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onsdag, september 26

Ankarede, die letzte Kirchstadt im Jämtland

Durch seine Lage spielte das Jämtland eine besondere Rolle in der schwedischen Geschichte, nicht zuletzt auch deswegen, weil es erst 1699 offiziell in das schwedische Reich eingegliedert wurde. Dies bedeutet natürlich auch dass die erste Welle der Kolonisation Nordschwedens in dieser Gegend andere Wege nahm, die vor allem von norwegischer Seite bestimmt waren, als in Lappland.

Aber auch in Jämtland wollte das schwedische Reich natürlich die samische Bevölkerung zu gläubigen Schweden machen, obwohl dies weitaus problematischer war als in Lappland, da sich die Bevölkerung weitaus mehr an Norwegen orientierte und Schweden weder die samischen Kultstellen im Jämtland kannte, noch den Handel massgeblich beeinflussen konnte.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden daher Bewegungen, die einerseits schwedische Siedler nach Jämtland führten, zum anderen den Sami christliche Bräuche von schwedischer Seite näher brachten. Die insgesamt neun Kirchstädte Jämtlands, von denen heute nur noch Ankarede existiert, entstanden daher erste im 19. Jahrhundert, wobei allerdings selbst die Geschichte Ankaredes nur teilweise bekannt ist.

Die erste Kapelle in Ankarede entstand vermutlich gegen das Jahr 1820 an einem Platz, den die Sami vorher für die Beerdigung ihrer Toten verwendet hatten, eine Wahl, die die Anerkennung der schwedischen Kirche einfacher machen sollte. Die heute sichtbare Kapelle ersetzte dann 1896 das erste Gebetshaus, das lediglich durch eine schriftliche Aufzeichnung bekannt ist. Erst mit der Jahrtausendwende begann sich Ankarede dann mehr und mehr zu einem Sammlungsplatz zu entwickeln und der Bau einer Kirchstadt wurde zur Notwendigkeit.

Die Kyrkstad Ankarede gehört zu den kleineren Kirchstädten Schwedens und verfügt über rund 30 Koten, etwa zehn Stugor (Wohnhütten) und fünf Lagergebäude, die alle zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und deutlich zeigen, dass es trotz des gemeinsamen Kirchgangs und des Handels nicht zu einer Verschmelzung zwischen Schweden und Sami kam, denn auch die entsprechenden Übernachtungsstellen sind deutlich voneinander getrennt.

Was die Kyrkstad Ankarede, die südlichste Schwedens, ebenfalls von den anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass alle Koten im Stil der Sami aus Västerbotten entstanden und daher von Sami gebaut wurden, die im 19. Jahrhundert aus unbekannten Gründen ins Jämtland kamen. Ob sie damit der schwedischen Unterdrückung entkommen wollten, aus praktischen Gründen umzogen oder wegen Nahrungsmangel in eine neue Gegend kamen, kann man heute nicht mehr sagen. Ebenso wenig weiß man, ob die „Flüchtlinge“ den neuen Glauben bereits aus Västerbotten mitbrachten oder ihm durch den Umzug ursprünglich entkommen wollten. Ein Rätsel ist auch, wo man in Ankarede die Zeichen jener Sami findet, die bereits vorher dort lebten.

Die Kirchstadt Ankarede belebt sich vor allem zu Mittsommer, wenn dort ein dreitägiges Fest gefeiert wird, das sich allerdings jedes Jahr mehr zu einer touristischen Attraktion entwickelt.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, september 22

Kirchdörfer und Kirchstädte in der schwedischen Geschichte

Wer in Schweden nach der Geschichte der Christianisierung sucht, wird zweifelsohne immer wieder von Begriffen wie Kyrkby (Kirchdorf), Kyrkstad (Kirchstadt), Lappstad („Lappenstadt“) und ähnlichen Begriffen angelockt, ohne jedoch den Zusammenhang zwischen den einzelnen Begriffen immer zu sehen und zu verstehen.

Der ungenaueste Ausdruck, der auch keinen echten Bezug zur schwedischen Geschichte hat, ist der Ausdruck Kyrkby, also Kirchdorf, denn ursprünglich war ein Kyrkby nichts anderes als ein Dorf, das sich um eine Kirche entwickelte und in zahlreichen Fällen dem Namen des Ortes beigefügt wurde, oder aber man nannte den Ort einer Region in dem die Kirche für mehrere Dörfer gebaut wurde Kyrkby, um zwischen einem gewöhnlichen By (Dorf) ohne Kirche und einem Kyrkby (Kirchdorf) eine Unterscheidung zu machen. Ein Kirchdorf kann daher weder bestimmten Gebieten noch einer bestimmten geschichtlichen Epoche zugeordnet werden.

Eine Kyrkstad (Kirchstadt) war dagegen ein Ort oder eine Stelle mit einer Kirche wo zahlreiche Koten oder Stugor gebaut wurden, die ursprünglich nur der Übernachtung für jene dienten, die eine große Strecke bis zur Kirche zurücklegen mussten, die man nicht innerhalb eines Tages leisten konnte. Oft wurden diese sehr einfachen Behausungen nur zwei- bis dreimal im Jahr benutzt und hatten keinen Komfort und oft nicht einmal Fenster. Diese Kyrkstäder findet man überwiegend im nördlichsten Teil Schwedens, wobei viele unter ihnen entstanden um die Sami zur Integration in die schwedische Gesellschaft, dem Kirchbesuch und dem Bezahlen von Steuern zu zwingen.

Insgesamt entstanden in Schweden etwa 70 Kirchstädte unter denen nur noch sehr wenige bis heute existieren, wenn auch überwiegend umgebaut und kaum noch im ursprünglichen Sinne. Einige der größten unter ihnen entwickeln sich zu touristischen Attraktionen.

Aber auch wenn man von einer Kyrkstad spricht, so gab es auch hier zu Beginn noch bedeutende Unterschiede, denn die Kyrkstäder für Sami werden oft als Lappstad bezeichnet, jene für Landwirte Bondstad und jene für den gehobenen Bürgerstand und die Kaufleute Borgarstad. Auch wenn bisweilen alle drei dieser Städte zu einer einzigen Kyrkstad zusammengewachsen waren, so gab es eine sehr deutliche Trennung zwischen diesen Schichten, sowohl was den Bau der Gebäude betrifft, als auch die Einrichtung und die Zeit, die die Bewohner in der Kyrkstad verbrachten. Zu den drei Grundeinheiten einer Kyrkstad kam dann oft noch die Stallstad, also der Ort an dem die Tiere untergebracht werden konnten.

Heute kann man die geschichtlich interessanten Kirchstädte an zwei Händen zählen, wobei sich die südlichste davon, Ankarede, im Jämtland befindet und zu Mittsommer immer noch von den Sami benutzt wird.

In Norrbotten liegen Gammelstad, Arvidsjaur und Öjebyn, die von der Geschichte und ihrer Struktur her sehr unterschiedlich sind, wobei Gammelstad zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Die Mehrheit der Kyrkstäder in Västerbotten entstanden zur Zeit der Kolonisation Lapplands und sind Zeugen der Begegnung von zwei Kulturen, die bis heute noch keinen wirklich gemeinsamen Weg gefunden haben. Zu diesen Kirchstädten gehören Fatmomakke, Lövånger, Skellefteå, Ammarnås und Vilhelmina.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, september 18

Die Kirchstadt Gammelstad (Gammelstads Kyrkstad) bei Luleå

Während die Kirchstädte Arvidsjaur und Fatmomakke deutlich mit der Besiedlung Lapplands zu tun haben, hat die bekannteste Kirchstadt Nordschwedens, nämlich die Gammlestads Kirchstadt (Gammelstads Kyrkstad) bei Luleå eine völlig andere Geschichte, was auch dazu führte, das sich diese Kirchstadt zur größten Kyrkstad des Nordens entwickelte und insgesamt 424 Gebäude umfasst, also selbst von der Größe her einer mittelalterlichen Großstadt entspricht.

Gammelstad, also das frühe Luleå, war schon zur Zeit der Wikinger als Handelsort bekannt und ab Mitte des 13. Jahrhunderts kann man nachweisen, dass Händler aus Stockholm und Åbo (Turku) nach Gammelstad kamen um mit den Sami Handel zu treiben. Dies war auch der Grund dafür, dass hier ab dem 14. Jahrhundert eine natürliche Ansiedlung entstand, eine Kirche gebaut wurde und die Stadt den mittelalterlichen Charakter der südlicheren Teils Schwedens annahm.

Als daher die Kirchenpflicht auch für die samische Bevölkerung zu gelten begann, wurde Gammelstad einfach ausgebaut nach dem gleichen Baustil mit dem die Siedler bereits begonnen hatten. Die Kirchstadt Gammelstad war daher eine Mischung aus Kirchstadt und Handelsstadt, die sich zwar nach den wichtigsten Markt- und Kirchentagen zum großen Teil leerte, aber dennoch als lebender Ort erhalten blieb und sich nicht vollständig leerte.

Die Gammelstads Kyrkstad weicht aber noch in einem anderen Punkt von den rein samischen Kirchenstädten ab, denn Gammelstad lag an einem strategisch wichtigen Punkt an dem die verschiedensten Gruppen interessiert waren und wo deshalb auch zahlreiche Kämpfe ausgetragen wurden. Der Ort war daher auch in Hinsicht auf die verschiedenen möglichen Angriffe angelegt werden. Die Kirche in Gammelstad ist daher eine typische Verteidigungskirche um die sich die Häuser gruppieren, was den Vorteil hatte, dass sich die ständigen Bewohner bei einem Angriff sehr schnell in die Kirche zurückziehen konnten um von dort aus den Feind abzuwehrten.

Die Kirchstadt Gammelstad, die seit 1996 Weltkulturerbe ist, wurde bis gegen 1950 auf traditionelle Weise benutzt und wird heute vor allem noch zu bestimmten Ereignissen, unter anderem Mittsommer, aktiv, wobei sich diese Kirchstadt immer mehr zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt, so dass es bisweilen schwierig ist sich die frühere Atmosphäre noch vorzustellen wenn man durch die engen mittelalterlichen Straßen von Gammelstad geht.

Copyright: Herbert Kårlin