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torsdag, augusti 2

Die Rolle der Eriksgatan in der schwedischen Geschichte

Während des Mittelalters war jeder neu gewählte König Schwedens gezwungen alle Landschaften seines Reiches zu besuchen um von den dortigen Lagmän offiziell anerkannt zu werden. Diese erste Reise durch sein Land wurde als Eriksgatan (Erichstraße) bezeichnet, wobei man sich über die Etymologie des Begriffes nicht ganz einig ist. Die mehrheitliche Meinung ist, dass der Name Erik in seiner ursprünglichen Meinung gemeint war, also als „der einsame Herrscher“ zu bezeichnen ist und „gata“ als Reise zu übersetzen ist.

Wann ein König erstmals die Eriksgatan nehmen musste, ist unbekannt. Zum ersten Mal genannt wird sie in der Västgötalagens kungalängt, als der König Ragnvald Knaphövde in den Jahren 1125/1126 die Eriksgatan (Erichstraße) entlang ritt, auch wenn er die Reise nicht beenden konnte, da er von den Västgötar ermordet wurde.

Als nächstes wird die Eriksgatan von Saxo Grammaticus dann gegen das Jahr 1200 genannt, ohne dass man in der Gesta Danorum jedoch einen Hinweis findet welcher König diese Reise unternahm. Auch im Upplandslagen von 1296 findet man im Kungabalken (königlichen Gesetze) lediglich die Hinweise darüber, in welchen Landschaften Schwedens sich ein König bestätigen lassen musste, nicht jedoch die Namen der betroffenen Herrscher.

Der erste schwedische König, dessen Reise offiziell dokumentiert wurde, war Magnus Eriksson im Jahre 1335, wobei im Magnus Erikssons landslag von 1350 die damalige Route als solches relativ genau beschrieben wurde. In diesem Landschaftsgesetz (landskapslag) findet man selbst den Hinweis zur Geiselnahme, die bei Ankunft in einer neuen Region nötig war, ein Problem, das Ragnvald Knaphövde zum Verhängnis geworden war.

Die genaue Route der Eriksgatan ist nicht bekannt und hat sich vermutlich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geändert, zumal auch die Wege kaum mit den heutigen verglichen werden können. Der Ausgangspunkt war jedoch in jedem Fall der Stein von Mora (Mora Stenar), wo die Könige gewählt wurden bis Gustav Vasa die Königswahl abschaffte. Von dort aus ging es mit dem Kreislauf der Sonne durch sämtliche Regionen des Landes, die jeweils der schwedischen Krone unterstanden. Wichtig war, dass der König ein Gefolge bei sich hatte, damit er auch als König erkannt werden konnte, und dass er an der Regionsgrenze eine bedeutende Geisel zu sich nahm, die ihm die Sicherheit in der entsprechenden Landschaft garantierte.

Wenn man das Upplandslagen (Upplandsgesetze) liest, so musste der König erst von den drei Volksländern (folklanden) im Uppland gewählt werden und anschließend von den Södermännen, Östgötar, Tio Härads, Västgötar, Närkingar und dem Västmäns Ting bestätigt werden, bevor er tatsächlich als der König Schwedens anerkannt war. Die Bestätigung fand jeweils während einer Thingversammlung durch das Thing und den Lagman der entsprechenden Region statt.

Nachdem Gustav Vasa zum König geworden war und die Königsfolge erblich geregelt worden war, hatte die Eriksgatan im Grunde seine Bedeutung verloren. Dennoch gab es auch noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts einige Könige Schwedens, die die Tradition aufrecht hielten. So ist bekannt, dass Karl XI., Fredrik I., Adolf Fredrik und Gustav III. die Eriksgatan entlang ritten um, zumindest symbolisch, zu zeigen, dass sie die Herrscher des schwedischen Reiches waren und die einzelnen Regionen mit ihren Eigenheiten respektierten.

Auch in jüngerer Zeit spricht man in Schweden wieder von der Eriksgatan, denn seit Gustaf VI. Adolf an die Macht kam, bezeichnet man jede Rundreise eines herrschenden Königs in Schweden als Eriksgatan, auch wenn dies keinerlei symbolische Bedeutung mehr mit sich bringt und sich der Aufenthalt nicht auf die wichtigsten Zentren des Landes beschränkt.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, juni 6

Das Mittelalter in Schweden

Wenn man in der schwedischen Geschichte vom Mittelalter spricht, so meint man die Zeit zwischen 1050 und 1527, also die Zeit in der Schweden einerseits zu einem einheitlichen Reich geworden war und zum anderen die katholische Kirche das Land in festem Griff hatte. Das Mittelalter schließt daher an die Epoche der Wikinger an und endet mit Gustav Vasa und der Reformation.

In der Regel wird das Mittelalter in Schweden in zwei Epochen unterteilt, wobei das frühe Mittelalter 1350 endet und die Zeit der Kreuzzüge mit der Eroberung Finnlands sowie die Gründung der wichtigsten Städte, den Feudalismus und die Etablierung der Klöster beinhaltet und im folgenden späten Mittelalter vor allem die Pest nach Schweden kam, die Kalmarer Union gegründet wurde, die erste Universität öffnete und das gedruckte Buch ins Land kam.

Der Beginn und das Ende des schwedischen Mittelalters ist allerdings künstlich festgelegt, so dass sich noch heute Geschichtswissenschaftler über die Verschiebung einiger Zahlen streiten, zumal man weder nachweisen kann, wann die Epoche der Wikinger tatsächlich zu Ende ging, noch wann die Reformation genau statt fand.

Die Christianisierung, die in Schweden bereits im neunten Jahrhundert begann, war gegen 1050 nahezu abgeschlossen und auch einer der Faktoren, die aus den verschiedenen schwedischen Ländern ein einziges Reich machten, auch wenn dies nicht ohne zahlreiche Kämpfe, Feinschaften und Morde ablief. Die Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und christlichen Königen führte dazu, dass im ganzen Reich Kirchen entstanden, die Ausbildung zur kirchlichen Aufgabe wurde und selbst der König den Segen der Kirche benötigte, bevor er vom Volk anerkannt wurde. In der Regel entstanden sowohl Kirchen als auch Klöster im Mittelalter ausschließlich durch den privaten Einsatz von Königen und Adeligen, die sich dadurch das Seelenheil erhofften.

Die ersten hundert Jahre des frühen Mittelalters war der heidnische Glaube unter der einfachen Bevölkerung noch stark verbreitet, während die wohlhabende Schicht sehr schnell zum neuen Glauben übergegangen war. Die Kirche sah daher ihre erste Aufgabe darin auch die Bauern und Handwerker zu überzeugen, was oft dadurch geschah, dass heidnische Bauten und rituelle Orte von einer Kirche ersetzt wurden, um zu zeigen, dass die „alten Götter“ keine Macht hatten und der „neue Gott“ daher weitaus mächtiger ist.

Bis zum Ende des frühen Mittelalters wurden in Schweden dann rund 20 Städte geschaffen, die als Zentrum für die staatliche und die kirchliche Macht galten. Außer dem Bischof, der die geistliche Gewalt über eine Stadt hatte, wurde diese von einem Vogt, dem Abgesandten des Königs, und einem Bürgerrat mit einem Bürgermeister gelenkt. In den Bürgerrat konnte allerdings nur gewählt werden, wer innerhalb der Stadt auch Grund besaß, was bedeutete, dass nur die Reichsten Bewohner eine Entscheidungsgewalt hatten, eine Tradition, die in Schweden bis ins 20. Jahrhundert fortsetzte, mit der Idee, dass derjenige, der die meiste Steuer bezahlt auch entscheiden kann wie diese Steuer angewandt wird.

Um den Handel in den Städten voranzutreiben, lockten die schwedischen Könige vor allem deutsche Kaufleute in die schwedischen Städte, unter denen zu jener Zeit vermutlich nur Visby, Stockholm und Kalmar mehr als 1000 Einwohner hatten. Diese Kaufleute erhielten bedeutende Privilegien, was letztendlich auch dazu führte, dass die Hanse später die Macht in mehreren schwedischen Städte übernahm.

Der Umbruch vom frühen Mittelalter zum späten Mittelalter begann mit Magnus Erikssson, der landesweite Gesetze in Schweden durchsetzte und die Leibeigenschaft abschaffte. Als endgültigen Umbruch nimmt man jedoch das Erscheinen der Pest, die 1350 in Schweden auftauchte und nahezu ein Drittel der Bevölkerung ausradierte. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die mit der Pest die gesamte Struktur im Norden veränderte, führte dann zur Kalmarer Union, einer Vereinigung von Schweden und Dänemark, was in der Tat bedeutete, dass Finnland als schwedischer Besitz und Norwegen als dänischer Besitz mit in die Union eingingen.

In dieser Epoche kam dann auch, mit Genehmigung des Papstes, die erste Universität nach Schweden, genauer genommen nach Uppsala, was den Vorteil hatte, dass die Vertreter der Kirche und das reiche Bürgertum nicht mehr nach Paris, Bologna oder Oxford musste um Wissen zu gewinnen, sondern ein eigenes Zentrum hatten. Da im Mittelalter alle Universitäten unter kirchlicher Hoheit standen, konnte man dort allerdings fast ausschließlich Theologie und Philosophie studieren, was als Grundlage allen Wissens betrachtet wurde.

Mit den Universitäten kam dann auch der Buchdruck nach Schweden, was die Verbreitung von Wissen innerhalb der obersten Gesellschaftsschicht ermöglichte. Das erste Buch in Schweden erschien im Jahre 1483, rund 40 Jahre nachdem Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte. Das erste veröffentlichte Werk war die Fabelsammlung „Dialogus creaturarum moralizatus“, von der heute noch fünf Exemplare erhalten sind.
 
Unter Gustav Vasa ging dann die Kalmarer Union zu Ende, der Katholizismus wurde im ganzen Land verboten, die Dänen wurden zurückgedrängt, die Klöster wurden geschlossen und alle Güter der katholischen Kirche gingen zurück an den schwedischen Staat oder die vorherigen Besitzer. Das Mittelalter war daher mit der Krönung Gustav Vasas zum König Schwedens zu Ende.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juni 4

Inge den äldre und das Treffen der drei Könige

Inge den äldre (Inge der Ältere) war ein Sohn des schwedischen Königs Stenkil. Sein Geburtsjahr ist allerdings unbekannt und das Todesjahr liegt, je nach Aufzeichnung, zwischen 1103 und 1118. Er war vermutlich König Schwedens von 1080 bis 1084 und dann erneut von 1088 bis 1110, wobei allerdings die letzte Zahl ebenfalls nicht eindeutig bestätigt werden kann.

Nach der Hervarasagan regierte Inge den äldre nicht allein, sondern gemeinsam mit seinem Bruder Halsten, während ein Brief des Papstes sich an Inge den Älteren und einen König A. richtet, der nur durch einen Buchstaben genannt wird. Dies führte dazu, dass manche Geschichtswissenschaftler auch annehmen, dass er nicht mit Halsten, sondern gemeinsam mit Håkan Röde regiert hat. Die Aufzeichnungen können jedoch nicht als gesicherte Quelle bezeichnet werden.

Dass Inge den äldre seine Macht im Jahre 1084 verlor, könnte daran gelegen haben, dass er bei einer Thingversammlung eine heidnische Opfergabe (Blot) verweigerte, da dies nicht mit seinem tiefen christlichen Glauben zu vereinbaren war. Da das Volk jedoch mehrheitlich noch die alten nordischen Götter verehrte, wurde Inge abgesetzt und Blot-Sven kam vorübergehend auf den Thron.

In seiner Überzeugung, dass nur der christliche Glaube der wahre Glauben sei und das Heidentum ausgerottet werden muss, ermordete Inge den äldre seinen Schwager Sven gegen 1087 und soll bei dieser Gelegenheit auch einen vorchristlichen Tempel bei Uppsala verbrannt haben und damit den Throrn Schwedens zurückerobert haben. Nach der Hervararsagan schaffte Inge der Ältere die Opfergaben in Svitjod ab und begann die massive Christianisierung Schwedens.

Nach Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert hat Inge den äldre das Kloster Vreta und die Vreta Klosterkirche gegründet, wobei seine Frau Helena etwa 20 Landgüter beisteuerte. Auf Grund dieser Gabe nahm man lange an, dass Inge der Ältere aus Östergötland kommt, was die moderne Geschichtsschreibung jedoch für wenig wahrscheinlich hält. Einige nehmen an, dass die Güter Helena gehörten, die daher aus Östergötland kam und andere glauben, dass die Güter ursprünglich Blot-Sven gehörten und lediglich durch den Mord an Inge den äldre fielen. Dokumente können keine der Theorien festigen, auch wenn man heute mehrheitlich denkt, dass es sich tatsächlich um Helenas Eigentum handelte, das damit an die katholische Kirche ging.

Aus der Regierungszeit von Inge den äldre ist relativ wenig bekannt, ausgenommen seinem Aufruf zum Treffen der drei Könige aus Schweden, Norwegen und Dänemark im Jahre 1101, das zu einem ewigen Frieden im Norden führen sollte. Das Treffen fand in Kungahälla, dem heutigen Kungälv statt und vereinte Inge den äldre, Erik Ejegod (Dänemark) und Magnus Barfot (Norwegen). Dieses Königstreffen, bei dem Inge der Ältere seine Tochter Margareta mit dem norwegischen König verheiratete, wird von mehreren Quellen bestätigt, unter anderem auch von Snorre Sturlasson, der die vorhergehenden Kriege und das Treffen der Könige im Detail beschreibt.

Allerdings berichten auch die Prosaiska krönikan und Johannes Magnus über Kriege die Inge den äldre geführt haben soll, so dass relativ wenig Klarheit über die tatsächlichen Kämpfe und die eroberten Gebiete vorliegt. Vor allem der Kampf gegen den russischen Fürsten Valdemar oder Jarizlav ist sogar mehr als nur zweifelhaft.

Während Inge den äldre, je nach Aufzeichnung, ermordet wurde oder an einer Krankheit starb, was bedeutet, dass die Todesursache wissenschaftlich nicht bekannt ist, so ist relativ sicher, dass der König in der Vreta Klosterkirche beerdigt wurde. Bei Ausgrabungen  konnte man im für das Stenkil ätten vorgesehenen Teil der Kirche Skelette finden, die nachweislich gegen 1100 bestattet wurden. Da die Skelette in den Grabkisten auch rund zwei Meter groß waren, was den Beschreibungen von Inge den äldre entspricht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich bei einem der Skelette tatsächlich um Inge den Älteren handelt.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, maj 19

Magnus Henriksson, ein Vielleicht-König Schwedens

Auch wenn die Existenz von Magnus Henriksson von der Geschichtswissenschaft nicht angezweifelt wird, so ist man sich nicht sicher ob er je den Thron Schwedens bestieg, über welchen Teil Schwedens er in diesem Fall regierte und, falls er auf den schwedischen Thron kam, wie lange er tatsächlich herrschte.

Wann Magnus Henriksson geboren wurde ist unbekannt. Erstmals genannt wird er jedoch 1148, wobei er in der Schlacht bei Örebro im Jahre 1161 von Karl Sverkersson getötet wurde, der ihm daher auf den Thron folgte, oder aber direkt nach dem Tod von Erich dem Heiligen zum Herrscher aufstieg. Da Magnus Henriksson jedoch maximal ein Jahre lang regieren haben kann, ist sein Einfluss auf des historische Geschehen Schwedens sehr gering und hat kaum Spuren hinterlassen.

Nach einer Legende gelangte Magnus Henriksson auf den Thron nachdem er Erik den helige (Erich den Heiligen) getötet hatte und sich selbst zum König erklärte. Knut Eriksson, der Sohn Erik des Heiligen, wollte ihm die Krone abnehmen, wurde jedoch besiegt und musste nach Norwegen fliehen. Als Magnus Henriksson dann jedoch von Karl Sverkersson bei Örebro angegriffen wurde, wurde er getötet und seine Herrschaft war zu Ende. Durch Dokumente zu belegen ist jedoch keines der Ereignisse, weshalb die moderne Geschichtsschreibung erhebliche Zweifel an der Herrschaft dieses Königs hat.

Der Historiker Nils Ahnlund ist auch der Meinung, dass Magnus Henriksson im Vreta Kloster begraben wurde, aber auch dies beruht ausschließlich auf einer Theorie, die in der Zeitströmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu suchen ist, als man die königlichen Linien in allen Einzelheiten aufdecken wollte und dabei auch wenig zuverlässige Quellen als historische Tatsache benutzte.

Magnus Henriksson war mit seiner Stiefschwester Birgitta verheiratet, die eine außereheliche Tochter des norwegischen Königs Harald Gille war. Aus der vermutlich ebenso kurzen Ehe wie der kurzen Regierungszeit gingen keine geschichtlich bekannten Kinder hervor.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, maj 6

Die Bedeutung eines Jarl in der schwedischen Geschichte

In der nordischen Geschichte, sowohl in Schweden, als auch in Norwegen und Dänemark,  findet man im frühen Mittelalter immer wieder den Begriff „Jarl“, der etymologisch den gleichen Ursprung hat wie der altenglische „Eorl“ (modern: Earl) und bezeichnete eine Person, die eines der höchsten Ämter des Landes innehatte. Im schwedischen Reich gab es außer der Bezeichnung Jarl auch noch die Bezeichnungen Riksjarl (Reichsjarl), Ättejarl (Geschlechtsjarl) und Svearnas Jarl (Jarl der Svear).

Spricht man nur allgemein von einem Jarl, so meint man in der schwedischen Geschichte den höchsten Amtsmann des Landes, also den höchsten Beamten, der den König teilweise vertrat oder auch die Reichsgeschäfte führte bis ein minderjähriger König die Amtsgeschäfte selbst in die Hände nehmen konnte.

In der Regel entstammte ein schwedischer Jarl einem Königsgeschlecht und hatte auch selbst bedeutende Beziehungen, so dass man davon ausgehen kann, dass die Politik des schwedischen Reiches oft mehr von den Entscheidungen und den Beziehungen des Jarl abhing als vom König selbst.

Auch wenn der erste bekannte Jarl der schwedischen Geschichte Birger Brosa war und der letzte, der geschichtlich eine große Bedeutung hatte Birger Jarl (Birger Magnusson), so weiß man nicht, wann der erste Jarl in Schweden tatsächlich ernannt wurde, denn der älteste Jarl im nordischen Raum kann auf etwa 500 nach Christus datiert werden. Das Amt als solches wurde in Schweden im Jahre 1308 abgeschafft, also 42 Jahre nach dem Tode von Birger Jarl.

Da Schweden zur Zeit als die ersten Jarle ernannt wurden nicht geeinigt war, so konnte sich die Macht eines Jarl von Region zu Region stark unterscheiden. Ein Jarl in Skåne hatte teilweise andere Aufgaben und Möglichkeiten als jener auf Gotland, in Svitjod oder in Västergötland, auch wenn sie alle den gleichen Titel trugen. In der schwedischen Geschichte haben wir nur über acht Jarls, von Birger Brosa bis zu zu Birger Jarl, etwas mehr Information.

Die wichtigste Aufgabe eines Jarl des Mittelalters war das Reich zu verwalten und königliches Recht auch dort durchzusetzen wo sich der König kaum aufhielt und teilweise auch keine Autorität hatte. Es handelte sich daher um eine Vertrauensstelle, die sehr viel diplomatisches Gespür erforderte.

Eine Ausnahme bildete Birger Magnusson, der sich selbst „Dux sveciae“ (Herzog der Schweden) nannte und als Jarl das gesamte schwedische Reich regierte. Auch wenn die Amtsbezeichnung nach ihm noch existierte, so war Birger Jarl in der Tat der letzte je ernannte Jarl Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, april 16

Ivar Vidfamne, der König der isländischen Sagenwelt

Der König Ivar Vidfamne taucht in zahlreichen Sagen des alten Islands auf, insbesondere auch in der Hervararsagan und der Ynglingasagan. Seine tatsächliche Existenz ist allerdings in der Geschichte höchst umstritten, nicht zuletzt auch wegen der übergroßen Leistungen, die er bereits gegen 600 nach Christus erbracht haben soll.

Nach den isländischen Sagen war Ivar Vidfamne, der noch heute Schriftsteller inspiriert, der König von Skåne. Nach Snorre Sturlasson war er jedoch bei seinen Eroberungszügen so erfolgreich, dass er bald auch über Svitjod (einen Teil Schwedens) regierte, aber auch über Norwegen, Dänemark, Finnland, Saxland (heutiges Niedersachsen), Kurland (Lettland), Estland, Gårdarike (ein Teil Russlands) und selbst das nördliche England, also Northumbria. Noch später soll Ivar sogar alle Länder an der Ostsee und Nordsee unterjocht haben.

Über die genaue Herkunft von Ivar Vidfamne geben die isländischen Sagen jedoch ein etwas weniger einheitliches Bild. Nach Snorre Sturlasson war Ivar Vidfamne der Sohn von Halvdan Snälle des Sjöldungaätten, der vor ihm über Skåne regiert haben soll, aber ebenfalls nicht geschichtlich bestätigt werden kann. Ivars nicht namentlich genannte Mutter stammt von einem Königsgeschlecht des Östergötlands ab und Ivar selbst heiratete eine ebenfalls nicht namentlich genannte Tochter des Königs Hrörek von Lejre, der zu dieser Zeit über das Småland regiert haben soll.

Nach den isländischen Sagen war Ivar Vidfamne ein machthungriger König, der vor nichts zurückschreckte um seine Macht auszudehnen. Nach einer Legende ertrank Ivar nach einer Auseinandersetzung mit seinem Ziehvater. Der schwedische Archäologe Birger Nerman, der von der Existenz Ivar Vidfamnes überzeugt war, behauptetet, dass der König in einem Grabhügel in Valsgärde, in der Nähe von Gamla Uppsala, begraben sei, eine Aussage, die bis heute jedoch nicht bestätigt werden kann, da man nicht feststellen konnte, wer im von Nerman bezeichneten Grabhügel tatsächlich begraben wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, april 3

Der schwedische König Sverker den äldre (Sverker der Ältere)

Der schwedische König Sverker den äldre (Sverker der Ältere) wurde vermutlich gegen das Jahr 1100 geboren und wurde 1130 der erste König des Sverkserska ätten, des Königsgeschlecht Sverker. Seine Herkunft ist umstritten, da sein Vater nach dem isländischen Langfeðgatal ein gewisser Erik Årsäll war, nach der Västgötalagens kungalängt jedoch Cornube, wobei beide Namen geschichtlich nicht bestätigt werden können.

Sverker den äldre war ursprünglich der König von Östergötland und dem Sveareich, wurde dann aber, nach seiner Heirat mit Rikissa von Polen, auch als König des Västergötland tatsächlich anerkannt, was bedeutet, dass er gegen Ende seines Lebens bereits der König des damaligen Schweden war, wenn diese Position auch auf sehr wackeligen Beinen stand.

Die moderne Geschichtsforschung ist der Meinung, dass sich Sverker der Ältere Ehefrauen suchte, die ihm Stabilität im Land garantierten, auch wenn seine erste Verbindung mit einer ungenannten Frilla, was man mit Geliebter übersetzen kann, nicht zur Ehe führte, aber dazu, dass der gemeinsame Sohn Kol im Jahre 1167 die schwedische Krone beanspruchte.

Seine erste Ehe ging Sverker den äldre mit Ulvhild Håkansdotter ein, die aus einem mächtigen Adelsgeschlecht Norwegens stammte und zudem die Witwe von Inge den yngre war, was das schwedische Reich eng mit jenem Norwegens verband und an dieser Front Frieden garantierte. Aus der Ehe mit Ulvhild gingen möglicherweise fünf Kinder hervor, unter ihnen der spätere König Karl Sverkersson, Ingegerd, die als Priorin im Kloster Vreta wirkte und Johan, der wegen einer Frauengeschichte einen Krieg mit Dänemark provozierte und beim Kampf getötet wurde. Ulvhild verhalf Sverker den äldre auf den Thron von Västergötland, konnte ihm jedoch nicht die volle Anerkennung durch das Volk garantieren.

Nach dem Tod von Ulvhild Håkansdotter heiratete Sverker der Ältere die polnische Prinzessin Rikissa von Polen, die ihn aller Wahrscheinlichkeit nach überlebte. Auf Grund der Ehe mit Rikissa von Polen wurde Sverker den äldre auch als König des Västergötland akzeptiert. Aus der Ehe mit Rikissa ging ein Sohn hervor, Burislev, der später mit seinem Bruder Kol Anspruch auf den schwedischen Thron erhob und damit mit Knut Eriksson konkurrierte.

Sverker den äldre gilt als sehr christlicher König, der gemeinsam mit seiner Frau Ulvhild das Alvastra Kloster gegründet hat, das älteste Zisterzienserkloster Schwedens und an der Stelle einer alten Grabkirche die Kaga Kyrkan erbaute. Sverker der Ältere gilt auch als der Erbauer des Schlosses Näs auf Visingsö.

Sverker der Ältere wurde im Jahre 1156, auf dem Weg zur Weihnachtsmesse, von seinem Stallmeister ermordet und wurde in Alvastra begraben. Als Anstifter des Mordes vermutet man den dänischen Prinzen Magnus Henriksson, der mit dem Tode von Sverker möglicherweise für maximal zwei Jahre König von Schweden wurde. Allerdings ist diese Aussage geschichtlich nicht bestätigt.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, mars 27

Die drei Kronen in der schwedischen Geschichte

Die drei goldenen Kronen auf blauem Grund sind heute allgemein als das Symbol Schwedens zu betrachten, wobei die Abbildung seit 1982 auch geschützt ist und nicht mehr ohne Genehmigung verwendet werden darf, auch nicht von schwedischen oder ausländischen Firmen.

Während das Symbol der drei Kronen mit Sicherheit von Beginn an die Königswürde ausdrückte, so ist jedoch ihre geschichtliche Anwendung im Reichswappen nicht ganz eindeutig geklärt. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie das erste Mal in der schwedischen Geschichte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Magnus Ladulås verwendet wurden, da man in seinem Sigel, außer dem Löwen des Folkungaätten, erstmals auch die drei Kronen finden kann. Da es sich hierbei jedoch um ein königliches Sigel und kein Wappen handelt, sind sich die Geschichtswissenschaftler nicht einig darüber, ob diese drei Kronen auch symbolisch der Ursprung der heutigen drei Kronen sind.

Eindeutig wird die Anwendung der drei Kronen als Symbol Schwedens dann jedoch gegen 1330 unter Magnus Eriksson, da man in einem Fries im Papstpalast in Avignon das schwedische Drei-Kronen-Wappen unter den Teilnehmern eines Kreuzzuges finden kann. In der gleichen Epoche wurden auch schwedische Münzen mit den drei Kronen geprägt, was wiederum auf Magnus Ladulås zurückzuführen sein kann.

Unter Magnus Ladulås führt die Bedeutung der drei Kronen noch auf eine Legende zurück, die zwar plausibel klingt, aber von vielen Geschichtswissenschaftler als unwahrscheinlich betrachtet wird. Unter Magnus Eriksson findet man dann eine andere Deutung, auch wenn diese ebenfalls nur Spekulation ist. Magnus Eriksson war gegen 1330 König von Schweden, Norwegen und dem damals dänischen Skåne, also von drei Königsreichen, die dann durch drei Kronen repräsentiert wurden.

Da die drei goldenen Kronen in der Hochzeit des Katholizismus erstmals verwendet wurden, gibt es natürlich noch zahlreiche andere Erklärungen, die insbesondere mit dem Großmachtdenken Schwedens in Einklang gebracht werden kann, denn die drei goldenen Kronen wurden auch sehr häufig mit der Dreifaltigkeit oder auch den heiligen drei Königen in Verbindung gebracht, was Schweden zu einem ausgewählten Lande emporhob.

Als nach Magnus Erikssson dann Albrecht von Mecklenburg in Schweden an die Macht kam, so übernahm dieser die drei Kronen erneut in sein Sigel, wobei er sie dieses Mal auf ein Schild setzte und damit eine Vorlage für das kleine schwedische Reichswappen bot. Man kann daher sagen, dass Albrecht von Mecklenburg der erste König war, das die drei goldenen Kronen dann offen zum Symbol der schwedischen Königsmacht machte.

Als die dänischen Könige nach Auflösung der Kalmarer Union unter Gustav Vasa die drei Kronen in ihrem Wappen behielten, so wurde dies zu einer der bedeutendsten Zwiste zwischen Dänemark und Schweden und führte letztendlich selbst zum zum nordischen Siebenjahreskrieg im Jahre 1563. Noch heute führt Dänemark in seinem Reichswappen die drei Kronen, was von der schwedischen und der dänischen Geschichtsschreibung sehr unterschiedlich bewertet wird.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, mars 23

Schwedische Könige werden neu erfunden

Als Johannes Magnus während der Reformation seinen Einfluss als letzter katholischer Erzbischofs Schwedens verloren hatte, entwickelte er sich zu einem Erforscher der schwedischen Geschichte und wollte als erstes eine Gesamtdarstellung aller Könige bieten, die vom ursprünglichen schwedischen Reich bis zu Gustav Vasa reichten.

Niemand weiß woher Johannes Magnus seine Kenntnisse nahm als er sein Meisterwerk „Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus“ schrieb, wobei man noch weniger nachvollziehen kann, warum er Schweden bis weit in die Eisenzeit hinein als einheitliches Land der Svear und der Göter sah, ein Begriff, der erstmals mit Karl Sverkersson im 12. Jahrhundert auftauchte.

Das Geschichtswerk „Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus“ wurde, da es Schweden in einem ungemein positiven Licht zeigte und bewies, wie weit die Kultur des Landes zurückreicht, selbst von Gustav Vasa mit dem größten Lob an den Autor aufgenommen und entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem Standardwerk, das selbst in andere Sprachen übersetzt wurde und in Deutschland noch unter Hitler diskutiert wurde.

Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus“ behandelt in den ersten 15 Teilen die Zeit vor der tatsächlichen Geschichtsschreibung Schwedens um das Jahr 1000 und reicht bis zu Noah und die große Flut zurück, wobei sich der Autor dabei nicht nur auf die „Saxo Grammticus“ berief, sondern auch seinen schriftstellerischen Erfindungsgeist völlig unkritisch schweifen ließ, denn nach Johannes Magnus war Magog, der Enkel  Noahs, bereits der erste König des schwedischen Reiches und er erfand noch vor der Herrschaft von Erik Segersäll fünf weitere Könige, die den Namen Erik trugen und teilweise bedeutende Helden des alten Schweden waren.

Johannes Magnus wollte mit seiner „Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus“ die schwedische Königsfolge in seiner Entwicklung jener der Päpste angleichen, was dazu führte, dass sich die folgenden schwedische Könige einen Glanz geben konnten, der ebensoweit zurückreichte wie die katholische Kirche und Schweden zu einer Geburtsstelle höchster Kultur machte.

Inwieweit die „Historia de omnibus Gothorum Sveonomque regibus“ die Zeit ab der Hochzeit der Wikinger korrekt beschreibt, ist ebenfalls stark angezweifelt, denn das Werk drückt einen extremen schwedischen Patriotismus aus, der heute vermutlich als extrem rechts betrachtet würde und strahlt einen extremen Hass auf das dänische Reich aus, so dass man bei der Lektüre kaum das Gefühl einer neutralen Betrachtung sehen kann.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, januari 23

Erik Segersäll, der erste König Schwedens

Offiziell zählt Erik Segersäll (Erich Segersäll), im Altnordischen Eiríkr sigrsæli genannt, als der erste König Schwedens, der zwischen 970 und 995 über das Svealand (damals noch Svitjod genannt), Västergötland und Östergötland regierte und zeitweise selbst Dänemarks Herrscher war. Als Quelle dienen hier, außer den isländischen Sagen auch die Aufzeichnungen von Adam von Bremen, einem deutschen Geschichtsschreiber mit sehr guten Kenntnissen des damaligen Dänemark, der aber Schweden nur von Gerüchten kannte.

Ob Erik Segersäll wirklich existierte und welche Macht er in der Epoche der Wikinger tatsächlich hatte, kann man auf Grund der zweifelhaften Quellen ebenso wenig beweisen wie die Existenz des Geschlechts der Ynglinge (Ynglingaätten), auch wenn sicher ist, dass gegen die Jahrtausendwende einige Könige bereits über eine bedeutende Macht verfügten und Höfdinge nur noch einen relativ geringen Einfluss hatten. Erst der Nachfolger Erik Segersälls, Olof Skötkonung, ist wissenschaftlich bestätigt. Erich Segersäll muss jedoch noch mehr als eine Mischung aus Sagenwelt und Realität betrachtet werden als seine Nachfolger.

Nach den isländischen Sagen und Adam von Bremen, der sich vermutlich auf die Sagen berief, bestieg Erik Segersäll gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Olof den schwedischen Thron. Olof, der sehr früh starb, hinterließ einen Sohn mit dem Namen Björn (später Styrbjörn Store genannt), der nach dem Tode seines Vaters den schwedischen Thron beanspruchte. Erik Segersäll weigerte sich, gab aber Styrbjörn zum Ausgleich 60 voll ausgerüstete Schiffe. Als Styrbjörn, mit Hilfe dieser Schiffe, die Jomswikinger bei Jomsborg an der Odermündung besiegt hatte und vermutlich ihr Führer wurde, war ihm der dänische König Harald Blåtand so dankbar, dass er sich mit ihm verbündete.

Mit Hilfe seiner Verbündeten machte sich Styrbjörn dann 985 auf den Weg ins Uppland um Erik Segersäll zwangsweise abzusetzen. Der Kampf zwischen den Verwandten, der allgemein als die Schlacht bei den Fyrisvallarna (Slaget vid Fyrisvallarna) bezeichnet wird, dauerte drei Tage und endete mit dem Tod Styrbjörns. Da Erich als Sieger aus der Schlacht hervorging, soll er den Namen Segersäll (
Eiríkr inn sigursæli, Erich der Siegreiche) erhalten haben. Ob dieser Kampf je statt fand ist unbekannt. Geschichtlich kann man, genau genommen, nicht einmal nachweisen um welches Uppsala es sich gehandelt haben kann, da dieser Name zu jener Zeit sehr häufig für verschiedene Ansiedlungen war.

Die Sage setzt dann damit fort, dass sich Erik Segersäll an Dänemark, das den Feldzug Styrbjörns unterstützt hatte, rächen wollte, nach Dänemark aufbrach und dort den König Sven Tveskägg vertrieb und von diesem Tag an auch über Dänemark regierte. Da Dänemark zur Zeit der Eroberung bereits christlich war, ließ sich Erik taufen, da dies seine Macht in Dänemark stärkte. Bei seiner Rückkehr nach Gamla Uppsala soll er jedoch zurück zu den Asagöttern gefunden haben.

Da Sigtuna, das gegen 980 gegründet wurde und Birka ersetzte, gilt Erich Segersäll als der Gründer von Sigtuna, was jedoch ebenso wenig bewiesen werden kann wie die Eroberung Dänemarks oder seine tatsächliche Existenz, aber als geschichtlich betrachtet wird. Dies liegt vor allem daran, dass die geschichtlich anerkannte Königsfolge der offiziellen Königslinie des schwedischen Königshauses folgt, nach der Erik Segersäll als ersten König Schwedens bezeichnet wird.

Weitere Zweifel an der Existenz von Erik tauchen auf, wenn man in den verschiedenen Dokumenten nach seiner Ehefrau sucht, da er nach den isländischen Sagen und der Gesta Danorum von Saxo Grammaticus mit Sigrid Storråda verheiratet war, nach Adam von Bremen mit der polnischen Prinzessin Gunhild (Świętosława) und nach der Ingvar den vittfarnes saga mit Aud Håkansdotter. Keine der Ehen kann in irgend einer Weise geschichtlich bestätigt werden.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, januari 16

Die Epoche der Alleinherrschaft (Envälde) in Schweden

Wenn man in der schwedischen Geschichte von der Envälde, der Zeit der Alleinherrschaft der Könige spricht, so meint man die Zeit zwischen 1680 und 1718, also die kurze Epoche, in der erst Karl XI. und dann Karl XII. herrschten, die beiden Könige, die sich als Herrscher von Gottes Gnaden sahen und ihre persönliche Entscheidungen denen von Gott gleichsetzten, da in ihren Augen Gott den König erwählt hatte.

Diese Theorie gilt weltweit als die am häufigsten angewandte um eine absolute Monarchie oder eine Diktatur zu verteidigen und hatte in Schweden bedeutende Folgen für die gesamte Gesellschaft und sämtliche administrativen Einrichtungen und Verordnungen, da die beiden Könige kaum auf ihre Berater lauschten und das Volk zum absoluten Gehorsam zwang.

Da Karl XI. und Karl XII. ihre Gesetze von Gott gegeben sahen, hatte das Parlament keinerlei Einfluss auf die Gesetzgebung und der Staat lag ausschließlich in den Händen der Könige, eine Situation, die man auch in anderen Ländern jeweils für kürzere Perioden fand. Die Folgen dieser Epoche konnte man in Schweden bis 1975 im Ausdruck „Kunglig Majestäts proposition“ hören, wenn ein Gesetz im Parlament vorgelegt wurde, da bis zu diesem Zeitpunkt nominell immer noch der König das schwedische Reich führte.

Als 1679 der Krieg mit Dänemark und Pommern beendet war, waren in Schweden die Staatskassen leer und Reformen waren dringend nötig. Da sich Königstreue und Hochadel verfeindet hatten, war es für Karl XI. ein leichtes für eine friedliche und Frankreich feindliche Politik zu werben, zumal man Frankreich, bzw. Ludwig XIV., für die schwedischen Schwierigkeiten verantwortlich machte. Allein seine Versprechen brachten ihm dann im Parlament die Mehrheit dafür, in Zukunft allein über den Staat entscheiden zu können.

Zu den ersten wichtigen Maßnahmen von König Karl XI. gehörte die Konsolidierung des Haushalts (Drätseln) und der Aufbau der Verteidigung, was er durch Zusatzsteuern (Bevillningar) erreichte. Noch während seines Lebens konnte er die Staatsschulden dadurch auf 25 Prozent der ursprünglichen Schulden reduzieren, wenn auch auf Kosten der Bürger.

Die zweite Änderung fand in der Administration statt, die straff unter seine Führung geriet und zu klaren Gesetzen führte. Da der König jede Entscheidung über Gesetze und Verordnungen selbst fällte, schuf er damit die Grundlage für die Reichsgesetze aus dem Jahre 1734.

Unter Karl XI. wurden auch die ehemaligen dänischen Teile des Reiches zwangsintegriert, wobei er hierfür jedoch vor allem die Kirche benutzte, den Unterricht auf schwedische Verhältnisse anpasste und die Universität in Lund wieder auferstehen ließ, in der allerdings die Lehre nach seinen Ideen verbreitet werden musste.

Für die protestantische Kirche war Karl XI., der 1697 starb, ähnlich bedeutend wie einst Gustav Vasa, denn er verhalf ihr zu Kirchengesetzen, die großenteils bis ins 20. Jahrhundert gültig blieben. Unter Karl XI. entstanden Katechismus (1689), Kirchenhandbuch (1693) und ein Psalmbuch (1695). Die Bibelübersetzung, die er beauftragte und die 1703 fertig wurde, wurde bis 1917 als Grundlagenwerk betrachtet. Die Stärkung der Kirche führte zwar dazu, dass sich eine einheitliche Lehre, auch der niederen Stände, in ganz Schweden verbreitete, führte aber auch zu einer extremen Unterdrückung des Volkes, was 150 Jahre später zur großen Auswanderungswelle führte.

Als Karl XII., der Sohn von Karl XI. und Ulrika Eleonora d. Ä., dann die Regierung übernahm, wollte er in jedem Punkt seinem Vater folgen, war jedoch bereits im Glauben eines Gottgesandten aufgewachsen und hatte daher nicht das gleiche Verständnis wie sein Vorgänger. Karl XII. war noch mehr von den Gedanken der Kirche besessen und begann religiöse Minderheiten wie die Pietisten zu verfolgen und untersagte schwedischen Studenten Reisen zu den deutschen Akademien. Hinzu kamen politische Schwierigkeiten, die zum großen nordischen Krieg führten und das Ende der Alleinherrschaft heraufbeschworen. Mit dem Tode des Königs endete dann auch die Epoche der Envälde.
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