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tisdag, september 25

Die Entwicklung der Köping in der schwedischen Geschichte

Bevor der Begriff Köping, den man am ehesten mit dem einer Marktgemeinde vergleichen kann, auftauchte, gab es nur Birkar, weswegen man gegen Ende der Eisenzeit diesen Begriff auch relativ häufig in Dokumenten findet und es sehr schwierig ist das Birka des Sankt Ansgar eindeutig zu bestimmen. Birka bezeichnete nichts anderes als einen Handelsplatz, der bis zu Beginn zu Beginn des Mittelalters auch über ein eigenes Rechtssystem verfügte, das sogenannten Bjärkörätten. Die bekanntesten dieser Orte, die sich später zum Teil auch in ein Köping verwandelten, sind Köpingsvik und Lödöse. Birka selbst wurde in dieser Zeit von Sigtuna ersetzt und nahm an der Entwicklung von Birka zu Köping nicht teil.

Vom Mittelalter bis zum Jahr 1971, als in Schweden der Begriff Köping ganz abgeschafft wurde, war ein Köping ein Handelort mit Marktrechten, der teilweise auch eine gewisse administrative Einheit bilden konnte, aber keinerlei Stadtrechte hatte. Um jedoch zur Stadt ernannt zu werden, also die Stadtprivilegien zu erhalten, musste ein Ort, bis auf sehr wenige Ausnahmen, den Weg über ein Köping machen. Diese Entwicklung drückt sich noch heute durch den Namen mehrere bedeutender Städte Schwedens aus, wenn man an Norrköping, Jönköping, Linköping, Falköping usw. denkt.

Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts war ein Köping relativ eigenständig. Ab diesem Zeitpunkt versuchten dann jedoch die Städte ihre Macht auszudehnen und es kam immer häufiger vor, dass ein Köping mit Handelrechten an eine Stadt gebunden wurde und die Städte in ihrem Einflussbereich eigene Köpings entstehen ließen, die dann jedoch gezwungen waren sich den Regeln der zugehörigen Stadt zu unterstellen. So mussten, zum Beispiel, die Handwerker in Borgholm Mitglieder der Gilde von Kalmar sein, jene von Bjurvik in Västervik Mitglied sein und die Handwerker in Värnamo waren der Gilde von Jönköping untergeordnet, was auch juristische und wirtschaftliche Folgen hatte, da die Händler von Jönköping ihre Ware in Värnamo, Moheda, Fållinge, Ullasjö und Horn verkaufen durften, während dies umgekehrt nicht unbedingt der Fall war. Dies änderte sich nur, wenn sich einer der kleineren Orte so stark entwickelte, dass ihm vom König die Stadtrechte verlieh.

Gustav III. veränderte dann erneut die Regeln und begann zusätzlich autonome Köping zu schaffen, unter anderem Arvika, Tammerfors, Motala und Malmköping, die nicht mehr den nahen Städten unterstellt waren. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im gleichen Sinne auch einige abhängige Köping „befreit“. Einer der ersten Orte, die damit der Abhängigkeit einer Stadt entkamen, war Värnamo im Jahre 1859.

Der nächste Schritt erfolge dann mit dem Jahre 1862, als Schweden in Gemeinden eingeteilt wurde, denn es war selbstverständlich, dass jeder Stadt eine Gemeinde zugeordnet wurde, nicht jedoch jedem Köping und nicht jedes Köping wurde zur Stadt ernannt. Dadurch gerieten mehrere der Marktgemeinden, die bereits unabhängig geworden waren, zurück in die städtische Abhängigkeit. Nur sieben der zahlreichen Köping stiegen in diesem Rahmen zu Verwaltungsgemeinden auf, nämlich Arvika, Lysekil, Malmköping, Motala, Mönsterås, Ronneby und Örnsköldsvik. Das Problem, das jedoch dadurch entstand, war, dass sich wirtschaftlich stärkere Orte aus der Struktur zu lösen versuchten und eigene Marktrechte forderten. Dies führte dazu, dass Schweden gegen das Jahr 1960 über knapp 100 Köping, also Marktgemeinden verfügte, die keine Städte waren, die aber alle auf dem Weg waren die Stadtrechte zu beantragen.

Dies führte 1971 zur Gemeindereform bei der alle Landgemeinden, Köping und Städte nominell aufgelöst wurden und zur Kommune (Gemeinde) wurden. Hierbei wurde dann nicht nur der Begriff Köping unbedeutend, sondern in kürzester Zeit wurden die rund 1000 Gemeinden Schwedens auf 277 Gemeinden reduziert und 71 unter ihnen hatten ein früheres Köping als Zentralort und keine Stadt. Durch spätere Reformen erhöhte sich die Anzahl der Gemeinden wieder geringfügig, weshalb Schweden heute über 290 Gemeinden verfügt. Auch wenn es offiziell seit 1971 in Schweden kein Köping und keine Stadt mehr gibt, sondern nur noch Gemeinden, blieb der Ausdruck Stadt bis heute erhalten und wird, im Gegensatz zu Köping, auch weiterhin allgemein verwendet.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, augusti 6

Stockholm, eine Stadt wächst aus der Ostsee

Die Stadt Stockholm erscheint in der schwedischen Geschichte relativ spät, wobei auch die erste Besiedlung der tiefer gelegenen Teile nur bis etwa zum Jahr 900 nach Christus verfolgt werden kann. Die Ursache dafür ist insbesondere, dass das Gebiet Stockholms erst mit den Landhebungen entstand. Nur auf einigen wenigen Anhöhen des Großraumes Stockholm konnte man nachweisen, dass eine geringe menschliche Aktivität auch vor dieser Zeit stattfand, die dann bis etwa 6000 vor Christus zurückreichen.

In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass im späten Neolithikum im Stockholmer Raum gerade einmal Skinnarviksberget, Katarinaberget und andere Erhöhungen als Schären aus der Ostsee hervorragten und noch gegen 900 nach Christus lagen alle Teile Stockholms unter Wasser, die heute bis zu zehn Meter über dem Meeresniveau liegen.

Auch zur Endzeit der Wikinger lag der Großteil Stockholms noch unter Wasser, so dass Sigtuna, und noch früher Birka, eine ganz andere Rolle spielten und nicht nur einen direkten Zugang zur Ostsee hatten, sondern auch einen gewissen Schutz boten, der später in Stockholm erst geschaffen werden musste.

Auch wenn Stockholm erst im Jahre 1252 erstmals in einem Dokument von Birger jarl genannt wird, weswegen man dieses Jahr auch als das Gründungsjahr bezeichnet, so hatte man mit Sicherheit bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts begonnen an dieser Stelle eine Stadt aufzubauen, die allerdings ihre Stadtprivilegien erst 1436 erhalten sollte, dem Moment als sich Stockholm wirklich zum Zentrum Schwedens zu entwickeln begann.

Ausgrabungen konnten belegen, dass Stockholm seinen Ausgangspunkt in Stadsholmen, einem Teil der heutigen Altstadt, hatte, denn hier entdeckte man die ältesten Pfeiler, die Land und Gebäude stützen sollten und hier wurde Ende des 12. Jahrhunderts der erste Turm der Stadt gebaut, der später der Zentralturm des alten Schlosses Tre Kronor wurde.

Innerhalb von nur 100 Jahren wuchs Stockholm in so bedeutendem Masse, dass es gegen Ende des 13. Jahrhunderts bereits die größte Stadt Schwedens war. Auch hier muss man die Ursache vor allem in den Landhebungen suchen, denn immer mehr Städte verloren in diesen Jahrhunderten ihre Zufahrt zur Ostsee, so dass Stockholm gewissermaßen den gesamten Seehandel des Upplands auffangen musste. Seehandel bedeutete jedoch gleichzeitig eine Verteidigung aufzubauen, Handelsstationen einzurichten und eine Infrastruktur zu entwickeln, die garantierte, dass Stockholm vom Hinterland mit Lebensmittel versorgt werden konnte.

Dieses schnelle Wachstum der Stadt Stockholm baute in erster Linie auf den Handel auf, denn gegen 1250 wurde ein Handelsvertrag mit Lübeck unterschrieben und 1261 einer mit Hamburg. Das Schloss Tre Kronor wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts begonnen, die ältesten Teile der Riddarholmskyrkan gehen auf das Jahr 1280 zurück und auch in der Stockholmer Storkyrkan findet man Elemente, die ins 13. Jahrhundert zurückreichen. All dies weist darauf hin, dass auch die schwedischen Könige sehr schnell Stockholm als Zentrum Schwedens sahen. Ende des 13. Jahrhunderts war es daher nur noch ein kleiner Schritt um Stockholm zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum Schwedens zu machen, was sich im folgenden Jahrhundert dann auch an der Stadtplanung mit einem organisierten Straßennetz deutlich machte.

Auch wenn man heute die ersten Bauten Stockholm offiziell in Stadsholmen sieht, so gab es im Laufe der Geschichte mehrere Theorien, die eine frühere Besiedlung der Umgebung beweisen sollten. So sprach man lange von einem Fischerdorf Agnefit auf Stadsholmen, das bereits im neunten Jahrhundert existiert haben soll. Aber selbst bei sehr intensiven Ausgrabungen konnte man keine Spuren dieses Ortes finden, die weiter zurückgehen als zur Epoche zwischen 980 und 1160. Genannt wird eine Ansiedlung auf Stadsholmen erstmals in der Visbykrönikan, die die Gründung Stockholms auf das Jahr 1187 legt, die Zeit, als vermutlich tatsächlich die erste kleine Ortschaft auf Stadsholmen entstand.


Das moderne Stockholm: Stockholm, die Stadt, die aus dem Wasser stieg

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juli 30

Die schwedischen Wikinger im westschwedischen Ale

Auch wenn man bei Wikingern in erster Linie an Björkö denkt, wo eine Mischung aus historischer und touristischer Wikingerstadt aufgebaut wird, so handelt es sich dort nicht um die einzige Stelle Schwedens an der man Wikinger nachweisen kann, denn auch im westschwedischen Ale konnte man diese nordischen Krieger und Händler finden, wobei dort auch das einzige Schiff der Wikinger entdeckt wurde, das Äskekärrsskeppet, das kurz vor dem Jahre 1000 gebaut worden war und heute im Göteborger Stadtmuseum zu besichtigen ist.

In Ale wurde eines der typischen Langhäuser der Wikinger errichtet, wobei man bei diesem Bau weniger die Theorien über die Bauten und die Struktur der Gebäude der Wikinger walten ließ, sondern auf Ausgrabungen bei Tissö in Dänemark zurückgreifen konnte. Aber auch wenn die Art des Gebäudes nahezu authentisch ist, so bleiben bei den Details zahlreiche Fragezeichen, denn im ganzen Norden wurde nicht ein vollständig erhaltenes Gebäude der Epoche der Wikinger gefunden, so das auch die Wikingerdörfer in Birka, in Vellinge oder Tofta großenteils als Phantasie betrachtet werden müssen.

Wie auch auf Björkö, so fand man auch in Ale zahlreiche Gegenstände der Eisenzeit und der Epoche der Wikinger, angefangen von Schmuckgegenständen bis zu Schwertern und Äxten. Auch wenn  man heute weiß, dass der Göta Älv bereits für die Wikinger der wichtigste Weg zwischen Vänern und Kattegatt war, so weiß man bis heute nicht inwieweit die Wikinger auf Björkö mit jenen in Ale in Verbindung standen. Sicher ist im Grunde nur, dass beide Gruppen eigene und unabhängige Herrscher hatten, die Adam von Bremen als Könige bezeichnete, auch wenn ihre Macht sehr begrenzt war.

Das Wikinger-Langhaus in Ale mit einer Länge von 17 Metern und einer Breite von bis zu sieben Metern stellt ein Herrschaftshaus der Wikinger dar und entstand ab dem Jahre 2001 im Rahmen der experimentellen Archäologie, die auch beim Bau der Wikingerstadt in Birka angewendet wurde, was bedeutet, dass man, ausgehend von archäologischen Kenntnissen, beim Bau der Gebäude die frühere Bautechnik „neu entdecken“ wollte um eine Vorstellung darüber zu gewinnen welche Technik die Bauherren der Wikinger anwandten. In gewisser Weise ergänzen sich daher auch Birka und Ale, denn während man auf Björkö versucht ein Stadtmilieu zu schaffen, findet man in Ale einen Wikingerhof, wie er vermutlich über ganz Schweden verteilt zu finden war.

Ale ist, wie die Wikingerstadt Birka, noch im Aufbau und wird in wenigen Jahren aus mehreren landwirtschaftlichen Gebäuden bestehen, wo auch die Landwirtschaft und die Tierhaltung zur Wikingerzeit so getreu wie möglich nachvollzogen und gezeigt wird. Auch rurales Handwerk wird im Wikingerhof in Ale integriert, selbst wenn man hier, wie auf Björkö, so manches „neu erfinden“ muss, da uns die tatsächlichen Kenntnisse aus der Wikingerzeit nicht überliefert wurden. Die Idee der Wikingerdörfer, Wikigerstädte und anderer Bauwerke dieser Zeit ist auch nicht ein Originalmilieu zu schaffen, sondern zu zeigen wie die Wikinger möglicherweise gelebt und gearbeitet haben um die Geschichte lebendiger zu gestalten.

Um die Epoche der Wikinger wirklich lebendig zu gestalten, so lockt auch Ale mit einem Wikingermarkt, der mit Kämpfen und Handwerk verbunden ist, am ersten Wochenende im Mai Touristen an, die bei dieser Gelegenheit einen Eindruck zu dieser geschichtlichen Epoche bekommen sollen. Während man Schmuck, Äxte und Schwerter, die man in Ale, Birka und anderen Orten findet, auf Grund von Originalfunden rekonstruieren konnte, so dienen aufgebaute Schmieden oder Vorführungen von Handwerk mehr dazu, eine Idee vermittelt zu bekommen wie um diese Zeit vermutlich gearbeitet wurde, denn die tatsächlichen Kenntnisse und Methoden, die in Ale oder Birka gezeigt werden, stammen überwiegend aus dem Mittelalter und sind daher um einige hundert Jahre jünger. Da jedoch eine Schmiede des Mittelalters auf jene der vorhergehenden Epochen aufbaute, ebenso wie anderes Handwerk, so kommt man den Kenntnissen der Wikinger in Form von Museumsdörfern und handwerklichen Vorführungen relativ nahe.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juni 25

Mythen um die schwedischen Wikinger

Wenn man von den Wikingern spricht, so meint man in der Regel eine Gruppe an Seefahrern, die gegen Ende der Eisenzeit einen Teil Skandinavien bevölkerte und, vor allem im 19. Jahrhundert,  den Ruf von schrecklichen Kriegern erhielten, ein Bild, das in keiner Weise auf die gesamte Bevölkerung Schwedens zutrifft und zudem auf Erzählungen und Legenden der Eroberten beruht, die überwiegend erst Jahrhunderte nach der Epoche der Wikinger aufgezeichnet wurden.

Der erste Mythe über die Wikinger ist die Idee, dass es sich bei den Wikingern um einen nordischen Volksstamm handelt. Wenn man bedenkt, dass zwischen den Jahren 793 und 1050, also der Epoche, die den Wikingern zugeordnet wird, weniger als 100 Runeninschriften entstanden, die auf die Wikinger hinweisen und knapp 60 Expeditionen der Wikinger bekannt sind, aber andererseits zwischen 200.000 und 300.000 Personen Schweden bevölkerten, so ist die Anzahl der sogenannten Wikinger geradezu verschwindend, obwohl man, auch aus touristischen Gründen, den Eindruck vermittelt, dass diese kleine Gruppe an Seemännern Schweden dominierte.

Der zweite Mythe über die Wikinger ist der Ruf der Piraten und Seeräuber, denn die sogenannten Wikinger waren alles zwischen Piraten, Händlern und Legosoldaten, die, gegen Bezahlung, für ändere Länder kämpften. Wenn man daher nur nach Piraten unter den Wikingern sucht, so wird dies innerhalb von rund 250 Jahren gerade einmal von rund 30 Reisen wirklich bestätigt, was bedeutet, dass durchschnittlich alle neun Jahre ein Überfall erfolgte, verglichen mit elf Überfällen von Piraten vor Somalia allein im Jahre 2011. Wenn man die Größe der Wikingerschiffe betrachtet, so kann man sich auch vorstellen wie gering die Beute, auch an Sklaven, sein musste, damit die Boote auch wieder die Heimat erreichen konnten. Wenn man diese Tatsachen betrachtet, so versteht man, dass selbst Birka, das als Wikingerstadt betrachtet wird, mehr Landwirte, Händler und Leibeigene (Träl, Ambátt) oder Sklaven wohnten als Wikinger.

Der dritte Mythos ist schließlich, der besagt, dass die schwedischen Wikinger nur Richtung Osten fuhren, denn tatsächlich gingen nahezu ebenso viele Reisen nach Westen, da die Wikinger über den Göta älv einen freien Zugang zur Nordsee hatten und im damaligen Västergötland bedeutende Funde aus der Epoche der Wikinger gemacht wurden, nicht zuletzt auch das Äskekärrsskeppet, das einzige in Schweden gefundene Handelsschiff aus der Wikingerzeit. Noch heute findet man jedes Jahr Münzen oder andere Gegenstände aus der Wikingerzeit entlang des Göta älv, an dem auch bereits gegen das Jahr 900 die Handelsstadt Lödöse entstanden war, den die Wikinger regelmäßig besuchten.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, juni 20

Erzbischof Rimbert, Sankt Ansgar und die Geschichte Birkas

Man weiß relativ wenig über den Erzbischof Rimbert, der oft als Heiliger Rimbert bezeichnet wird, obwohl er einer der Schlüssel zur ältesten Geschichte Birkas ist und durch seine Aufzeichnungen der Erzählungen von Sankt Ansgar über mehrere Jahrhunderte einen bedeutenden Teil der schwedischen Geschichte geprägt hat.

Auch wenn die Kirche normalerweise bereits sehr früh über sehr gute Archive verfügte, in denen man auch die Geschichte der wichtigsten Persönlichkeiten verfolgen kann, weiß man weder wann Rimbert geboren wurde und daher oft auf 830 geschätzt wird, noch welcher Herkunft er ist, was einige Geschichtswissenschaftler wiederum so weit gehen ließ, dass sie ihn für einen Skandinavier hielten, so unwahrscheinlich diese Theorie auch scheint.

Die ersten Spuren Rimberts führen in das Kloster Torhout im belgischen Brügge, wo er die Bekanntschaft Ansgars machte, die zu einer ewigen Freundschaft führte. Sehr bald wurde Rimbert der ständige Begleiter und Schreiber Ansgars. Alles, was wir über die Besuche Ansgars in Birka wissen, stammt aus der Feder Rimberts, der allerdings nicht an den Reisen Ansgars teilnahm.

Als Ansgar am 2. Februar 865 starb, wurde Rimbert sein Nachfolger auf dem Hamburger Bischofsstuhl und begann an der Vita Anskarii zu schreiben. Da bereits Ansgar dem Orden der Benediktiner angehörte, folgte Rimbert auch in diesem Punkt seinem Vorgänger und wurde Mönch im Konvent Corvey im heutigen Nordrhein-Westfalen, was auch bedeutete, dass er die Missionsarbeit seines Vorgängers mit übernahm.

Allerdings wurde Rimbert nicht mit der Christianisierung Schwedens beauftragt, sondern mit der Missionierung Frieslands und Dänemarks, was allerdings den südlichsten Teil Schwedens beinhaltete, das damals von Dänemark aus regiert wurde.

Seine einzige über kirchliche Aufzeichnungen überlieferte Tat in Friesland war, dass er im Jahre 884 die Wikinger in die Flucht schlug, die die Küste Frieslands brandschatzen wollten. Diese Tat machte Rimbert auch zum Schutzheiligen Frieslands. Gleichzeitig wird ihm dabei nachgesagt, dass er sich vor allem für Kranke und Arme einsetzte.

Ein unbekannter Mönch des Konvents der Benediktiner in Corvey machte sich an eine Biographie Rimberts, die auch die einzige Quelle über den Erzbischof ist, die uns zur Verfügung steht. Geschichtlich gesehen ist das Dokument jedoch ohne jede Bedeutung, da dieser Mönch lediglich Lobesworte über Rimbert hatte ohne viel aus seinem Leben aufzudecken.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juni 18

Björkö als Zentrum der schwedischen Wikinger

Die Mälarinsel Björkö mit dem legendären Birka gehört heute zu einem der bedeutendsten Ausflugsorte für jene, die die Heimat der schwedischen Wikinger suchen und in die touristisch aufbereitete Vergangenheit zurückkehren wollen. Seit Birka im Jahre 1993 in das Welterbe der Unesco aufgenommen wurde, fließen die Gelder für weitere Ausgrabungen und die Erschließung der Insel, auch wenn sich vieles während der rund 200-jährigen Hochkultur der Insel anders verhalten hat als heute dem Massenbesucher dargestellt wird.

Wann Björkö erstmals besiedelt wurde, ist unbekannt, wobei archäologische Analysen beweisen, dass zumindest Birka als solches zwischen 790 und 990 nach Christus existierte und auf der höchsten Stelle des Ingaberget Grabhügel zu finden sind, die bis in die Bronzezeit zurückreichen.

Wenn man heute die etwa vier Kilometer lange und 1,5 Kilometer breite Insel Björkö besucht, so muss man allerdings bedenken, dass zur Zeit der Wikinger der Wasserstand um etwa fünf Meter höher lag als heute und die Insel ihr heutiges Aussehen erst durch die Landhebung erhalten hat. Zur Zeit als Birka hier eine Handelsstadt war, war der Mälaren noch eine Bucht der Ostsee.

Björkö mit Birka gehört, nicht zuletzt wegen seiner legendenumwobenen Geschichte, die über Sankt Ansgar die ganze Welt erreichte, zu den am besten erforschten Gegenden Schwedens an der kaum eine Stelle nicht nach historischen Funden durchsucht wurde. Das Resultat kann man nun in einer Mischung aus Modernität, Sagenwelt und historischen Funden während eines Tagesausflugs entdecken.

Im Norden von Björkö entdeckt man ein Grabfeld aus der Zeit der Wikinger, in denen man relativ umfangreiche Funde machte, die uns eine gewisse Auskunft über die Begräbniskultur der Wikinger des Mälaren bieten. Auf einem der Hügel Björkös sieht man noch die Reste einer Vorburg (Fornborg), die vermutlich noch vor der Ankunft der Wikinger eine gewisse Rolle spielte. Innerhalb dieser Vorburg wurde im Jahre 1834 das steinerne Ansgarskosrset errichtet, das daran erinnern soll, dass hier Ansgar einst seine Missionsarbeit leistete.

Im Jahre 1930, also noch bevor man in Schweden zu einer mehr kritischen Geschichtsschreibung griff, wurde auf Björkö nach Zeichnungen des Architekten Lars Israel Wahlman die sogenannte Ansgarkapelle mit Skulpturen von Carl Eldt geöffnet, die ganz aus rotem Sandstein gebaut wurde.

Im Birkamuseet auf Björkö bekommt man an Hand von Modellen und Fundstücken einen Eindruck wie die Insel und Birka möglicherweise während seiner Blütezeit ausgesehen hat. Da es jedoch keine zuverlässigen schriftlichen Aufzeichnungen über Björkö oder Birka gibt, konnte man bei der Rekonstruktion nur auf Theorien bauen. Der Besucher des Birka-Museums muss daher die Geschichte der Insel mit einem gewissen Abstand betrachten und mehr als Leitlinie sehen und darf sie nicht als gesicherte Tatsache nehmen. Denn auch wenn auf Björkö in gewissen Jahren vermutlich zwischen 500 und 1000 Bewohner gezählt werden konnten, so weiß man nicht wie viele unter ihnen permanent dort wohnten, welchen Tätigkeiten sie nachgingen und wie viele unter ihnen Leibeigene (Träl, Ambátt) und wie viele Sklaven waren.


Copyright: Herbert Kårlin

söndag, juni 10

Paviken, ein Handelsplatz der Wikinger auf Gotland

Der See Paviken auf Gotland, heute ein Naturreservat, das zudem bekannt ist für seinen Vogelreichtum und seine überaus großen Karauschen, war zur Zeit der Wikinger eine Bucht mit einem natürlichen Hafen, der etwa zwischen 700 und 1000 nach Christus regelmäßig von den Wikingern benutzt wurde und zu Beginn des Mittelalters aufgegeben wurde. 

Bei Ausgrabungen an der ehemaligen Bucht, insbesondere an der Mündung der Idån (heute ein kleiner Bach) und im nahen Västergarn konnte man eine der bedeutendsten Entdeckungen der schwedischen Geschichte machen, auch wenn dabei noch immer viele Fragen offen sind, insbesondere auch der Zusammenhang zwischen Paviken und Västergarn, die nur wenige Kilometer voneinander getrennt sind.

An der Mündung der Idån konnte man nicht nur einen bedeutenden Handelsplatz der Wikinger entdecken, der dem legendären Birka kaum nachsteht, sondern man fand auch erstmals eine von den Wikingern genutzte Werft, die sich auf rund 15.000 Quadratmeter erstreckte, von denen gerade einmal zehn Prozent nach Fundstücken untersucht wurden. Leider wurden bisher keinerlei Schiffe, die auf der Werft erbaut wurden gefunden, sondern nur Werkzeug und Nägel, die dem Schiffbau jener Epoche dienten.

Interessant waren jedoch auch die über 10.000 andere Fundstücke, die bei den Ausgrabungen zu Tage traten, da man dadurch beweisen konnte, dass sich an dieser Stelle nicht nur eine Werft befand, sondern auch Händler und Handwerker ansässig waren und es sich daher um eine ebenso bedeutenden Handelsort handelte wie Birka, Köpingsvik, Helgö und Uppåkra.

Dass hier nicht nur Boote gebaut, sondern auch repariert wurden oder einfach mit ihren Handelswaren anlegten, belegen die rund rund 120 Silbermünzen aus Deutschland, England und vor allem den arabischen Ländern, Silberschmuck, ein römischer Spiegel, Bernsteine, Edelsteine (Granat) aus Westschweden, Glasmosaik aus Italien, Reste einer Bronzegießerei und mehrere Gewichte auch Blei und Bronze, die hier gefunden wurden.

Sehr interessant in Paviken sind vor allem auch Fundstücke, die vermutlich zur Schmuckherstellung dienten und beweisen, dass sich hier auf die Schmuckherstellung spezialisierte Handwerker niedergelassen hatten. An den meisten anderen historischen Orten Schwedens konnte man zwar Schmuck finden, jedoch nur in wenigen Fällen auch Gerätschaften, die der Schmuckherstellung dienten. Paviken kann daher eine Art Metropole für Wikingerschmuck gewesen sein, der ein bedeutendes Handelsgut Gotlands war.

Die beiden größten Fragen, die sich Geschichtswissenschaftler und Archäologen zu Paviken stellen, ist indes, ob der Ort das ganze Jahr über benutzt wurde oder nur zur warmen Jahreszeit, da die Bucht auch während der Eisenzeit regelmäßig zufror. Zum anderen weiß man bisher nicht, warum Paviken spätestens in der ersten Hälfte des Mittelalters seine Bedeutung vollständig verlor, da die Kämpfe um die wirtschaftliche Vorherrschaft zwischen Visby und Paviken und Västergarn kaum erklären können, warum die vielleicht geschützteste Buch Gotlands plötzlich aufgegeben wurde.

Copyright: Herbert Kårlin
 

lördag, maj 5

Die Insel Helgö in der schwedischen Geschichte

Helgö, genauer genommen der Helgöboplatsen oder das Helgösamhället, gehört zu den frühesten Handelsorten der schwedischen Geschichte, die sich im Mälaren befanden und wurde gegen Ende des 8. Jahrhunderts von Birka auf der Insel Björkö ersetzt. Die gesamte Insel Helgö ist gerade einmal fünf Kilometer lang und maximal 1,5 Kilometer breit.

Der Handelsplatz auf Helgö begann sich etwa ab dem Jahre 200 nach Christus zu entwickeln und ist damit gute 500 Jahre älter als Birka, wobei man dort bei Ausgrabungen sieben Häusergruppen, fünf Grabfelder und zwei Vorburgen (Fornborgar) entdeckte und zusätzlich Spuren aus der Bronzezeit fand. Weitere Funde beweisen, dass sich auf Helgö gegen 400 nach Christus bedeutende Handwerker, vor allem Goldschmiede und Bronzekünstler, niedergelassen hatten, wobei die Bronzegießereien mit Ende der Völkerwanderung vernachlässigt wurden.

Helgö hatte seine Glanzzeit vermutlich während der nordischen Völkerwanderung und der darauf folgenden Vendelzeit, wobei ab 600 nach Christus bis zur Entstehung von Birka das Handwerk auf der Insel immer mehr von Landwirtschaft ersetzt wurde, was darauf schließen lässt, dass ab dieser Zeit das lokale Handwerk im Mälartal zurückging, denn Birka widmete sich mehr dem Handel als dem Handwerk und wurde bereits sehr schnell von dem neu gegründeten Sigtuna ersetzt.

Funde wie eine Buddhastatue aus dem heutigen Pakistan, einer Taufkelle aus Ägypten und Münzen aus Italien und Byzanz beweisen, dass die Bewohner Helgös bereits gegen 500 nach Christus sehr weitreichende Handelsbeziehungen haben mussten. Geschichtlich sehr interessant waren auch Funde wie Goldblech, Mahlsteine und Brotbacköfen mit verkohltem Brot, da man durch diese Funde einen Einblick in das Handwerk jener Epoche gewinnen konnte und erstmals auch mehr über damaliges Brot erfahren konnte, eine Backkunst, die ebenfalls über Handelsreisen nach Schweden kam.

Allerdings muss man sich den Handelsplatz Helgö anders vorstellen als heute, denn da die Landhebungen noch nicht so fortgeschritten waren, bestand die Insel damals noch aus mehreren kleineren Inseln und die Wasserwege waren weitaus offener als heute.

Die archäologischen Entdeckungen auf Helgö im Jahre 1953 verdankt man einem Zufall, denn an der Fundstelle sollte eine Sommerstuga entstehen. Glücklicherweise wollte der Landbesitzer seinen Fund nicht verbergen, sondern ermöglichte ausgedehnte Ausgrabungen, die wichtige Erkenntnisse mit sich brachten. Dass man nicht früher auf Helgö nach der schwedischen Geschichte suchte ist gewissermaßen erstaunlich, denn in nächster Nähe lag Hundhamra (heute Norsborg), wo man Grabhügel fand, die belegen, dass während der Blütezeit von Helgö in der Gegend auch sehr reiche Herrscher und Gutsbesitzer lebten, ohne jedoch einen eigenen Handelsplatz zu besitzen.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, mars 14

Die Handelsstadt Köpingsvik auf Öland

Köpingsvik auf der Insel Öland gehört mit zu den ältesten Ansiedlungen Schwedens, wo man schon während der jüngeren Steinzeit, etwa 2500 Jahre vor Christus, eine Besiedlung feststellen konnte. Archäologische Funde konnten hier selbst die ersten Robbenjäger Schwedens lokalisieren. Die zahlreichen Funde an Knochen und Zähnen sowie zahlreichem Werkzeug wie Pfeilspitzen, Messer, Harpunen, Meißel und selbst Scherben von Keramikkrügen sprechen dafür, dass es sich auf Köpingsvik um eine feste Ansiedlung handelte.

Spätere Funde beweisen dann, dass Köpingsvik sich während der Bronzezeit zu einem wichtigen Handelszentrum entwickelte, wobei das Steinhügelgrab Blå Rör, das größte Ölands, dafür spricht, dass sich hier auch bedeutende Personen in dieser Epoche niedergelassen hatten oder eine solche in der Gesellschaftsordnung einnahm.

Aus der folgenden Eisenzeit konnte man dann in Skedemosse, das direkt bei Köpingsvik liegt, einen bedeutenden Opferplatz der Insel finden, genauer genommen einen Opfersee, wo man den Toten zahlreiche Waffen mit auf die Reise ins Jenseits mitgab. Aus der gleichen Epoche stammen auch 1,3 Kilogramm Schmuck, der in Köpingsvik gefunden wurde.

Ab etwa 700 nach Christus nahm der Hafen von Köpingsvik eine immer wichtigere Rolle im Seehandel ein und der Ort entwickelte sich zu einer der ersten bedeutenden Städte Schwedens und wurde einer der wichtigsten Handelsplätze des frühen Mittelalters, der dann spätestens zu Beginn des 11. Jahrhunderts christianisiert wurde, wovon ein Runenstein mit der Inschrift „Gotte helfe seiner Seele“ zeugt. Allerdings existierten in diesem Jahrhundert vermutlich auch noch die alten Götter neben dem neuen Gott weiter.

Von besonderem archäologischen Interesse war der Fund eines Scheiterhaufens, auf dem kurz vor dem Jahre 1000 eine tote Frau verbrannt wurde, der sehr viel Schmuck mit auf die letzte Reise gegeben wurde. Mit ihr wurden auch zahlreiche Tiere wie ein Pferd, ein Hund, ein Bär und andere Tiere verbrannt. Man kann daher davon ausgehen, dass diese Frau eine sehr hohe Stellung in Köpingsvik eingenommen hatte. Da man an ihrer Seite auch einen Zeremonienstab fand, ist es nicht ausgeschlossen, dass sie bis zu ihrem Tode selbst über den Ort, oder auch die Insel, regierte.

Mehrere Archäologen des 19. Jahrhunderts waren, auf Grund der zahlreichen Funde und der geographischen Lage Köpingsviks, auch davon überzeugt, dass es sich bei diesem Ort um das legendäre Birka handelte, das Adam von Bremen in seinen Aufzeichnungen beschrieb. Hinzu kommt, dass die „schwarze Erde“ (svart jord) in Köpingsvik weitaus umfangreicher ist als jene in Birka am Mälaren und der Hafen, wie Adam von Bremen schreibt, sich im Norden befindet.

Auf Grund der Bedeutung von Köpingsvik zu Beginn des Christentums, nimmt man an, dass sich dort auch eine Stabkirche befand, die dann im 12. Jahrhundert von einer Steinkirche ersetzt wurde, obwohl man den ersten Priester dort erst 1463 nachweisen kann. Im Jahre 1805 wurde dann eine dritte Kirche erbaut, die jedoch, außer dem Turm, 1953 wegen Einsturzgefahr abgerissen wurde. Die gegenwärtige, moderne Kirche Köpingsviks wurde erst 2008 eingeweiht und ist daher kaum von geschichtlichem Interesse.

Der Niedergang von Köpingsvik wurde dann von der Gründung Kalmars eingeleitet, das über einen tieferen Hafen verfügte, wo größere Schiffe anlegen konnten, das besser zu verteidigen war und das auf dem Festland lag, also den Transport von Waren auch auf dem Landweg ermöglichte.

Im 20. Jahrhundert begann sich die Umgebung Köpingsvik, vor allem auf Grund der Festung Borgholm aus dem 13. Jahrhundert zu einer touristischen Gegend zu entwickeln und zieht jeden Sommer rund 300.000 Touristen nach Öland.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, mars 13

Das Bjärköarätten der schwedischen Handelsstädte

Das Bjärköarätten (altschwedisch: bjærkøa rætter) ist eine kurze Gesetzessammlung für mittelalterliche Städte, wobei das erste bekannte Bjärköarätten im 12. Jahrhundert für die norwegischen Städte Nidaros und Bergen verfasst wurde. In Schweden betrifft das älteste Städterecht aus dem Jahre 1345 die frühere westschwedische Handelsstadt Lödöse, wobei man annimmt, dass dieses Gesetzessammlung bereits auf ein heute verschwundenes Bjärköarätten aus Stockholm aufbaut, das wiederum auf die sehr einfachen Stadslag (Städtegesetze) baute, die es bereits in Sigtuna, Visby und den anderen ersten Handelsstädten Schweden gab.

Über Jahrhunderte hinweg dachte man, dass sich der Begriff Bjärköarätten auf den Ort Birka am Mälaren bezieht, was man heute jedoch aus den verschiedensten Gründen für vollkommen ausgeschlossen hält, zumal Geschichtswissenschaftler glauben auch andere wichtige Orte mit dem Namen Birka gefunden zu haben, unter anderem Köpingsvik auf Öland.

Das Bjärköarätten gilt als das älteste schwedische Städtegesetz, das die Landschaftsgesetzte (Landskapslagar) ergänzte. Das Bjärköarätten für Lödöse wurde in einem einzigen handschriftlichen Exemplar aus dem Jahre 1345 überliefert und gibt daher  den ursprünglichsten Eindruck in das erste Handelsrecht Schwedens.

Im Gegensatz zu den Landschaftsgesetzen ist das Bjärköarätten nicht in verschiedene Abschnitte (Balkar) eingeteilt, wobei man bei der Lektüre feststellt, dass Seerecht, Handelsrecht und Strafrecht dort sehr ausführlich behandelt sind und Familienrecht oder Vermögensrecht fast zu einem Anhang degradiert wurden. An erster Stelle waren mittelalterliche Städte Schwedens für den Handel bestimmt, was durch das Stadtgesetz auch sehr deutlich ausgedrückt wird. Private, königliche und kirchliche Angelegenheiten waren ohnehin im Landskapslag geregelt, das auch für die Städte der entsprechenden Regionen gültig blieb.

Unter Magnus Eriksson (1316  - 1374) entstanden dann zwischen 1349 und 1357 aus den Bjärköarätten allgemeine Stadslagar (Stadtgesetze), die für alle schwedischen Städte galten, allerdings, im Gegensatz zu den ursprünglichen Stadtgesetzen, nicht mehr rein nordische Einflüsse zeigten, sondern stark an die deutschen Gesetze angelehnt waren und, in gewisser Weise, den deutschen Händlern ein Privileg vermittelten. Die schwedischen Stadtgesetze wurden dann unter Johan Hadorph erstmals öffentlich herausgegeben. Diese Gesetzesammlung blieb, gemeinsam mit den Kristofers Landslag, bis 1736 gültig.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, mars 12

Die ersten schwedischen Städte

Auch wenn erst Birger jarl ab dem Jahre 1250 der Gründer der wichtigen Städte Schwedens wurde und unter anderem auch das heutige Stockholm gründete, so gab es auch vorher einige Ansiedlungen, die man als Städte betrachten konnte, auch wenn man von den Handelsansiedlungen der Wikingerzeit absieht und daher weder Birka, noch Paviken, Köpingsvik, Helgö oder Uppåkra als Städte bezeichnet. Eine Sonderrolle nehmen auch noch Ansiedlungen in Skåne ein, da diese Städte während des frühen Mittelalters nicht zum schwedischen Reich gehörten.

Die älteste Stadt Schwedens ist mit größter Wahrscheinlichkeit Sigtuna, das vermutlich Erik Segersäll  gegen 980 gründete und Birka ablöste. Auch wenn man sich mit Sicherheit sagen kann, warum Sigtuna gegründet wurde, so liegt doch der Gedanke nahe, dass man dort eine katholische Stadt errichten wollte, die mit jenen der südlicher gelegenen Länder Stand halten konnte. Dies wird auch von der Tatsache unterstützt, dass hier die ersten Münzen Schwedens geprägt wurden.

Auch die zweite Stadt Schwedens wurde als religiöses Zentrum geschaffen, denn Skara, das im Jahre 1070 erstmals von Adam von Bremen genannt wurde, hatte kaum hundert Jahre später bereits drei Kirchen und eine Handwerksgilde. Skara bestimmte dann im 13. Jahrhundert maßgeblich das Geschehen in Västergötland, und dies nicht nur in religiöser Hinsicht.

Die nächste Stadt, die in Schweden um diese Zeit erschien, war ein Vorgänger des heutigen Göteborg. Lödöse, wie diese Stadt genannt wurde, entstand mit größter Wahrscheinlichkeit gleichzeitig, oder sogar etwas früher, als Skara, wird jedoch erstmals im Jahre 1151 schriftlich erwähnt. Im Gegensatz zu Sigtuna und Skara war Lödöse jedoch weniger eine kirchliche Stadt, sondern war, wegen ihrer Lage am Göta Älv, bereits zu Beginn als Handelsstadt geplant, die einen direkten Zugang zum Kattegat hatte.

Auch wenn Visby auf Gotland sich erst unter Magnus Ladulås dem schwedischen Reich anschloss und vorher eher als selbständiges Land zu betrachten ist, so rechnet man Visby im allgemeinen zu den ersten schwedischen Städten. Unter Umständen ist Visby weitaus älter als alle anderen Städte dieser Zeit, zumal archäologische Funde belegen, dass dort bereits gegen das Jahr 700 eine größere Ansiedlung bestand. Die älteste schriftliche noch existierende Quelle reicht bei Visby jedoch nur auf das Jahr 1203 zurück, eine Zeit, als Visby bereits größer und bedeutender war als Sigtuna. Auch Visby muss mehr als Handelsstadt gesehen werden, zumal die Bewohner Gotlands den alten Göttern weitaus treuer war als die Bewohner anderer Gegenden Schwedens.

Die wichtigste Handelsstadt Schwedens in der Epoche bevor Magnus Ladulås ein Städtenetz schuf, ist indes Söderköping. Die religiös geprägte Handelsstadt entstand vor allem wegen ihrer strategischen Lage. Zwischen 1100 und 1200 wurde aus einer kleinen Ansiedlung die vermutlich dicht besiedeltste und reichste Hafenstadt dieser Epoche. Geprägt wurde Söderköping vor allem von deutschen Handelsleuten und dem Franziskanerkloster, das dort 1235 entstand. Schriftlich erwähnt wurde die Stadt erstmals im frühen 13. Jahrhundert.

Die letzte Stadt Schwedens, die ebenfalls noch lange vor Stockholm existierte, ist Kalmar. Wann Kalmar genau entstand ist nicht bekannt, auch wenn sicher ist, dass der städtische Charakter sich erst ab 1230 voll entwickelte. Kalmar war vermutlich die Stadt, die am meisten vom deutsch-schwedischen Handel geprägt und daher gleichzeitig einem starken katholischen Einfluss ausgesetzt war. Selbst die Struktur der Stadt war mehr an die deutsche Bauweise angelehnt als an die schwedische, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass Kalmar auch überwiegend von deutschen Baumeistern erbaut wurde.


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måndag, februari 20

Der Hamburger Bischof Unni in Schweden

Nach Adam von Bremen wollte der Erzbischof Unni im Jahre 935 oder 936 die Arbeit von Sankt Ansgar in Birka fortsetzen. Als er jedoch dort ankam, das um diese Zeit von einem König Ring regiert wurde, fand er keinerlei Zeichen einer Missionierung mehr. Noch bevor er jedoch den Ort erneut für den katholischen Glauben gewinnen konnte, starb er in Birka. Ohne genauere Erklärung schreibt Adam von Bremen dann, dass Unni in Birka begraben worden sei, sein Kopf sich jedoch im Dom in Bremen zu finden sei.

Als man 1814 den Altar des Doms in Bremen abriss, fand man zwar nicht den Kopf des Erzbischofs, jedoch eine Bleiplatte mit der Inschrift "VNNIS ARCHIEP(is)-C(opus)“. Was diese Bleiplatte tatsächlich bedeutet, kann man nicht mit Sicherheit beantworten, denn der „dritte Apostel des Nordens“, wie Unni oft genannt wird und der von der katholischen Kirche auch als Heiliger betrachtet wird, bleibt in vielen Punkten ein Rätsel.

In Birka wurde sehr ausgiebig nach dem Grab Unnis gesucht, jedoch ohne jeden Erfolg. Das einzige Monument, das auf den Erzbischof hinweisen könnte ist ein Grabhügel von 109 Zentimeter Länge und einer Breite von 57 Zentimeter, der allerdings nicht geöffnet wurde. Auf dem zugehörigen Grabstein findet man ein Kreuz, das nach unten stabförmig verlängert ist. Dies ist der einzige Grund, warum die katholische Kirche daran glaubt, dass an dieser Stelle Unni beerdigt wurde.

Aber auch die Geschichte Gotlands spricht von einem Bischof Unni, der sich nach der Gutasagan längere Zeit auf der Insel aufhielt und daher in Gaitkörku begraben sein kann, der vermutlich ältesten Kirche Gotlands, die über die Biskopsgatu (Bischofsstraße) zur Fardhem kyrka führt, die auf einer früheren Holz- oder Stabkirche aufgebaut wurde. Hinzu kommt, dass mehrere Geschichtswissenschaftler und Archäologen überzeugt sind, dass es auch auf Gotland ein Birka gab.

Nach einer dritten Theorie liegt Erzbischof Unni in einem der beiden Sarkophage vor der Husaby Kyrka, wo der Heilige neben Olof Skötkonung begraben sein soll. Nach der Biskopskrönikan (Bischofschronik) ist Unni der erste Missionar des Västergötlands und wurde dort als Heiliger verehrt. Die wenigen Runen, die man auf dem Grabmonument vor der Kirche findet, reichen jedoch nicht aus, um eine klare Aussage über Unni herleiten zu können.

Wenn man dann noch bedenkt, dass nach den katholischen Archiven der Birka Stift aus dem Jahre 845 auch noch Öland, Gotland, Åland und andere Inseln der Ostsee umfasste, so kann man heute keinerlei Schlussfolgerungen ziehen wo der Erzbischof gestorben ist und wo er begraben liegt., selbst dann nicht, wenn man den Aufzeichnungen Adam von Bremens vollen Glauben schenken sollte. Man kann heute davon ausgehen, dass sowohl Ansgar, als auch Gautbert und Unni sich in Schweden aufgehalten haben und einen Anteil an Missionierung des Landes trugen, aber absolut nichts garantiert, dass nur einer der drei tatsächlich in dem Birka am Mälaren wirkte, das über Jahrhunderte hinweg als das Zentrum Schwedens betrachtet wurde und von dem lange behauptet wurde, dass von hier aus die Christianisierung Schwedens stattfand.
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söndag, februari 5

Sigtuna, die älteste noch existierende Stadt Schwedens

Auch wenn man bis heute nicht sagen kann welche Stadt wirklich die erste war, die auf schwedischem Boden gegründet wurde, so besteht kein Zweifel darüber, dass Sigtuna die älteste Stadt Schwedens ist, die noch heute besteht und nicht irgendwann verlassen werden musste.

Ausgrabungen in Sigtuna und das Durchsuchen der bis zu drei Meter dicken schwarzen Erde (svarta jorden) bewiesen, dass die Stadt etwa gegen 980 gegründet wurde, vermutlich also von Erik Segersäll, und damit Birka aus bisher noch unbekannten Gründen ersetzt hat. Eine der vielleicht glaubwürdigsten Theorien geht davon aus, dass man im Laufe der Christianisierung am Mälaren eine rein christlich orientierte Stadt anlegen wollte, die gleichzeitig dazu diente die Machtverhältnisse neu zu regelten und mit dem heidnischen Birka endgültig abschließen sollte.

Die Geschichtsschreibung des 17. Jahrhunderts wollte Sigtuna im Rahmen des Grossmachtdenkens zum historisch bedeutendsten Ort Schwedens machen und verfälschte nicht nur schriftlichen Belege, sondern schuf mit dem Kartenwerk ”Suecia antiqua et hodierna” auch Pläne und neue Dokumente, die vollkommen aus der Luft gegriffen waren, jedoch bis zur Neuzeit die Geschichtsschreibung beeinflussten, so dass auch heute noch vieles geschrieben wird, das wenig mit dem tatsächlichen Sigtuna der Wikingerzeit zu tun hat und auf Dokumente der letzten Jahrhunderte aufbaut.

Sicher ist jedenfalls, dass sich Sigtuna gegen das Ende der Wikingerzeit ein Machtzentrum am Mäleren wurde, der sich die kleineren Regenten der Umgebung sehr schnell anschlossen. Wer sich nicht durch großzügige Gaben bestechen ließ war durch neue Gesetze und die Einführung von Münzen durch Olof Eriksson Skötkonung sehr schnell gezwungen sich der Vormacht Sigtunas anzuschließen und auch den neuen Glauben anzunehmen.

Da das Prägen von Münzen um diese Zeit in Schweden unüblich war, auch wenn die Wikinger bereits Münzen kannten, so holte Olof Skötkonung englische Münzmeister nach Sigtuna und ließ ab 995 auch Münzen nach englischem Vorbild wählen. Im Jahre 1990 konnte man bei Ausgrabungen mit Hilfe eines Blei-Probedruckes selbst das erste Münzhaus der Stadt , und damit ganz Schwedens, lokalisieren.

Sigtuna war, im Gegensatz zu allen vorherigen und verschwundenen Städten Schwedens, eine von Grund auf geplante Stadt, die zu beiden Seiten der Straße Wohnhäuser hatte und im Zentrum, wo sich heute das Sigtuna Museum befindet, auch einen bedeutenden Bau, der als Kungsgården betrachtet wird, also das Regierungsgebäude des Königs. Auf diesem Grundstück wurde Ende des 11. Jahrhunderts auch die erste Steinkirche der Stadt errichtet, die allerdings noch im Mittelalter wieder abgerissen wurde, als man der Stadt den heute noch sichtbaren Charakter gab.

Sigtuna ist auch deshalb von geschichtlicher Bedeutung, weil trotz seiner tausendjährigen Existenz der ursprüngliche Bauplan der Stadt noch nachvollziehbar ist, wenn auch nicht sichtbar für Besucher, und daher viel über die Struktur der ersten Städte Schwedens aussagt.

Sigtuna, das ab Mitte des 11. Jahrhunderts, wenn auch nur für rund 100 Jahre, ein Bischofssitz war, ist die erste Ansiedlung Schwedens in der man keinerlei heidnischen Grabstädten aus dieser Epoche fand, was darauf schließen lässt, dass die Stadt vollkommen vom Christentum dominiert war. Dies wird auch dadurch gestützt, dass bereits im frühen Mittelalter nicht weniger als sechs oder sieben Steinkirchen in Sigtuna erbaut worden waren, darunter die Sankt Olofs Kirche und die Sankt Pers Kirche, die beide noch als Ruinen existieren..

Im Jahre 1237 wurde dann in Sigtuna ein Dominikanerkloster gebaut, das mit zu den ersten Klostergebäuden Schwedens gehört und nur zehn Jahre später wurde die Kirche Sankt Maria eingeweiht, die zum Kloster gehörte und eines der ältesten Gebäude aus Ziegel in Schweden ist. Wenige Jahre später bauten dann die Dominikaner auch ein Hospital.

Welche Bedeutung Sigtuna ab dem 13. Jahrhundert hatte, ist heute unbekannt, aber sicher ist, dass die Stadt noch einen bedeutenden kirchlichen Einfluss hatte, da aus einem päpstlichen Dokument aus dem Jahre 1215/1216 hervorgeht, dass der Sitz des Erzbischofs von Gamla Uppsala nach Sigtuna verlegt werden soll. Auch die heute noch vorhanden Kirchenruinen aus dem 12. und 13. Jahrhundert bestätigen diese Theorie.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde Sigtuna dann vom neu gegründeten Östra Aros (Uppsala) und Stockholm überrundet und verlor seine Bedeutung. Mit der Reformation unter Gustav Vasa wurde dann das Dominikanerkloster abgetragen, alle katholischen Güter beschlagnahmt und die Marienkirche zu einem protestantischen Versammlungsort erklärt. Die anderen Kirchen ließ man verfallen und Sigtuna wurde von vielen Bewohnern verlassen.

Im 18. Jahrhundert erlebte Sigtuna nochmals einen kurzen Aufschwung, da sich viele Handwerker und Kleinindustrie hier niederließen, denen die anderen Großstädte zu teuer waren. Aber erst die touristische Entwicklung ab den 60er Jahren ließ Sigtuna nach über 600 Jahre Ruhe wieder wirklich aufblühen, was sicher auch mit der Nähe des Flughafens Arlanda zusammenhängt und die Suche vieler Touristen nach mittelalterlicher Umgebung. 

Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte konnten belegen, dass zwar die Stadt Sigtuna im Jahre 980 gegründet wurde und einen rein christlichen Charakter hatte, was 25 Grabfelder und 35 Runensteine belegen. In der näheren Umgebung konnte man jedoch auch die Reste der Fornborgen Trollberget und einzelne Gräber aus der Bronzezeit finden, was jedoch mehr darauf hinweist, dass die gesamte Gegend um den Mälaren sehr früh besiedelt war.

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fredag, februari 3

Geschiche der schwedischen Städte: Die Vorläufer

Wenn man von den ersten Stadt Schwedens spricht, so denkt man fast grundsätzlich an Birka, obwohl dieser Handelsort am Mälaren eigentlich zu klein für eine Stadt des frühen Mittelalters war und man sehr wenig über die Zusammensetzung der dortigen Einwohner weiß, denn unter den 500 bis maximal 1000 Bewohnern konnte sich viele Sklaven befinden, die nur Handelsware waren, oder aber Träl und Ambátt machten einen großen Teil der Bevölkerung aus, weil man Arbeitskräfte brauchte. Und dennoch hält sich bis heute der Ruf, dass dies die älteste Stadt Schwedens war.

Die Ursache dafür ist jedoch, dass eine Stadt diesen Namens in der Vita Anskarii erwähnt ist, weil man daher genau in dieser Gegend am frühesten mit Ausgrabungen begann und weil eine unkritische Geschichtsschreibung die wichtigste Stadt Schwedens möglichst Nahe Stockholms und Uppsalas nachweisen wollte, im Reich der Svear. Nichts unterstützt jedoch diese Theorie und Ausgrabungen ab den 90er Jahren verleiten eher zur Annahme, dass Birka weder die erste Stadt Schwedens war, noch die bedeutendste und mit aller Sicherheit nicht die größte jener Epoche. Es ist jedoch die einzige Stadt, über die ein Missionar, nämlich Sankt Ansgar, berichtet hat.

Ohne jetzt auf die Diskussion zur Größe einer Stadt, ihrer Struktur und der entsprechenden wirtschaftlichen Bedeutung zu gehen, da man hier entscheiden muss, ob das kurzlebige Birka bereits eine Stadt war, oder aber erst Sigtuna, das Birka bereits nach knapp zwei Jahrhunderten Existenz ersetze, stellt sich die allgemeine Frage welches nun die erste Stadt Schwedens war.

Wenn man nur nach der Ausdehnung, der Anzahl von Gebäuden und Bewohnern und auch nach der Menge an Fundstücken geht, so hat Uppåkra in Skåne, das ab den 90er Jahren ausgegraben wurde, mit Sicherheit ältere Rechte als Birka. Im Verhältnis zu Uppåkra war Birka, das auch erst einige hundert Jahre nach Uppåkra entstand, höchstens ein Kleinstädtchen. Aber die hergebrachte Sicherheit, dass nur Birka wichtig sein konnte, nimmt noch heute Uppåkra jede Ehre.

Wie alt und wie umfangreich die westschwedische Stadt Lödöse war, die einen direkten Zugang zum Meer  nach Dänemark, England und Deutschland hatte, ist völlig unbekannt, da man bei Ausgrabungen nur ausreichend Geld dafür hatte um auf das Jahr 900 zurückzukommen. Die älteren Schichten wurden nie untersucht. Um die Geschichte davor zu erfahren, fehlt bis heute das Geld und es sind zahlreiche Bauten „im Weg“, die auf der alten Stadt errichtet wurden.

Oder der Ort Helgö, an dem man eine Buddha-Statuette aus Indien und ein Bronzewerk aus Ägypten fand, beide rund 300 Jahre älter als Birka. Zwei Fornborgar sind in der Nähe und selbst die anderen Fundstücke weisen darauf hin, dass Helgö zur Wikingerzeit hoch entwickelt war und internationalen Handel betrieb.

Aber auch Fjälkinge, eine Stadt, die erstmals im Jahre 1135 in einem offiziellen Dokument erwähnt wird, ist weitaus älter als Birka. Während man weiß, dass die Gegend bereits vor 11.000 Jahren bewohnt war und dort Rene gejagt wurden, so weiß man kaum etwas über die Ausdehnung und Bedeutung Fjälkinges zur Zeit der Wikinger.

Nicht zu vergessen auch Visby auf Gotland, das Ende des neunten Jahrhunderts nach dem Bjärköarätten bedeutende Handelsrechte verliehen bekam, aber bereits vorher eine wichtige Handelsstadt am Wasser war. Da es jedoch unmöglich ist Visby abzureißen um nach dem Ursprung und der Größe der Wikingerstadt zu suchen, wird man nie wissen welche Bedeutung Visby tatsächlich hatte als Ansgar Birka besuchte und damit über die Geschichtsschreibung eines Jahrtausends entschied.

Aber auch Gamla Uppsala war bereits ein bedeutender Ort als Birka entstand, auch wenn die landwirtschaftlichen Arbeiten dort tiefere Analysen unmöglich machten. Und welche Rolle spielten die Kungshögarna (Königshügel), die bereits vorhanden waren als Birka erst gegründet wurde. Sind diese drei Hügel isoliert zu sehen oder gehörten sie zu einer bedeutenden Stadt, die sich in der Nähe von Gamla Uppsala befand?

Nach den heutigen Kenntnissen ist es sicher, dass es neben Birka bereits zahlreiche andere Städte in Schweden gab, die weitaus bedeutender waren als das Städtchen auf der Mälareninsel, aber sie alle hatten den Nachteil, dass niemand über sie berichtete und eine große Anzahl unter ihnen bis heute nicht gefunden wurde, da Landhebungen die Geografie veränderten, Landwirtschaft Fundstücke zerstörte und auf alten Städten neue aufgebaut wurden. Birka verdankt dieser Tatsache seinen außerordentlichen Ruf, obwohl man nicht einmal weiß, ob es sich wirklich um das Birka aus dem Vita Anskarii handelt.
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tisdag, januari 31

Hergeirs und Gautberts Kirche in Birka

Nach der Vita Anskarii und allen daraus folgenden Theorien wurde im Jahre 830 von Hergeirs die erste Kirche Schwedens in Birka erbaut. Da man sich bei dieser Aussage ausschließlich auf das Werk Rimberts berufen kann, die von keinerlei archäologischen Funden gestützt werden kann, ist diese Kirche, um die zahlreiche Legenden kreisen, geschichtlich sehr umstritten und würde, ohne die unkritische Geschichtsschreibung der vergangenen Jahrhunderte, heute wohl kaum erwähnt werden Auch aus touristischen Gründen versucht man natürlich die legendäre Geschichte weiterhin aufrecht zu halten.

Nach Sankt Ansgar war Hergeir, ein reicher Gutsbesitzer in Birka, der Berater des Königs Björn und die erste Person, die sich in Birka dem neuen Glauben zuwandt und diesem bis zu seinem Tode treu blieb, obwohl nahezu alle anderen Bewohner Birkas nach der Abreise Ansgars jeweils wieder zum vorchristlichen Glauben der nordischen Mythologie zurückkehrten.

Hergeir, bisweilen auch Heringar genannt, errichtete auf seinem Privatgrund eine Kirche, die heute als die Hergeirs Kyrka (Hergeirs Kirche) bekannt ist und vor allem dem von Ansgar geschickten Bischof Gautbert dienen sollte. Bei einem Aufstand der heidnischen Bevölkerung im Jahre 845 wurde der Priester der Kirche, Nithard, getötet und der Bischof Gautbert des Landes verbannt.

Während der vermutlich 21 Jahre, in denen die Kirche bestand, berichtet Rimbert von mehreren Wundern, die sich auf Birka, immer in Zusammenhang mit Hergeir und der Hergeirs Kyrka, zugetragen haben. Es handelt sich dabei um Wunder, die in der katholischen Kirche überall verbreitet wurden, bis auf eines, das ausschließlich auf Birka zugeschnitten ist.

Als ein früherer König Birkas, Anund Uppsale, der in Dänemark im Exil lebte, mit 21 Schiffen Birka angriff, war die befestigte Stadt am Fallen. Als jedoch Hergeir, als einziger Bewohner der Insel, Jesus anflehte ihnen zu helfen, zogen die Dänen ab, gaben die vorher bezahlte Lösesumme zurück und plünderten eine Stadt auf der anderen Seite der Ostsee. Gleichzeitig versöhnte sich Anund mit seinem früheren Volk und wurde vom Feind zum Verbündeten. Hergeir starb dann erst im Jahre 851, als Ardgar, ein neuer Priester, in Birka eingetroffen war und ihm die Beichte abgenommen hatte.

Heute findet man am Mälaren ein Naturreservat mit dem Namen Härjarö, dessen Bezeichnung erstmals im Jahre 1378 auftauchte. Für den Namen findet man zwei Erklärungen. Oft wird er mit Hergeir in Verbindung gebracht, obwohl es wahrscheinlicher ist, dass sich Härjarö aus den altschwedischen Worten hær (steiniger Boden) und arin (Kiesinsel, Kiesboden) herleitet, was allerdings weitaus weniger interessant klingt.

Von der Hergeir Kirche konnte man bei Ausgrabungen keinerlei Spuren finden, was jedoch nicht bedeuten muss, dass es diese Kirche auf Birka nicht gab, denn zahlreiche Kirchen jener Epoche waren nur einfache Holzbauten ohne jedes Fundament. Hinzu kommt, dass Birka sehr früh wieder verlassen wurde und die Christianisierung durch Ansgar hier erfolglos war. Es ist daher auch möglich, dass die Kirche noch während die Stadt bestand, abgebrannt wurde um das unwillkommene Symbol zu vernichten.

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måndag, januari 30

Vita Anskarii, das Leben des Missionars Ansgar

Das Buch Vita Anskarii, das auch oft Vita Ansgarii geschrieben wird, wurde in den Jahren zwischen 865 bis 876 von Rimbert geschrieben, der Erzbischof in Hamburg-Bremen war und Ansgar in seinem Amt folgte. Das Werk wurde daher erst nach dem Tode Ansgars im Jahre 865 geschrieben.

Inwieweit das Vita Anskarii auf Dokumente Ansgars aufbaut, ist ungewiss, denn Ansgar kann seinem Nachfolger auch mündlich über die Zeit berichtet haben, was erklären würde, warum man, zum Beispiel, von der von Rimbert genannten Hergeirs Kirche (Hergeirs Kyrka) bisher keinerlei Anzeichen fand. Falls das Bauwerk existierte, so kann es sich auch auf einer anderen Mälarinsel und selbst irgendwo auf dem Festland gewesen sein, oder aber nur aus Holz gebaut worden sein.

Rimbert bezieht sich bei der Vita Anskarii, der Biografie Ansgars, nicht nur auf Ansgar selbst, sondern scheint auch seinen Begleiter Witmar und andere Personen, die sich mit Ansgar auf Birka aufhielten, befragt zu haben um ein möglichst exaktes Bild der Zeit abzugeben. Da er jedoch selbst nie in Schweden war, können Teile des Werkes auch zur Beschönigung der tatsächlichen Situation von Ansgar und seinen Begleitern erfunden worden sein oder sich in einem anderen Teil Schwedens zugetragen haben.

Da die Vita Anskarri das älteste Dokument über Schweden ist, war es schon immer eine Herausforderung der schwedischen Geschichtswissenschaftler die Wahrheit des Werkes zu beweisen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Vita Anskarii daher mehrmals neu übersetzt und mit wissenschaftlichen Anmerkungen versehen, ohne dass man jedoch dem Ursprung der schwedischen, geschriebenen Geschichte wirklich näher kam.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Vita Anskarii als geschichtliche Dokumentation betrachtet, zumal eine Kritik an kirchlichen Dokumenten als undenkbar galt. Forschungen und Ausgrabungen der letzten 50 Jahre lassen jedoch erhebliche Zweifel an den Beschreibungen Rimberts aufkommen, auch wenn ein Teil der Vita Anskarii  tatsächliche Begebenheiten umfasst, insbesondere was die dänische Geschichte betrifft.

Nach der Vita Anskarii wurden Ansgar, Witmar und Gislemar vom deutschen Kaiser damit beauftragt zu untersuchen inwieweit die nordischen Völker bereit für den christlichen Glauben waren. Sie fuhren daher mit Handelsschiffen Richtung Norden, wobei das Schiff an unbekannter Stelle von Piraten überfallen wurde und die Missionare ihren Weg zu Fuß und ohne die Gastgeschenke fortsetzen mussten. Die Reise wird dann unter Gottes Gunsten fortgesetzt, der der kleinen Gruppe auch den Weg wies.

Die Geschichte setzt dann wie eine Sage fort, denn Ansgar überwindet Seen und Flüsse, kommt zu einer Hafenstadt Birka und wird dort von König Björn empfangen, der von seinen Boten bereits von der Ankunft Ansgards informiert ist und den Zweck der Reise kennt. Die Vita Anskarii berichtet dann davon, dass einige der Bewohner Birkas sehr schnell die neue Lehre annahmen, auch wenn nirgends zu finden ist wie sich Ansgar mit dem einfachen Volk verständigte. Die Erklärung kann daher auch aus den weiteren Ausführungen des Buches kommen, denn Rimbert schreibt weiter, dass sich bereits gefangene Christen in Birka befanden, also Träl, Ambátt oder Sklaven, die sich darüber freuten wieder der alten Lehre folgen zu können.

Da nach der Vita Anskarii auch einer der mächtigsten, jedoch ungenannten Männer Hergeirs, dessen Lokalität nicht beschrieben ist, dem christlichen Glauben zuwendet und auf seinem privaten Besitztum die Hergeirs Kirche baut, gerät man bei der Beschreibung auf Widersprüche, da Birka nie dauerhaft christianisiert wurde und man bei den sehr umfangreichen Ausgrabungen bei Birka keinerlei Spuren der Kirche findet. Es wurden ohnehin relativ wenige christliche Fundstücke bei Birka entdeckt. Nach der Vita Anskarii kehrte Ansgar dann zurück zum deutschen Kaiser und berichtete ihm die erfolgreiche Missionierung und erklärte ihm, dass die Danes der neuen Religion offen sind. Wenn Rimbert hier von den Danes schreibt, so lässt dies allerdings ebenfalls keine Rückschlüsse zu, da alle nordischen Länder zu jener Zeit als „das Land der Dänen“ gesehen und beschrieben wurden.

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fredag, januari 27

Björn, der Sagenkönig von Birka

Ob es je einen König Björn gab, konnte bis heute niemand nachweisen, denn dieser „Sagenkönig“ wird nur in drei Quellen genannt, die alle drei nicht als gesichert gelten. Erstmals wird Björn in der Vita Anskarii in Zusammenhang mit dem Besuch Ansgars in Birka genannt und dann taucht er erneut unter dem Namen „Björn vid Högen“ in der isländischen Hervarar Saga auf, nach der er, zusammen mit seinem Bruder Anund Uppsale in Svitjod regierte.

Svitjod war nach der Hervarar Saga nicht eindeutig bestimmt, aber wird von vielen Forschern nach Svealand, meist in das Mälardalen verlegt, also die Gegend, in der sich auch Birka befand. In beiden Schriften kann man Björn weniger als König sehen, sondern mehr als Herrscher über ein relativ kleines Gebiet, in dem er ständig von Feinden bedroht wird. Wo deshalb in diesen Fragen die nordische Mythologie endet und die tatsächliche Geschichte beginnt, ist sehr schwer zu sagen, denn die Vita Anskarii wurde Ende des 9. Jahrhunderts von Rimbert verfasst und die Hervarar Saga sogar erst im 13. Jahrhundert.

Nach beiden Schriften ist Björn der Sohn eines Königs Erik, wobei die Hervarar Saga ihn als Erik Björnsson verzeichnet. Auf Grund dieser beiden Schriften kam dann Olof Rudbeck, ein Historiker und Professor der Universität in Uppsala im 17. Jahrhundert zur Schlussfolgerung, dass König Björn im Hagahögen begraben sein musste. Erst bei Ausgrabungen im Jahre 1902 stellte man dann fest, dass der Tote im Hagahögen unmöglich Björn sein konnte, da es sich um eine Grabesstätte aus der Bronzezeit handelte. 

Auch in der Snorre-Edda findet man einen Hinweis auf Björn, denn hier soll Brage Boddason, der erste namentlich genannte Skalde Schwedens, der Hofdichter von Björn gewesen sein, der zu Ehren von Ragnar Lodbrok, einem Vorvater Björns, das Werk Ragnarsdrápa verfasst hat. Da jedoch sowohl die Snorre-Edda als auch die Herverar Sag im katholischen Island verfasst wurden, ist es nicht ausgeschlossen, dass beide Werke von Vita Anskarii beeinflusst wurden, da diese Aufzeichnungen rund 1000 Jahre lang als geschichtlich belegte Tatsachen betrachtet wurden an denen niemand zu zweifeln wagte.

Die Herverar Saga ist in ihrer Gesamtheit auf Internet zu finden.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, januari 26

Birka, die Wikingerstadt am Mälaren

Birka, vermutlich einer der bedeutendsten Handelsorte der Wikinger, wurde Ende des 8. Jahrhunderts gegründet und verlor bereits um die Jahrtausendwende seine Bedeutung, war also sehr kurzlebig, wie mehrere andere Städte dieser Epoche. Birka hatte, trotz seiner Bedeutung, selbst zu seiner Blütezeit maximal 1000 Einwohner, meist jedoch nur knapp über 500 Bewohner.

Noch heute bezeichnet man Birka oft als die „erste Stadt Schwedens“, was allerdings mehr als fraglich ist, da um die gleiche Zeit mehrere andere bedeutende Ansiedlungen in Schweden entstanden und so manche „Stadt“ jener Zeit sogar älter ist als Birka. Ob der Ort auf der Insel Björkö im Mälaren tatsächlich das legendäre Birka ist, kann mangels schriftlicher Dokumente nicht hundertprozentig garantiert werden und die archäologischen Funde garantieren ebenfalls nicht, dass Sankt Ansgar diesen Ort je betreten hat. Da die Wahrscheinlichkeit jedoch hoch ist, dass es sich um Birka handelt und, andererseits, jede Handelsstadt der Wikingerepoche mit Sicherheit ähnlich aussah, bezeichnet man diese Ansiedlung allgemein als Birka, das in der Vita Anskarii bechrieben wurde, dem einzigen Dokument, das tatsächlich auf diesen Ort mit dieser Bezeichnung hinweisen könnte.

Welcher Herrscher Birka gegen das Jahr 790 anlegte und wie mächtig dieser „König“ tatsächlich war, ist ebenfalls nicht bekannt, auch wenn man, auf Grund der Ausgrabungen, weiß, dass der Ort sehr gut befestigt war, also mit Angreifern rechnete. Auch über die Handelsware liegen relativ sichere Erkenntnisse vor und lassen darauf schließen, dass die Wikinger jener Tage Handel mit Südeuropa, Westeuropa, Osteuropa und selbst mit arabischen Ländern betrieben. Eisen, Pelze, Bernstein und andere lokale Produkte wurden gegen Silbermünzen, Seide, Gewürze und auch Glas getauscht. Da man im Norden um diese Zeit zwar Glas kannte und benutzte, aber nicht selbst herstellte, gilt als nahezu sicher, dass die Wikinger vor allem Waren austauschten, aber wenig an wissenschaftlichen Erkenntnissen importierten, unabhängig davon, ob sie sich nicht dafür interessierten, oder ob Ihnen der Zugang von den Handelspartnern verwehrt wurde um den Handel aufrecht halten zu können.

Auf Birka wurden rund 3000 Gräber gefunden, wobei sich sehr unterschiedliche Grabtypen auf kleinstem Raum befinden. Während in manchen Gräbern nur Asche gefunden wurde, konnte man in anderen Gräbern noch Skelette oder Teile von Skeletten finden. Gerade die Anlage und die Funde in den Gräbern weisen darauf hin, dass in Birka eine klare Hierarchie herrschte und nicht nur Klassenunterschiede eine Rolle spielten, sondern auch Männer und Frauen unterschiedliche Aufgaben hatten und unterschiedlich behandelt wurden. Selbst die Präsenz von Sklaven ist, auf Grund der ursprünglichen Bauten, sehr wahrscheinlich.

Warum Birka bereits vor der Jahrtausendwende aufgegeben wurde, kann nicht geklärt werden. Die Haupttheorien sind, dass die Landhebungen oder Landerhöhungen den Wikingern und auch Handelsschiffen anderer Länder den Zugang nach Birka von der Ostsee aus unmöglich machten und daher eine Stadt am Meer gesucht werden musste. Eine andere Theorie ist, dass Sigtuna an Einfluss gewann und dadurch Birka ersetzte. Eine dritte Möglichkeit ist, dass Birka einem der Feinde unterlag und zwangsweise verlassen werden musste.

Birka wurde bereits gegen das Jahr 1870 von Hjalmar Stolpe entdeckt, der dort auf der Suche nach in Bernstein eingeschlossenen Insekten war. Er fand dann die „schwarze Erde“, Reste von Bauwerken, Gräber und 450 arabische Silbermünzen. Selbst die heutigen Kenntnisse über Birka basieren noch auf den Funden und Beschreibungen von Hjalmar Stolpe, der jedoch leider kein Archäologe war, sondern als Entomologe unter Umständen auch manche Fehldeutung machte und selbst manche archäologischen Hinweise vernichtete.

Erst ab 1969 wurden dann tatsächlich archäologische Ausgrabungen in Birka vorgenommen, die, mit einigen Unterbrechungen, bis 2007 fortgesetzt wurden, was bedeutet, dass die Fundstücke bis heute nicht vollständig ausgewertet werden konnten, und selbst die neuesten Erkenntnisse können nicht klären, ob Birka im Mälaren das Birka Ansgars war oder nicht. Der Name Birka war während der Wikinger für mehrere Orte angewandt, was bedeutet, dass das legendäre Birka auch auf Åland liegen kann, in Bjärka, auf Öland (Köpingsvik), bei Linköping (Vreta Kloster) oder einer noch völlig unbekannten Stelle. Der Name Birka kommt aus dem altschwedischen Wort „birk“ und bedeutet soviel wie Burg oder Handelsplatz, was bei der Suche noch einem geschichtlichen Ort jener Epoche keinerlei Hilfe bietet.

Copyright: Herbert Kårlin