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lördag, november 10

Henrik, der Bischof von Lund

Henrik war nach den Aufzeichnungen von Adam von Bremen von 1060 bis zu seinem Tod im Jahre 1066 Bischof in Lund, der damaligen Hauptstadt Skånes und wurde vom dänischen König Sven Estridsson dort eingesetzt, einem König, der den christlichen Glauben in Dänemark durchsetzte und dies auch in Skåne und Blekinge erreichen wollte.

Über den Bischof Henrik ist relativ wenig bekannt, da er nur in den Schriften von Adam von Bremen etwas tiefer behandelt wurde und auch diese Erkenntnisse dem Theologen aus Bremen nur bei Gesprächen mit Sven Estridsson mitgeteilt wurden und der Idee Bremens von der Christianisierung des Nordens angepasst wurden.

Die Lebensgeschichte von Bischof Henrik ist kaum bekannt. Bevor er jedoch von Sven Estridsson mit der Christianisierung Skånes beauftragt wurde, war er vermutlich Bischof auf den Orkney Inseln vor Schottland und kam dann über Island, wo gegen das Jahr 1050 ein Bischof Henrik wirkte, nach Dänemark. Nach geschichtlich unbestätigten Aussagen soll Henrik auch eine Zeitlang Schatzmeister Knut des Großen gewesen sein und die Gelder dieses Königs nach Dänemark geschafft haben.

Auf welche Weise Henrik Bischof wurde und von wem er ursprünglich eingesetzt wurde, konnte bisher nicht geklärt werden. Die Geschichte wird erst ab 1060 deutlicher, als Sven Estridsson zwei Bistümer in Südschweden einrichtete und Henrik das bedeutendere davon bekam und der aus Bremen kommende Bischof Egino sich deshalb mit dem Bistum in Dalby zufrieden geben musste.

Etwas zweifelhaft wird dann die Erzählung Adam von Bremens, wenn er berichtet, dass Henrik ein verabscheuenswerter Mensch und ein schlechter Katholik war, der das Geld der Kirche vertrank und mehrmals so viel Alkohol zu sich nahm, dass er letztendlich sogar an seinem Erbrochenen erstickte.

In diesem Zusammenhang muss man bedenken, dass auch die Christianisierung nicht immer friedlich verlief, denn die englischen und die deutschen Missionare waren, trotz des gemeinsamen Zieles, Feinde. Jede Gruppe versuchte als erster ein Gebiet zu missionieren, da dies Macht, Einfluss und wirtschaftliche Dominanz bedeutete. Egino, der nur ein kleines und damit nahezu unbedeutendes Bistum erhalten hatte, sollte nach der Meinung des Bistums in Bremen in Lund sitzen, was nur möglich wurde durch den Tod Henriks im Jahre 1066. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Henrik von seinen Gegnern beseitigt wurde ohne dass dies der dänische König Sven Estridsson je erfahren hätte. Für Estridsson wiederum war es völlig unwichtig wer den katholischen Glauben in seinem Reich vertrat und verbreitete, da er und seine Vorgänger wechselweise englische und deutsche Missionare getroffen hatten, die alle für den Monarchen als die Vertreter des neuen Glaubens auftraten und ihm einen stärkeren Einfluss bei seinem Volk versprachen.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, oktober 23

Gunhild, die schwedische Königin ohne Profil

Gunhild wurde gegen das Jahr 1010 geboren und starb vermutlich gegen 1060. Durch ihre Ehe mit Anund Jakob war sie zwischen 1022 und 1050 die Königin Schwedens. Sowohl das Geburts- als auch das Todesjahr sind jedoch nur als annähernd zu betrachten, da es hierüber keinerlei Aufzeichnungen gibt. Sicher ist lediglich, dass sie ihren Ehemann Anund Jakob um mehrere Jahre überlebte.

Alles, was man über Gunhild weiß, ist sehr wage und die schriftlichen Aufzeichnungen von Saxo Grammaticus und Adam von Bremen widersprechen sich zudem in mehreren grundlegenden Punkten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde Gunhild oft mit ihrer Tochter Gyda verwechselt, so dass man ihre Person als Mischung von beiden sehen muss. Eine sichere Aussage hat man nur dann, wenn Gunhild tatsächlich als Gunhild Svensdotter und ihre Tochter Gyda als Gunhild Anundsdotter bezeichnet werden, was leider nur selten der Fall war.

Vermutlich war Gunhild die Tochter des norwegischen Jarl Sven Håkonsson und der schwedischen Prinzessin Holmfrid, der Tochter des Königs Olof Skötkonung. In diesem Fall war sie daher die Kusine von Anund Jakob, ihres Mannes.

Alles, was man über das Leben von Gunhild weiß, ist voll mit Widersprüchen, denn einige Geschichtswissenschaftler behaupten, dass Gyda nicht die gemeinsame Tochter, sondern ein uneheliches Kind des Königs gewesen sei. Noch verwirrender wird die Situation nach dem Tod ihres Mannes, denn nach einigen Geschichtsforschern heiratete Gunhild nahezu unmittelbar nach dem Tod des Königs ihren Schwiegersohn, den dänischen König Sven Estridsson, der vorher jedoch wiederum mit der Tochter Gunhilds, also mit Gyda, verheiratet gewesen sein soll. Deshalb soll die Kirche die neue Ehe verboten haben. Aber all dies sind Mutmaßungen ohne Beweise, so dass diese Angaben mit sehr großer Vorsicht zu genießen sind.

Im gleichen Rahmen war Gunhild nämlich auch als die Gründerin des Klosters Gudhem genannt worden, was vollkommen unmöglich ist, da dieses Kloster erst lange nach dem Tod Gunhilds erbaut wurde.

Diese und andere Mythen entstanden vor allem auf Grund der Schriften von Adam von Bremen, der Gunhild nahezu zu einer Heiligen machte und ihr daher alle positiven christlichen Eigenschaften gab, die nur denkbar waren. Sicher deutet vieles darauf hin, dass Gunhild sehr gläubig war, aber ihre lebenslange Busse um die Vergebung ihrer Sünden zu erlangen, die zahlreichen Geschenke an die Kirche und andere Berichte des Geschichtsschreibers sind vermutlich reine Phantasie des Autors.


Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, juli 17

Blot, die Opferfeste der vorchristlichen Zeit Schwedens

Die geschichtlichen Kenntnisse über die Blot (Opfer, Opferfest) Schwedens sind äußerst gering und beruhen auf kurzen Hinweisen in Dokumenten, archäologische Funde und Felszeichnungen oder andere Darstellungen. Die einzige längere Ausführung findet man in den Aufzeichnungen Adam von Bremens, die jedoch wenig glaubhaft sind, da die dort beschriebene Opferweise in keiner Weise durch Funde bestätigt werden kann und Adam von Bremen Angaben macht, die er nie in dieser ausführlichen Weise erlangen konnte.

Auch wenn man darüber keine Kenntnisse besitzt, so ist es wahrscheinlich, dass die Menschen bereits seit Beginn der Geschichte ihren Göttern Opfer brachten. Damit diese Opfer auch das Wohlwollen der Götter hervorrufen konnten, mussten diese Opfer in gewisser Weise wertvoll sein, ein Begriff, der sich vermutlich mehrmals im Laufe der Zeit änderte. Ein Blot konnte daher aus Schmuck, aus Keramik, aber auch aus Tieren oder Menschen bestehen, wobei man hierbei jedoch bedenken muss, dass ein geopferter Mensch nicht starb, sondern über diese Weise zu den Göttern kam und diesen dienen konnte. Man kann nicht von der heutigen Denkweise auf jene der vorchristlichen Zeit schließen, denn auch Sklaven oder Leibeigene (Träl, Ambátt) wurden bis zu den Wikingern nicht als Menschen betrachtet, sondern im bestem Fall als Handelsgut.

Als nächstes muss man bedenken, dass es sehr verschiedene Blot gab, die zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Angelegenheiten statt fanden. Die üblichsten Opfer waren das Disblot, das Segerblot, das Vårblot, das Midsommarblot, das Skördeblot, das Höstblot, das Alvablot und das Julblot. Ein Opfer konnte daher unterschiedliche Ziele haben und ebenso mit Forderungen als auch mit einer Danksagung oder einem Angstgefühl verbunden sein.

Während man nach Adam von Bremen und Snorre Sturlassson das letzte Blot, ein bedeutendes Opferfest, zwischen dem 31. Januar und dem 9. Februar 1084 im goldenen Tempel von Uppsala abgehalten wurde, wobei der Tempel nach dem Opferfest von Inge den äldre unmittelbar abgebrannt worden sei, so beweisen die Landskapslagarna, dass Opferfeste noch bis ins 13. Jahrhundert vorkamen, da in mehreren dieser Gesetzestexte, unter anderem dem Gutalagen, deutlich zu lesen ist, dass diese Opfer verboten sind und unter Strafe gesellt werden. Dies wäre nicht nötig gewesen, wenn diese Riten nicht weiterhin verbreitet gewesen wären.

Wie ein Blot gefeiert wurde, ist weitgehend unbekannt, denn auch wenn man weiß, dass die wichtigsten Opferfeste mit dem Allting verbunden waren, sich also alle bedeutenden Personen einer Region an einem zentralen Ort trafen, so ist über die Art der Feier kaum etwas bekannt. Da jedoch die Größe des Opfers bei einem bedeutenden Sieg oder bei großen Wünschen von größter Bedeutung war, konnte ein solches Fest nur von den reichsten Personen des Landes ausgerichtet werden, da einfache Handwerker oder Bauern nicht über Stiere oder Pferde verfügten, die als extrem wertvolle Opfergaben galten. Noch weniger hätten diese darüber entscheiden dürfen welche Menschen unter Umständen geopfert wurden.

Wenn einzelne kleinere Gruppen ein Blot veranstalteten, so konnten meist nur Lebensmittel oder auch Haustiere wie Hühner geopfert werden und, in besonderen Fällen, ein Hund oder eine Ziege.

Dass man über die Opfergaben wenig weiß, liegt auch daran, dass die Opfergaben oft mit einem großen Feuer verbunden waren und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Eventuell sollten die Götter dadurch auf den Ort der Opferstelle aufmerksam gemacht werden, oder aber die Gaben sollten über das Feuer zu den Göttern gebracht werden. Vieles dabei bleibt uns wohl für immer verborgen und lässt daher ständig neue Theorien entstehen.

Wenn man in der nordischen Mythologie sucht, so entdeckt man, dass dort Ymer als erstes Wesen geopfert wurde, damit die Erde entstehen konnte, eine Situation, die während der Christianisierung Schwedens eine wichtige Rolle spielte, da sich im katholischen Glauben der Gottessohn selbst opfert und derjenige ohne Sünden, oder mit vergebenen Sünden, das Fleisch und das Blut des Gottes zu sich nimmt, ein Bild, das man im Mittelalter relativ einfach vermitteln konnte.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, juli 5

Der schwedische König Stenkil

Der schwedische König Stenkil wird nur in der isländischen Hervararsagan, von Adam von Bremen, in der Västgötalagens kungalängt und von Snorre Sturlasson in der Heimskringla erwähnt, wobei die Aussagen sich teilweise ergänzen, sich in anderen Punkten aber auch widersprechen.

Stenkil, der erste König des Stenkils ätten, ist vermutlich gegen das Jahr 1030 geboren und war zwischen 1060 und 1066 sowohl König des Västergötlands als auch Svitjods (Sveareich), wobei er aller Wahrscheinlichkeit nach im Västergötland geboren wurde und seine Spuren nach Levene in der Nähe der Gemeinde Vara führen.

Stenkil gilt als sehr frommer Katholik, der jedoch wusste zwischen neuer Lehre und den nordischen Göttern zu jonglieren und daher für eine langsame Entwicklung der Christianisierung Schwedens war. Unter Stenkil wurde aller Wahrscheinlichkeit nach Sigtuna zum Bischofssitz und damit dem kulturellen und christlichen Zentrums des Sveareiches.

Auch wenn die Herkunft Stenkils, wissenschaftlich gesehen, völlig unbekannt ist, sieht Adam von Bremen ein verwandtschaftliches Verhältnis zum König Emund den gamle (Edmund der Alte). Aber selbst Adam von Bremen ist sich der tatsächlichen Verhältnisse nicht sicher, bezeichnet Stenkil jedoch am häufigsten als den Neffen Emunds.

Unter Stenkils Herrschaft sollen, ebenfalls nach Adam von Bremen, die Bischöfe Adalvard aus Sigtuna und Egino aus Dalby versucht haben das Uppland zwangsweise zu christianisieren und dabei auch den legendären heidnischen Tempel in Uppsala zu zerstören. Da Stenkil wusste, dass er dabei seine Macht als König verlieren würde, hinderte er die beiden Bischöfe an ihrer Tat und ließ daher die alten Götter der nordischen Mythologie weiterhin neben dem katholischen Gott über die menschlichen Schicksale entscheiden.

Nach Snorre Sturlasson soll Stenkil den norwegischen Jarl Håkon Ivarsson in seinem Kampf gegen den norwegischen König Harald Hårdråde unterstützt haben, was logisch klingt, da das Västergötland und Norwegen in dieser Epoche in zahlreiche Machtkämpfe verstrickt war und der norwegische Harald Hårdråde als kämpferischer Eroberer in die Geschichte einging.

Nach dem Tod des schwedischen Königs Stenkil im Jahre 1066 begann ein Machtkampf zwischen zwei etwas angezweifelten Thronfolgern, die beide Erik hießen und sich bereits 1077 bei einem Streit gegenseitig töteten. Nach dem Tod der beiden kam Stenkils ältester Sohn Halsen an die Spitze des Landes.

Nach unsicheren Quellen war Stenkil mit einer Tochter seines Vorgängers, Emund den gamle, verheiratet mit der er zwei Söhne bekam, die beide über Schweden regieren sollten. Sein Sohn Halsten bestieg bereits 1067 den schwedischen Thron und Inge den äldre kam 1080 an die Macht. Zwischen den beiden regierten allerdings noch die Könige Anund und Håkan Röde.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, juni 30

Håkan Röde, König des Geschlechtes Stenkil

Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass Håkan Röde zwischen 1070 und 1079 der König von Västergötland und vermutlich einiger anderen kleinerer Reiche Svitjods war, so stellen sich zu seiner Regentschaft und selbst seiner Verbindung zum Stenkilsätten (Geschlecht Stenkil) zahlreiche Fragen, denn alle vorhandenen Quellen gelten als unsicher und widersprechen sich zudem in mehreren Punkten.

Nach einem Anhang der Västgötalagen wurde Håkan Röde in Levene im Västergötland geboren und wurde dort auch begraben, aber weder die Västgötalagen noch die Hervararsagan erklären mit welchem König Schwedens Håkan Röde eine familiäre Beziehung hatte, was für beide Quellen ungewöhnlich ist. Manche Geschichtswissenschaftler nehmen daher an, dass Håkan der uneheliche Sohn des Königs Stenkil war, andere dagegen nehmen an, dass Håkan Röde zum König gewählt wurde, weil die Könige Halsten oder Inge den äldre das heidnische Opferfest verweigerten.

Als nächste Quelle gilt Adam von Bremen, der Håkan Röde allerdings nach Anund Gårdske einstuft und ihn mit der Mutter von Olav Kyrre, Tora Torbergsdotter, verheiratet, die vorher mit dem norwegischen König Harald Hårdråde die Ehe eingegangen war. Mehr Information liefert Adam von Bremen nicht und keine andere Quelle bestätigt auch nur annähernd seine Version.

Als weiteren Hinweis auf Håkan Röde zählt man den Hovgårdsstenen, einen Runenstein, der oft als Håkanstein bezeichnet wird, aber auf dem ein Teil des Textes nicht zu entziffern ist. Dieser Runenstein ist der einzige Hinweis darauf, dass sich Håkan Röde auch am Mälaren aufgehalten hat und dort als König betrachtet wurde. Auf diesem Stein wurde in der schwedischen Geschichte erstmals das Wort „konung“ (König) verwendet, wobei der Stein allerdings nur mit „Håkan“ gezeichnet ist, theoretisch also auch einer der unbedeutenderen Könige des Svealands gemeint sein kann.

Ebenso umstritten ist ein Brief, den Papst Gregorius VII. an die Könige „I“ und „A“ gerichtet hat, denn während man noch relativ sicher ist, dass das „I“ für Inge den äldre steht, so bleibt das „A“ ein Rätsel. Dass man hierbei auf Håkan Röde kommt, liegt einzig allein daran, dass „Håkan“ im Lateinischen „Aquinus“ heißt, also mit dem Buchstaben A beginnt. Als zweiter Hinweis auf die beiden Könige nimmt man die Forderung des Papstes, dass die „reges wisigothorum“, also die Könige des Västergötland (Reich der Westgoten), die Bauern zur Abgabe des Zehnten an die Kirche verpflichten sollten.

Auch wenn man daher sehr wenig über Håkan Röde weiß, so ist sicher, dass er in einer Zeit des religiösen Umbruches regierte, der sämtliche Könige zwischen die Wünsche des Papstes und den nordischen Glauben stellte, da für die einfache Bevölkerung sehr schwer zu versehen war, dass sie auf ihre Götter verzichten sollten und einen Teil ihrer Ernte den Vertretern eines neuen Gottes schenken sollten, eine Forderung, die ihre früheren Götter, an deren Existenz sie nach wie vor glaubten, nie stellten, da diese sich mit weitaus einfacheren Opfern zufrieden gaben.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, mars 2

Emund den gamle, der letzte König des Geschlechts Segersäll

Emund den gamle (Edmund der Alte) war der letzte der vier Könige des Erik Segersäll Ätten und regierte etwa von 1050 bis 1060. Er war der ältere Halbbruder des vorherigen Königs Anund Jakob, also der uneheliche Sohn von Olof Skötkonung und seiner Liebhaberin Edla (Frilla Edla).

Auch Emund den gamle ist vor allem durch die Aufzeichnungen von Adam von Bremen bekannt, wird aber auch in der Hervarasagan und der Västgötalagens kungalängt genannt, wenn auch die Angaben zu seiner Regierungszeit in den verschiedenen Schriften voneinander abweichen.

Unter den Königen des Segersäll-Geschlechts weiß man über Emund den gamle am wenigsten und vieles, was seine Regierungszeit geht, weicht bei den verschiedenen Autoren erheblich voneinander ab. Nach Snorre Sturlasson soll Emund bereits zwischen 1030 und 1035 regiert haben, wobei man mittlerweile sicher ist, dass diese Angabe nicht zutreffen kann, aber um diese Zeit eventuell Thronfolgestreitigkeiten zwischen Edmund der Alte und Anund Jakob bestanden. Vielleicht hat Snorre Sturlasson auch einfach zwei Könige verwechselte.

Sicher ist jedoch, dass Emund den gamle bei seiner slavischen Mutter aufwuchs und im Gegensatz zu seinem Halbbruder sehr wenig von der neu eingeführten katholischen Lehre (Christianisierung) hielt und aktiv gegen die Priester aus Hamburg-Bremen arbeitete und den englischen Missionar Osmundus, der die griechisch-orthodoxe Lehre predigte, als Bischof einsetzte. Diese Einstellung führte vermutlich auch dazu, dass der König den Beinamen Emund Slemme erhielt, eine negative Bezeichnung, die auf seinen Eigenwillen und seine gierige Art schließen lässt, auch wenn dies natürlich mehr eine Theorie ist als eine sichere geschichtliche Erkenntnis. Slemme bedeutet soviel wie schlecht, unzuverlässig, unwissend.

Man weiß auch nicht genau wann Emund den gamle starb, da die Auswertung aller bekannter geschichtlicher Ereignisse dieser Epoche und die überlieferten Aufzeichnung seinen Tod zwischen 1060 und 1066 wahrscheinlich machen, wobei die Hervararsagan erwähnt, dass  Edmund der Alte nur sehr kurze Zeit König war (Eymundr var litla hríð konungr.), was wiederum bedeutet, dass der König eher 1060 als 1066 starb.

Auch die einzige politisch bedeutende Leistung von Emund den gamle, nämlich die Grenzlegung zwischen dem Sveareich und Dänemark, die bis zum 17. Jahrhundert nahezu unverändert blieb, ist umstritten, da man bei den verschiedenen Autoren der alten Schriften sehr unterschiedliche Angaben hinsichtlich der Vertragspartner findet, was jeder Theorie die Wege öffnet.

Mit dem Tod von Emund den gamle ging die Regierungszeit der alten Königsgeschlechte zu Ende und das Geschlecht Stenkil (Stenkil Ätten) bekam die Macht über Schweden. Ob Stenkil der Schiegersohn von Emund den gamle war, was manche Geschichtswissenschaftler behaupten, ist bis heute nicht geklärt. Als sicher gilt jedoch, dass der König eine Tochter hatte, deren Name jedoch nicht überliefert wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, februari 20

Der Hamburger Bischof Unni in Schweden

Nach Adam von Bremen wollte der Erzbischof Unni im Jahre 935 oder 936 die Arbeit von Sankt Ansgar in Birka fortsetzen. Als er jedoch dort ankam, das um diese Zeit von einem König Ring regiert wurde, fand er keinerlei Zeichen einer Missionierung mehr. Noch bevor er jedoch den Ort erneut für den katholischen Glauben gewinnen konnte, starb er in Birka. Ohne genauere Erklärung schreibt Adam von Bremen dann, dass Unni in Birka begraben worden sei, sein Kopf sich jedoch im Dom in Bremen zu finden sei.

Als man 1814 den Altar des Doms in Bremen abriss, fand man zwar nicht den Kopf des Erzbischofs, jedoch eine Bleiplatte mit der Inschrift "VNNIS ARCHIEP(is)-C(opus)“. Was diese Bleiplatte tatsächlich bedeutet, kann man nicht mit Sicherheit beantworten, denn der „dritte Apostel des Nordens“, wie Unni oft genannt wird und der von der katholischen Kirche auch als Heiliger betrachtet wird, bleibt in vielen Punkten ein Rätsel.

In Birka wurde sehr ausgiebig nach dem Grab Unnis gesucht, jedoch ohne jeden Erfolg. Das einzige Monument, das auf den Erzbischof hinweisen könnte ist ein Grabhügel von 109 Zentimeter Länge und einer Breite von 57 Zentimeter, der allerdings nicht geöffnet wurde. Auf dem zugehörigen Grabstein findet man ein Kreuz, das nach unten stabförmig verlängert ist. Dies ist der einzige Grund, warum die katholische Kirche daran glaubt, dass an dieser Stelle Unni beerdigt wurde.

Aber auch die Geschichte Gotlands spricht von einem Bischof Unni, der sich nach der Gutasagan längere Zeit auf der Insel aufhielt und daher in Gaitkörku begraben sein kann, der vermutlich ältesten Kirche Gotlands, die über die Biskopsgatu (Bischofsstraße) zur Fardhem kyrka führt, die auf einer früheren Holz- oder Stabkirche aufgebaut wurde. Hinzu kommt, dass mehrere Geschichtswissenschaftler und Archäologen überzeugt sind, dass es auch auf Gotland ein Birka gab.

Nach einer dritten Theorie liegt Erzbischof Unni in einem der beiden Sarkophage vor der Husaby Kyrka, wo der Heilige neben Olof Skötkonung begraben sein soll. Nach der Biskopskrönikan (Bischofschronik) ist Unni der erste Missionar des Västergötlands und wurde dort als Heiliger verehrt. Die wenigen Runen, die man auf dem Grabmonument vor der Kirche findet, reichen jedoch nicht aus, um eine klare Aussage über Unni herleiten zu können.

Wenn man dann noch bedenkt, dass nach den katholischen Archiven der Birka Stift aus dem Jahre 845 auch noch Öland, Gotland, Åland und andere Inseln der Ostsee umfasste, so kann man heute keinerlei Schlussfolgerungen ziehen wo der Erzbischof gestorben ist und wo er begraben liegt., selbst dann nicht, wenn man den Aufzeichnungen Adam von Bremens vollen Glauben schenken sollte. Man kann heute davon ausgehen, dass sowohl Ansgar, als auch Gautbert und Unni sich in Schweden aufgehalten haben und einen Anteil an Missionierung des Landes trugen, aber absolut nichts garantiert, dass nur einer der drei tatsächlich in dem Birka am Mälaren wirkte, das über Jahrhunderte hinweg als das Zentrum Schwedens betrachtet wurde und von dem lange behauptet wurde, dass von hier aus die Christianisierung Schwedens stattfand.
Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, februari 7

Brage Boddason, der erste nordische Dichter

Brage Boddason, der eigentlich Bragi hinn gamli (Brage der Ältere) hieß, gilt als der erste nordische Skalde, der im 9. Jahrhundert lebte und dessen Werke vor allem dank Snorre Sturlasson erhalten blieben, der sie rund 300 Jahre später in seinen Werken aufnahm. Man vermutet, dass Brage Boddason aus dem nördlichen Westnorwegen kommt, aber sowohl Island als auch Schweden gut kannte.

Brage Boddasons bedeutendstes Werk, und gleichzeitig das älteste nordische Dokument, ist das Werk „Ragnarsdrápa“, ein Gedicht, das der Skalde dem legendären dänischen König Ragnar Lodbrók widmet und alle legendären Orte der nordischen Mythologie beschreibt, die man heute in der Snorre-Edda entdecken kann.

„Ragnarsdrápa“ wurde von Brage Boddason in Drottkvätt geschrieben, einem altnordischen Versmaß, das als die höchste Ausdrucksform aller nordischen Skalden gilt. Um königlicher Hofdichter zu werden, musste ein Dichter zu jener Zeit Drottkvätt aus dem Stegreif vortragen können. Ein geschichtliches Fragezeichen ist jedoch, dass nicht das Gesamtwerk des Skalden Brage Boddasons überliefert wurde, sondern nur 26 Strophen und Teile einiger anderen, die bei späteren Ausgaben und in der Snorre-Edda teilweise rekonstruiert wurden.

Die tatsächliche Existenz von Brage Boddason kann man dem Skáldetal entnehmen, einem Verzeichnis aus dem 13. Jahrhundert, in dem alle nordischen Skalden verzeichnet wurden. Allerdings war Brage nach diesem Verzeichnis auch Hofdichter für Könige, die nach heutiger Meinung, aus dem Sagenreich stammen. Die bedeutendsten Könige, für die Brage Boddason gearbeitet haben soll, waren Östen Beli, der bisher nicht identifiziert werden konnte, Björn von Håga, der Sankt Ansgar in Birka empfangen haben soll und Ragnar Lodbrók, einem Wikingerkönig, der im Jahre 840 Paris belagert haben soll und in der Wikingerzeit eine wichtige Rolle spielte.

Ab dem 19. Jahrhundert begannen einige Geschichtsforscher an der Existenz von Brage Boddason zu zweifeln, da Brage im 9. Jahrhundert kein Name für eine Person, sondern der Name eines Gottes war und Menschen keine göttlichen Namen tragen durften. Beweisen kann man jedoch weder die Existenz noch die Nicht-Existenz dieses Skalden, so dass das „Ragnarsdrápa“, zumindest theoretisch, auch von jemandem anderen verfasst sein konnte und dann nur einem Gott zugeschrieben wurde um dem Werk einen höheren Wert zu verleihen.

Adam von Bremen, der die Geschichtsschreibung Schwedens über Jahrhunderte hinweg maßgeblich beeinflusst hat, hatte vermutlich noch Zugang zu den Gesamtschriften von Brage Boddason, auf die er dann seine eigenen Werke mit aufbauen konnte. Leider ist völlig unbekannt, ob diese dann später verloren gingen oder aber mutwillig zerstört wurden, weil sie vielleicht das katholische Gedankengut in Frage setzten. Der historische Wert all dieser ersten Aufzeichnungen ist in jedem Fall mit Vorsicht als geschichtliche Forschung zu bezeichnen.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, februari 6

Adam von Bremen und die schwedische Geschichtsschreibung

Adam von Bremen, der auch unter seinem lateinischen Namen Adamus Bremensis bekannt ist, lebte ab 1066 oder 1067 in Bremen, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1095 als Historiker arbeitete. Da er 1069 auch als „magister scolarum“ bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass er in diesem Rahmen auch Lehrer an der dortigen Domschule war. Adam von Bremen arbeitete in jedem Fall für den Erzbischof Adalbert.

Das Hauptwerk des Historikers ist die „Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum“, also die Kirchengeschichte Hamburgs und schildert die Entwicklung des Hamburger Bistums von 788 bis zum Tod des Bischofs Adalbert im Jahr 1072. Auch wenn das Werk vor allem über die großen Dienste Adalberts berichtet, findet man in diesem Buch auch sehr viele Hinweise auf die skandinavischen Reiche, die später ungeprüft und unkritisch in die schwedische Geschichtsschreibung übernommen wurden.

Die Kenntnisse über das skandinavische Leben entnahm Adam von Bremen alten Aufzeichnungen des katholischen Islands, die ihm uneingeschränkt zugänglich waren und die der dänische König Sven Estridsson durch seine Erzählungen und Berichte ergänzte. Aus dieser Zusammenarbeit entstand auch Adam von Bremens geographische Arbeit „De situ Daniae et reliquarum quae trans Daniam sunt regionum natura“ über Skandinavien, das er nie persönlich bereiste.

Inwieweit die Schriften Adam von Bremens als historische Tatsachen genommen werden können, ist äußerst zweifelhaft, da bereits die Schilderungen über das Leben im nahen Dänemark sehr übertrieben wirken.

Die Schweden beschreibt er jedenfalls als extrem reich, so dass von ihnen Gold, Silber, Pferde und Pelze nur als Verbrauchsgut betrachtet werden. Er setzt damit fort, dass die Schweden auch bei Frauen kein Maß kannten, denn jeder Schwede hatte zwei oder drei Frauen und die reicheren Bewohner oder die Hövdinge hatten sogar unzählige.

Adam von Bremen rühmt in seinem Werk die schwedische Gastfreundschaft, die sie keinem Reisenden verweigern. Aber er warnt auch davon, dass Schweden jeden außerehelichen Verkehr oder die Vergewaltigung einer Jungfrau mit dem Tode strafen und damit dem Diebstahl gleichstellen.

Er sieht die Schweden als ein hochentwickeltes, kriegerisches Volk, das dafür verantwortlich ist, dass sämtliche nordischen Länder in Eintracht leben. Ihre Könige reichen weiter zurück als in allen anderen Ländern der Erde, können jedoch jederzeit vom Volk abgesetzt werden. Falls in Schweden ein Krieg entsteht, so rufen sie ihre Götter an, die dann entscheiden wer die Schlacht gewinnen wird.

Die Ausführungen über Skandinavien, und insbesondere über Schweden, sind daher eine seltsame Mischung, die Adam von Bremen vor allem aus den Sagen Islands zusammenstellte, aufgewertet durch Erzählungen einiger Missionare, die ihn reichhaltig mit Legenden versorgten. Die meisten heutigen Geschichtswissenschaftlern können daher nicht verstehen, dass die Werke Adam von Bremens noch im 20. Jahrhundert der Geschichtsschreibung dienten und dass deswegen das Nazideutschland die Wiege des Lebens in Schweden suchte.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, februari 1

Olof Skötkonung, der erste christliche König Schwedens

Obwohl nach der Geschichte der schwedischen Monarchie Erik Segersäll als erster König Schwedens betrachtet wird, gilt für viele Geschichtsschreiber erst sein Nachfolger, Olof Skötkonung, als erster König des Landes, obwohl auch dieser König nur durch die Geschichtsschreibung von Adam von Bremen bestätigt wurde, einem deutschen Geschichtsschreiber, der sich nur auf Erzählungen und Schriften aus zweiter Hand verließ.

Als relativ sicher gilt, dass Olof Skötkonung, der gegen 980 geboren wurde und 1022 starb, nicht nur über das Sveareich am Mälaren herrschte, sondern auch über das Reich um den Vänern, also einen Teil des Västergötland. Nach den Aufzeichnungen von Adam von Bremen begann Olof nach dem Tod seines Vaters Erik Segersäll  im Alter von 15 Jahren zu regieren.

Zu Beginn seiner Regierung lag Olof Skötkonung im Krieg mit dem dänischen König Sven Tveskägg, über dessen Reich Erik, sein Vater, noch regiert hatte. Olof musste Dänemark zurückgeben, gewann jedoch durch die Heirat des dänischen Königs mit seiner Mutter, Sigrid Storråda, einen Verbündeten mit dem er dem norwegischen König Olav Tryggvason besiegen konnte. Durch diesen Sieg erhielt Olof Skötkonung das Bohuslän und das südliche Tröndelag, während der dänische König die südlicheren Teile des heutigen Schweden in Besitz nahm. Allerdings verlor Olof diese Gebiete bereits im Jahre 1015 wieder, als Olav Haraldsson den norwegischen Thron bestieg.

Wie Olof Skötkonung an den christlichen Glauben kam, ist nicht überliefert. Er soll jedoch im Jahre 1008 in der Husaby Källa im Västergötland von einem englischen Missionar Sigfrid getauft worden sein, einem Priester, der dann der erste Bischof des christlichen Zentrums Skara wurde. Nach den jüngsten Forschungen ist jedoch anzunehmen, dass Olof bereits einige Jahre vorher getauft worden war und die Taufe an der Husaby Quelle eher eine Legende ist. Archäologen bauen bei dieser Aussage auf von Olof geprägte Münzen, die bereits Ende des vorhergehenden Jahrhunderts mit einem Kreuz und dem Text „in nomine Domini“ versehen waren. Des weiteren wird der König in verschiedenen Aufzeichnungen von drei verschiedenen Missionaren an nicht weniger als vier verschiedenen Quellen getauft. Zudem weist die Sigfridslegende, die die Husaby Källa (auch S:t Sigfrids Källa genannt) aufführt, mehrere wichtige Fehler auf. Die zahlreichen Touristen, die die legendäre Quelle besuchen, stehen daher vermutlich nicht auf historischem Grund.

Da die Dokumente jener Zeit sehr sparsam mit Zahlen umgehen, ist nicht bekannt wie lange Olof Skötkonung ein wirklich großes Reich regierte, denn nach Adam von Bremen sollen ihn die heidnischen Svear abgesetzt haben und seinen ebenfalls katholischen Sohn Anund Jakob auf den Thron gesetzt haben. Die letzten Jahre soll Olof daher nur noch über ein kleines Reich im Västergötland regiert haben. Nach Snorre Sturlasson dagegen soll er abgesetzt worden sein, weil das Volk der ständigen Kriege mit Norwegen müde war, da sich dadurch die Länder jenseits der Ostsee vom Sveareich lösten. Welche Version stimmt, kann heute nicht mehr gesagt werden, zumal beide Autoren ihre Werke erst lange nach dem Tode des Königs schrieben.

Olof Skötkonung ging jedoch nicht nur deshalb als erster glaubwürdiger König in die schwedische Geschichte ein, weil er eine gewisse Rolle bei der Gründung des Klosters Skara spielte und die schriftlichen Quellen in vielen Punkten als glaubhaft gelten, sondern auch, weil er die ersten Münzen Schwedens in Sigtuna, das sein Vater gegründet hatte, schlagen ließ und einige hundert dieser Münzen noch in Museen zu finden sind. Auf den früheren Münzen kann man lesen „Olof, kung i Sigtuna“, auf den späteren dann „Olof svearnas kung“.

Wo König Olof begraben liegt ist ebenfalls unbekannt, da sämtliche schriftlichen Quellen, die einen Ort nennen, erst im 18. Jahrhundert geschrieben wurden. Als mögliche Grabstätten werden sowohl Husaby und Skara, als auch Linköping genannt. An einer der in Husaby genannten Stellen fanden im 20. Jahrhundert Ausgrabungen statt, die jedoch bewiesen, dass die gefundenen Gräber zu jung waren als dass Olof Skötkonung dort liegen konnte.

Wie Olof zum Namen Skötkonung kam, ist ebenfalls nur zu erraten, da jede der bisher vorgeschlagenen Erklärungen eine Logik beinhaltet. Allein die drei Haupttheorien weichen jedoch so stark voneinander ab, dass man hier keinerlei gemeinsamen Nenner finden kann.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, januari 23

Erik Segersäll, der erste König Schwedens

Offiziell zählt Erik Segersäll (Erich Segersäll), im Altnordischen Eiríkr sigrsæli genannt, als der erste König Schwedens, der zwischen 970 und 995 über das Svealand (damals noch Svitjod genannt), Västergötland und Östergötland regierte und zeitweise selbst Dänemarks Herrscher war. Als Quelle dienen hier, außer den isländischen Sagen auch die Aufzeichnungen von Adam von Bremen, einem deutschen Geschichtsschreiber mit sehr guten Kenntnissen des damaligen Dänemark, der aber Schweden nur von Gerüchten kannte.

Ob Erik Segersäll wirklich existierte und welche Macht er in der Epoche der Wikinger tatsächlich hatte, kann man auf Grund der zweifelhaften Quellen ebenso wenig beweisen wie die Existenz des Geschlechts der Ynglinge (Ynglingaätten), auch wenn sicher ist, dass gegen die Jahrtausendwende einige Könige bereits über eine bedeutende Macht verfügten und Höfdinge nur noch einen relativ geringen Einfluss hatten. Erst der Nachfolger Erik Segersälls, Olof Skötkonung, ist wissenschaftlich bestätigt. Erich Segersäll muss jedoch noch mehr als eine Mischung aus Sagenwelt und Realität betrachtet werden als seine Nachfolger.

Nach den isländischen Sagen und Adam von Bremen, der sich vermutlich auf die Sagen berief, bestieg Erik Segersäll gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Olof den schwedischen Thron. Olof, der sehr früh starb, hinterließ einen Sohn mit dem Namen Björn (später Styrbjörn Store genannt), der nach dem Tode seines Vaters den schwedischen Thron beanspruchte. Erik Segersäll weigerte sich, gab aber Styrbjörn zum Ausgleich 60 voll ausgerüstete Schiffe. Als Styrbjörn, mit Hilfe dieser Schiffe, die Jomswikinger bei Jomsborg an der Odermündung besiegt hatte und vermutlich ihr Führer wurde, war ihm der dänische König Harald Blåtand so dankbar, dass er sich mit ihm verbündete.

Mit Hilfe seiner Verbündeten machte sich Styrbjörn dann 985 auf den Weg ins Uppland um Erik Segersäll zwangsweise abzusetzen. Der Kampf zwischen den Verwandten, der allgemein als die Schlacht bei den Fyrisvallarna (Slaget vid Fyrisvallarna) bezeichnet wird, dauerte drei Tage und endete mit dem Tod Styrbjörns. Da Erich als Sieger aus der Schlacht hervorging, soll er den Namen Segersäll (
Eiríkr inn sigursæli, Erich der Siegreiche) erhalten haben. Ob dieser Kampf je statt fand ist unbekannt. Geschichtlich kann man, genau genommen, nicht einmal nachweisen um welches Uppsala es sich gehandelt haben kann, da dieser Name zu jener Zeit sehr häufig für verschiedene Ansiedlungen war.

Die Sage setzt dann damit fort, dass sich Erik Segersäll an Dänemark, das den Feldzug Styrbjörns unterstützt hatte, rächen wollte, nach Dänemark aufbrach und dort den König Sven Tveskägg vertrieb und von diesem Tag an auch über Dänemark regierte. Da Dänemark zur Zeit der Eroberung bereits christlich war, ließ sich Erik taufen, da dies seine Macht in Dänemark stärkte. Bei seiner Rückkehr nach Gamla Uppsala soll er jedoch zurück zu den Asagöttern gefunden haben.

Da Sigtuna, das gegen 980 gegründet wurde und Birka ersetzte, gilt Erich Segersäll als der Gründer von Sigtuna, was jedoch ebenso wenig bewiesen werden kann wie die Eroberung Dänemarks oder seine tatsächliche Existenz, aber als geschichtlich betrachtet wird. Dies liegt vor allem daran, dass die geschichtlich anerkannte Königsfolge der offiziellen Königslinie des schwedischen Königshauses folgt, nach der Erik Segersäll als ersten König Schwedens bezeichnet wird.

Weitere Zweifel an der Existenz von Erik tauchen auf, wenn man in den verschiedenen Dokumenten nach seiner Ehefrau sucht, da er nach den isländischen Sagen und der Gesta Danorum von Saxo Grammaticus mit Sigrid Storråda verheiratet war, nach Adam von Bremen mit der polnischen Prinzessin Gunhild (Świętosława) und nach der Ingvar den vittfarnes saga mit Aud Håkansdotter. Keine der Ehen kann in irgend einer Weise geschichtlich bestätigt werden.

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