichen Straßensystem aufweist und die frühere Kleinstadtstruktur mit Holzhäusern lässt noch heute eine lange Geschichte ahnen. Unter den Häusern liegt eine bis zu drei Meter dicke Schicht mit den Resten alter Gebäude auf denen die heutige Stadt Söderköping errichtet wurde.

Wann Söderköping wirklich gegründet wurde, ist unbekannt, aber geschichtlich bewiesen wurde, dass der Ort schon im achten Jahrhundert existierte und sich bereits im 12. Jahrhundert zu einer bedeutenden Handelsstadt Schwedens entwickelt hatte, in der zahlreiche Handwerker des Mittelalters aktiv waren und die in nur einem weiteren Jahrhundert zu einer mittelalterlichen Metropole wurde in der eine dritte Kirche nötig war, wo sich 1235 ein Kloster der Franziskaner ansiedelte, von dem allerdings keinerlei Reste mehr vorhanden sind, wo ein Helgeandshus (Hospiz) entstand und eine Münzprägeanstalt eingerichtet wurde.

Die Bedeutung von Söderköping wird deutlich, wenn man bedenkt, dass hier 1281 Hedvig von Holstein, die Ehefrau von Magnus Ladulås, zur Königin gekrönt wurde und deren Sohn Birger als Thronfolger bestimmt wurde, der dann ebenfalls in Söderköping gekrönt wurde. Rund 150 Jahre nach der Krönung von Hedvig von Holstein, im Jahre 1436 wurde dann auch der Friedensvertrag zwischen Erich von Pommern und Engelbrekt unterzeichnet in der Stadt unterzeichnet.

Noch während der Reformation unter Gustav Vasa war Söderköping eine wichtige Stadt Schwedens, da sie, als Stockholm gegen die Invasion von Dänemark kämpfte, zur wichtigsten Zollstadt Schwedens wurde und hier der Bischof Brask zum Widerstand gegen die Reformation eine Druckerei unterhielt um die katholische Kirche zu unterstützen, was jedoch nur dazu führte, dass er des Landes verwiesen wurde und das Kloster eines der ersten war, das von Gustav Vasa sehr frühzeitig geschlossen wurde.

Der Niedergang Söderköpings im 16. Jahrhundert hatte dann mehrere Gründe gleichzeitig, denn zum einen wurde die Stadt zum Teil von den Truppen Rantsaus zerstört, zum anderen war es wegen der Landhebungen unmöglich geworden weiterhin mit anderen schwedischen Städten zu konkurrieren, da Handel von der Schifffahrt und einem nahen Hafen abhingen. 1595 kam es dann zum letzten Reichstag in Söderköping, die die Macht von Sigismund ganz brechen sollte und gleichzeitig dazu dienen sollte auch die letzten Katholiken des Landes zu verweisen.

Einen gewissen Aufschwung erlebte Söderköping dann nochmals mit der Befestigung und dem Ausbau der Sankt Ragnhild Quelle zu einer Kureinrichtung und im 19. Jahrhundert, als der Göta Kanal gebaut wurde. Allerdings konnten beide Ereignisse der Stadt nicht die ehemalige Glanzzeit zurückbringen.

Die touristische Entwicklung und die Vorliebe von deutschen Fernsehstationen ihre Filme in Söderköping zu drehen, verhalfen der Stadt seit den 60er Jahre wieder zu einem gewissen Aufschwung, was sich auch daran zeigt, dass sich die Anzahl der Bevölkerung die letzten 50 Jahre nahezu verdoppelt hat und nun bei knapp 7000 Einwohnern liegt. Unter den ältesten Gebäuden der Stadt findet man heute die Sank Laurentii Kyrka und die Drothems Kyrka, die beide aus dem 13. Jahrhundert stammen.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, maj 7

Der Västerås recess und die schwedische Reformation

Einer der ersten Schritte Gustav Vasas auf dem Weg zur Reformation war die Einberufung des Reichstages in Västerås im Jahre 1527, dessen Entscheidung als der Västerås recess in die schwedische Geschichte einging und in gewisser Weise eine Vorbereitung des Konzils von Örebro zwei Jahre später war.

Das Hauptthema des Reichstages baute darauf, dass die Krone unter Geldnöten litt und die katholische Kirche mit ihren Kirchen und Klöstern über ein immenses Kapital verfügte und täglich reicher wurde. Mit dem Västerås recess (Beschluss von Västerås) war Gustav Vasa entschieden diese Situation umzukehren, aber auch gleichzeitig eine offizielle Unterstützung gegen die Unruhen in Dalarna (Dalaupproren) zu suchen, damit er mit Gewalt gegen die Rebellen vorgehen konnte und hohe Strafen gegen sie fordern konnte.

Der Västerås recess wurde vermutlich von Laurentius Andreae, einem engen Mitarbeiter von Olaus Petri, verfasst, der gemeinsam mit Olaus die Reformation in Schweden vorantrieb. Da sich Adel und Bauern bereits vorher gegen Veränderungen der Gottesdienste ausgesprochen hatten, wurden im Västerås recess keinerlei kirchlichen Entscheidungen aufgenommen, ausgenommen dem Satz, dass die Priester die neue protestantische Meinung zu verbreiten hatten.

In den weiteren Punkten der Akte kann man lesen, dass alle, die zu Unruhen im Staat aufforderten, bestraft werden müssen, dass die Krone über alle Gelder der Kirche verfügen sollte, die nicht direkt zur Aufrechterhaltung der kirchlichen Lehre nötig war, dass sämtliche Burgen und Schlösser der Bischöfe der Krone übereignet werden und dass alle Adeligen Schwedens alle verkauften Güter, sowie alle ihre Gaben und Geschenke von der Kirche und den Klöstern zurückfordern konnten.

Gustav Vasa konnte mit der anschließenden Durchführungsverordnung (Västerås ordinantia) nicht nur die Macht der katholischen Kirche in Schweden brechen, sondern auch den Staatshaushalt halbwegs sanieren.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, april 28

Das Nydala Kloster der Zisterzienser im Småland

Gleichzeitig mit dem Alvastra Kloster gründeten die französischen Zisterzienser am 6. Juni 1143 ein weiteres Kloster, das allerdings, im Gegensatz zu Alvastra, vollkommen den Richtlinien des Ordens der Zisterziensern entsprach. Das Nydala Kloster wurde am Ruskens See weitab von einer Ansiedlung angelegt, wobei bei Ausgrabungen in diesem Gebiet auch keine Spuren einer früheren Ansiedlung gefunden wurden.

Das Nydala Kloster wurde von den Mönchen und Laienbrüdern allerdings nicht Nydala genannt, sondern „Nova Vallis“ (Neues Tal), was vermutlich eine Verbindung zum Mutterkloster in Clairvaux darstellen sollte, das im Lateinischen „Clara Vallis“ (Helles Tal) hieß. Strategisch gesehen wurde das Kloster an einer idealen Stelle gegründet, da dort die beiden Folklanden (Volksländer) Njudung und Finnveden zusammenstießen.

Das Kloster Nydala mit all seinen wachsenden Besitzungen wurde sowohl vom Papst nahen Svärkerska ätten als auch dem Erikska ätten unter Schutz gestellt. Nachdem der Erzbischof von Lund auch noch die Einwohner der Umgebung vor jedem Übergriff auf das Kloster gewarnt hatte, setzte Erik Eriksson die härtesten Maßstäbe hinsichtlich des Klosters an und stützte das Kloster selbst bei Grundstücksansprüchen, die das Kloster vermutlich von den Bauern der Umgebung gestohlen hatte.

Dies war vermutlich auch einer der Gründe, warum das Kloster Nydala weitaus langsamer als Alvastra in Schwung kam, denn die Bewohner der gesamten Umgebung stellten sich gegen das Kloster. Erst als sich rund 100 Jahre nach der Gründung der Bischof Henrik aus Linköping einmischte und Gotland und Öland dazu aufforderte für das Kloster zu spenden, allerdings mit dem Gegenversprechen eines Ablass, begann sich das Kloster Nydala wirklich zu entwickeln.

Im Laufe der 386 Jahre seiner Existenz erhielt Nydala so viele Spenden und Privilegien von privater, kirchlicher und königlicher Seite, dass das Kloster zum größten Grundbesitzer Smålands wurde und nicht weniger als 250 Güter sein Eigentum nannte. Nydala war damit das reichste Kloster der Zinsterzienser und wurde in Schweden nur noch vom Kloster Vadstena überboten, das nahezu viermal so viele Güter besaß als Nydala.

Das Kloster Nydala wurde nur einmal geplündert, als der dänische König Kristian II. von Stockholmer Blutbad im Jahre 1521, auf dem Rückweg nach Dänemark, am Kloster sein Lager aufschlug und sein Heer von den Mönchen ernähren ließ. Kristian II. machte dabei jedoch den Fehler Nydala nicht nur zu plündern und teilweise zu zerstören, sondern ließ auch noch den Abt des Kloster und einige der Mönche im See ertränken. Die Nachricht davon verbreite sich sehr schnell im Småland und da die Bewohner mittlerweile auf Seiten des Klosters standen, befreiten sie dann ohne jede andere Hilfe das Småland von den Dänen.

Drei Jahre später hatte sich das Kloster Nydala von den Schäden erholt und wurde neu eingeweiht. Allerdings musste es im Rahmen der Reformation unter Gustav Vasa im Jahre 1529 dann endgültig geschlossen werden, trotz dem starken Widerstand, den die ländliche Bevölkerung an den Tag legte, da viele unter ihnen mittlerweile indirekt oder direkt vom Kloster lebten.

Während des Nordischen Siebenjahreskriegs im Jahre 1568 wurde das Kloster dann von dänischen Truppen abgebrannt, so das man heute nur noch einige Ruinen des Klosters und der Klosterkirche entdecken kann. Der heutige Nydala herrgård wurde erst gegen 1790 erbaut und gehört der Gemeinde Värnamo. Als am 6. Juni 2008 erneut Zisterziensermönche dort einzogen um den Orden wieder zum Leben zu bringen, so war dies jedoch nur von kurzer Dauer, da die drei Mönche, die dafür vorgesehen waren, nur ein Touristenvisum hatten und der Papst seine Meinung zur Neugründung des Klosters wieder änderte. Värnamo ist jedoch weiterhin in Kontakt mit den Zisterziensern und hofft eines Tages wieder Mönche in der Gemeinde zu sehen.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, april 13

Das Alvastra Kloster

Das Alvastra Kloster am östlichen Vättern wurde im selben Jahr gebaut wie das Nydala Kloster, so dass man heute nicht mehr sagen kann welches das zweite und welches das dritte Kloster Schwedens nach Vreta war. Beide Klöster wurden von den französischen Zisterziensern gegründet, wobei das Alvastra Kloster möglicherweise auf Initiative von Ulvhild Håkansdotter, der Ehefrau des Königs Sverker den äldre (Sverker dem Älteren), entstand, die den Mönchen auch ihr Grundstück dafür zur Verfügung stellte.

Das Alvastra Kloster, von dem heute nur noch Ruinen zu sehen sind, wurde 1143 gegründet und war bis etwa 1530 aktiv, als Gustav Vasa im Rahmen der Reformation sämtliche katholischen Klöster schloss. Das Kloster hatte im Mittelalter eine tragende Rolle, zumal von hier aus auch die Klöster Varnhem, Julita und Gudsberga gegründet wurden und der Abt des Klosters Alvastra zeitweise auch die Klöster Vreta, Askeby und Riseberga betreute.

Auch wenn man nicht weiß wie Ulvhild Håkansdotter oder auch Sverker den äldre auf die Idee kamen die Zisterzienser nach Schweden zu holen, so ist anzunehmen, dass der Erzbischof Erkil im Lidköping Stift die Idee beim Königspaar vortrug, zumal beide den Katholizismus in Schweden verbreiten wollten. In jedem Fall musste Erkil jeder Klostergründung in seinem Stift zustimmen.

Sämtliche Mönche und Laienbrüder, die bei der Gründung im Alvastra Kloster einzogen, kamen direkt aus dem französischen Stammkloster Clairvaux, wobei sowohl das Kloster als auch die Klosterkirche von Grund auf auch die Abteilungen der beiden Gruppen (Mönche und Laienbrüder) trennte und das Ziel hatte sich durch eigene Arbeit zu ernähren.

Im Gegensatz zu den anderen Zisterzienserklöstern, die in Schweden gegründet wurden, war Alvastra in der Nähe von Ansiedlungen erbaut und befand sich an einer Stelle, die nachweislich seit der Steinzeit bewohnt war. Da das Kloster von den Mönchen und den Laienbrüder gezeichnet und erbaut wurde, diente die französische Bauweise später auch anderen Bauten der Umgebung als Muster, so auch für den Bau der Heda Kyrka, die in der Nähe des Klosters erbaut wurde.

Das Alvastra Kloster gilt als die Grabkirche des Sverkerska ätten, wobei Sverker den äldre bereits dort begraben wurde bevor die Kirche vollständig fertig war, denn Sverker wurde 1156 ermordet und die Klosterkirche wurde erst 1185 eingeweiht. Außer den Königen des Sverker Geschlechts liegt auch Schwedens erster Erzbischof Stefan in Alvastra begraben, der im selben Jahr starb als die Kirche eingeweiht wurde.

Das Alvastra Kloster bekam dann im 14. Jahrhundert erneut eine bedeutende Rolle für die katholische Kirche in Schweden, da sich Ulf Gudmarsson, der Ehemann der Heiligen Birgitta dort zurückzog und dort starb. Die Heilige Birgitta ließ sich dann in nächster Nähe des Klosters nieder, wobei der damalige Subprior Peter Olofsson des Alvastra Klosters sämtliche ihrer Offenbarungen in Latein niederschrieb. Der gleiche Mönch schrieb dann auch, nach ihrem Diktat, die Regeln des Birgittinordens, die Regula Sancti Salvatori. Und nach dem Tod der Heiligen Birgitta schrieb Peter Olofsson dann auch noch ihre Lebensgeschichte und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Birgitta heilig erklärt wurde.

Als dann ab 1520 die Reformation in Schweden fortschritt, insbesondere aber nach dem Reichstag von Västerås (Västerås recess) im Jahre 1527, waren die Tage des Klosters jedoch gezählt und schon wenige Jahre später hatte der letzte Mönch Alvastra verlassen, auch wenn dies von Gustav Vasa nicht ausdrücklich gefordert worden war.

Ab 1544 wurde dann auch das Alvastra Kloster, wie die meisten anderen katholischen Klöster des Landes, als Steinbruch verwendet. Die Steine der Klosters und der Klosterkirche findet man daher vor allem im Vasaschloss, dem Vadstena Schloss und dem Schloss Visingsborg, das Per Brahe der Ältere auf Visingsö erbaute. Dass heute noch eine Ruine des Alvastra Klosters zu sehen ist, verdankt man der Tatsache, dass dem Ort Hjo im Jahre 1797 untersagt wurde weitere Steine von den Klostergebäuden für den Bau ihrer Kirche anzuwenden.

Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jedoch weiterhin Steine der Kirche und des Klosteranlage für kleinere Bauten benutzt und erst die Ausgrabungen in den Jahren 1921 und 1955 setzten weiteren Zerstörungen ein Ende.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, mars 26

Die Domarregler von Olaus Petri, ein Leitfaden für Richter

Mit den Domarregler, einem Leitfaden für Richter, hat Olaus Petri die ersten Durchführungsverordnungen Schwedens geschrieben, ein Werk, das traditionsgemäß noch heute in der Gesetzessammlung „Sveriges Rikes Lag“ zu finden ist, da die Domarregler noch immer die Basis der aktuellen Entscheidungen sind, auch wenn die ursprünglichen Regeln heute nur noch in sehr wenigen Ausnahmefällen so übernommen werden wie Olaus Petri sie verfasste.

Die Idee zu seinen Domarregler kamen aus der Zeit, als Olaus Petri in Deutschland die protestantische Religion studierte. In diesem Rahmen war er besonders vom wachsenden Humanismus, der sich auch im juristischen Bereich ausdrückte, beeindruckt. Als er dann, zurück in Schweden, von Gustav Vasa nicht nur als Verwalter der ganzen Stadt eingesetzt wurde, sondern auch dreimal die Woche Gericht abhalten musste, wuchs in ihm die Idee auch in Schweden eine Durchführungsverordnung zu verfassen, die allen Richtern des Landes als Leitfaden dienen sollte. Zu Hilfe bei dieser Arbeit kam ihm seine Eigenschaft über alles Buch zu führen und jedes Urteil zwischen 1524 und 1531 zu dokumentieren.

Allerdings verließ sich Olaus Petri bei der Verfassung seiner Domarregler nicht nur auf seine eigene Erfahrung und seine Erinnerungen aus Deutschland, sondern er studierte auch die Gesetzessammlungen des Mittelalters, römisches Recht und Kirchenrecht, aber suchte auch in der Bibel und den Predigten Luthers nach Hinweisen. Das Ergebnis war natürlich sehr stark von seiner eigenen Meinung geprägt, da er sich an keinerlei schwedische Verordnungen aus der Vergangenheit halten konnte, aber er vertrat dabei die Position des Volkes, das bis zur Zeit Gustav Vasas grundsätzlich der Willkür der Richter ausgeliefert waren.

Wenn man heute die Domarregler von Olaus Petri liest, so haben diese natürlich sehr wenig mit den gegenwärtigen juristisch formulierten Durchführungsverordnungen zu tun, da Petri Prosa mit Leitsätzen durchsetzte und das Werk kaum nach der heute gültigen logischen Ordnung unterteilte.

Beachtenswert ist bei den Domarregler, dass Olaus Petri sie auf unterschiedliche Landslagar (Regionalgestze) und Stadslager (Stadtgesetze) aufbaute und anschließend die Basis für die erste gesamtschwedische Gesetzgebung im Jahre 1734 wurden. Der Humanismus, den man in den Domarregler findet, baut indes vor allem auf den protestantischen Glauben auf, den Olaus Petri durch die Reformation in Schweden verbreitete, so dass die Achtung von Gott und den göttlichen Regeln dominant sind, denn auch für Olaus Petri kamen die Gesetze von Gott und mussten der Bevölkerung, in diesem Falle vor allem den Richtern, nur zeitnah erklärt werden.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, mars 22

Sigrid Botholfsdotter, die letzte Äbtissin des Vreta Klosters

Sigrid Botholfsdotter, deren Geburtsjahr und Herkunft unbekannt ist, war von 1513 bis zu ihrem Tod im Jahre 1538 die Äbtissin des Vreta Klosters bei Linköping, des vermutlich ältesten Klosters Schwedens. Als Ernennungsjahr bezeichnen die Akten der Domkirche in Linköping den 5. Februar 1514, also ein Jahr später als sie das Amt bereits übernommen hatte.

Im Zuge der Reformation wurde das Kloster im Jahre 1527 von Gustav Vasa zwar enteignet, was jedoch mehr nominell als tatsächlich der Fall war, denn Sigrid Botholfsdotter durfte das Kloster wie bisher weiterführen und auch über die Einkünfte verfügen. Sie musste lediglich 300 Örtog, die Währung jener Zeit, an das Askaby Kloster zu dessen Unterhalt abführen. Allerdings durfte Sigrid Botholfsdotter auch keine Novizinnen mehr aufnehmen, sondern musste sich auf die Ordensschwestern, allgemein oft als Nonnen bezeichnet, beschränken, die es zu dieser Zeit bereits in Schweden gab.

Ab 1529 wurde Sigrid Botholfsdotter auch die Äbtissin über die Ordensschwestern des Askeby Klosters, die gezwungen wurden in das Vreta Kloster zu ziehen, da das gesamte Kloster im Zuge der Reformation geplündert worden war und kein Klosterleben mehr erlaubte.

Da die Klosteraktivität mangels Nachwuchses auch im Vreta Kloster immer eingeschränkter wurde, eröffnete Sigrid Botholfsdotter dann eine Mädchenschule, die sie jedoch ebenfalls nach wenigen Jahren einstellen musste, da ihre katholische Lehre einen negativen Einfluss auf die Kinder ausüben konnte. Als Gustav Vasa dann im Jahre 1533 die Klosterkirche Vreta beschlagnahmte und in eine protestantische Kirche verwandelte, wurden die Klosteraktivitäten auf ein Minimum reduziert. Allerdings wurde das Kloster erst dann aufgelöst, als auch die letzte Nonne verstorben war.

Dass Gustav Vasa sich so nachsichtig mit dem Kloster und der Äbtissin Sigrid Botholfsdotter zeigte, lag vor allem an der Stellung, die Klöster bis zur Reformation eingenommen hatten, denn sehr viele Nonnen kamen aus einflussreichen Familien, da der Aufenthalt von Frauen aus adeligen Familien den sozialen Status des gesamten Geschlechts erhöhte. Nicht zuletzt spielte aber auch die Tatsache eine Rolle, dass die Schwiegermutter von Gustav Vasa, Ebba Eriksdotter, sich bis zu ihrem Tod im Jahre 1549 in das Vreta Kloster zurückgezogen hatte.   

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, mars 19

Johannes Magnus und die Geschichte der schwedischen Könige

Johannes Magnus, der am 19. März 1488 in Linköping geboren wurde und am 22. März 1544 in Rom starb, war der letzte katholische Erzbischof, der noch in Schweden tätig war. Seine Ausbildung gewann Johannes Magnus erst in der Kathedralschule in Skara und dann als Schüler des zukünftigen Papst Handrian IV., als dieser noch im belgischen Leuven Theologie unterrichtete.

1523 wurde Johannes zum Erzbischof Uppsalas ernannt, auch wenn ihn Papst Clemens VII. erst ein Jahr nach der Ernennung, und dann nur unter Vorbehalt, auch tatsächlich als Erzbischof einsetzte, da der Papst sich über die Rolle des Erzbischofs nicht ganz klar war, da dieser ein enger Freund von Gustav Vasa war, der sich des Katholizismus entledigen wollte, von einer nationalen Kirche Schwedens angetan war und nicht mit allen Mitteln gegen das aufkommende Luthertum kämpfte.

Gustav Vasa, der die zweideutige Rolle von Johannes Magnus kannte, wollte den katholischen Erzbischof zu seinem Vorteil ausnutzen und beauftragte ihn daher die Bibel zu übersetzen, was Rom von seinen wahren Ideen ablenken sollte. Da Johannes Magnus jedoch nach Lübeck reisen musste, kam diese Übersetzung nicht zu Stande und wurde dann von Olaus Petri übernommen, der voll hinter der Reformation Gustav Vasas stand.

Den Untergang von Johannes Magnus leiteten dann jedoch zwei bedeutende Ereignisse ein. Als er 1524 die Inquisition in Schweden einleiten sollte, verteidigte er Gustav Vasa und die eigenmächtigen Verhandlungen hinsichtlich einer Ehe zwischen Gustav Vasa und der katholischen Prinzessin Hedvig Jagellonica von Polen endete in einem Fiasko.

Nach diesen Ereignissen blieb Johannes Magnus nur noch das Exil und ihm waren die Türen zum Katholizismus ebenso verschlossen wie zum Protestantismus, was auch sein Status als Erzbischof nicht ändern konnte.

Ab 1533 widmete sich daher Johannes Magnus ganz der historischen Forschung, war jedoch finanziell vollständig von seinem Bruder Olaus abhängig mit dem er zwischen Venedig und Rom pendelte. Zwischen 1533 und seinem Tod im Jahre 1544 verfasste Johannes Magnus dann zwei historische Werke: Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus, die Geschichte aller schwedischer Könige, und Historia metropolitanae ecclesiae Upsalensis, die Geschichte des Bistums Uppsala.

Vor allem das erstere Werk wurde noch unter Gustav Vasa ein bedeutender Erfolg, da Johannes Magnus, dank seinem Einfallsreichtum, die schwedische Monarchie in einem besonders vorteilhaften Licht erscheinen ließ und selbst Sagenkönige mit in seiner Geschichte aufnahm. Nach der veröffentlichten Aufzählung der Könige, reichte das schwedische Königreich bis ins Alte Testament zurück und war die Wiege des gotischen Reiches.

Allerdings wurde die Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus erst im Jahre 1554, also zehn Jahre nach dem Tode von Johannes Magnus, von seinem Bruder Olaus veröffentlicht, der es zudem den Söhnen von Gustav Vasa widmete.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, mars 11

Die Bedeutung des Vreta Klosters in der schwedischen Geschichte

Das Vreta Kloster in der Nähe von Linköping ist das vermutlich älteste Kloster auf schwedischem Grund und wurde gegen das Jahr 1100 als Nonnenkloster (Benediktinerinnen) gegründet. Als Gründer gelten der König Inge der Ältere (Inge den äldre) und Königin Helena, die vom Papst, zumindest indirekt, dazu gezwungen wurden und zur Gründung des ersten Klosters einige Grundstücke zur Verfügung stellten.

Bereits wenige Jahre nach der Gründung, im Jahre 1162, schenkte dann König Karl Sverkersson den Vreta Kungsgård dem Kloster, damit dort ein Klostergebäude und eine Klosterkirche errichtet werden können. Zur gleichen Zeit wurde unerklärlicherweise aus dem Orden der Benediktinerinnen ein Orden der Zisterzienserinnen.

Während nicht überliefert ist woher die ersten Klosterschwestern kamen, kann man die Geschichte des Klosters ab 1162 relativ lückenlos verfolgen, denn Karl Sverkersson machte seine Schwester Ingegerd zur ersten Äbtissin des Klosters. Ingegerd leitete dann das Vreta Kloster etwa 40 Jahre lang, wobei das Kloster zu dieser Zeit jedoch nur aus einem einfachen Holzhaus und einer sehr einfachen Steinkirche bestand.

Ein bedeutender Schritt war dann als der Nuntius Vilhelm von Sabina Mitte des 13. Jahrhunderts Schweden besuchte und den Zisterzienserinnen im Vreta Kloster erlaubte Sünden zu erlassen und darauf drängte, dass ein würdiges Kloster mit einer Klosterkirche errichtet wurden. Bereits 1289 standen dann beide Gebäude und wurden im Beisein von Magnus Ladulås eingeweiht.

Im Laufe von einem Jahrhundert entwickelte sich dann das Vreta Kloster, dessen Ruinen (teilweise restauriert) man heute noch besuchen kann, zu einem der bedeutendsten Klöster Schwedens, wobei hierbei die Entstehung von Legenden und der wundersamen Heilung der Nonne Benedicta Nicolai sicher auch eine Rolle spielte.

Mit dem Konzil von Örebro und der Reformation im Jahre 1527 durfte das Kloster dann keine weiteren Nonnen mehr aufnehmen und diejenigen, die noch im Vreta Kloster lebten, mussten sich entscheiden, ob sie das Kloster verließen oder vom König, also von Gustav Vasa, abhängig wurden. 1529 löste dann die letzte Äbtissin, Sigrid Botholfsdotter, das Kloster auf und richtete in den Räumen eine Mädchenschule ein. 1533 übernahm dann Gustav Vasa das Kloster und verleibte die neben dem Kloster stehende katholische Klosterkirche in die protestantische Staatskirche ein.

Auch wenn das Vreta Kloster am 1527 seine Funktion verloren hatte, so lebte noch eine Äbtissin bis 1538 in den Gebäuden und die letzte Nonne starb sogar erst im Jahre 1582. Als die letzte Nonne gestorben war, begann man das Klostergebäude als Steinbruch zu verwenden, errichtete mit den Steinen mehrere Gebäude und gegen 1700 fand man von dem einst stolzen Gebäude nur noch einige Ruinen.

Die Ruinen des Klosters wurden dann zwischen 1916 und 1926 ausgegraben und zum Teil restauriert. Fundstücke und die Wasserleitung aus Holz sind heute in einem kleinen Museum vor Ort zu besichtigen. Einige der größten Steine des Vreta Klosters kann man heute im Turm der Domkirche in Linköping entdecken.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, februari 29

Svenska Krönika, eine moderne Geschichte Schwedens

Die Svenska Krönika (Schwedische Chronik) fasst in rund 300 Seiten die gesamte schwedische Geschichte bis zur Zeit Gustav Vasas und der Reformation Schwedens zusammen und gilt als die erste kritische Geschichte Schwedens, auch wenn der Autor, Olaus Petri, damit keine neutrale Geschichte Schwedens verfasste, sondern damit mehr die unkritische katholische Geschichtsschreibung revidierte, die bis dahin geschrieben wurde.

Das offizielle Ziel der Svenska Krönika, nach Olaus Petri, war Mythen, Legenden und Geschichte zu trennen. Er forderte für geschichtliche Handlungen handfeste Belege und Beweise, was bei allen früheren Geschichtsschreibungen nicht der Fall war. Mit dieser Forderung musste er allerdings auch die Größe des schwedischen Reiches in Frage stellen, was bedeutete, dass er das Sveareich nicht länger als die Wiege der Goten und der gesamten nördlichen Welt betrachtete. Er griff damit das Bild an, das die schwedischen Könige und die katholische Kirche über Jahrhunderte gezeichnet hatten.

Es war daher nicht verwunderlich, dass Gustav Vasa, als er 1540 die Svenska Krönika in die Hände bekam, die Herausgabe des Buches verbot, wobei das Gesamtwerk dann erstmals 1818 veröffentlicht wurde, fast 300 Jahre nachdem es verfasst war. Da Olaus Petri in seinem Geschichtswerk weder einen Hass zu Dänemark ausdrückte, die Bedeutung der Goten relativierte und die kriegerischen Leistungen Schwedens abminderte, sah Gustav Vasa damit seine eigene Größe und seine Herkunft bedroht.

Trotz der Schwächen der Svenska Krönika kann man noch heute sagen, dass das Werk die moderne Geschichtsschreibung und Geschichtsforschung einleitete. Die Schwäche liegt nur darin, dass auch Olaus Petri in gewissen Punkten seine Wertevorstellung hervorhob und vor allem die Reformation als neues Denken sah, die zu kritischem Nachfragen und nicht blindem Glauben führen soll.

Wenn man heute die Svenska Krönika liest und dabei an die Zeit von Gustav Vasa denkt, sowie die allgemeine Denkweise der Zeit, so ist das Werk geradezu revolutionär und man spürt hinter jedem Satz die humanistisch-reformatorische Überzeugung von Olaus Petri. Allerdings ist das Buch nicht als moderne Geschichtsschreibung zu betrachten, da viele Kenntnisse, die man mittlerweile erworben hat, Olaus Petri noch nicht zugänglich waren.
Copyright: Herbert Kårlin

måndag, februari 27

Der Aufruhr gegen Gustav Vasa im Västergötland

Mit seinen Bestrebungen die Reformation zügig durchzuziehen, unter anderem durch die Einberufung des Konzils von Örebro, schaffte sich Gustav Vasa in der katholischen Führungsschicht Schwedens zahlreiche Feinde, die aktiv gegen die Lehre Luthers kämpften. Am bedeutendsten wurde hierbei der sogenannte Västgötaherrarnas uppror, der auch als Västgötabullret oder Västgötaupproret (Aufstand im Västergötland) in die Geschichte einging.

Dieser Aufstand gegen Gustav Vasa begann im April 1529 im nördlichen und westlichen Småland, wobei der Reichshofmeister Ture Jönsson und der Bischof Magnus Haraldsson aus Skara sehr schnell die Führung der Aufstands übernahmen und Gustav Vasa absetzen wollten, mit dem Ziel damit auch die Reformation zu stoppen. Durch die Unterstützung wichtiger Persönlichkeiten griff der Aufstand sehr schnell vom Småland aus auch auf das Värmland und das Västergötland über.

Zum 20. April riefen die Führer des Västgötaherrarnas uppror in Larvs (eine andere geschichtliche Quelle spricht vom 25. April in Broddetorp) zu einem gemeinsamen Treffen mit den Vertreter der Bauern und der Kaufleute ein, deren Unterstützung sie benötigten, wenn sie Gustav Vasa zum Sturz bringen wollten. Im Gegensatz zum Dalaupproret gelang ihnen jedoch nicht ein gemeinsames Vorgehen durchzusetzen, denn sowohl Bauern als auch Kaufleute sprachen sich weiterhin für Gustav Vasa aus.

Gustav Vasa, nach seinen Erfahrungen mit dem Dalaupproret, sah natürlich sofort die Gefahr die der Västgötaherrarnas uppror, der Aufstand der Herren des Västgötalands, barg und verhandelte unmittelbar mit allen Schichten des Östergötland, wobei er den Bauernvertretern auch eine gemäßigte Reformation zusagte, was dazu führte, dass diese sich mit den Vertretern der Bauern in Västergötland in Verbindung setzten und sie gegen eine Unterstützung des Aufstands der kirchlichen Herren brachten.

Als Ture Jönsson und Magnus Haraldsson klar wurde, dass der Aufstand scheiterte, flohen sie unmittelbar nach Dänemark und suchten Zuflucht beim dänischen König Kristian II. und Gustav Vasa war in seiner Macht und dem Reformationsbestreben gestärkt. Während des Reichstags im Juni 1529 in Strängnäs wurden dann die drei am Aufstand beteiligten Reichsräte Måns Bryntesson Lilliehöök, Nils Olofsson und Ture Eriksson vor Gericht gestellt. Da die ersten beiden dem König einen neuen Treueeid verweigerten, wurden sie zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die Aufständischen im Västergötland bereuten den Aufstand und leisteten einen neuen Treueeid und jene im Småland, die den Aufstand angezettelt hatten, wurden begnadigt, was von Gustav Vasa ein strategischer Schachzug war, da ihm dadurch das Småland stärker verbunden war als vor dem Aufstand. Auf Grund der schnellen Reaktion von Gustav Vasa war der Västgötaherrarnas uppror bereits nach vier Wochen endgültig beendet.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, februari 19

Das Konzil von Örebro in der schwedischen Geschichte

Ein bedeutender Schritt der Reformation in Schweden war die Einberufung eines Konzils in Örebro durch Gustav Vasa. Das Kyrkomöte i Örebro (Konzil von Örebro) wurde Ende 1528 zum kommenden Kyndelsmässodagen (Maria Lichtmess) am 2. Februar 1529 festgelegt, wobei zu diesem ersten schwedischen Konzil ausschließlich Priester und andere kirchliche Würdenträger eingeladen waren.

Zum Konzil in Örebro erschienen 40 katholische und protestantische Kirchendiener, darunter die Bischöfe der religiösen Hochburgen Skara, Strängnäs und Västerås, aber auch mehrere Mönche und Priester. Als Vertreter Gustav Vasas nahmen Olaus Petri und Laurentius Andræ teil, wobei letzterer als Erzbischof das Konzil auch leitete.

Das Konzil war eine Fortsetzung des Västerås recess von 1527, als Gustav Vase sich entschloss die katholische Kirche zu enteignen, wobei der Monarch sich durch das Konzil stärken wollte, ohne jedoch beim Volk einen Aufruhr zu verursachen. Für Gustav Vasa war es daher insbesondere wichtig eine Einigung zwischen den beiden christlichen Strömungen zu finden, sich selbst jedoch gleichzeitig über die Religion zu stellen und durch Erziehung der Bürger die neue Religion durchzusetzen.

Unter dieser Voraussetzung war es auch logisch, dass das Konzil in Örebro kein Durchbruch für die protestantische Religion sein konnte und keine christliche Revolution stattfand. Sämtliche katholische Riten blieben erhalten und sollten nur neu erklärt werden. Aber auch wenn sich dadurch nur sehr wenig änderte, wurde diese Entscheidung von den beiden Fronten, die sich innerhalb der kirchlichen Schicht gebildet hatten, als unzureichend betrachtet. Während die katholisch geprägte Seite die Änderungen als unakzeptabel betrachtete, gingen die geringen Änderungen den modernen Protestanten nicht weit genug, da sie die schwedische Lehre sofort jener Luthers angleichen wollten.

Das Konzil in Örebro regelte indes drei verschiedene Leitlinien mit denen Gustav Vasa die protestantische Lehre in Schweden verankern wollte. Zum einen mussten die Bischöfe dafür sorgen, dass alle Priester und Mönche über die wahren Lehre aufgeklärt wurden und nur noch diese weitergaben. In den Domkirchen musste täglich die Bibel erklärt werden und bei jeder Predigt mussten das Vater unser, das Ave Maria und das Glaubensbekenntnis vorgelesen werden. Der zweite Punkt regelte das Recht der Kirche auf Absolution, gab den Bischöfen die Möglichkeit Priestern die Ehe zu erlauben und forderte die Bischöfe auf die katholischen Feiertage zu reduzieren, damit nur noch Gottes Tage, die der Jungfrau Maria, jene der Aposteln und der jeweilige Kirchenheiligen gefeiert werden. Der dritte Punkt betraf die Zeremonien, die nicht abgeschafft werden sollten, sondern nur in ihrem wahren Sinne erklärt werden mussten.

Auch wenn mit dem Konzil die Zukunft der protestantischen Kirche klargelegt war und Gustav Vasa Abtrünnige bestrafen konnte, so widersetzten sich vor allem die aus Deutschland stammenden Priester der neuen Ordnung. Insbesondere der deutsche Priester Tileman in Stockholm kämpfte mit öffentlichen Predigen gegen die Einführung des protestantischen Glaubens und schwieg erst, als er sich im Gefängnis wiederfand.

Aber der Widerstand kam auch aus zahlreichen anderen Reihen, denn drei Mönche aus Vadstena nahmen am Konzil nur Teil, weil sie dachten, dass dabei der protestantische Glaube verdammt werden sollte. Aber auch der Bischof von Skara, Magnus Haraldi, wollten Gustav Vasa dazu zwingen die neuen Regeln wieder für ungültig zu erklären. Nahezu im ganzen Lande machte sich eine Unruhe breit, wobei der Västgötaherrarnas uppror den König wegen seiner Strebungen sogar absetzen wollte.

Gustav Vasa zeigte jedoch Stärke und beauftragte Olaus Petri und Laurentius Andræ auch gegen den Willen der Abtrünnigen die Reformation durchzusetzen. Die bedeutendsten Aufrührer, so Magnus Heraldi, wurden des Landes verwiesen und durften ihren Fuß nie wieder auf schwedischen Boden setzen. Diese Maßnahmen des Königs zeigten sehr bald Erfolg und selbst jene, die nach wie vor den Katholizismus als den wahren Glauben betrachteten, fügten sich in ihr Los und folgten schliesslich den Regeln des Konzils in Örebro.

Copyright: Herbert Kårlin