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söndag, september 30

Die Geschichte der schwedischen Stadt Luleå

Wie hunderte von Funden in der Umgebung Luleås beweisen, kamen bereits etwa 5000 vor Christus die ersten Menschen nach Måttsund und Selet, die beide innerhalb eines Radius von 40 Kilometer um Luleå liegen. Man vermutet, dass diese ersten Jäger, die sich dort aufhielten, über Finnland nach Luleå kamen, zumal die Funde nicht jenen des südlichen Schweden entsprechen.

Wann hier tatsächlich die ersten Siedlungen entstanden, ab wann man Landwirtschaft betrieb und ab wann hier Rentiere gehalten wurden, blieb bisher mangels Funden unbekannt. Das erste Mal, dass man Luleå, beziehungsweise das samische Lulu (östliches Wasser) in einem Dokument findet, reicht nur bis 1327 zurück, als Uppsalas Bischof Olof in diese Gegend vorstieß um eventuelle Siedler dort zu christianisieren.

Bis zum 15. Jahrhundert wurde von der schwedischen Krone das gesamte Gebiet nördlich von Skellefteå als Niemandsland betrachtet, aber nach dem ersten Besuch von Bischof Olof, der feststellte, dass auch dieser Teil des Landes bewohnt war, begann sich auch die Krone dafür zu interessieren, wobei die Kirche hier vermutlich etwas schneller war, denn spätestens im 15. Jahrhundert entstand in Gammelstad eine Kirche und bald darauf kamen die ersten Siedler aus den südlicheren Teilen des Landes, da ihnen die Krone dort Land kostenlos zur Verfügung stellte, ihnen Handelsrechte und eine lange Steuerfreiheit einräumte. Die samisch sprechende Urbevölkerung wurde in dieser Zeit als unzivilisiert und rechtlos gehalten.

Allerdings waren die Grenzen des neuen schwedischen Gebietes um Luleå weitaus größer als das heutige Luleå, denn man sah die Grenzen noch jenseits von Jokkmokk und Gällivare. Als dann unter Gustav II. Adolf die Stadt Luleå im Jahre 1621 offiziell gegründet wurde, als nördlichste Handelsstadt Schwedens, so entstand die Stadt um die Kirche in Gammelstad, wurde jedoch bereits 1649 an die heutige Stelle verlagert.

Die Entwicklung Luleås als Stadt kam allerdings sehr langsam in Gang, da das Gebiet auch von Russland beansprucht wurde, es also immer wieder zu Kämpfen kam und die Häuser zudem bei mehreren Bränden dem Erdboden gleich gemacht wurden. Man muss daher Luleå bis Ende des 18. Jahrhunderts eher als Handelsniederlassung von Stockholm sehen als als eine selbständige Stadt mit Dorfcharakter.

Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es durch die Modernisierung der Landwirtschaft und die Werftindustrie, die sich dort zu entwickeln begann, wirklich zu einer Stadtbildung in Luleå. Durch die steigende Bevölkerung in dieser Zeit entwickelten sich dann Sägewerke, das Erz aus Gällivare wurde dort verarbeitet und als Ende des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn bis nach Luleå kam und ein regelmäßiger Schiffverkehr mit Stockholm einsetzte, war Luleå zu einem wichtigen Zentrum in Nordschweden geworden.

Im 20. Jahrhundert wurde die Landwirtschaft in und um Luleå nahezu unbedeutend und die Stadt entwickelte sich zu einer Hafenstadt und einer Industriestadt, die sich auf die Herstellung von Stahl spezialisiert hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, augusti 8

Haparanda in der schwedischen Geschichte

Als Johan III. im Jahre 1585 erstmals die Idee hatte eine Stadt an der nördlichsten Spitze der Ostsee zu bauen, gehörte das heutige Finnland noch zum schwedischen Reich, so dass es selbstverständlich war beide Seiten des Torne älv als Einheit zu betrachten. Auch wenn Johan III. seine Pläne dann nicht verwirklichte, so blieb der Gedanke einer Stadt an dieser Stelle erhalten. Trotz einiger Pläne beauftragte erst Gustav II. Adolf dann jedoch tatsächlich den Baumeister Olof Bure damit an der Mündung des Flusses eine Stadt zu planen.

Als 1621 die Stadt tatsächlich Form annahm, so wurde der bedeutendste Teil auf der Ostseite des Torne älv errichtet und das heutige Haparande war mehr ein landwirtschaftlicher Außenbezirk mit einigen größeren Höfen. Torneå wuchs, da es sich dabei um die einzige Stadt mit einem großen Einzugsbereich handelte und es gleichzeitig auch eine wichtige Handelsstelle an einem bedeutenden Landweg war, sehr schnell, zumindest bis es zum Finnischen Krieg im Jahre 1808 kam.

Beim Friedensvertrag in Fredrikshamn am 17. September 1809 zeigte sich dann, dass der Ort für die schwedische Handelsstadt nicht sehr gut gewählt worden war, da Torneå an Russland fiel und das kleine Dorf Haparanda sich erst wieder zu einer Stadt entwickeln musste und nun zudem eine Zollstation und Grenztruppen benötigte.

Allerdings sprach man um diese Zeit wenig von Haparanda, sondern man wollte eine völlig neue Stadt gründen, die den Namen Karl Johans Stad erhalten sollte und in der Nähe von Nikkala errichtet werden sollte. Schon 1817 wurde der Plan jedoch verworfen und alle Privilegien der neu zu gründenden Stadt gingen auf Haparanda über. Das wichtigste Privileg, das Händler und Handwerker anziehen sollte, bestand aus einer zehnjährigen Steuerbefreiung.

Bereits 1827 hatte sich das kleine Haparanda zu einem Handelsort entwickelt, der in seiner Struktur nahezu einer Stadt entsprach und 1842 erhielt Haparanda die Stadtrechte verliehen, wobei allerdings der Handelsort vollkommen neu gebaut wurde, was bedeutete, dass im Grunde ein Dorf Haparanda und eine Stadt mit dem gleichen Namen existierten. Noch Ende des gleichen Jahrhunderts war der Grenzort zu nördlichsten Metropole Schwedens geworden.

Die wichtigsten Exportgüter Haparandas, die bis nach Stockholm, aber auch nach Norwegen verkauft wurden, waren Teer, Lachs, Rentierhäute, Holz und Butter, also Produkte, die es dort nahezu im Überfluss gab, aber in anderen Teilen Schwedens gesucht wurden.

Diese städtische Entwicklung hatte für Haparanda auch eine bedeutende kulturelle Rolle, denn während auf den Dörfern überall das Finnisch des Tornedalen gesprochen wurde, hatte sich Haparande zu einer schwedischsprachigen Enklave entwickelt, da Händler, Zollbeamte und Militär aus den südlicheren Teilen des Landes gekommen waren und das Gesellschaftsbild prägten. Diese Gruppen hatten natürlich auch ihre Sprache mitgebracht.

Während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhunderten spielte Haparanda, das 1915 per Eisenbahn mit dem restlichen Schweden und 1919 mit Finnland verbunden wurde, erneut eine wichtige Rolle, denn hier fanden Truppentransporte statt, hier kamen Flüchtlinge an und auch die Verletzten wurden nach Haparanda transportiert.

Durch die Unabhängigkeit Finnlands im Jahre 1917 hatten sich auch die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder verbessert und 1930 entstand dann eine Brücke zwischen Haparanda und Torneå, die auch von Fahrzeugen benutzt werden konnte und einen reibungslosen Verkehr zwischen Schweden und Finnland erlaubte..

Heute entwickelt sich Haparanda mit seinen knapp 5000 Einwohnern und Torneå mit seinen knapp 23.000 Einwohnern erneut zu einer der wichtigsten, wenn auch optisch gemeinsamen, Stadt Nordschweden, die jedes Jahr von etwa zwölf Millionen Personen besucht wird, wenn sie auf dem Landweg die finnisch-schwedische Grenze überschreiten. Schulen, Ausbildungszentren und Krankenhäuser werden mittlerweile nur noch als gemeinsames Projekt geplant.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juli 9

Johannes Bureus, Runensteine und Grammatik

Johannes Bureus, der lateinische Name von Johan Bure, ist eine der wichtigsten Schlüsselfiguren der schwedischen Geschichte ab dem 17. Jahrhundert, dessen Leistungen noch heute von höchster Wichtigkeit sind, obwohl Bureus im Zusammenhang mit der damaligen Zeitströmung gesehen werden muss, da er zur ersten Generation der Schweden gehörte, die in einer fest etablierten protestantischen Lehre aufwuchsen und sein Vater zudem als Priester arbeitete.

Johannes Bureus wurde am 15. März (oder aber am 25. März) 1568 geboren und gilt als Künstler, Forscher und Wissenschaftler in verschiedenen Bereichen. Ihm verdankt man einen Großteil der Kenntnisse der Runenforschung, er hat die erste schwedische Grammatik und das erste schwedisch Lexikon verfasst, er überwachte die Bibelausgabe, er kopierte das einzige Werk über die Arbeit eines Königs und er ist noch heute jedem Geschlechtsforscher ein Begriff, da er bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Geschlechterbuch herausgab.

Um den Einfluss von Johannes Bureus auf die Geschichte Schwedens bewerten zu können, muss man die verschiedenen Aspekte seiner Denkweise und seines Wirkens betrachten, auch wenn sich bei jedem der Punkte auch Querverbindungen öffnen.

Persönlich war Johannes Bureus ein protestantischer Mystiker, der in jedem Wort der Bibel, und jedem Runenzeichen, eine Bedeutung und eine Voraussage suchte. Auf Grund seiner Bibelforschung sagte Bureus selbst den Weltuntergang mehrmals voraus und verfasste mehrere Werke, die belegen, dass sich Johannes Bureus als der Abgesandte Gottes betrachtete, der ihm die Worte der Bibel in seiner gesamten Wahrheit erschließen lässt. Auch wenn dieses mystische Denken von der Umwelt überwiegend als Phantasie abgetan wurde, so spielt es dennoch eine wichtige Rolle, da Bureus der Lehrer von Gustav II. Adolf war, später auch von Kristina, und auch in seiner Runenforschung und der Erstellung seines ersten Lesebuches seine Denkweise einfließen ließ.

Die größte Errungenschaft von Johannes Bureus liegt bei seiner Erforschung der schwedischen Runen, denn auch wenn er nicht der erste war, der Inschriften übersetzte, denn hierbei kamen ihm Olaus Petri und die Brüder Johannes und Olaus Magnus zuvor, so war Bureus der erste, der die Runenschrift systematisch erforschte und es dadurch ermöglichte das System der Runen in seiner Gesamtheit zu verstehen und zu analysieren.

Seine Bedeutung als Runenforscher lag allerdings auch darin, dass Bureus rund 600 Runeninschriften aus den verschiedensten Teilen des Landes aufzeichnete, den Standort der Steine auf Karten vermerkte und alle Priester des Landes aufforderte die Runensteine in ihrer Umgebung zu untersuchen und ihm die entsprechenden Berichte zuzusenden. Nur dieser Arbeit verdanken wir, dass man bei vielen verlagerten Steinen sagen kann, wo sie ursprünglich standen, dass Inschriften von verschwundenen Steinen überliefert wurden und die Runensteine letztendlich durch königliche Verordnung geschützt wurden.

Da Johannes Bureus der Lehrer von einem zukünftigen König und einer Königin war, die Kanzlei von Herzog Karl, dem späteren König Karl IX., leitete, Notar bei mehreren wichtigen Treffen in Uppsala war und auch für die Korrektur und den Druck der neuen Bibel verantwortlich war, war für Bureus Sprache ungemein bedeutend. Er verfasste daher die ersten schwedischen Lesebücher (ABC-böcker) und wollte damit die Runenschreibweise wieder in Schweden einführen. Als dieses Projekt scheiterte, entstand das älteste schwedische Lesebuch in damals moderner Sprache. Um die Sprache im ganzen Land zu vereinheitlichen gab Johannes Bureus anschließend eine Grammatik heraus, die ihm den Titel „Vater der schwedischen Grammatik“ einbrachte. Sein mehrbändiges Wörterbuch wurde leider nicht mehr vollendet und drei der Bände gingen im Laufe der Geschichte auch verloren.

Da Johannes Bureus auch das Werk „En nyttig bok om konunga styrelse och hövdinga“ kopierte und bei seiner Ausbildung von Gustav II. Adolf anwendete, blieb auch das einzige Werk über die Arbeit von Königen und dessen höheren Beamten erhalten, was uns heute einen Eindruck über die Denkweise und das Handeln der Könige der Reformationszeit gibt. Lange Zeit wurde dieses Werk als Fälschung betrachtet, da man glaubte, Bureus wollte mit diesem Werk die Machtverhältnisse der Könige beeinflussen. Dies stellte sich später als Irrtum heraus, da mehrere Fragmente des ursprünglichen Werkes auftauchten und die Authentizität des Werkes bewiesen.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, mars 1

Geschichte der Gefängnisse Schwedens

Vor dem Jahre 1624 gab es in Schweden keine Gefängnisse, da man selbst bei geringeren Vergehen sehr schnell zur Todesstrafe griff und kleinere Strafen den Schandpfahl oder die Prügelstrafe zur Folge hatten. Kriegsgefangen, Kaufleute und Adelige wurden dagegen in Schlosskellern, Klöstern, Türmen oder auch in kleinen Räumen der Stadtmauer eingekerkert.  Andere Gefangene, die noch auf ihr Urteil warteten, wurden oft in feuchte Erdlöcher hinabgelassen und waren zudem angekettet, damit ihnen jede Flucht unmöglich gemacht wurde.

Ab dem Jahre 1624, unter Gustav II. Adolf, entstanden dann die ersten Gefängnisse in denen vor allem Bettler, Tagesdiebe und schwer erziehbare Jugendliche eingesperrt wurden und teilweise schwere Arbeiten leisten mussten. Später wurden hier auch Ehebrecherinnen, Diebe und andere weibliche Verbrecher untergebracht, bisweilen ohne viel Chance die Gefangenschaft wieder lebend verlassen zu können.

Zur gleichen Zeit benötigte Gustav II. Adolf Arbeitskräfte für den Bau von Festungen, weshalb man männliche Verbrecher, die nicht hingerichtet wurden, zur Schwerarbeit an den Verteidigungsanlagen schickte. Dort wurden sie in der Regel angekettet und wurden nach der Arbeitszeit in den Kellern der Gebäude untergebracht. In der Regel kam diese Strafe einem Todesurteil gleich, nur dass die Gefangenen vorher noch bis zur Entkräftung Arbeit leisten musste. Unter Königin Kristina findet man dann erstmals eine Art Strafverordnung, nach der Verbrecher „slås i järn och arbeta för sitt brott“ (in Eisen geschlagen werden und für ihre Taten arbeiten müssen).

Ab 1698, unter Karl XII., wurden dann in ganz Schweden Rasphus (Raspelhäuser) für männliche Kinder und Spinnhus (Spinnereien) für Mädchen und Frauen eingerichtet. In den Rasphus mussten Jungs zur Strafe Brasilholz zur Herstellung von Farbstoff raspeln und in den Spinnhus Mädchen und Frauen Lein bearbeiten und spinnen. Die Arbeitszeit begann in der Regel morgens um vier Uhr und endete um 22 Uhr. Am Samstag wurde die Arbeit etwas früher beendet und am Sonntag war Ruhetag.

Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es jedoch nur relativ wenige Gefängnisse oder gefängnisartige Einrichtungen, denn noch 1734 lag auf 68 verschiedenen Vergehen die Todesstrafe und bis 1858 hatte jedes schwedische Län (Regierungsbezirk) einen eigenen Scharfrichter.  Abgeschafft wurde die Todesstrafe in Schweden erst am 30. Juni 1921 bei Friedenszeiten und 1973 auch bei Kriegszeiten.
 
Zu Ende des 18. Jahrhunderts kamen neue Ideen über den Strafvollzug auf und man begann im ganzen Land Gefängnisse zu bauen, die als Vorläufer der heutigen Einrichtungen gelten können, denn jeder Gefangene bekam eine eigene Zelle, wobei Schwerverbrecher jedoch zusätzlich arbeiten mussten. Im Jahre 1844, unter Karl XV. kam dann die Entscheidung, dass jedes Län ein Gefängnis bauen musste und man ging langsam dazu über bei leichteren Verbrechen von der Todesstrafe abzusehen und diese in eine Gefängnisstrafe zu verwandeln.

Die Strafreform von 1832 unter Oscar I. füllte die Gefängnisse, da der König die körperliche Strafe abgeschafft hatte und die Todesstrafe seltener wurde. Die Alternative war daher Strafarbeit oder Gefängnis, wobei die Gefangenen während der Arbeitszeit nicht miteinander sprechen durften. Die Unterbringung in Zellen wurde im Laufe der Jahrzehnte immer häufiger und erreicht seinen Höhepunkt zwischen 1892 und 1916. Die isolierte Zellenstrafe, also die Einzelhaft, wurde 1946 in Schweden abgeschafft.

Die nächste bedeutende Reform fand dann im Jahre 1932 durch den Justizminister Karl Schlyter (Sozialdemokrat), der auch Präsident des obersten schwedischen Gerichtshof war, statt. Er fand, dass 13.000 Gefangene, die wegen Schulden im Gefängnis saßen, ein Auswuchs des Systems sei. Nach ihm hatten auch Alkoholiker, Jugendliche und geistig gestörte Personen nichts in den Gefängnissen zu tun, denn hier würde Ausbildung und medizinische Hilfe sinnvoller sein als ein Aufenthalt im Gefängnis. Karl Schlyter führte mit seiner Reform dann auch Bewährungsstrafen und Wiedereingliederungsmaßnahmen in Schweden ein. Die Reform war zu Beginn der 40er Jahre abgeschlossen und hat sich in den großen Zügen nicht mehr verändert.


Copyright: Herbert Kårlin