Visar inlägg med etikett Lappland. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Lappland. Visa alla inlägg

måndag, oktober 29

Die Herkunft der Sami und ihrer Kultur in der schwedischen Geschichte

Kaum ein Thema der schwedischen Geschichte ist so umstritten wie die Herkunft und die Kultur der Sami im nördlichsten Teil des Landes, denn es gibt keine alten Dokumente und die bisherigen Funde können nur einen Bruchteil der offenen Fragen beantworten. Erschwert wird dieses Frage noch von der Geschichtsschreibung vom 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts, die in Fragen der Sami mehr als nur zweifelhaft ist und jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, da man diese Frage unter rein ethnischen Gesichtspunkten erklären wollte.

Die Sami tauchten im heutigen Lappland vermutlich bereits vor Christi Geburt auf und waren aller Wahrscheinlichkeit nach Jäger, die sich als Nomaden über weite Strecken bewegten, da es dort weitaus weniger Tiere, Fisch oder auch Pflanzen gab als in den südlicheren Teilen des Landes. Das Leben als Nomade war daher keine freie Wahl, sondern eher eine Notwendigkeit.

Auf Grund der bisherigen Funde, aber auch der Sprache und der Genetik der Samen, muss man davon ausgehen, dass dieses Volk nicht vom Süden Schwedens aus in den Norden vordrang, sondern aus dem Osten kam, auch wenn man bisher nicht feststellen kann aus welcher Region und noch weniger weiß, warum sich die Sami nach Lappland aufmachten. Es ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, dass es sich um ethnische Verfolgungen handelte und die Sami im relativ unwirtlichen Gebiet Schwedens die einzige Stelle fanden an der sie ohne Gefahren überleben konnten.

Mit der Bevölkerungsentwicklung Schwedens und den ständigen Reisen der Sami kam es sicher bereits ab dem frühen Mittelalter zu vermutlich friedlichen Treffen mit den damaligen Schweden, was sowohl zu einem gewissen Warenaustausch führte, aber auch dazu, dass sich verschiedene Gruppen der Bevölkerung mischten. Auch Sklaven oder Träl, die den Wikingern am Mälaren entkamen, hatten im Grunde nur die Wahl sich nach Norden zu begeben, was zwischen den Jahren 1000 und 1600 aus den Sami eine neue genetische Gruppe an Menschen wurde, deren Herkunft daher, rein wissenschaftlich gesehen, zum  Teil selbst in den südlicheren Ländern Europas gefunden werden kann ohne dass bis zu dieser Zeit je ein Sami diese Länder besucht hätte. So wenig wie die damaligen Schweden einer Volksgruppe klar zugeordnet werden können, so wenig ist dies auch bei den Sami möglich, auch wenn die sozialen Kontakte zwischen Sami und Schweden bis zum 16. Jahrhundert vermutlich geringer war als jene zwischen einem Mittelschweden und einem Holländer, da die Kulturen sehr unterschiedlich waren und der Handel sich bis zur „Invasion“ des Nordens durch die schwedischen Könige, südlich orientiert war.

Dass die Sami noch im 14. Jahrhundert keine homogene Gruppe war geht auch aus zahlreichen schriftlichen Dokumenten hervor, denn bereits Saxo Grammaticus beschrieb sehr unterschiedliche Gruppen an Sami, die sich je nach ihrer Lebensart unterschieden. Ab dieser Zeit unterscheidet man die Bergsami, die Waldsami und die Flusssami, Unterscheidungen, die bis heute eine gewisse Bedeutung haben und gewissermaßen beweisen, dass man auch historisch nicht pauschal von „den Sami“ reden kann, sondern Lappland von mehreren Gruppen an Sami bevölkert wurde, die vermutlich bereits sehr früh untereinander Handel betrieben und Erfahrungen austauschten, auch wenn die verschiedenen Sprachen gewisse Probleme dabei verursacht haben können.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, oktober 15

Rastklippan, die Steinzeit im schwedischen Gebirge

Lange Zeit ging man in der schwedischen Geschichte davon aus, dass der schwedische Norden während des Mesolithikum (Mittlere Steinzeit) nicht bewohnt war. Funde während der letzten Jahrzehnte in Garaselet, Lappviken oder Rastklippan und anderen Teilen Nordschwedens beweisen jedoch das Gegenteil. Mittlerweile wurden an zahlreichen Stellen Siedlungen aus der Zeit zwischen 8000 und 5000 vor Christus entdeckt. Zu den erstaunlichsten Funden gehören jedoch jene in Rastklippan, einer kleinen Insel im Tärnsjön, der sich auf einer Höhe von 605 Metern befindet, mitten im schwedischen Fjällgebiet (Bergland).

In Rastklippan wurden, unter anderem, Reste eines Gebäudes mit Steinboden und Feuerstelle gefunden, das sowohl gegen 7000 vor Christus als auch 5500 vor Christus benutzt wurde und allen Hinweisen nach eine mehr oder weniger feste Behausung war, die nicht nur kurzzeitig benutzt wurde, was auch bedeutet, dass der See über Monate hinweg eisfrei gewesen sein muss, da sich die Bewohner sowohl von Fisch als auch von Fleisch ernährten.

Das Werkzeug, das man in Rastklippan fand, entspricht in großen Zügen dem üblichen Werkzeug und Waffen des Mesolithikum, jedoch mit dem Unterschied, dass das Werkzeug roten Schiefer und feinkörnigen roten Sandstein enthielt, Material, das man erst sehr viel später in der nördlichen Küstenregion entdecken konnte. Auch die Form der Gerätschaften weicht etwas von den bisherigen Funden in Schweden ab. Auf Grund dieser Funde bezeichnet man das Volk, das sich in der Umgebung von Rastklippan aufhielt als das Volk des roten Steines.

Die bisherigen Funde in Nordschweden, die bis in die Steinzeit zurückreichen, erlauben es den Archäologen jedoch nicht die damalige Volksgruppe und deren Herkunft in irgend einer Weise einzuordnen. Sicher scheint jedoch, dass diese Gruppe keine Verbindung zu den südlichen Siedlern Schwedens jener Epoche hatten. Ob es sich daher um Vorfahren der Sami handelte, eine davon völlig unabhängige Gruppe oder ein Volk, das sich später nach Süden oder Osten bewegte, bleibt reine Spekulation.

Während man vom Volksstamm, der gegen 7000 vor Christus in Rastklippan lebte nahezu nichts weiß, außer dass das dort gefundene Quarzmesser aus dieser Epoche der bisher älteste Fund in diesem Gebiet ist, so konnte man durch verschiedene Funde beweisen, dass das Volk, das sich ab 5500 vor Christus dort aufhielt, auch große Tiere jagte. Eine Siedlung in Rastklippan aus dieser Epoche überrascht die Archäologen allerdings auch weitaus weniger, da das Klima gegen 5000 vor Christus wärmer war als heute und selbst die Baumgrenze etwa 100 Meter höher lag.

Da archäologische Ausgrabungen in Nordschweden noch relativ jung sind und erst jetzt in Schwung kommen, ist zu erwarten, dass man in den kommenden 50 Jahren mehr Kenntnisse über die Geschichte Nordschwedens gewinnen wird und vielleicht auch Teile des bisherigen Geschichte Lapplands neu schreiben muss.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, september 26

Ankarede, die letzte Kirchstadt im Jämtland

Durch seine Lage spielte das Jämtland eine besondere Rolle in der schwedischen Geschichte, nicht zuletzt auch deswegen, weil es erst 1699 offiziell in das schwedische Reich eingegliedert wurde. Dies bedeutet natürlich auch dass die erste Welle der Kolonisation Nordschwedens in dieser Gegend andere Wege nahm, die vor allem von norwegischer Seite bestimmt waren, als in Lappland.

Aber auch in Jämtland wollte das schwedische Reich natürlich die samische Bevölkerung zu gläubigen Schweden machen, obwohl dies weitaus problematischer war als in Lappland, da sich die Bevölkerung weitaus mehr an Norwegen orientierte und Schweden weder die samischen Kultstellen im Jämtland kannte, noch den Handel massgeblich beeinflussen konnte.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden daher Bewegungen, die einerseits schwedische Siedler nach Jämtland führten, zum anderen den Sami christliche Bräuche von schwedischer Seite näher brachten. Die insgesamt neun Kirchstädte Jämtlands, von denen heute nur noch Ankarede existiert, entstanden daher erste im 19. Jahrhundert, wobei allerdings selbst die Geschichte Ankaredes nur teilweise bekannt ist.

Die erste Kapelle in Ankarede entstand vermutlich gegen das Jahr 1820 an einem Platz, den die Sami vorher für die Beerdigung ihrer Toten verwendet hatten, eine Wahl, die die Anerkennung der schwedischen Kirche einfacher machen sollte. Die heute sichtbare Kapelle ersetzte dann 1896 das erste Gebetshaus, das lediglich durch eine schriftliche Aufzeichnung bekannt ist. Erst mit der Jahrtausendwende begann sich Ankarede dann mehr und mehr zu einem Sammlungsplatz zu entwickeln und der Bau einer Kirchstadt wurde zur Notwendigkeit.

Die Kyrkstad Ankarede gehört zu den kleineren Kirchstädten Schwedens und verfügt über rund 30 Koten, etwa zehn Stugor (Wohnhütten) und fünf Lagergebäude, die alle zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und deutlich zeigen, dass es trotz des gemeinsamen Kirchgangs und des Handels nicht zu einer Verschmelzung zwischen Schweden und Sami kam, denn auch die entsprechenden Übernachtungsstellen sind deutlich voneinander getrennt.

Was die Kyrkstad Ankarede, die südlichste Schwedens, ebenfalls von den anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass alle Koten im Stil der Sami aus Västerbotten entstanden und daher von Sami gebaut wurden, die im 19. Jahrhundert aus unbekannten Gründen ins Jämtland kamen. Ob sie damit der schwedischen Unterdrückung entkommen wollten, aus praktischen Gründen umzogen oder wegen Nahrungsmangel in eine neue Gegend kamen, kann man heute nicht mehr sagen. Ebenso wenig weiß man, ob die „Flüchtlinge“ den neuen Glauben bereits aus Västerbotten mitbrachten oder ihm durch den Umzug ursprünglich entkommen wollten. Ein Rätsel ist auch, wo man in Ankarede die Zeichen jener Sami findet, die bereits vorher dort lebten.

Die Kirchstadt Ankarede belebt sich vor allem zu Mittsommer, wenn dort ein dreitägiges Fest gefeiert wird, das sich allerdings jedes Jahr mehr zu einer touristischen Attraktion entwickelt.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, september 22

Kirchdörfer und Kirchstädte in der schwedischen Geschichte

Wer in Schweden nach der Geschichte der Christianisierung sucht, wird zweifelsohne immer wieder von Begriffen wie Kyrkby (Kirchdorf), Kyrkstad (Kirchstadt), Lappstad („Lappenstadt“) und ähnlichen Begriffen angelockt, ohne jedoch den Zusammenhang zwischen den einzelnen Begriffen immer zu sehen und zu verstehen.

Der ungenaueste Ausdruck, der auch keinen echten Bezug zur schwedischen Geschichte hat, ist der Ausdruck Kyrkby, also Kirchdorf, denn ursprünglich war ein Kyrkby nichts anderes als ein Dorf, das sich um eine Kirche entwickelte und in zahlreichen Fällen dem Namen des Ortes beigefügt wurde, oder aber man nannte den Ort einer Region in dem die Kirche für mehrere Dörfer gebaut wurde Kyrkby, um zwischen einem gewöhnlichen By (Dorf) ohne Kirche und einem Kyrkby (Kirchdorf) eine Unterscheidung zu machen. Ein Kirchdorf kann daher weder bestimmten Gebieten noch einer bestimmten geschichtlichen Epoche zugeordnet werden.

Eine Kyrkstad (Kirchstadt) war dagegen ein Ort oder eine Stelle mit einer Kirche wo zahlreiche Koten oder Stugor gebaut wurden, die ursprünglich nur der Übernachtung für jene dienten, die eine große Strecke bis zur Kirche zurücklegen mussten, die man nicht innerhalb eines Tages leisten konnte. Oft wurden diese sehr einfachen Behausungen nur zwei- bis dreimal im Jahr benutzt und hatten keinen Komfort und oft nicht einmal Fenster. Diese Kyrkstäder findet man überwiegend im nördlichsten Teil Schwedens, wobei viele unter ihnen entstanden um die Sami zur Integration in die schwedische Gesellschaft, dem Kirchbesuch und dem Bezahlen von Steuern zu zwingen.

Insgesamt entstanden in Schweden etwa 70 Kirchstädte unter denen nur noch sehr wenige bis heute existieren, wenn auch überwiegend umgebaut und kaum noch im ursprünglichen Sinne. Einige der größten unter ihnen entwickeln sich zu touristischen Attraktionen.

Aber auch wenn man von einer Kyrkstad spricht, so gab es auch hier zu Beginn noch bedeutende Unterschiede, denn die Kyrkstäder für Sami werden oft als Lappstad bezeichnet, jene für Landwirte Bondstad und jene für den gehobenen Bürgerstand und die Kaufleute Borgarstad. Auch wenn bisweilen alle drei dieser Städte zu einer einzigen Kyrkstad zusammengewachsen waren, so gab es eine sehr deutliche Trennung zwischen diesen Schichten, sowohl was den Bau der Gebäude betrifft, als auch die Einrichtung und die Zeit, die die Bewohner in der Kyrkstad verbrachten. Zu den drei Grundeinheiten einer Kyrkstad kam dann oft noch die Stallstad, also der Ort an dem die Tiere untergebracht werden konnten.

Heute kann man die geschichtlich interessanten Kirchstädte an zwei Händen zählen, wobei sich die südlichste davon, Ankarede, im Jämtland befindet und zu Mittsommer immer noch von den Sami benutzt wird.

In Norrbotten liegen Gammelstad, Arvidsjaur und Öjebyn, die von der Geschichte und ihrer Struktur her sehr unterschiedlich sind, wobei Gammelstad zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Die Mehrheit der Kyrkstäder in Västerbotten entstanden zur Zeit der Kolonisation Lapplands und sind Zeugen der Begegnung von zwei Kulturen, die bis heute noch keinen wirklich gemeinsamen Weg gefunden haben. Zu diesen Kirchstädten gehören Fatmomakke, Lövånger, Skellefteå, Ammarnås und Vilhelmina.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, september 18

Die Kirchstadt Gammelstad (Gammelstads Kyrkstad) bei Luleå

Während die Kirchstädte Arvidsjaur und Fatmomakke deutlich mit der Besiedlung Lapplands zu tun haben, hat die bekannteste Kirchstadt Nordschwedens, nämlich die Gammlestads Kirchstadt (Gammelstads Kyrkstad) bei Luleå eine völlig andere Geschichte, was auch dazu führte, das sich diese Kirchstadt zur größten Kyrkstad des Nordens entwickelte und insgesamt 424 Gebäude umfasst, also selbst von der Größe her einer mittelalterlichen Großstadt entspricht.

Gammelstad, also das frühe Luleå, war schon zur Zeit der Wikinger als Handelsort bekannt und ab Mitte des 13. Jahrhunderts kann man nachweisen, dass Händler aus Stockholm und Åbo (Turku) nach Gammelstad kamen um mit den Sami Handel zu treiben. Dies war auch der Grund dafür, dass hier ab dem 14. Jahrhundert eine natürliche Ansiedlung entstand, eine Kirche gebaut wurde und die Stadt den mittelalterlichen Charakter der südlicheren Teils Schwedens annahm.

Als daher die Kirchenpflicht auch für die samische Bevölkerung zu gelten begann, wurde Gammelstad einfach ausgebaut nach dem gleichen Baustil mit dem die Siedler bereits begonnen hatten. Die Kirchstadt Gammelstad war daher eine Mischung aus Kirchstadt und Handelsstadt, die sich zwar nach den wichtigsten Markt- und Kirchentagen zum großen Teil leerte, aber dennoch als lebender Ort erhalten blieb und sich nicht vollständig leerte.

Die Gammelstads Kyrkstad weicht aber noch in einem anderen Punkt von den rein samischen Kirchenstädten ab, denn Gammelstad lag an einem strategisch wichtigen Punkt an dem die verschiedensten Gruppen interessiert waren und wo deshalb auch zahlreiche Kämpfe ausgetragen wurden. Der Ort war daher auch in Hinsicht auf die verschiedenen möglichen Angriffe angelegt werden. Die Kirche in Gammelstad ist daher eine typische Verteidigungskirche um die sich die Häuser gruppieren, was den Vorteil hatte, dass sich die ständigen Bewohner bei einem Angriff sehr schnell in die Kirche zurückziehen konnten um von dort aus den Feind abzuwehrten.

Die Kirchstadt Gammelstad, die seit 1996 Weltkulturerbe ist, wurde bis gegen 1950 auf traditionelle Weise benutzt und wird heute vor allem noch zu bestimmten Ereignissen, unter anderem Mittsommer, aktiv, wobei sich diese Kirchstadt immer mehr zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt, so dass es bisweilen schwierig ist sich die frühere Atmosphäre noch vorzustellen wenn man durch die engen mittelalterlichen Straßen von Gammelstad geht.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, augusti 31

Die samische Kirchstadt Fatmomakke in der schwedischen Geschichte

Der Erfolg, den die schwedische Krone mit der Entwicklung der samischen Kirchstadt Arvidsjaur erreicht hatte und der Wunsch das gesamte Reich der Sami unter der Krone zu vereinen, führte dazu, dass man immer weiter ins Hinterland vorstieß um dort nach dem gleichen Muster samische Kirchenstädte zu errichten und versäumte Kirchbesuche, die zweimal im Jahr erfolgen mussten, unter Strafe zu stellen.

Nahe Vilhelmina ist eine dieser samischen Kirchstädte des Hinterlandes weitgehend im Stil des 18. Jahrhunderts erhalten und wird noch heute regelmäßig von den Sami besucht, auch wenn der massive Ansturm an Touristen dabei ist dieses einzigartige Dorf kulturell langsam zu zerstören, obwohl Fatmomakke von der Lokalregierung mittlerweile weitgehend geschützt wird.

Die Gegend um Fatmomakke wurde bereits im Neolithikum und während der Eisenzeit von den Sami als Treffpunkt benutzt, was zahlreiche Funde beweisen. Dass daher dieses Minizentrum der Sami im 18. Jahrhundert dafür gewählt wurde eine Kirche zu bauen und schwedische Siedler anzuziehen, war eine bewusste Handlung und erleichterte es die Sami weiterhin nach Fatmomakke zu locken. Der Zwang zum Kirchenbesuch sollte sie dann gleichzeitig von ihren Riten und ihrem „Aberglauben“ abbringen, wobei die königlichen Verwalter auch davon überzeugt waren, dass der Zusammenstoß mit der „zivilisierten“ Schicht Schwedens die Sami zur Anpassung bringen würde.

Die Besiedlung der Umgebung von Fatmomakke ging indes nicht so zügig voran als in Gallejaur oder auch in der samischen Kirchstadt Arvidsjaur, da das Gebiet zu abgeschieden war und nicht die gleichen Vorteile bot wie andere Neusiedlungen. Dies erklärt auch, warum Fatmomakke bis etwa 1830 fast ausschließlich von den Sami benutzt wurde, die dort Koten zum Übernachten rund um die Kirche erbauten. Bis auch die Holzhütten entstanden, die man heute neben den Koten in Fatmomakke findet, vergingen allerdings noch nahezu hundert Jahre. Ab 1830 kamen auch die ersten Neusiedler in die Gegend, anfangs vor allem aus Norwegen, später auch aus dem südlicheren Schweden.

Die erste Kirche entstand in Fatmomakke bereits im Jahre 1781 und wurde von Per Rådström, der Priester in Åsele war, in Form von zwei Koten gebaut. Allerdings sollten diese bereits zehn Jahre später gegen eine größere Holzkapelle ausgetauscht werden. Auch dieses zweite Gebäude wurde im Laufe der Jahrzehnte zu klein und musste 1881 der noch heute existierenden Kirche Platz machen.

Auch wenn Fatmomakke noch heute ein wichtiger Treffpunkt der Sami ist, so kam mittlerweile zu den zwei ursprünglichen Kirchentagen ein weiterer hinzu, nämlich Mittsommer. Allerdings findet man an diesem dritten Kirchentag hunderte von schwedischen und ausländischen Touristen und kann sich kaum in die historische Zeit versetzen, in der hier Sami ihre Gedanken austauschten, sondern erlebt die Verwandlung Lapplands zu einer touristischen Attraktion.

Während der Sommermonate kann man einige Koten und vor allem die „Kirchstugor“ besichtigen, wobei in einer der Stugor eine Ausstellung zur Geschichte Fatmomakkes zu finden ist. Auch die Länsmansstugan (das Gebäude des Regierungsvertreters), die Gebetsstuga der samischen Künstlerin und Vertreterin der Heilsarmee Lapp-Lisa und die Kapelle sind für Besucher offen, wobei man jedoch daran denken muss, dass sich in beiden Stugor nicht die Rentierzüchter, die samischen Nomaden, aufhielten, sondern diese zu den Gebäuden gehören, die von der privilegierten, überwiegend schwedischen Schicht, benutzt wurden und den Sami als Vorbild der Baukunst dienen sollten.

Die Holzkapelle in neoklassischem Stil in Fatmomakke wurde letztmals 1978 restauriert, wobei hiermit auch die ursprüngliche Altartafel des samischen Künstlers J. Meurk zurück in die Kapelle gebracht wurde. Die Kanzel und zahlreiche andere Gegenstände stammen allerdings aus der alten Kirche in Åsele und nicht aus Fatmomakke.

Der Versuch Fatmomakke zu einem offiziellen Kulturreservat zu machen, was die Bauten und die Umgebung zumindest während der nächsten Jahrzehnte schützen würde, scheitert bisher daran, dass allein der Grund zwei verschiedenen Großbesitzern gehört und die Gebäude und Koten rund 140 Besitzer haben, deren Zustimmung dafür nötig wäre. Sollte das Projekt jedoch scheitern, so werden allerdings immer mehr Sommerstugor das erreichen, was den Königen und Priestern in drei Jahrhunderten nicht gelungen ist.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, augusti 18

Die samische Kirchstadt Arvidsjaur

Auch wenn uns heute der Besuch der samischen Kirchstadt in Arvidsjaur (Lappstaden, Samenstadt) einen kleinen Einblick in das Leben der Sami aus dem 17. Jahrhundert bietet und der kleine Ort vermutlich zu den größten Touristenattraktion Lapplands zählt, so muss man bedenken, dass diese älteste Kirchstadt Lapplands der erste Schritt war den Sami ihren Glauben, ihr Land und ihre Tradition zu rauben.

Bereits der Begriff Lappstaden (Samenstadt) ist eigentlich falsch gewählt, da die Sami als Nomaden keine Städte hatten und auch nie in Arvidsjaur wohnten, sondern die „Stadt“ mit seinen rund 80 Gebäuden erbaut wurde, damit die Sami eine Unterkunft hatten, wenn sie zweimal im Jahr nach Arvidsjaur kamen und, was mindestens ebenso wichtig war, zum wahren Glauben Schwedens fanden.

Die Lappstaden in Arvidsjaur ist die älteste Kirchstadt (Kyrkstaden) in Lappland und die erste ihrer Art, die unter Karl IX. erbaut wurde. Noch bevor es jedoch die erste Unterkunft gebaut wurde, war bereits eine Kapelle entstanden, die 1570 noch eine private Initiative der Kirche war und den Sami den Weg zum Protestantismus zeigen sollte. Diese Kapelle wurde 1607 abgerissen und durch eine neue Kirche ersetzt. Dies war auch der Startschuss für den Bau der Kirchstadt, die heute allerdings nur noch als Ausgrabungsstätte existiert, denn die heute sichtbare Kirchstadt entstand erst gegen 1820.

Der Bau der Kirchstadt Arvidsjaur hatte zwei Gründe, denn zum einen wollte Karl IX.  die Sami natürlich vom Aberglauben abbringen und in die protestantische Kirche einordnen, damit sie den gleichen moralischen Regeln folgen wie das restliche Schweden. Zum anderen aber wollte er das Reich der Sami im schwedischen Reich integrieren und kolonialisieren, denn bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts war klar, dass man für die Kriege und die Ernährung der wachsenden Stadtbevölkerung  Nahrung brauchte. Auch wenn es noch ein langer Weg bis zu den Orten wie Gallejaur war, so hatte Karl IX. diese Idee bereits beim Bau der ersten samischen Kirchstadt, die allgemein als Lappstaden bezeichnet wird.

Natürlich konnte man die Sami auch nicht so einfach dazu bringen, dass sie zweimal im Jahr die Kirchstadt Arvidsjaur besuchten, denn zum einen handelte es sich überwiegend um Nomaden, die nirgends erfasst werden konnten und zum anderen lebten sie in engen Gemeinschaften, die alte Traditionen pflegten und eine eigene Welt der Götter aufgebaut hatten.

Aber auch hier fand Karl IX. eine Lösung. Nachdem er bereits Schamanismus, Opfergaben und den Joik verboten hatte sowie die Anwesenheit im Kirchdorf zweimal im Jahr gefordert hatte, bestimmte er, dass zu diesen Gelegenheiten ein Markt abgehalten wurde. Dieser Markt, bei dem die Sami ihre Ware verkaufen konnten, war dann auch der Grund, warum sie zu den vom König bestimmten Treffen anwesend waren. Und natürlich war es kein Zufall, dass an den Markttagen auch der Vogt des Königs anwesend war und von den Sami Steuern eintrieb.

Mit der Kyrkstaden (Kirchstadt) in Arvidsjaur begann sich auch der Ort Arvidsjaur zu entwickeln und nahezu parallel dazu entstand die sogenannte Borgarstaden, die Stadt der Bürger, wo sich die Kaufleute, insbesondere jene von Piteå, Häuser und Warenlager bauten, wo sie sich anfangs nur während der Marktzeit aufhielten, später aber auch als Handelsniederlassungen benutzten. Je länger sich jedoch die Kaufleute dort aufhielten, umso größer wurde der Bedarf nach Nahrung, was nach knapp hundert Jahren auch zu einer Bondstaden, der Stadt der Bauern führte. Auch wenn die  drei „Städte“ sehr nah beieinander lagen, so gab es keinen Übergang zwischen ihnen und jeder Teil behielt seinen eigenen Charakter, wobei jedoch jeder auf den anderen angewiesen war.

Die Kirchdorf Arvidsjaur ist auch heute noch privat, kann jedoch im Sommer besichtigt werden. An die Tage der früheren Kirchstadt erinnert noch der „Storstämmingshelgen“, der jeweils am letzten Wochenende im August in der Samenstadt gefeiert wird und das größte samische Fest in Schweden ausmacht, auch wenn das Festprogramm heute überwiegend dem Tourismus angepasst wurde und nur noch einige traditionelle Teile erhalten blieben.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, augusti 11

Atoklimpen, der heilige Berg der Sami in der Geschichte

Atoklimpen, der heilige Berg der Sami dessen Namen nicht genannt werden darf, ist heute Teil eines Naturreservats mit zahlreichen historischen Denkmälern in dem die südlichen Sami ihre Rentiere halten. Der Atoklimpen („Dieser Berg dort“) bekam seinen Ruf vermutlich auf Grund seines merkwürdigen Aussehens, da er eine mehrfach gezackte Krone an seinen höchsten Stellen zeigt und je nach Lichtveränderungen auch seine Farbe ändert.

Wann die Sagenwelt der Sami, die sich dort vermutlich aufhalten seit das Eis der Weichsel-Eiszeit zurückgegangen ist und die erste Vegetation menschliches Leben erlaubte, in die Geschichte übergeht, ist auch nach allen Funden und Ausgrabungen sehr schwer zu sagen und selbst die archäologischen Funde haben noch heute für viele Sami eine andere Bedeutung als für die wissenschaftliche Welt Schwedens.

Nach samischer Tradition ist der Atoklimpen ein heiliger Berg um den unzählige Sagen und Legenden kreisen. Da es sich bei dieser Anhöhe, die gerade einmal 1006 Meter über das Meeresniveau ragt, auch um wichtigen Opferplatz der Sami handelte, das Gestein sehr hart ist und Tiere mit Sicherheit viele Stellen mit historischen Resten zerstörten, geben die Funde relativ wenig Auskunft über das tatsächliche Alter der Gräber und der anderern Funde.

Als Ernst Manker, ein Ethnograph, der vor allem die Geschichte der Sami erforschte, 1950 ein Grab bei Risbäcken. also direkt am Atoklimpen, untersuchte, das 250 Zentimeter lang und 125 Zentimeter breit war, so stellte er fest, dass auf dem Boden des Schiefersarges Rinde lag und der Tote selbst auf einem samischen Schlitten (Ackja) bestattet worden war. Nach samischer Tradition sollte es sich beim Toten um den „Schattenmann“  (Suoivengella) handeln, der in der samischen Denkweise extrem groß und stark war.

Die Untersuchungen der Knochen zeigten dann, dass es sich bei dem Toten um einen Mann handelte, der zwischen 30 und 40 Jahren als war, kräftig gebaut war und 160 Zentimeter groß war. Nach der C14-Analyse war der Tote im 15. Jahrhundert begraben worden.

Als man im Jahre 2001 die Umgebung des Grabes erneut gründlich untersuchte, so fand man eine Axt und ein Messer, die ebenfalls im 15. Jahrhunderte hergestellt worden waren und daher unter Umständen zum „Schattenmann“ gehörten.

Nach samischer Überlieferung lebte Ende des 18. Jahrhunderts der Schamane Anders Jonsson Lorvat in der Nähe des Grabes, eine sagenumwobene Person, die auch als der „Nortman“ bezeichnet wurde und opferte den Göttern des Berges regelmäßig Renfleisch, einen Vogel und einen Fisch, damit die Götter ihm bei der Rentierhaltung, der Jagd und dem Fischfang wohlwollend waren. Aber auch diese Gestalt kann geschichtlich nicht bestätigt werden, sondern lebte und lebt mit den Erzählungen der Sami.

Copyright: Herbert Kårlin