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onsdag, november 7

Das Wikingerboot Äskekärrskeppet

Das Wikingerboot Äskekärrskeppet, das 1933 im Schlamm am Ufer des Göta Älv gefunden wurde und heute im Stadtmuseum in Göteborg zu betrachten ist, gehört mit zu den bedeutendsten Funden aus der Wikingerzeit, da dieses Schiff einst voll seetauglich war und daher aller Wahrscheinlichkeit nach für die Expeditionen in andere Länder angewendet wurde. Dafür spricht auch, dass Teile des Schiffes noch 70 Jahre nach dem Bau ausgetauscht wurden. Diese Tatsache lässt vermuten, dass die Wikinger mit dieser Art von Schiffen jeweils über 100 Jahre lang die See befahren haben.

Als man den Fund genauer untersuchte, so konnte man nicht nur das Alter des Äskekärrskeppet, das man in der Geschichte nach seinem Bau als Knarr (Handelschiff) bezeichnet, auf das 9. Jahrhundert bestimmen, sondern man fand auch an zwei Stellen Futhark-Runen fand. Eine der Runen bedeutet soviel wie Handelsware. Die Runen an der Stelle, an der sich einst der Mast für das Segel befand, konnte man Runen entdecken, die seit Beginn des 8. Jahrhunderts nicht mehr benutzt wurden und damit so alt sind wie die ältesten Inschriften auf Runensteinen. Warum diese Runen angebracht wurden und was sie bedeuten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Der Name Äskekärrskeppet hat allerdings nichts mit der Epoche der Wikinger zu tun, sondern bezieht sich auf den Ort Äskekärr bei Ale, wo die Reste des Schiffes gefunden wurden als ein Landwirt Entwässungskanäle graben wollte. Da man in der Umgebung des gefundenen Schiffes auch Reste von Bauten aus der Eisenzeit fand, kann man annehmen, dass die Umgebung Äskeskärrs eine Siedlung oder auch ein Handelsplatz der Wikinger war, die über den Göta Älv Zugang zu den Meeren hatte. Leider standen bis heute keine Gelder zur Verfügung um das Gebiet tiefer zu untersuchen, zumal die Forschung über Wikinger sich vor allem auf Birka beschränkt und teilweise zu einer Verfälschung der Geschichte der schwedischen Wikinger führt.

In den Folgejahren fand man noch drei weitere, wenn auch etwas kleinere Wikingerschiffe in der nächsten Umgebung des Äskekärrschiffes, die allerdings, aus verschiedenen Gründen, bisher nicht vollständig ausgegraben wurden. Eines der Probleme dabei ist, dass man erst eine Technik finden muss, die garantiert, dass die Teile auch erhalten bleiben und nicht bald zerfallen.

Da es ungewöhnlich ist an einer einzigen Stelle so viele Schiffe aus der Zeit der Wikinger zu finden, so besteht auch die Theorie, dass die Wikinger bei Äskekärr eine Werft errichtet hatten, sich dort also eine sehr bedeutende Niederlassung der Wikinger befand. Diese Theorie wird wiederum interessant, wenn man bedenkt, das Ale soviel wie Tempel bedeutet und das Västergötaland sehr früh christianisiert wurde. Die Mönche jeder Zeit wiederum begannen ihre Missionsarbeit in der Regel an Stellen, von denen aus ein regionaler Herrscher eine gewisse Macht ausüben konnte. Um jedoch diesen Spuren näher zu kommen, wären bedeutende Ausgrabungen nötig, die in absehbarer Zeit mit Sicherheit nicht stattfinden werden.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, oktober 27

Runen und Runensteine und ihre Aussagen

Runen und Runensteine sind noch heute mit zahlreichen Mythen behaftet, obwohl es nur relativ wenige gibt, die mehr sind als nur Inschriften auf einem Erinnerungsblock und die meisten sagen inhaltlich weniger aus als eine kleine Messingtafel an vielen Gebäuden an denen man achtlos vorbeigeht.

Bis heute fragen sich viele Archäologen und Geschichtswissenschaftler ob die Runeninschriften eine magische Bedeutung hatten. Wenn man die Texte auf den Runensteinen aufmerksam liest, so tragen zwar viele Symbole, die auch in der nordischen Mythologie vorhanden sind, aber es ist sehr zweifelhaft, dass man sie in irgendeiner Weise als magische Zeichen betrachten kann, sondern vielmehr als Zierde, die vermutlich viel über den Bildhauer aussagt, der die Ornamente und den Text angebracht hat. Auch heutige Grabsteine haben Ornamente unterschiedlicher Art, die teilweise aus religiösen Legenden oder der Natur entnommen sind, ohne dass man sich über die mythische Bedeutung Gedanken macht.

Eine andere Frage ist, wer diese Runen in den Stein geschlagen hat. Hier hat der Sprachforscher Magnus Källström durch seine Forschungsarbeit gewisse Antworten gefunden als er dem Ursprung der benutzten Worte nachging. Allein die Signatur des Bildhauers konnte den Forscher auf die Spuren bringen, denn auch wenn „rista“, „hugga“ und „märka“ das gleiche bedeuten, so sind sie typisch für einen gewissen Sprachraum, was man sehr schnell feststellt wenn man Texte aus Südschweden mit jenen aus dem Mälarental oder denen in Nordschweden vergleicht. Diese verschiedene Sprachanwendung zeigt auch, dass manche der Bildhauer als große Künstler betrachtet wurden und bisweilen nur für die Arbeiten an einen einzigen Stein weite Strecken zurücklegten. Vermutlich lag dies jedoch nicht am Einschlagen der Runen, sondern an der künstlerischen Fähigkeit die Ornamente anzubringen, also an der Handschrift des Künstlers, deren Entwicklung man bisweilen sehr gut folgen kann

Auch die Frage nach den Bildhauern der Runensteine ist eine viel gestellte Frage unter Geschichtswissenschaftlern, denn noch im vorigen Jahrhundert gingen viele Forscher davon aus, dass die Texte von Personen eingeschlagen wurden, die in der Religion der Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten und damit das Geistliche mit auf die Runen und die Runensteine übertragen wollten.

Auch diese Meinung muss man heute als veraltet betrachten, denn die Analyse der Steine und die Art der Ornamente und der angewandten Technik zeigt sehr deutlich, dass es mindestens zwei Gruppen von Runen-Bildhauern gab, nämlich den lokalen Handwerker, der sich auf sehr einfache Weise und oft als Minimalist ausdrückte, aber auch nur sehr wenige Runensteine schlug und dem Künstler, der eine individuelle Technik hatte, Ornamente seiner Vorgänger studierte und seine Arbeitstechnik immer mehr verfeinerte. Diese Künstler waren sehr gesucht, aber konnten nur von sehr reichen Personen beschäftigt werden, da sich die Künstler vermutlich nicht nur ihres Wertes bewusst waren, sondern die Arbeit auch sehr langwierig war.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, oktober 12

Der Runenstein von Stojby in der schwedischen Geschichte

Auch wenn man in Schweden bisher über 2600 Runensteine gefunden hat, so helfen uns nur relativ wenige unter ihnen tatsächlich dabei die Geschichte die mit ihnen zusammenhängt zu verstehen oder diese auch nur zu ahnen. Nur sehr wenige ragen aus der Menge mit einer besonderen Botschaft heraus. Einer dieser Steine ist der Runenstein von Stojby, der etwa acht Kilometer nördlich von Växjö zu finden ist.

Der eingravierte Text lautet in seiner Übertragung nur: „Torlov errichtete diesen Stein in Erinnerung an A(l)le und Ätta. Gott erbarme sich derer Seele.“

Da der Runenstein von Stojby gegen 1100 entstanden ist, also noch zur Zeit der Wikinger, gibt uns bereits dieser kurze Texte einige wichtige Hinweise. Zum einen handelt es sich um eine rein christliche Inschrift, was bedeutet, dass die Christianisierung in der Region Växjö um diese Zeit sehr weit fortgeschritten war, zumal auf dem Stein auch keinerlei vorchristlichen Symbole oder Hinweise mehr zu finden sind, was während der Übergangsphase noch vollkommen üblich war.

Bedeutender ist jedoch noch, dass Torlov ein Frauenname war, es sich also um einen der sehr wenigen Runensteine handelt, die von einer Frau errichtet wurden. Da Runensteine nur von bedeutenden Personen aufgestellt werden konnten, geht aus diesem Text also auch hervor, dass eine Frau noch im 11. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der schwedischen Gesellschaft einnehmen konnte.

Alle und Ätta sind wiederum Kosenamen für einen Mann (Jungen) und eine Frau (Mädchen). Aus der Lektüre des Textes kann man nicht entnehmen, ob die beiden Toten die Kinder Torlovs waren oder aber Erwachsene. Die offizielle Verwendung von Kosenamen wiederum lässt jedoch vermuten, dass es sich um Kinder Torlovs handelte, wobei Ätta vermutlich der Kosename von Estrid war, einem relativ häufigen Frauenname zur Zeit der schwedischen Wikinger. Leider geht aus dem kurzen Text auch nicht hervor ob Torlev Witwe war, verheiratet, geschieden oder alleinstehend.

Diese letzte offene Frage würde die Rolle Torlovs beleuchten, da es zu jener Zeit üblich war, das nur die wichtigste Person der Ansiedlung Runensteine errichtete, da diese Steine nicht nur Erinnerungssteine waren, sondern auch eine Demonstration der Macht und ein Zeichen des Einflusses. Torlev war daher zu Beginn des 11. Jahrhunderts die wichtigste Frau des Ortes, aber wir wissen nicht ob aus eigenen Leistungen oder als Rolle der Witwe.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, oktober 4

Der Björketorpsstenen bei Ronneby in Blekinge

Der Björketorpsstenen (Björketorpstein) bei Ronneby in Blekinge ist mit seiner Höhe von rund vier Metern nicht nur einer der größten Runensteine Schwedens, sondern unterscheidet sich auch in zwei anderen Merkmalen, denn der Björketorpsstenen wird von zwei Bautasteinen flankiert deren Bedeutung in diesem Zusammenhang unbekannt ist und nicht einmal zu sinnvollen Theorien führt. Zum anderen ist es einer der wenigen Runensteine Schwedens auf denen die Inschrift nicht an eine Persönlichkeit erinnern soll, sondern eine Verbannung darstellt.

Was in diesem Zusammenhang ebenfalls erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass sich auf dem Johannishusåsen, auf dem sich auch der Runenstein befindet, eine sehr bedeutende historische Fundstelle befindet, darunter eine sehr große Anzahl an Gräbern und Domarringen, was unter Umständen in einem gewissen Zusammenhang zum Björketorpsstein stehen können, da die Gräber zum großen Teil älter sind als der Runenstein, der etwa gegen 650 nach Christus geschlagen wurde.

Der Björketorpsstenen wurde erstmals im Jahre 1493 als Grenzstein von drei Gemeinden genannt, wobei sich hier bereits die erste Frage ergibt, da die drei Steine ein Dreieck bilden. Es ist daher durchaus möglich, dass sie zur Grenzmarkierung versetzt wurden, also nicht mehr an der ursprünglichen Stelle stehen und damit auch ein Hinweis verschwand, der die Drohungen auf dem Runenstein erklären könnte, oder aber die Grenzen wurden den Steinen angepasst..

Auch der sogenannte Björketorpsstenen wurde mit den um diese Zeit üblichen 24 Runenzeichen beschriftet, wobei man annimmt, dass in dieser Epoche bereits ein einheitliches Urnordisch in Schweden gesprochen wurde, da auf den Runensteinen, die man überall im Land verteilt fand, die gleichen Worte benutzt werden. Offen bleibt dabei natürlich, ob dies die Sprache des Volkes war oder nur jene einer höheren gebildeten Schicht, die Handel betrieb und/oder über Teile Schwedens herrschte.

Nach mehrheitlicher Meinung der Runenforscher warnt der Text jeden davor das Monument zu zerstören, weil sich in den Runen eine sehr starke Zauberkraft verbirgt die den Täter auf das härteste bestraft und ihm einen grauenvollen Tod bringen wird. Diese Art von Drohung ist auf schwedischen Runenstein extrem ungewöhnlich und muss in Beziehung zum Ort wo er aufgestellt wurde eine besondere Bedeutung haben, die uns bisher verschlossen ist.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, oktober 2

Die Sigurdritzung am Ramsundet bei Sundby

Am Ramsundet bei Sundby am Mälaren findet man die sogenannte Sigurdsristning (Sigurdritzung), die bisweilen auch Ramsundsristning (Ramsundritzung) genannt wird, die sich durch ihre Bildmotive von den meisten anderen Runensteinen des Landes unterscheidet. In ganz Schweden wurden bisher nur sechs Flächen gefunden auf denen man Sigurd Fafnesbane abgebildet findet und wo ein Teil seiner Legende, die der Snorres Edda entnommen ist, abgebildet wurde. Die Sigurdsristning ist die ausdrucksfähigste in dieser Reihe.

Die sechs Bilder der Sage aus denen die Sigurdsritzung besteht, erzählen nicht die gesamte Sage, sondern nur einen kleinen Ausschnitt daraus, der sowohl Vergangenheit als auch Zukunft offen lässt. Außer dass diese Steinritzung, die eine Fläche von 4,6 Meter Breite und einer Höhe von 1,9 Meter einnimmt, die gleichen Personen aus der nordischen Welt der Mythologie „nennt“, besteht auch keine Verbindung zu den anderen fünf Funden in Schweden oder jenen in Norwegen und Großbritannien, was auch dazu führt, dass man die wahre Bedeutung, beziehungsweise der Gedanke hinter der Wahl dieser Ritzungen, nicht versteht, was noch dadurch erschwert wird, dass die Sage im germanischen Raum in sehr unterschiedlicher Weise verbreitet wurde.

Die auf dem Stein verwendeten Runen stammen aus der Zeit der Wikinger und können, auf Grund ihrer Form, erst nach 1000 nach Christus entstanden sein. Obwohl das Lesen des Textes im Prinzip keine großen Schwierigkeiten verursacht, so ist es geht auf dieses Arbeit nicht eindeutig hervor mit wem Sigrid verheiratet war.

Wenn man den Text „Sigriþr, Alrikrs Mutter, Ormrs Tochter, machte diese Brücke für die Seele des Holmgeirr, Vater der Sigruþr, ihren Ehemann.“ liest, so könnte man glauben, dass Holmgeirr ihr Mann ist, was bei der Analyse der anderen Runensteine im Mälargebiet unwahrscheinlich ist, denn Alrik, der Sohn nennt auf einem anderen Stein Spjut als Vater, wobei Holmgeirr Sigrids Schwiegervater sein muss. Um jedoch dies mit Sicherheit bestätigen zu können, müsste man noch ein oder zwei andere Runensteine finden, die die Familienverhältnisse aufdecken. In jedem Fall handelt es sich bei dieser Sigurdritzung um eine Art Gedenktafel.

Wer die Sage um Sigurd Fafnesbane kennt, sieht bei den sechs Bildern sehr deutlich, dass sie nur einen kleinen Teil darstellen, der Betrachter im 11. Jahrhundert also vermutlich allein mit diesen Hinweisen die gesamte Geschichte aus der nordischen Mythologie versteht, die zum Teil auch von Wagner im Ring der Nibelungen behandelt wurde, wobei als Ausgangspunkt der Geschichte bei der Walküre Brynhild zu suchen ist und damit endet, dass über 20 Personen sterben.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, september 24

Der Runenstein von Järsberg im Värmland

Im Värmland wurden insgesamt nur vier Runensteine gefunden, wobei zwei aus der Epoche der Wikinger stammen und die anderen beiden noch die altnordischen Runenzeichen (Futhark) aufweisen. Einer dieser beiden Steine wurde im Jahre 1862 gefunden und gilt als einer der ältesten Runensteine Schwedens.

Der sogenannte Järsbergsstenen (Runenstein von Järsberg) wurde 1862 in einem Feld im Ort Järsberg bei Kristinehamn gefunden, etwa an der Stelle, wo man ihn auch heute aufgerichtet sehen kann. Die möglicherweise unvollständige Inschrift bietet wenig Aufschlüsse, denn nach der aktuellsten Deutung werden nur drei Namen genannt, wobei der letzte unter ihnen den Bildhauer bezeichnet, der die Zeichen etwa gegen 500 nach Christus eingeschlagen hat. Da jedoch möglicherweise der obere Teil des Steines fehlt, könnte in diesem Stück einer der Schlüssel zum Inhalt zu finden sein.

Interessant sind beim Järsbergsstenen jedoch zwei andere Beobachtungen. Zum einen findet man den Runenstein von Järsberg an einem der wichtigsten Wege, die noch zur Zeit der Wikinger von Bedeutung waren und vom Gebiet des Mälaren über das Värmland zum norwegischen Vestfold führt, an der Strecke, an der man auch den Runenstein von Rör findet, der ebenfalls im Värmland gefunden wurde.

Die zweite Besonderheit beim Järsbergsstenen liegt darin, dass in nächster Nähe des Runensteines eine Perle aus der gleichen Epoche gefunden wurde, was darauf schließen lässt, dass sich hier das Grab einer Frau befand. Auf Grund dieses Fundes und der Lage des Runensteins von Järsberg nehmen zahlreiche Archäologen und Geschichtswissenschaftler an, dass dieser Runenstein nicht isoliert hier aufgestellt wurde, sondern zu einer Gruppe an Steinen gehörte, die bisher leider nicht entdeckt werden konnten oder zu Bauzwecken in der Umgebung verwendet wurden.

Auch Ausgrabungen im Jahre 1975 konnten keine der offenen Fragen lösen, weder zu den anderen Runensteinen, noch konnte mit Sicherheit bestätigt werden, dass der Järsbergsstenen auf einem Grabhügel errichtet wurde.

Was Runenforscher bis heute beim Runenstein von Järsberg irritiert, ist auch die Tatsache, dass man bis heute nicht sagen kann in welche Richtung die eingeschlagenen Runen zu lesen sind und welche Bedeutung der Name Eril hat, denn es ist möglich, dass dieser Name dem Titel eines Jarl entspricht, oder aber nur unvollständig zu lesen sein kann und daher unter Umständen auf die Heruler hinweist, die zwischen 200 und 500 nach Christus in Schweden nachgewiesen werden können.

Copyright: Herbert Kårlin
 

måndag, augusti 20

Schweden während der römischen Eisenzeit

Die Epoche zwischen Christi Geburt und 375 nach Christus wird in Schweden als die römische Eisenzeit betrachtet, den letzten Teil der Eisenzeit, da sich hier der Einfluss Roms, dessen Grenze in dieser Epoche bis weit in das heutige Deutschland erstreckte, auch die schwedische Entwicklung maßgeblich beeinflusste. Zum einen drangen immer mehr Germanen in den nordischen Raum vor, zum anderen erkundeten römische Politiker, Spione und Reisende den Norden und zum dritten kamen auf diese Weise neue Werkzeuge und neue Kenntnisse in den schwedischen Raum.

Diesem Vorstoß verdankt man auch die erste Aufzeichnungen über das Reich der Svear, das Tacitus im Jahre 98 in seinem Werk Germania als das Reich der „svionerna“ beschrieb und sich vermutlich auf den Raum Svitjods und Gotlands beschränkte. Auch wenn Tacitus vermutlich sehr wenig von den Schweden jener Zeit und ihrer Kultur wusste, so beschrieb er dennoch ihre Schiffe, ihre Waffen, ihr Alltagsleben und ihre Kriegstechnik, Bereiche, die dem römischen Reich bei der „Eroberung der Welt“ von größter Wichtigkeit war.

Während der römischen Eisenzeit kamen zahlreiche landwirtschaftliche Gerätschaften aus dem germanischen und dem römischen Raum nach Schweden, was in gewisser Weise die Landwirtschaft Schwedens revolutionierte und auch effektiver gestaltete. Gegen das Ende der römischen Eisenzeit kam auch die Schrift nach Schweden, wovon vor allem der Kulversten (Kulverstein) auf Gotland zeugt. Zahlreiche Geschichtswissenschaftler gehen davon aus, dass diese Einführung ebenfalls auf die römischen Reisenden zurückzuführen ist, die in dieser Epoche Schweden besuchten, auch wenn man sich in Schweden dann für die Runen mit 24 Zeichen entschied, die der Sprache am ehesten gerecht wurden. Da die nordische Schrift vermutlich über Gotland nach Schweden kam, kann man davon ausgehen, dass die Römer und auch die Germanen mit ihren Schiffen die Ostsee entlang fuhren und dadurch natürlich als erstes mit Gotland Kontakt hatten, anschließend jedoch weiter bis zum Mälaren vorstießen. Die römischen Beschreibungen des Sveareiches betreffen daher nur einen relativ kleinen Einzugsbereich und, genau genommen, zwei Länder, da Gotland und Svitjod getrennt gesehen werden müssen.

Andererseits war die römische Eisenzeit auch der Beginn eines ausgedehnten Handels mit den südlicheren Ländern, denn das damalige Schweden verfügte über Pelze, Leder, und unbegrenzt Wild, was vor allem für das römische Reich Luxusgüter waren, die gegen Silber, Glasbehälter, Bronzeschmuck und Waffen eingetauscht wurden. In einem Grabfeld in Karlsund konnte man in den 90er Jahren selbst einen Weinkrug entdecken, der gegen Ende der römischen Eisenzeit nach Schweden kam und in Süditalien hergestellt worden war. Beweis dafür war die Signatur des Herstellers und die vergleichbaren Funde bei Pompei.

Einige Geschichtswissenschaftler verfechten die Theorie, dass sich schwedische Heere ab etwa 200 nach Christus den Germanen anschlossen und römische Händler und Reisende überfielen und als Wegelagerer die Römer beraubten. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Theorie, die nicht beweisbar ist und nur deswegen aufkam, weil ab dieser Epoche römisches Golds auch in Schweden auftauchte, das zur Herstellung von südlich inspiriertem Schmuck benutzt wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, juli 29

Der Bökstastenen, ein Dokument der schwedischen Geschichte

Einer der geschichtlich interessantesten Runensteine aus dem 11. Jahrhundert ist der sogenannte Bökstastenen (Bökstastein) zwischen Uppsala und Örsundsbro. Der Runenstein wurde nur knapp 100 Jahre vor der in der Nähe liegende Balingsta Kyrkan geschaffen, wodurch die Zeit der Christianisierung in dieser Gegend relativ klar bestimmt werden kann, da man auf dem Bökstastein noch Symbole der nordischen Mythologie findet und jedes Zeichen des Christentums fehlt.

Der Bökstastenen hat ausschließlich wegen seiner Bilder eine geschichtliche Bedeutung, da die Inschrift nur erzählt, dass der Stein von Eltern und Geschwistern zur Erinnerung an einem gewissen Est errichtet wurde, Personen, die man keinerlei geschichtlichem Ereignis zuordnen kann.

Der Stein, der bereits die Aufmerksamkeit von Johannes Bureus weckte, war zu jener Zeit in mehrere Teile zerschlagen und konnte erst 2004, nach dem Fund eines letzten Teiles, wieder vollständig zusammengefügt werden. Wo der Stein ursprünglich stand, ist heute nicht mehr zu sagen, aber es besteht der Verdacht, dass er ursprünglich entweder an der Balingsta Kyrkan stand und im Rahmen der Christianisierung zerstört wurde oder aber an einem Handelsweg. An die heutige Stelle wurde der Bökstastein jedenfalls erst im 19. Jahrhundert transportiert.

Auf dem Bökstastenen wird, umgeben von der Inschrift in Runenzeichen, eine Jagdszene dargestellt, die durch mehrere Aspekte als einzigartig gilt, denn die Jagd auf Elche erfolgt hier nicht nur zu Pferde, sondern es werden auch zwei Hunde und Falken (oder andere Raubvögel) mit eingesetzt, wobei einer der Raubvögel gerade einen Elch schlägt. Der Jäger hält einen Speer in der Hand mit dem er den geschwächten Elch dann vermutlich töten will.

Links unten am Bökstastein ist jedoch die Abbildung zu finden, die den Stein endgültig zu einem einzigartigen Werk macht, denn hier kann man erstmals einen Skiläufer mit Pfeil und Bogen entdecken, der weitaus kleiner abgebildet ist als die Hauptszene. Diese Inschrift beweist, dass Skis bereits im frühen Mittelalter bekannt waren und schon damals die heutige Form hatten.

Dieser Skiläufer ist jedoch gleichzeitig das größte Rätsel der Forscher, denn die Historiker sind  nahezu einstimmig der Meinung, dass es sich hier um einen mythologischen Gott handelt. Während die Mehrheit der Geschichtsforscher der Meinung ist, dass es sich bei diesem Gott um Ull handelt, der in der nordischen Mythologie mit der Jagd in Verbindung gebrach wird, so gibt es auch die Theorie, dass es sich bei der gesamten Szene um die Jagd von Göttern handelt und der Ritter Oden darstellt, der mit seinen beiden Raben Hugin und Munin unterwegs ist. In diesem Fall wäre der Vogel auf dem Kopf des Elches kein Raubvogel, sondern ein Rabe.

Was jedoch gegen diese Theorie spricht, ist die Tatsache, dass nur in arabischen Ländern mit Raben gejagt wurde und die beiden Raben Odens keine Raubtiere waren, sondern Spione. Dagegen sind sich die Archäologen sicher, dass in Schweden spätestens ab der Vendelzeit vor allem Habichte zur Jagd abgerichtet wurden und von der damaligen Aristokratie Schwedens zur Jagd benutzt wurden, die dann vermutlich jedoch nicht dem Nahrungsbedarf, sondern dem Vergnügen diente. Diese Tatsache wird nicht nur durch Felsritzungen (hällristningar) bestätigt, sondern auch dadurch, dass in Gräbern wichtiger Personen aus der Zeit der Vendel Raubvögel mit beerdigt wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, juli 14

Der Runenstein von Rök (Rökstenen)

Der Rökstenen, der Runenstein von Rök, ist, neben dem Karlevistenen (Karlevistein), einer der bekanntesten und interessantesten Runensteine der schwedischen Geschichte. Der Stein, dessen ursprünglicher Standort nicht bekannt ist, befindet sich heute an der Kirche des Ortes Rök, die in der Nähe von Linköping im Östergötland liegt.

Der Rökstenen ist insgesamt 382 Zentimeter hoch, 138 Zentimeter breit und misst an der dicksten Stelle 43 Zentimeter. Allerdings ragen nur 257 Zentimeter des Runensteines aus dem Boden. Auf dem Stein findet man insgesamt 750 Runenzeichen, was dazu führte, dass man den Text als das älteste schwedische literarische Dokument betrachtet, auch wenn die Deutung des Inhalts bis heute nicht eindeutig geklärt ist.

Der Runenstein von Rök, der seine Bezeichnung nach dem Ort, an dem er gefunden wurde, bekam, stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts, kann aber auch etwas älter sein. Die Datierung erfolgte auf Grund der altnordischen Sprache, die der Verfasser des Textes anwandte und die sich sehr deutlich von jener des folgenden Jahrhunderts unterscheidet. Hinzu kommt, dass der Text in Futhark mit 16 Zeichen verfasst wurde, was die Lektüre bedeutend erschwert. Ein anderer Grund, warum man annimmt, dass der Rökstenen aus dem neunten Jahrhundert kommt, ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Geschichtsforscher annimmt, dass es sich bei Tjodrik, der in der Inschrift genannt wird, eigentlich um Theoderich den Großen handelt, der ab 471 der König der Ostrogoterna (Ostgoten) war, die im Laufe der Völkerwanderung bis an die Ostsee gelangten.

Der Rökstenen wäre ohne den Runenforscher Johannes Bureus eventuell ganz verloren gegangen, da der Runenstein von Rök im 12. Jahrhundert in einem Lagerhaus für die Steuern (den Zehnten) eingemauert wurde und anschließend Teil der alten Kirchenmauer wurde. Wenn daher Johannes Bureus nicht eine Zeichnung des Runensteines angefertigt hätte, so wäre er im folgenden Jahrhundert nicht von mehreren Runenforschern der Zeit aufgesucht worden, zumal der Stein so eingemauert war, dass der Haupttext unsichtbar war. Der wichtigste Teil der Inschrift wurde allerdings erst 1843 entdeckt, als die alte Kirche abgerissen wurde. Seinen heutigen Platz bekam der Rökstenen dann 1933, als man die Runensteine mit der höchsten Kultur des alten Schwedens verknüpfte und sie deutlich sichtbar aufgestellt wurden.

Über den tatsächlichen Text des Steines sind sich Runenforscher allerdings bis heute nicht einig, da die Trennungszeichen der Worte fehlen und bei dieser Art der Schreibweise (16 Runenzeichen) mehrere Buchstaben gleich geschrieben werden, aber eine unterschiedliche Bedeutung haben können. Einig ist man sich im Grunde nur darüber, dass auf dem Runenstein ein Teil der schwedischen Geschichte und/oder der nordischen Mythologie zu finden ist und der Text von einem damaligen Könner geschrieben und eingeschlagen wurde.

Nach dem Buch „Om hjältesagan å Rökstenen“ behauptet Viktor Rydberg, dass alle Namen, die auf dem Rökstenen genannt werden in der isländischen Sage „Ragnar Lodbrok“ vorkommen. Er schloss daher darauf, dass die Deutung des Textes im Zusammenhang mit der nordischen Mythologie gesucht werden muss und weniger bei einer tatsächlichen geschichtlichen Handlung.

Die Deutung, die man heute neben dem Rökstenen lesen kann und die gegenwärtig am häufigsten verbreitet wird, stammt vom Sprachwissenschaftler Elias Wessén, der den Text im Jahre 1958 deutete, wobei diese Interpretation allerdings von zahlreichen gegenwärtigen Sprachwissenschaftler angezweifelt wird, da Wessén bei der Deutung zu mathematischen Sprachmodellen griff, die, nach Meinung moderner Forscher, nicht auf Texte der späten Eisenzeit angewendet werden können. Einige Wissenschaftler meinen auch, dass Wessén bei seiner Übersetzung nicht am Beginn des Textes zu lesen begannt, sondern die falsche Seite als Grundlage nahm, wobei jedoch bis heute nicht mit sicherheit bekannt ist auf welcher Seite des Steines der Text tatsächlich beginnt.

Nachdem Runenzeichen jedoch oft nicht nur in ihrer wörtlichen Bedeutung gesehen werden dürfen, sondern auch mythologische Symbole sein können, und zudem bisher keinerlei andere Texte dieser Art gefunden wurden, was die Deutung vereinfachen könnte, wird man auch in Zukunft die Bedeutung des Steines und seines Textes nur „erraten“ können. Vielleicht bleibt dabei auch seine ursprüngliche Bedeutung verborgen. Sicher ist bisher nur, dass Varin diesen Stein für seinen Sohn Vämud errichten ließ, zwei Personen, die man in der schwedischen Geschichtsschreibung nicht finden kann.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juli 9

Johannes Bureus, Runensteine und Grammatik

Johannes Bureus, der lateinische Name von Johan Bure, ist eine der wichtigsten Schlüsselfiguren der schwedischen Geschichte ab dem 17. Jahrhundert, dessen Leistungen noch heute von höchster Wichtigkeit sind, obwohl Bureus im Zusammenhang mit der damaligen Zeitströmung gesehen werden muss, da er zur ersten Generation der Schweden gehörte, die in einer fest etablierten protestantischen Lehre aufwuchsen und sein Vater zudem als Priester arbeitete.

Johannes Bureus wurde am 15. März (oder aber am 25. März) 1568 geboren und gilt als Künstler, Forscher und Wissenschaftler in verschiedenen Bereichen. Ihm verdankt man einen Großteil der Kenntnisse der Runenforschung, er hat die erste schwedische Grammatik und das erste schwedisch Lexikon verfasst, er überwachte die Bibelausgabe, er kopierte das einzige Werk über die Arbeit eines Königs und er ist noch heute jedem Geschlechtsforscher ein Begriff, da er bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Geschlechterbuch herausgab.

Um den Einfluss von Johannes Bureus auf die Geschichte Schwedens bewerten zu können, muss man die verschiedenen Aspekte seiner Denkweise und seines Wirkens betrachten, auch wenn sich bei jedem der Punkte auch Querverbindungen öffnen.

Persönlich war Johannes Bureus ein protestantischer Mystiker, der in jedem Wort der Bibel, und jedem Runenzeichen, eine Bedeutung und eine Voraussage suchte. Auf Grund seiner Bibelforschung sagte Bureus selbst den Weltuntergang mehrmals voraus und verfasste mehrere Werke, die belegen, dass sich Johannes Bureus als der Abgesandte Gottes betrachtete, der ihm die Worte der Bibel in seiner gesamten Wahrheit erschließen lässt. Auch wenn dieses mystische Denken von der Umwelt überwiegend als Phantasie abgetan wurde, so spielt es dennoch eine wichtige Rolle, da Bureus der Lehrer von Gustav II. Adolf war, später auch von Kristina, und auch in seiner Runenforschung und der Erstellung seines ersten Lesebuches seine Denkweise einfließen ließ.

Die größte Errungenschaft von Johannes Bureus liegt bei seiner Erforschung der schwedischen Runen, denn auch wenn er nicht der erste war, der Inschriften übersetzte, denn hierbei kamen ihm Olaus Petri und die Brüder Johannes und Olaus Magnus zuvor, so war Bureus der erste, der die Runenschrift systematisch erforschte und es dadurch ermöglichte das System der Runen in seiner Gesamtheit zu verstehen und zu analysieren.

Seine Bedeutung als Runenforscher lag allerdings auch darin, dass Bureus rund 600 Runeninschriften aus den verschiedensten Teilen des Landes aufzeichnete, den Standort der Steine auf Karten vermerkte und alle Priester des Landes aufforderte die Runensteine in ihrer Umgebung zu untersuchen und ihm die entsprechenden Berichte zuzusenden. Nur dieser Arbeit verdanken wir, dass man bei vielen verlagerten Steinen sagen kann, wo sie ursprünglich standen, dass Inschriften von verschwundenen Steinen überliefert wurden und die Runensteine letztendlich durch königliche Verordnung geschützt wurden.

Da Johannes Bureus der Lehrer von einem zukünftigen König und einer Königin war, die Kanzlei von Herzog Karl, dem späteren König Karl IX., leitete, Notar bei mehreren wichtigen Treffen in Uppsala war und auch für die Korrektur und den Druck der neuen Bibel verantwortlich war, war für Bureus Sprache ungemein bedeutend. Er verfasste daher die ersten schwedischen Lesebücher (ABC-böcker) und wollte damit die Runenschreibweise wieder in Schweden einführen. Als dieses Projekt scheiterte, entstand das älteste schwedische Lesebuch in damals moderner Sprache. Um die Sprache im ganzen Land zu vereinheitlichen gab Johannes Bureus anschließend eine Grammatik heraus, die ihm den Titel „Vater der schwedischen Grammatik“ einbrachte. Sein mehrbändiges Wörterbuch wurde leider nicht mehr vollendet und drei der Bände gingen im Laufe der Geschichte auch verloren.

Da Johannes Bureus auch das Werk „En nyttig bok om konunga styrelse och hövdinga“ kopierte und bei seiner Ausbildung von Gustav II. Adolf anwendete, blieb auch das einzige Werk über die Arbeit von Königen und dessen höheren Beamten erhalten, was uns heute einen Eindruck über die Denkweise und das Handeln der Könige der Reformationszeit gibt. Lange Zeit wurde dieses Werk als Fälschung betrachtet, da man glaubte, Bureus wollte mit diesem Werk die Machtverhältnisse der Könige beeinflussen. Dies stellte sich später als Irrtum heraus, da mehrere Fragmente des ursprünglichen Werkes auftauchten und die Authentizität des Werkes bewiesen.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, juni 21

Der Karlevistein (Karlevistenen) auf Öland

Der Karlevistein (Karlevistenen) ist der älteste Runenstein auf Öland und unterscheidet sich in mehreren Punkten von den sonst üblichen Runensteinen, die man bisher in Schweden gefunden hat. Dies ist auch einer der Gründe dafür, warum die Mehrheit der schwedischen Geschichtswissenschaftler der Meinung ist, dass dieser Stein gegen das Jahr 1000 von Dänen aufgestellt worden sei, die auf Öland nur Halt machten um einem ihrer Helden, der entweder bereits bei der Schlacht bei den Fyrisvallarna umkam oder aber auf der Rückreise starb, ein Monument zu setzen.

Der Karlevistenen steht auf einem Feld beim Ort Karlevi, wonach er auch den Namen bekommen hat, und kann ohne größere Probleme besucht werden, wobei es für Busse allerdings keine Haltemöglichkeiten gibt. Der Karlevistein ist der einzige Runenstein aus Granit, den man auf Öland entdeckte, wobei Analysen darauf hindeuten, dass der ungravierte und etwa 130 Zentimeter hohe Stein ursprünglich aus der Gegend von Oskarshamn kommt.

Auf dem Karlevistenen findet man das einzig vollständig erhaltene Originalwerk eines Skalden in Drottkvätt, einem der ältesten Versmaße der nordischen Dichter zur Zeit der Wikinger. Auch wenn die Deutung des Textes bis heute nicht eindeutig abgeschlossen ist, so kann man dem Vers entnehmen, dass der Karlevistein dem Seehövding Sibbe, der in den heutigen Augen vermutlich mit einem Kapitän und Feldherrn gleichgesetzt werden kann, gewidmet ist. Da man auch die Namen Vidur, einem anderer Namen für den nordischen Gott Odin, und den Namen der Göttin Trud deutlich lesen kann, muss es sich bei dem Toten um einen relativ mächtigen und beliebten Hövding gehandelt haben. Da der Runenstein als solches vom nördlich liegenden Festland kam, nimmt man an, dass Öland ganz bewusst für die Errichtung des Steines ausgewählt war.

Nach Aufzeichnungen des 17. Jahrhunderts befanden sich in der Nähe des Karlevistenen auch zwei kleinere Grabhügel, wobei einer davon vermutlich für den Hövding Sibbe gedacht war. Leider fielen beide Hügel, und damit auch die sterblichen Reste der Beerdigten, der Landwirtschaft zum Opfer.

Der Prosatext des Steines wird heute im allgemeinen mit folgenden Worten übertragen: „Dieser Stein wurde gesetzt für Sibbe den Guten, Foldars Sohn, von seinem Gefolge, auf dieser Insel.“ Anschließend folgt das Gedicht mit dem Stabreim: „Verborgen liegt der Mächtige, den der Tod holte, wie die meisten wissen, der Kämpfer Truds, in diesem Hügel.  Nie wird ein gerechterer Kämpfer im Streitwagen Odins auf dem weiten Grund Skötkonungs, mehr für Dänemarks Boden leisten.“

Eine letzte Besonderheit auf dem Karlevistenen ist eine Inschrift auf der Rückseite des Runensteins, die im Mittelalter hinzugefügt wurde und deren Bedeutung ebenfalls nicht eindeutig geklärt werden konnte. Eine der häufigsten Deutungen ergibt den Text: „Im Namen von Jesus“.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, maj 4

Der Kulverstein auf Gotland

Als man 1903 bei Ausgrabungen auf Gotland einen Kalkstein mit zahlreichen Runenzeichen fand, war niemandem klar welche Bedeutung dieser Runenstein für die schwedische Geschichte haben sollte, denn erst als Fachkräfte für Runen nach Gotland kamen, wurde entdeckt, dass der Kulversten (Kulverstein) die bis heute ältesten je gefunden Runenzeichen in Schweden aufwies.

Der Kulverstein erhielt seinen Namen nach dem Hof Kulvert im gotländischen Stånga, wo er einst vermutlich als eine Art Grabplatte diente. Auf dem Stein findet man ein vollständiges Alphabet der ältesten Runenzeichen, der Futhark, weswegen man auch annimmt, dass die Runenschrift über Gotland nach Schweden kam. Die Futhark wurden etwa gegen 400 nach Christus in den Stein geschlagen. Außer dem Alphabet findet man auch noch das Palidrom „sueus“, dessen Bedeutung jedoch unbekannt ist, und mehrere T-Runen, die einem verzweigten Baum ähneln.

Sprachwissenschaftler und Geschichtswissenschaftler versuchen seit der Entdeckung des Steines die Bedeutung der Inschriften zu deuten, allerdings ohne jedes Ergebnis. Ein Teil der Geschichtswissenschaftler ist der Meinung, dass das Alphabet nur zu Übungszwecken „geschrieben“ wurde und der Stein erst später mit weiteren Zeichen versehen wurde und dann als Grababdeckung diente, während andere der Meinung sind, dass die gesamt Inschrift eine Art Magie sein sollte, deren Bedeutung uns lediglich unbekannt ist. Selbst über die Magie findet man dann noch die verschiedensten Theorien von denen jedoch keine je zu beweisen sein wird.

Der Kulversten, den man heute auf Gotland sehen kann, ist nicht der Originalstein, da man einen Stein dieser Bedeutung auf keinen Fall eventuellem Vandalismus aussetzen kann. Das Original kann heute nur noch im Historischen Museum in Stockholm betrachtet werden. Dass die Runenschrift von Gotland aus in Schweden verbreitet worden sein kann, stützt auch die Tatsache, dass der Kulverstein zu Beginn der nordischen Völkerwanderung geschaffen wurde, also einer Epoche in der mehrere Völker in den nordischen Raum vordrangen.
Copyright: Herbert Kårlin

söndag, april 1

Forsaringen, das älteste geschriebene Gesetz Schwedens

Der Forsaringen ist ein Eisenring mit einem Durchmesser von 42 Zentimetern, der an einer Tür der Forsa Kyrkan im Hälsingland fest genietet war und deswegen als Forsaringen, der Ring Forsas, bezeichnet wurde, auch wenn man glaubt, dass sich der Ring ursprünglich in einer Nachbargemeinde befand. Auf beiden Seiten dieses Ringes sind Runen eingraviert, deren Deutung dazu führte, dass man den Text für einen der ersten schwedischen Rechtstexte nahm, die überliefert wurden.

Die Mehrheit der Geschichtsforscher nehmen auch heute noch an, dass der Forsaringen kurz nach 900 entstanden ist, wobei einige andere das frühe Datum bezweifeln und ihn ohne genau Datierung ins Mittelalter setzen, genauer genommen etwa 200 bis 300 Jahre später. Ursache dafür ist, unter anderem, die unterschiedliche Deutung der Runen.

Der Eisenring trägt insgesamt auf beide Seiten verteilt rund 250 Runenzeichen, wobei hierbei die Kurzstabrunen (Kortkvistrunor) verwendet wurden und der Text in einem einzigen Stück verfasst ist, was es auch schwierig machte Worte zu identifizieren und dem Gesamttext einen logischen Sinn zu geben.

Der Forsaringen beinhaltet nicht, wie die späteren Landskapslagar (Landschaftsgesetze, Regionalgesetze), ein gesamtes Gesetzbuch, sondern diente mehr als Ergänzung der Rechtstexte der Lagmän (Gesetzeskundigen). Der wichtigste Inhalt des Textes besagt jedoch, dass sich die vorgesehene Strafe bei jedem neuen Vergehen verdoppelt.

Das Problem der Datierung des Forsaringen ist insbesondere linguistischer Natur, insbesondere die Diskussion ob ein Wort liuþir oder lirþhir gelesen werden muss, was bis heute nicht eindeutig geklärt wurde. Ein weiteres Problem dabei ist, dass für die Inschrift zwar die älteren Runen aus der Zeit der Wikinger verwendet wurden, einige Worte jedoch erst bei Texten gefunden wurden, die weitaus später entstanden sind. Die geringe Anzahl an Runeninschriften aus der Epoche der Wikinger macht es indes unmöglich hier eine klare Linie zu ziehen, so dass jede Theorie eine gewisse Berechtigung hat.

Während die Schreibung der Runen auf jeden Fall auf die Wikingerzeit hinweist, argumentieren die Kritiker dieser Theorie, dass selbst während des 12. und 13. Jahrhunderts, also einer Zeit, als bereits die ersten Landskapslagar existierten, in Kirchen und bei Schmiedekunst häufig noch alte Schreibweisen und Ornamente angewandt wurden. Hinzu kommt, dass die eingravierten Texte eine nahe Verbindung zu den Landskapslagar zeigen. Die Frage ist daher auch, ob das Hälsingelagen (Lex Helsingiae) sich auf den Forsaringen bezieht, oder ob der Forsaringen parallel dazu entstand und vielleicht das Hälsingelagen komplettierte. 

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, mars 25

Die Guldrupe kyrka auf Gotland

Wie schon bei den anderen Stabkirchen Schwedens, so findet man auch von der ersten Guldrupe kyrka auf Gotland nur noch einige wenige Reste, die deren Existenz beweisen, insbesondere einige Eichenplanken mit Drachenmotiven, die man heute im Gotlands Fornsal (Regionalmuseum Gotlands) finden kann. Auch wenn diese Funde nicht mit Sicherheit beweisen, dass es sich bei dieser ersten Kirche um eine Stabkirche und keine andere Holzkirche handelte, so ist die Wahrscheinlichkeit auf jeden Fall sehr hoch.

Aber auch die heute sichtbare Guldrupe kyrka aus gehauenem Kalkstein ist von historischem Interesse, da die ältesten Teile noch aus dem 12. Jahrhundert stammen und der Turm sowie die anderen Teile der Kirche im Laufe des 13. Jahrhunderts entstanden sind. Das steinerne Taufbecken, das heute in der Turmkammer steht, stammt ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert und das Gemälde von Sankt Olav (Olav Haraldsson)über einem der Seitenaltäre im Südosten wurde im 13. Jahrhundert gemalt. Die maßgeblichen Teile der Kirche stammen daher noch aus der katholischen Epoche Schwedens.

Einer der interessantesten Teile der gegenwärtigen Guldrupe Kirche ist der indes pyramidenförmige Turm, der weitgehend noch im Originalzustand ist und in dessen Balken Bauanweisungen mit Runen eingeschlagen wurden, die leider noch nicht vollständig gedeutet werden konnten. Die anderen Teile der Kirche wie Decke und Fenster wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrmals restauriert und vor allem während der Arbeiten in den Jahren 1964/65 in einigen wichtigen Teilen verändert.

Die Kanzel der Guldrupe kyrkan stammt zwar aus dem 17. Jahrhundert, ist also eine protestantische Kanzel, wurde jedoch im Jahre 1776 von der Vänge kyrka gekauft und gehört daher historisch gesehen nicht in die Guldrupe Kirche.
Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, januari 18

Die Entwicklung der Runen in der schwedischen Geschichte

Die ältesten Runen können etwa 100 Jahre nach Christi Geburt im nordischen Raum nachgewiesen werden, auch wenn diese gefunden Inschriften noch nicht der Geschichtsschreibung dienen oder viel über die damalige Gesellschaft aussagen. Zwischen 550 vor Christus und  etwa 700 nach Christus überlagern sich teilweise auch Steinritzungen (Hällristingar) und Runen, auch wenn die Funde aus dieser Epoche noch sehr gering sind. Möglicherweise schrieb man daher in dieser Zeit überwiegend auf dem weicheren Material Holz.

Die Bedeutung der ältesten Runeninschriften in Schweden, die über 24 Zeichen verfügten, sind uns unbekannt. Es kann sich daher dabei ebenso um Zauberformeln handeln wie um Grenzsteine, Namen oder jede andere Art von Information. Die ersten halbwegs übersetzten Texte banalen Inhalts kommen erst aus den Jahren nach 500, helfen jedoch ebenfalls wenig bei der geschichtlichen Forschung und interessieren daher eher Runenforscher als Geschichtsschreiber.

Die Runen wurden in Schweden bis etwa zu Beginn des 13. Jahrhunderts verwendet, wobei sie ab der Jahrtausendwende durch die Christianisierung immer mehr vom Alphabet ersetzt wurden, also 200 Jahre lang die beiden Systeme nebeneinander existierten. Es ist dabei anzunehmen, dass die Wikinger auf Grund ihrer Handelsbeziehungen, zumindest indirekt, zu einer gemeinsamen Schrift gezwungen wurden, da die nordische Kultur in jener Zeit von den höher entwickelten Völkern als primitiv betrachtet wurden und deren Schrift daher kaum höher eingestuft wurde als eine Minoritätenschrift ohne Zukunft.

Auch wenn Runensteine im gesamten nordischen Raum gefunden wurden und das älteste 24-Zeichen-Futhark (24-Buchstaben-Alphabet) auf Gotland (Kulverstenen, Kylverstenen) entdeckt wurde, so fand man die größte Ansammlung beim Mälaren. Was man daraus schließen kann, ist ungewiss, da man zur Kommunikation wohl mehr zu Holz griff, auf das man die Zeichen ritzte, denn Holz war das häufigste Material, es war gut darauf zu schreiben und auch der Mangel an Querlinien im Runen-Alphabet lässt auf das Holzschneiden schließen. Man kann daher nicht unbedingt daraus schließen, dass das Gebiet um den Mälaren auch wirklich die dominante Rolle zwischen 800 und 1200 spielte, der Zeit, an der die meisten Runensteine errichtet und geschlagen wurden. Als sicher gilt lediglich, dass sich dort ein anderer Volksstamm niedergelassen hatte als in Skåne oder Westschweden und sich auch auf eigene Weise ausdrückte.

Trotz intensiver Forschung ist auch nicht bekannt wie die Runen entstanden sind oder wie sie ihren Weg nach Schweden fanden. Da die gesamte Geschichtsforschung bis Ende des 20. Jahrhunderts von der Meinung geprägt war, dass die skandinavische Bevölkerung primitiv war und die ersten Jahrhunderte der Geschichtsschreibung die Kirche darüber entschied, was Wahrheit ist, ging man immer davon aus, dass die Runen vom Griechischen, Latein oder Etruskischen beeinflusst seien und dann nur vereinfacht wurden, auch wenn die Anzahl der Buchstaben nicht übereinstimmt. Aber durch Vorurteile galt es als ausgeschlossen, dass die schwedische Urbevölkerung ein eigenes Schriftsystem entwickelte.

Dass man sehr wenig über die erste Runenschrift weiß, liegt aber auch daran, dass man nur rund 300 Inschriften unterschiedlicher Länge, unterschiedlichsten Inhalts und auf unterschiedlichstem Material (Stein, Metall, Knochen, Holz) fand und spätere Imitationen und Fälschungen teilweise kaum von Originalen zu unterscheiden sind.

Auch wenn man in der Regel immer nur sehr allgemein von Runen spricht, so findet man im germanischen Raum mehrere verschiedene Schriften und „Alphabete“. Man unterscheidet dabei die gotischen Runen mit 24 Buchstaben, die man in Rumänien, der Ukraine und Deutschland nachweisen kann, die angelfriesischen Runen mit 28 und 33 Zeichen aus dem englischen Raum, die markomannischen Runen mit 16 Zeichen, die die Karolinger benutzten und die wichtigsten Runenzeichen der Wikinger waren, die Runenzeichen des Mittelalters, die sich dem germanischen Alphabet angepasst hatten und die Runen aus Dalarna, die dort vom 16. Jahrhundert bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet wurden.

Ein weiteres Rätsel der Runeninschriften sind die zwei unterschiedlichen Schreibarten, nämlich die Langstabrunen und die Kurzstabrunen, wobei man annimmt, dass die erste Art mehr als Zierschrift für besondere Situationen verwendet wurde und die zweite im Alltag sinnvoller war, aber auch dies sind natürlich nur Annahmen ohne tatsächlichen Beweis.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, januari 3

Die Vendelzeit Schwedens

Die Vendelzeit ist die mittlere Periode der jüngeren Eisenzeit Schwedens und daher ein Teil der Frühgeschichte. Diese Periode erhielt ihren Namen nach den typischen  Schiffssetzungen oder Bootsgräbern (Skeppssättningar), die bei der Vendels Kyrka (Vendelkirche), die sich rund 40 Kilometer nördlich von Uppsala  befindet, gefunden wurden. In den bootförmigen Steinsetzungen fand man zudem Holzboote, die den Toten mit auf die letzte Reise gegeben wurden. Diese Art von Gräbern kommen ausschließlich in der Vendelzeit und bei den Wikingern vor, wobei sie auf schwedischem Boden, im Gegensatz zu Norwegen, relativ untypisch sind, da man während der Vendelzeit in Schweden im allgemeinen die Verbrennung bzw. Feuerbestattung praktizierte und eine Grabsetzung unter Steinhügeln oder Steinsetzungen.

Die Vendelzeit reicht etwa vom Ende der Völkerwanderung im Jahre 550 bis zum Beginn der Epoche der Wikinger ab dem Jahre 800, wobei das Vendelreich sich, auf Grund der Grabfelder, ausschließlich in der Umgebung um Uppsala nachweisen lässt. Die Grabfunde lassen allerdings darauf schließen, dass es sich hier um einen sehr wohlhabenden Volksstamm handelte, der vermutlich von Bergwerk und Handel lebte. Der Transport der Waren fand mit Booten und Pferden statt. Auch wenn dies nur eine Hypothese ist, so nimmt man an, dass die Vendel, ähnlich den späteren Wikingern, bereits bedeutende Strecken zu Wasser zurücklegten und einen internationalen Handel führten.

Da sich in dieser geschichtlichen Epoche in ganz Schweden das alte Runensystem mit 24 Zeichen auf jenes mit 16 Zeichen verkürzte, was zahlreiche Runensteine belegen, kann man davon ausgehen, dass die Vendelzeit oder das Vendelreich durch seinen Handel auch einen regen Verkehr mit anderen schwedischen Reichen hatte, da die gleiche Veränderung der Schriftzeichen in allen Teilen Schwedens nahezu gleichzeitig nachweisbar ist. Nach alten Sagen herrschten zu dieser Zeit in Schweden die letzten Könige des Ynglingaätten, das Sagengeschlecht der Ynglinga, deren Zentrum sich im Sveareich befand, wovon heute noch die Königshügel zeugen.

Auch wenn die zahlreichen fernen Reisen des Vendel nur aus der Sagenwelt stammen und wissenschaftlich nicht bewiesen werden können, so lassen diese Sagen dennoch darauf schließen, dass die Wikinger später die gleichen Seewege benutzten wie ihre Vorgänger und mit Sicherheit bereits mit Gotland Handel betrieben haben. Einige Grabfunde lassen selbst die Theorie zu, dass Händler des Vendelreiches bereits England betreten hatten und damit den Wikingern Kenntnisse über den Reichtum Englands überlassen haben, die die Wikinger auch auf die Idee der Überfälle im englischen Raum brachten.

Copyright: Herbert Kårlin