fredag, maj 11

Birger Magnusson kommt in Schweden an die Macht

Birger Magnusson (1280 - 1312), nicht zu verwechseln mit Birger jarl (1210 - 1266), der ebenfalls den Namen Birger Magnusson trug, war der Sohn von Magnus Ladulås (Magnus Birgersson) und Hedvig von Holstein. Offiziell regierte er Schweden von 1290 bis 1318 als König, da er jedoch bereits mit zehn Jahren zum Herrscher des Landes wurde, stand er bis zu seiner Volljährigkeit unter der Vormundschaft von Torgil Knutsson, der in dieser Zeit auch die Regierungsgeschäfte führte.

Bereits 1284, als Birger Magnusson gerade einmal vier Jahre alt war, wurde er als Erstgeborener von seinem Vater zu seinem Nachfolger erklärt. Daher war es normal, dass er beim Tode von Magnus Ladulås im Jahre 1290 unmittelbar zum König ernannt wurde und seine jüngeren Brüder Erik und Valdemar Magnusson nur zu Herzögen vom Södermanland, bzw. von Finnland, wurden.

Als Birger Magnusson 1302 in Söderköping zum König gekrönt wurde, fühlten sich seine beiden Brüder benachteiligt und es entbrannte ein permanenter Kampf unter den Geschwistern. Als König war es Birger Magnusson jedoch möglich Erik und Valdemar drei Jahre später in ihre Schranken zu weisen. Während die beiden nach außen dann ihren Bruder als König Schwedens anerkannten, begannen sie jedoch unmittelbar hinter seinem Rücken einen Aufstand zu planen.

Die Unterstützung kam dann von norwegischer Seite, was auch dazu führte, dass Erik sowohl das Bohuslän, den nördlichen Teil Hallands und einige andere Teile Schwedens zurückbekam. Als Birger Magnusson dann, im Einverständnis mit seinen Brüdern, Torgil Knutsson 1306 hinrichten ließ, in der Annahme, dass es damit seinen eigenen Einfluss stärken könne, entdeckte er sehr schnell, dass er die Person töten ließ, die ihn an der Macht gehalten hatte.

Noch im gleichen Jahr ließen ihn dann seine Brüder im Håtuna kungsgård im Uppland gefangen nehmen und steckten ihn anschließend ins Nyköpingshus. Dieses Ereignis, das in der schwedischen Geschichte „Håtunaleken“ genannt wird, endete 1308, nachdem Birger einen großen Teil seines Reiches an die Brüder abgetreten hatte. Diese Reichsteilung und die Instabilität Schwedens erlaubte es dann nur ein Jahr später den Norweger und Dänen Schweden anzugreifen.

Als es dann 1309 zum Friedensvertrag in Helsingborg kam, wurde Birger Magnusson erneut als König von Schweden anerkannt, musste dabei jedoch große Teile des Landes an Norwegen und Dänemark abtreten. Sein eigenes Reich war auf Teile des nördlichen und des östlichen Schwedens zusammengeschrumpft.

Aber auch dieser Friedensvertrag brachte keine Ruhe ins Land, denn die internen Streitigkeiten unter den Brüdern setzten fort. 1317 glaubte dann Birger Magnusson die rettende Idee zu haben. Er lud seine beiden Brüder zu einem großen Versöhnungsfest ins Nyköpinghus ein, wo die beiden mit allen Ehren empfangen wurden. Allerdings handelte es sich bei diesem Fest um eine Falle, denn noch am gleichen Tag ließ der König seine Brüder gefangen nehmen und in das Schlossgefängnis werfen.

Die Freude von Birger Magnusson sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein, denn im ganzen Land sammelten sich die Anhänger von Erik und Valdemar und an mehreren Fronten entstanden gleichzeitig Kämpfe, die der König, wegen der großen Übermacht, nicht gewinnen konnte. Birger Magnusson musste letztendlich mit seiner Frau Märta und den vier Kindern nach Dänemark fliehen, wo der ehemalige König dann am 31. Mai 1321 starb.

Birger Magnusson war mit Märta Eriksdotter, der Tochter des dänischen Königs Erik Klipping, verheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, wobei keines der Kinder je eine mächtige Stellung einnahmen. Der Sohn Magnus Magnusson, der vom Vater zum Thronfolger ernannt worden war, kehrte 1317 nach Schweden zurück, wurde jedoch nur ein Jahr später von den Anhängern Eriks und Valdemars gefangen genommen und 1320 hingerichtet.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, maj 10

Strafen in der schwedischen Geschichte

Bis zum Jahre 1906 gab es in Schweden keine Bewährung, sondern jede Straftat wurde tatsächlich bestraft. Strafen konnten allerdings nicht nur von Gerichten verhängt werden, sondern auch das Kirchenrecht erlaubte eine gewisse Strafverfolgung, die sich allerdings auf den Ausschluss aus der Gemeinde und Buße, zum Beispiel ein Pilgergang, beschränkte. Im bürgerlichen Recht gab es im Grunde nur vier Arten von Strafen, nämlich die Todesstrafe, Geldstrafen, Prügelstrafen und Schamstrafen. Wer eine Geldstrafe nicht bezahlen konnte, musste mit seinem Körper bezahlen und musste, meist öffentlich, die Prügelstrafe über sich ergehen lassen.

Bestraft wurden noch bis ins 20. Jahrhundert allerdings weitaus mehr Taten als heute, denn der Ungehorsam eines Angestellten konnte die Prügelstrafe (Spöstraff, Risstraff) nach sich ziehen, wer am Sonntag einer Handelstätigkeit nachging wurde bestraft, Ehebruch, Selbstmord, Anstiftung zum Aufruhr (z.B. ein Streikaufruf) und vieles mehr war über Jahrhunderte hinweg in Schweden unter Strafe gesetzt. Da jede Strafe so abschreckend sein sollte, dass niemand in der Gemeinschaft auf die Idee kommt die gleiche Tat zu begehen, wurden die Strafen fast grundsätzlich öffentlich ausgeführt. Erst im 18. Jahrhundert wurden dann in Schweden auch Gefängnisse und Arbeitslager häufiger.

Die Todesstrafe galt bei jeder Art von Mord, wobei auch schwere Brandstiftung und Abtreibung als Mord betrachtet wurden. Bei diesen Taten war eine Gnade ausgeschlossen, wobei die Hinrichtung durch Beil oder Hängen vor der gesamten Gemeinschaft ausgeführt wurde, wo auch Kinder zugelassen waren. Auch wer gegen den König oder andere Machthaber konspirierte musste über Jahrhunderte hinweg mit der Todesstrafe rechnen.

Die Art der Todesstrafe hing weitgehend vom Vergehen ab, denn männliche Diebe wurden in der Regel am Galgen hingerichtet (Hängning), da dies als besonderen unehrenhaft galt. Weibliche Diebe wurden dagegen meist lebend begraben. Bei Verbrechen auf See wurden die Täter kielgeholt (Kölhalning). Das Köpfen galt als edlere Todesstrafe als das Hängen, wobei man hier den Unterschied machte, dass gewöhnliche Verbrecher mit dem Beil hingerichtet wurden und Adelige eine Hinrichtung mit dem Schwert fordern konnten. Auf dem Scheiterhaufen verbrannt (Bränning på Bål), meist nach dem Köpfen, wurden nicht nur Hexen, sondern auch Giftmörder, Kindesmörder, Brandstiftung oder Inzest.

Selbstmord wurde bis zum 20. Jahrhundert ebenfalls als Mord betrachtet, aber da in diesem Fall der Täter bereits tot war, musste der Körper die Strafe tragen, d.h. er wurde verbrannt und die Asche am Galgenberg oder im Wald vergraben.

Wurde eine Leiche gefunden ohne dass der Täter aufgedeckt werden konnte, so wurde das gesamte Dorf dafür zur Rechenschaft gezogen und, falls der Tote in einem Gebäude entdeckt wurde, die gesamte Familie. In diesem Fall erfolgte keine Todesstrafe, sondern die Gemeinschaft oder die Familie mussten eine Strafe entrichten, die zur Hälfte an den Staat ging und zur anderen Hälfte als Schadenersatz diente.

Bei außerehelichen Verbindungen unterschied man ob nur einer der beiden Täter verheiratet war oder beide. Sollten beide verheiratet gewesen sein, so wurde die Tat bis 1855 als besonders schwer betrachtet und führte zu einem Todesurteil, auch wenn dieses nicht regelmäßig ausgeführt wurde. Inzest oder Sex mit Tieren führte dagegen nahezu mit Sicherheit zum Tode.

Bei Misshandlung, übler Nachrede oder einfacheren Vergehen, die sich nicht gegen König und Gesellschaft richteten, war die Strafe in der Regel eine Prügelstrafe am Schandpfahl. Diese Art der Strafe wurde, außer in Gefängnissen, 1855 abgeschafft. In schwedischen Gefängnissen wurden Prügel dagegen noch bis 1938 als normal betrachtet.

Mit der Christianisierung Schwedens bekam der Hausherr auch die Pflicht seine Angestellten (Husaga), seine Kinder (Barnaga) und auch seine Frau auf den rechten Weg zu bringen und zu züchtigen, ein Gesetz, das für Hausangestellte erst 1858 abgeschafft wurde und für Kinder im Jahre 1920. Schwedische Ehefrauen konnten ihre Männer sogar erst ab 1965 rechtlich bei Misshandlung und Vergewaltigung verfolgen.

Vor allem im Mittelalter konnte ein Täter bei besonders schweren Verbrechen wie Vergewaltigung, Stören des Kirchenfriedens oder schwerem Mord auch als vogelfrei (fredlös, bannlyst) erklärt werden, was in der Regel einer Todesstrafe gleich kam, da der Täter nicht nur all sein Eigentum verlor und die Gemeinschaft verlassen musste, sondern auch von jedem Bürger des Landes getötet werden durfte.

Eine der härtesten Strafen Schwedens war der Tod durch das Rad (Rådbråkning), der 1835 aus dem schwedischen Rechtssystem verschwand. In diesem Fall wurde der Täter entweder auf Holzstäben oder einem großen Rad befestigt und der Henker hatte die Aufgabe so viele Beine des Täters wie möglich zu brechen, ohne dass dieser starb. Anschließend wurde das Rad senkrecht aufgestellt bis der Verurteilte, teilweise erst Tage später, starb.

Eine Abwandlung dieser Strafe war den Körper eines Täters nach dem Köpfen zu teilen, die Teile auf verschiedenen Rädern zu befestigen (Stegling) und diese dann an öffentlichen Stellen auf Pfählen anzubringen um einen sehr deutlichen Abschreckungseffekt zu erzeugen. Auch diese Methode wurde in Schweden erst 1841 abgeschafft.

Eine der härtesten Strafen Schwedens fand man in Skåne, wo vor allem Partisanen, Spione und Widerstandskämpfer gepfählt (Spetsning) wurden, das heißt ein dünner Holzpfahl durch den Körper getrieben wurde. Die Pfähle mit den Sterbenden und Toten wurden dann entlang der Straße aufgestellt um jede Widerstandsbewegung zu brechen.

Schwedische Militärgerichte konnten bis 1812 Soldaten auch noch zum Spießrutenlaufen (Gatlopp) verurteilen, wobei diese Todesstrafe zwar relativ selten vorkam, aber meist einer etwas langsamen Todesstrafe entsprach, da die anderen Soldaten mit der Härte der Schläge nicht sparten, da sie ihren Kollegen als Abtrünnigen oder Verräter betrachteten.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, maj 9

Die Carlstens fästning auf der Insel Marstrand

Auch wenn die Insel Marstrand im Bohuslän spätestens im 13. Jahrhundert gegründet wurde und sehr früh eine bedeutende Handels- und Fischereistadt war, so kam dieser Ort erst nach dem Frieden von Roskilde im Jahre 1658 zu Schweden, war aber auch nach dem Friedensschluss noch sehr stark von Norwegen, dem vorherigen Eigentümer, bedroht, da Marstrand zu jenen westschwedischen Inseln gehörte, deren Hafen nur in den seltensten Fällen für kurze Zeit zufriert.

Aus diesem Grund entschied sich Karl X. Gustav unmittelbar die Insel mit einer Befestigungsanlage, die sich im Laufe der Zeit zur heutigen Carlstens fästning entwickelte, zu versehen. Noch im gleichen Jahr des Friedensschlusses errichtete daher Johan Wärnschöld auf der höchsten Stelle Marstrands eine provisorische Festung. Dies erwies sich bereits ein Jahr später als sehr kluge Entscheidung, weil dadurch ein erster norwegischer Angriff abgewehrt werden konnte.

Im Jahre 1666 begann man dann die erste bedeutende Festung aus Stein auf der Anhöhe anzulegen, wobei es sich dabei um einen rombischen Bau handelte, der von allen Seiten geschlossen war und daher eine Verteidigung in alle Richtungen erlaubte. Ab 1671 kam dann ein viereckiger Mittelturm hinzu, der in dieser Bauweise allgemein als Karlsten bezeichnet wurde, woher die Festung dann auch ihren Namen bekam.

Zum Bau der Festung setzte Karl X. Gustav Strafgefangene ein, die angekettet diese Schwerstarbeit leisten mussten, ihnen aber andererseits die Todesstrafe ersparte, auch wenn dies für viele nur ein Aufschub war, da eine große Anzahl unter ihnen an Krankheiten und Unterernährung starben.

Trotz der starken Befestigung in idealer Lage mussten die Schweden dann 1677 die Carlstens fästning im Skånska Kriget (1675 - 1679) an Ulrik Frederik Gyldenlöve, zumindest vorübergehend, übergeben. Bereits 1679 ging Marstrand dann jedoch zurück an Schweden und die die Festung konnte weiter ausgebaut werden, wobei die Arbeiten hauptsächlich den Zeichnungen von Erik Dahlbergh folgten. 1689 waren die Arbeiten dann abgeschlossen und die Festung nahm in groben Zügen bereits das heutige Aussehen ein.

Da die Festung Carlsten am 15. Juli 1719 erneut vor den norwegischen Truppen kapitulieren musste, entschied sich dann Fredrik I. die Festung zu reparieren und zu verstärken. Als dann die Seefahrt im 18. Jahrhundert immer bedeutender wurde, errichtete man auf dem Turm der Carlstens fästning in den Jahren 1780 bis 1783 den weltweit ersten Leuchturm mit einer rotierenden Spiegeleinrichtung.

Im 19. Jahrhundert wurde dann die Gefahr eines norwegischen oder dänischen Überfalls immer geringer, so dass sich die schwedische Verteidigung ab 1878 entschloss das Heer ganz aus der Carlstens fästning zu verlagern, was dann 1882 abgeschlossen war. Die Schwerverbrecher und politischen Gefangen, unter denen Lasse-Maja zu einer regelrechten Legende wurde, waren noch bis 1888 in der Festung untergebracht und werden dann ins Göteborger Gefängnis gebracht.

Zwischen 1906 und 1937 zog dann die schwedische Marine in die Festung Carlsten ein, wobei der Leuchtturm in dieser Zeit bereits vom vor Marstrand liegenden Pater Noster ersetzt worden war und dadurch keine Zivilbevölkerung mehr einen Zugang zur Festung benötigte. 1993 wurde dann die letzte Installation der Marine aus der Carlstens fästning entfernt, was der Beginn der touristischen Nutzung Marstrands und dieser Festung war, die im 19. Jahrhundert als die stärkste und sichertste Festung Europas galt. Vom 1. Juni bis zum 31. August finden in der Festung Carlsten täglich mehrmals Führungen in schwedischer Sprache statt.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, maj 8

Die Sandarnakultur während der Mittleren Steinzeit

Die bisher ältesten Funde der Sandarnakultur reichen bis zum Jahre 8200 vor Christus zurück, was bedeutet dass sie vermutlich bereits gegen 8400 vor Christus oder noch früher in Westschweden auftauchte und dann bis etwa 6000 vor Christus weiterhin existierte. Ihren Namen erhielt sie nach dem Gebiet Sandarna in Göteborg, wo man als erstes Spuren dieser Kultur fand.

Dass es sich bei der Sandarnakultur um eine unabhängige Volksgruppe der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) handelt, führt man auf die Werkzeuge der Steinzeit wie Hacken, Äxte, Pfeilspitzen, Sticheln und ähnlichen Gerätschaften zurück, die man bei nahezu allen Ausgrabungen in der entsprechenden Umgebung fand und die sich von jenen der Hensbackakultur und der Lihultkultur, die während der gleichen Epoche in Westschweden nachgewiesen werden können, bedeutend unterscheiden.

Die Sandarnakultur wurde vor allem im Raume Göteborg und dem südlichen Bohuslän nachgewiesen. Auf Grund von Knochenfunden und Gräten, weiß man, dass die Menschen der Sandarnakultur sowohl Fleisch auch als Fisch aßen. Zur Hauptnahrung gehörten auf jeden Fall Wildschweine, Hirsche, Uhrochsen, Seevögel, Robben, Tümmler und die verschiedensten Fische, wobei man bedenken muss, dass das Meer zu jener Zeit weitaus weiter ins Land reichte als heute, da die Landhebungen nicht so weit fortgeschritten waren wie heute.

Als man im Jahre 1967 in der Nähe von Uddevalla eine weitere Ansiedlung aus der Sandarnakultur fand, konnte man erstmal auch mehr über die Wohnkultur dieses Volkes erfahren, da die Reste der Behausungen die best erhaltenen der Steinzeit sind. Sicher interpretiert der Archäologe Robert Hernek in seiner These von 2005 vieles nur, ohne dass immer wissenschaftlich gesicherte Beweise vorliegen, aber die Funde führten dennoch zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Bei der Fundstelle in Timmerås bei Uddevalla konnte man beweisen, dass dort nicht nur mehrere Häuser nebeneinander standen, sondern auch, dass diese mehrere Winter lang bewohnt wurden und jede der Hütten sieben bis neun Bewohnern Unterkunft bot. Jede der Hütten war etwa 4 x 5 Meter groß, wobei sie etwas in den Boden gegraben waren, einen Fußboden aus mehreren Schichten besaß und eine Rahmenstruktur aus Holz hatten. Die Wände und das Dach war durch Weide, Schilf, Tang und Grasbüscheln abgedichtet und boten gerade im Winter einen gewissen Schutz.

Die zwei Feuerstellen, die man bei Uddevalla fand, waren im Zentrum des Hauses. Diese Feuerstellen geben jedoch noch einige Rätsel auf, denn die einfachen Gebäude waren nach einem rituellen Muster beim endgültigen Verlassen verbrannt worden und in den Feuerstellen selbst fand man je zwei Mahlsteine, die unter Umständen ein Symbol der Veränderung waren. Auch auf anderen Gebrauchsgegenständen aus der Sandarnakultur fand man mystische Symbole und Zeichen, die mehrere Archäologen und Geschichtswissenschaftler einem bedeutenden Schamanismus dieser Kultur zuschreiben.
Copyright: Herbert Kårlin

måndag, maj 7

Der Västerås recess und die schwedische Reformation

Einer der ersten Schritte Gustav Vasas auf dem Weg zur Reformation war die Einberufung des Reichstages in Västerås im Jahre 1527, dessen Entscheidung als der Västerås recess in die schwedische Geschichte einging und in gewisser Weise eine Vorbereitung des Konzils von Örebro zwei Jahre später war.

Das Hauptthema des Reichstages baute darauf, dass die Krone unter Geldnöten litt und die katholische Kirche mit ihren Kirchen und Klöstern über ein immenses Kapital verfügte und täglich reicher wurde. Mit dem Västerås recess (Beschluss von Västerås) war Gustav Vasa entschieden diese Situation umzukehren, aber auch gleichzeitig eine offizielle Unterstützung gegen die Unruhen in Dalarna (Dalaupproren) zu suchen, damit er mit Gewalt gegen die Rebellen vorgehen konnte und hohe Strafen gegen sie fordern konnte.

Der Västerås recess wurde vermutlich von Laurentius Andreae, einem engen Mitarbeiter von Olaus Petri, verfasst, der gemeinsam mit Olaus die Reformation in Schweden vorantrieb. Da sich Adel und Bauern bereits vorher gegen Veränderungen der Gottesdienste ausgesprochen hatten, wurden im Västerås recess keinerlei kirchlichen Entscheidungen aufgenommen, ausgenommen dem Satz, dass die Priester die neue protestantische Meinung zu verbreiten hatten.

In den weiteren Punkten der Akte kann man lesen, dass alle, die zu Unruhen im Staat aufforderten, bestraft werden müssen, dass die Krone über alle Gelder der Kirche verfügen sollte, die nicht direkt zur Aufrechterhaltung der kirchlichen Lehre nötig war, dass sämtliche Burgen und Schlösser der Bischöfe der Krone übereignet werden und dass alle Adeligen Schwedens alle verkauften Güter, sowie alle ihre Gaben und Geschenke von der Kirche und den Klöstern zurückfordern konnten.

Gustav Vasa konnte mit der anschließenden Durchführungsverordnung (Västerås ordinantia) nicht nur die Macht der katholischen Kirche in Schweden brechen, sondern auch den Staatshaushalt halbwegs sanieren.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, maj 6

Die Bedeutung eines Jarl in der schwedischen Geschichte

In der nordischen Geschichte, sowohl in Schweden, als auch in Norwegen und Dänemark,  findet man im frühen Mittelalter immer wieder den Begriff „Jarl“, der etymologisch den gleichen Ursprung hat wie der altenglische „Eorl“ (modern: Earl) und bezeichnete eine Person, die eines der höchsten Ämter des Landes innehatte. Im schwedischen Reich gab es außer der Bezeichnung Jarl auch noch die Bezeichnungen Riksjarl (Reichsjarl), Ättejarl (Geschlechtsjarl) und Svearnas Jarl (Jarl der Svear).

Spricht man nur allgemein von einem Jarl, so meint man in der schwedischen Geschichte den höchsten Amtsmann des Landes, also den höchsten Beamten, der den König teilweise vertrat oder auch die Reichsgeschäfte führte bis ein minderjähriger König die Amtsgeschäfte selbst in die Hände nehmen konnte.

In der Regel entstammte ein schwedischer Jarl einem Königsgeschlecht und hatte auch selbst bedeutende Beziehungen, so dass man davon ausgehen kann, dass die Politik des schwedischen Reiches oft mehr von den Entscheidungen und den Beziehungen des Jarl abhing als vom König selbst.

Auch wenn der erste bekannte Jarl der schwedischen Geschichte Birger Brosa war und der letzte, der geschichtlich eine große Bedeutung hatte Birger Jarl (Birger Magnusson), so weiß man nicht, wann der erste Jarl in Schweden tatsächlich ernannt wurde, denn der älteste Jarl im nordischen Raum kann auf etwa 500 nach Christus datiert werden. Das Amt als solches wurde in Schweden im Jahre 1308 abgeschafft, also 42 Jahre nach dem Tode von Birger Jarl.

Da Schweden zur Zeit als die ersten Jarle ernannt wurden nicht geeinigt war, so konnte sich die Macht eines Jarl von Region zu Region stark unterscheiden. Ein Jarl in Skåne hatte teilweise andere Aufgaben und Möglichkeiten als jener auf Gotland, in Svitjod oder in Västergötland, auch wenn sie alle den gleichen Titel trugen. In der schwedischen Geschichte haben wir nur über acht Jarls, von Birger Brosa bis zu zu Birger Jarl, etwas mehr Information.

Die wichtigste Aufgabe eines Jarl des Mittelalters war das Reich zu verwalten und königliches Recht auch dort durchzusetzen wo sich der König kaum aufhielt und teilweise auch keine Autorität hatte. Es handelte sich daher um eine Vertrauensstelle, die sehr viel diplomatisches Gespür erforderte.

Eine Ausnahme bildete Birger Magnusson, der sich selbst „Dux sveciae“ (Herzog der Schweden) nannte und als Jarl das gesamte schwedische Reich regierte. Auch wenn die Amtsbezeichnung nach ihm noch existierte, so war Birger Jarl in der Tat der letzte je ernannte Jarl Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, maj 5

Die Insel Helgö in der schwedischen Geschichte

Helgö, genauer genommen der Helgöboplatsen oder das Helgösamhället, gehört zu den frühesten Handelsorten der schwedischen Geschichte, die sich im Mälaren befanden und wurde gegen Ende des 8. Jahrhunderts von Birka auf der Insel Björkö ersetzt. Die gesamte Insel Helgö ist gerade einmal fünf Kilometer lang und maximal 1,5 Kilometer breit.

Der Handelsplatz auf Helgö begann sich etwa ab dem Jahre 200 nach Christus zu entwickeln und ist damit gute 500 Jahre älter als Birka, wobei man dort bei Ausgrabungen sieben Häusergruppen, fünf Grabfelder und zwei Vorburgen (Fornborgar) entdeckte und zusätzlich Spuren aus der Bronzezeit fand. Weitere Funde beweisen, dass sich auf Helgö gegen 400 nach Christus bedeutende Handwerker, vor allem Goldschmiede und Bronzekünstler, niedergelassen hatten, wobei die Bronzegießereien mit Ende der Völkerwanderung vernachlässigt wurden.

Helgö hatte seine Glanzzeit vermutlich während der nordischen Völkerwanderung und der darauf folgenden Vendelzeit, wobei ab 600 nach Christus bis zur Entstehung von Birka das Handwerk auf der Insel immer mehr von Landwirtschaft ersetzt wurde, was darauf schließen lässt, dass ab dieser Zeit das lokale Handwerk im Mälartal zurückging, denn Birka widmete sich mehr dem Handel als dem Handwerk und wurde bereits sehr schnell von dem neu gegründeten Sigtuna ersetzt.

Funde wie eine Buddhastatue aus dem heutigen Pakistan, einer Taufkelle aus Ägypten und Münzen aus Italien und Byzanz beweisen, dass die Bewohner Helgös bereits gegen 500 nach Christus sehr weitreichende Handelsbeziehungen haben mussten. Geschichtlich sehr interessant waren auch Funde wie Goldblech, Mahlsteine und Brotbacköfen mit verkohltem Brot, da man durch diese Funde einen Einblick in das Handwerk jener Epoche gewinnen konnte und erstmals auch mehr über damaliges Brot erfahren konnte, eine Backkunst, die ebenfalls über Handelsreisen nach Schweden kam.

Allerdings muss man sich den Handelsplatz Helgö anders vorstellen als heute, denn da die Landhebungen noch nicht so fortgeschritten waren, bestand die Insel damals noch aus mehreren kleineren Inseln und die Wasserwege waren weitaus offener als heute.

Die archäologischen Entdeckungen auf Helgö im Jahre 1953 verdankt man einem Zufall, denn an der Fundstelle sollte eine Sommerstuga entstehen. Glücklicherweise wollte der Landbesitzer seinen Fund nicht verbergen, sondern ermöglichte ausgedehnte Ausgrabungen, die wichtige Erkenntnisse mit sich brachten. Dass man nicht früher auf Helgö nach der schwedischen Geschichte suchte ist gewissermaßen erstaunlich, denn in nächster Nähe lag Hundhamra (heute Norsborg), wo man Grabhügel fand, die belegen, dass während der Blütezeit von Helgö in der Gegend auch sehr reiche Herrscher und Gutsbesitzer lebten, ohne jedoch einen eigenen Handelsplatz zu besitzen.

Copyright: Herbert Kårlin