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tisdag, september 11

Jokkmokk in der schwedischen Geschichte

Als sich Karl IX. zu Beginn des 17. Jahrhunderts entschlossen hatte auch das nördlichste Schweden in sein Reich einzugliedern, so wollte er in erster Linie auch zentrale Stellen der Sami unter seine Gewalt bekommen und diese überwachen. Einer dieser Treffpunkte der Sami war die Umgebung des heutigen Jokkmokk. Archäologische Funde beweisen, dass dort bereits Handel betrieben wurde, lange bevor Karl IX. seine Beauftragten in die Gegend schickte, denn die ältesten Funde gehen bis ins Jahr 900 zurück, die Epoche der Wikinger.

Nach dem gleichen Stil wie in Arvidsjaur oder später Fatmomakke als in ganz Lappland Kirchdörfer angelegt wurden, so wurde auch in Jokkmokk gegen 1605 dort als erstes eine Kirche gebaut und ein Kirchdorf errichtet. Der Unterschied zu Arvidsjaur war jedoch, dass der König in Jokkmokk nicht nur den Kirchbesuch als Pflicht machte, sondern auch die Anwesenheit auf dem damals dreiwöchigen Markt. Die Idee war Jokkmokk zum Marktzentrum Lapplands zu machen, denn je weniger Marktmöglichkeiten für die Sami existierten, um so besser konnte die Krone den Handel überwachen und Steuern eintreiben.

Bei Ausgrabungen aus den 30er Jahren konnte man in der Nähe der Vårdcentralen in Jokkmokk Reste alter Gebäude und Gräber finden, die gegen 1607 erbaut wurden, was darauf hinweisen könnte, dass dort auch die erste Kapelle des Ortes erbaut wurde. Auch dort, wo heute der jährliche Markt von Jokkmokk stattfindet, fand man Reste von Koten und Kirchhäuschen, die Zeugen der Zwangschristianisierung der Sami sind.

Obwohl man 1660 Silber im Gebirge von Kvikkjokk fand, das von den Sami über Jokkmokk zur Küste transportiert werden musste, entwickelten sich in der Umgebung Jokkmokks erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch feste Ansiedlungen, einer Zeit, als die Gewinnung von Silber wegen Unrentabilität bereits wieder eingestellt worden war.

Im Jahre 1732 können in Jokkmokk dann die ersten dauerhaften Gebäude nachgewiesen werden, wobei in diesem Jahr in Jokkmokk auch eine staatliche Schule für Kinder der Sami eingerichtet wurde, die vom König sehr schnell zur Pflicht gemacht wurde, da er glaubte damit die Sami besser in die schwedische Gesellschaft integrieren zu können. Gleichzeitig hatte die Krone auch Sieder nach Jokkmokk locken können, denen gewisse Steuererleichterungen geboten wurden und er schenkte ihnen Land der Sami, da er davon ausging, das Nomaden kein Land besitzen konnten und daher alles der schwedischen Krone gehört.

Als sich im 18. Jahrhundert die Bevölkerung in Jokkmokk vor allem durch Siedler aus den südlicheren Teilen Schwedens ausdehnte, wurde die Kirche zu klein und 1753 wurde eine größere Kirche gebaut, die jedoch bei einem Brand im Jahre 1972 vollständig zerstört wurde. Die heutige Gamla Kyrka ist daher eine Replik dieser alten Kirche und wurde gemäß der früheren Pläne an der gleichen Stelle wieder aufgebaut.

Heute ist Jokkmokk ein bedeutendes touristisches Zentrum Lapplands, dessen Markt zum 400. Jubiläum Anfang Februar 2012 rund 80.000 Besucher anzog. Auch wenn ein Teil der Bevölkerung Jokkmokks samischen Ursprungs ist, so ist heute die Politik Stockholms in den meisten Punkten maßgebend, was die Sami in eine gewisse Randposition drängt und immer wieder zu Spannungen führt.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, augusti 31

Die samische Kirchstadt Fatmomakke in der schwedischen Geschichte

Der Erfolg, den die schwedische Krone mit der Entwicklung der samischen Kirchstadt Arvidsjaur erreicht hatte und der Wunsch das gesamte Reich der Sami unter der Krone zu vereinen, führte dazu, dass man immer weiter ins Hinterland vorstieß um dort nach dem gleichen Muster samische Kirchenstädte zu errichten und versäumte Kirchbesuche, die zweimal im Jahr erfolgen mussten, unter Strafe zu stellen.

Nahe Vilhelmina ist eine dieser samischen Kirchstädte des Hinterlandes weitgehend im Stil des 18. Jahrhunderts erhalten und wird noch heute regelmäßig von den Sami besucht, auch wenn der massive Ansturm an Touristen dabei ist dieses einzigartige Dorf kulturell langsam zu zerstören, obwohl Fatmomakke von der Lokalregierung mittlerweile weitgehend geschützt wird.

Die Gegend um Fatmomakke wurde bereits im Neolithikum und während der Eisenzeit von den Sami als Treffpunkt benutzt, was zahlreiche Funde beweisen. Dass daher dieses Minizentrum der Sami im 18. Jahrhundert dafür gewählt wurde eine Kirche zu bauen und schwedische Siedler anzuziehen, war eine bewusste Handlung und erleichterte es die Sami weiterhin nach Fatmomakke zu locken. Der Zwang zum Kirchenbesuch sollte sie dann gleichzeitig von ihren Riten und ihrem „Aberglauben“ abbringen, wobei die königlichen Verwalter auch davon überzeugt waren, dass der Zusammenstoß mit der „zivilisierten“ Schicht Schwedens die Sami zur Anpassung bringen würde.

Die Besiedlung der Umgebung von Fatmomakke ging indes nicht so zügig voran als in Gallejaur oder auch in der samischen Kirchstadt Arvidsjaur, da das Gebiet zu abgeschieden war und nicht die gleichen Vorteile bot wie andere Neusiedlungen. Dies erklärt auch, warum Fatmomakke bis etwa 1830 fast ausschließlich von den Sami benutzt wurde, die dort Koten zum Übernachten rund um die Kirche erbauten. Bis auch die Holzhütten entstanden, die man heute neben den Koten in Fatmomakke findet, vergingen allerdings noch nahezu hundert Jahre. Ab 1830 kamen auch die ersten Neusiedler in die Gegend, anfangs vor allem aus Norwegen, später auch aus dem südlicheren Schweden.

Die erste Kirche entstand in Fatmomakke bereits im Jahre 1781 und wurde von Per Rådström, der Priester in Åsele war, in Form von zwei Koten gebaut. Allerdings sollten diese bereits zehn Jahre später gegen eine größere Holzkapelle ausgetauscht werden. Auch dieses zweite Gebäude wurde im Laufe der Jahrzehnte zu klein und musste 1881 der noch heute existierenden Kirche Platz machen.

Auch wenn Fatmomakke noch heute ein wichtiger Treffpunkt der Sami ist, so kam mittlerweile zu den zwei ursprünglichen Kirchentagen ein weiterer hinzu, nämlich Mittsommer. Allerdings findet man an diesem dritten Kirchentag hunderte von schwedischen und ausländischen Touristen und kann sich kaum in die historische Zeit versetzen, in der hier Sami ihre Gedanken austauschten, sondern erlebt die Verwandlung Lapplands zu einer touristischen Attraktion.

Während der Sommermonate kann man einige Koten und vor allem die „Kirchstugor“ besichtigen, wobei in einer der Stugor eine Ausstellung zur Geschichte Fatmomakkes zu finden ist. Auch die Länsmansstugan (das Gebäude des Regierungsvertreters), die Gebetsstuga der samischen Künstlerin und Vertreterin der Heilsarmee Lapp-Lisa und die Kapelle sind für Besucher offen, wobei man jedoch daran denken muss, dass sich in beiden Stugor nicht die Rentierzüchter, die samischen Nomaden, aufhielten, sondern diese zu den Gebäuden gehören, die von der privilegierten, überwiegend schwedischen Schicht, benutzt wurden und den Sami als Vorbild der Baukunst dienen sollten.

Die Holzkapelle in neoklassischem Stil in Fatmomakke wurde letztmals 1978 restauriert, wobei hiermit auch die ursprüngliche Altartafel des samischen Künstlers J. Meurk zurück in die Kapelle gebracht wurde. Die Kanzel und zahlreiche andere Gegenstände stammen allerdings aus der alten Kirche in Åsele und nicht aus Fatmomakke.

Der Versuch Fatmomakke zu einem offiziellen Kulturreservat zu machen, was die Bauten und die Umgebung zumindest während der nächsten Jahrzehnte schützen würde, scheitert bisher daran, dass allein der Grund zwei verschiedenen Großbesitzern gehört und die Gebäude und Koten rund 140 Besitzer haben, deren Zustimmung dafür nötig wäre. Sollte das Projekt jedoch scheitern, so werden allerdings immer mehr Sommerstugor das erreichen, was den Königen und Priestern in drei Jahrhunderten nicht gelungen ist.

Copyright: Herbert Kårlin